“Werkauswahl Gerhard Branstner in 10 Bänden”

trafo verlag 2003/2004,   Gesamtausgabe Band 1-10 = ISBN 3-89626-440-0

 

(Stand: 10.03.2006)

 

Sammelrezension zu den Bänden 1, 2, 7, 9 

 

Vorbemerkung zur Werkauswahl

 

Die mit den "Bommelanten" eröffnete Werkauswahl ist gewiß das Tollste, was es je in der Weltliteratur gegeben hat und gibt. Allein die Titelliste sagt genug:

Band 1. Die Bommelanten auf der Reise zum Stern der Beschwingten                                                                          REZENSION

(Ein utopisches Volksbuch)                

ISBN 3-89626-441-9, 14,80 EUR lieferbar

 

Band 2. Wie Fritz den Teufel erschlug. Kleine Anekdotenbibliothek

(1. Anekdoten in der orientalischen Manier, 2. Anekdoten in der Art der Kalendergeschichte, 3. Philosophische Kurzanekdoten, 4. Utopische Anekdoten)

ISBN 3-89626-442-7, 16,80 EUR  lieferbar

 

Band 3. Plebejade. Grobianischer Renaissanceroman

(Grobianischer Renaissanceroman in der Art des Francois Rabelais)

ISBN 3-89626-443-5, 14,80 EUR  lieferbar 

 

Band 4. Die Zweite Menschwerdung. Überlebensphilosophie

(Philosophische Traktate, Essays, Glossen und Briefe)

ISBN 3-89626-444-3, 25,80 EUR  lieferbar

 

Band 5. Das Schwitzbad.

(1. Die entzauberte Kirke (Musical), 2. Der Himmel fällt aus den Wolken (Eine göttliche Posse), 
3. Der Talisman (Komödie) 4. Schnaken (Dörfliches Lustspiel), 5. Das Schwitzbad (Eine satirische Groteske))

ISBN 3-89626-445-1, 19,80 EUR lieferbar

 

Band 6. Der Esel als Amtmann 

(Tierfabeln / Reime und Sänge )   

ISBN 3-89626-446-X, 13,80 EUR lieferbar

 

Band 7. Der Sternenkavalier

(Phantastischer Reiseroman)

ISBN 3-89626-447-8, 11,80 EUR  lieferbar

 

Band 8. Spruchsäckel

(Sprüche, Sprichwörter, Aphorismen)

ISBN 3-89626-448-6, 7,80 EUR  lieferbar

 

Band 9. Vom Himmel hoch

(Utopische Lügengeschichten)

ISBN 3-89626-449-4, 11,80 EUR  lieferbar

 

Band l0. Die Weisheit des Humors

(Bibel der Weltweisheit, ein Hausbuch)

ISBN 3-89626-450-8, 18,80 EUR   lieferbar

 

 

Zum Sinn der Werkauswahl

 

Die zehn Bände enthalten über 50 Genres. Der bis jetzt als der universellste Dichter geltende Goethe hat nicht die Hälfte der Genres zu bieten. Wichtiger als die Universalität ist jedoch die Heterogenität. Noch nie hat ein Dichter so unterschiedliche Genres in seiner Produktion vereinigt. Was dem Leser ein Genuß ist, war dem Dichter unmöglich. Bis jetzt. Jetzt nicht mehr. Aber noch bedeutender als die Heterogenität ist das Bild, daß uns die Werkauswahl von dieser Welt gibt. Es ist das wahrste und das kritischste Bild, weil es an der Gegenwelt gemessen wird. Diese Gegenwelt ist eine vollständige, in sich geschlossene Welt, voller menschlichem Reiz. Und zugleich von bezwingender Logik. Eine einmalige Erscheinung in der Weltliteratur.

Der Autor hat in 45 Jahren etwa 40 Bücher geschrieben. Gut zwei Dutzend literarische und gut ein Dutzend wissenschaftliche. Epik, Lyrik, Dramatik und Theorie, wie es sich für einen Klassiker gehört. Aber was für ein Klassiker?

Dazu eine Leserstimme: Ich lese Branstner lieber als Goethe, aber ein Klassiker kann er wohl nicht sein, denn ich muß bei ihm öfter lachen als bei Goethe.

An die 40 Bücher hat Branstner geschrieben, aber in keinem hat er auch nur eine Zeile ändern müssen. Nicht in den ältesten und nicht in den jüngsten Werken. Auch kennt sein Schaffen nicht die unvermeidlichen Entwicklungsphasen. Branstner hat von Anfang bis heute in derselben Methode geschrieben, nach der Methode der Heiteren Verstellung. Das ist die Methode der dialektischen Aufhebung des Ernstes in Heiterkeit. Und in Zeiten der Menschheitsgeschichte, die ungehörig sind, ist das die Methode der unbotmäßigen Heiterkeit. Der systemsprengenden Heiterkeit. Daß seine Methode von allgemeiner Gültigkeit ist, bewies Branstner, indem er sie in allen wichtigen Gattungen anwandte.

Nach 20 Jahren Vorbereitung und 20 Jahren Anwendung hielt er Zweck und Ziel seines Schaffens inhaltlich und in der Methode für erfüllt und hörte auf zu schreiben. Das war Ende der achtziger Jahre. Auch das ist einmalig in der Welt der Literatur.

Mit der "Wende" sah Branstner sich gezwungen, wieder zu schreiben, diesmal politische Philosophie. Auch in diesem Berufe leistete er das absolut Gültige und begründete in Fortsetzung des bisherigen Schaffens acht Wissenschaften. Diese sind

 

1. Das Naturgesetz des Menschen

(Superdarvinismus: Der Mensch ist gesellschaftliches Wesen nur, um das höchste Wesen der Natur zu werden)

 

2. Die soziologische Transfermatik

(Die spezifischen Kreativitäten der Arbeitsteilung erhalten in der synthetischen Kreativität ihre höchste Potenz)

 

3. Gegenwelt

(Philosophie der Geschichte als Uberlebensmittel)

 

4. Das Spiel als historisches Wesen des Menschen

(Die auf das Spiel mit ihr eingerichete Gesellschaft macht die Arbeit zum Spiel, wodurch sie erstes Lebensbedürfnis wird)

 

5. Das Prinzip Gleichheit

(Durch die wirkliche Gleichheit des Eigentums an den Produktionsmitteln wird der Mensch zum Gleichen unter Gleichen und damit endlich frei)

 

6. Das System Heiterkeit

(Die Heiterkeit als Form und Funktion der Freiheit ist das schöne Wesen des Menschen und folgt dem Gesetz der Negation der Negation)

 

7. Witz und Wesen der Lebenskunst

(Anstand ist, sich in die Lage des anderen zu versetzen oder die Zweite Menschwerdung)

 

8.Das eigentliche Theater

(Die Theaterwissenschaft wird erst dann zur Wissenschaft, wenn sie die Entwicklungsgesetze und Funktionsgesetze des Theaters aufdeckt. Und dann wird die Kunst zur Vorahmung des Spiels mit der Wirklichkeit, ihrer höchsten Funktion.)

 

Das ist das erste Mal, daß ein Wissenschaftler das menschliche Leben in seinen wesentlichen Dimensionen erfaßt, von der Natur bis zur Kunst.

Noch einmaliger, nämlich absolut einmalig aber ist es, daß Branstner der bedeutendste Literat und der bedeutendste Philosoph der Jetztzeit in Personalunion ist. Dichter und Denker dieser Potenz in einer Person hat es noch nie gegeben. Daher hat es auch das Resultat noch nie gegeben. Allein die Liste der von ihm begründeten Wissenschaften zeigt, daß der Dichter in ihm die Wissenschaft auf bisher ungesehene Gegenstände bringt, ihre andere Behandlung bedingt und andere Ergebnisse zeitigt. Wie umgekehrt der Denker die Literatur auf andere Wege bringt.

Wer nun meint, daß dass doch wohl etwas übertrieben sei, dem sei im Gegenteil gesagt, daß da noch untertrieben wurde. So wurde nicht gewürdigt, daß Branstner echte Volkslieder schrieb und auch vertonte. Volkslieder aber, meinte der wirklich kluge Herder, könnten nur anonym entstehen, nicht aber von einem Autor geschaffen werden. Immerhin wurden und werden Branstners Volkslieder mit Erfolg gesungen, so zum Beispiel von Marianne Wünscher im großen Haus der Volksbühne, wo eines 56 Sekunden Beifall erhielt. Auch Sprüche entstehen im Volke und können nur gesammelt und nicht geschrieben werden. Branstner schreibt welche, auch wenn er der einzige ist, der das kann. Nicht gewürdigt wurde auch, daß von Branstner im neuen Theater Halle eine literarisch-musikalische Revue 7 Jahre vor vollem Hause lief. Und sie starb nicht des natürlichen Todes, nämlich an Zuschauerschwund, sondern weil die Schauspieler an andere Theater wechselten. Nicht gewürdigt wurde auch die utopische Anekdote. Die Anekdote reflektiert ja etwas Vergangenes. Auf Zukünftiges wie auf etwas Vergangenes blicken ist wohl eine Kunst, die nur Branstner kann. Und schließlich wurde die Tierfabel nicht gewürdigt, die laut Georg Lukacs ganz unmöglich ist, da die Welt zu kompliziert geworden sei, um sie noch in so kurzen Formen darstellen zu können. Das haben Branstners Tierfabeln wiederlegt, die in wenigen Jahren eine Gesamtauflage von über hunderttausend Exemplaren erreichten, ein absoluter Weltrekord. Als Branstner 1950 an der ABF Jena gefragt wurde, welchen Beruf er wählen wolle, sagte er: Gesellschaftskritiker. Das war damals ein riskantes Bekenntnis. Wenn Branstner auch das Riskante nicht liebt, so kann es ihn auch nicht schrecken. Er wußte von Anfang an von den Gefährdungen dieses Berufes und kalkulierte sie von Anfang an ein. Wenn der alte Ludwig Feuerbach sagt: Wer die Fackel der Wahrheit durch die Menge trägt, wird manchen Bart versangen, so wußte Branstner es besser: Wer die Fackel der Wahrheit durch die Menge trägt, läuft Spießruten und kriegt von allen Seiten Haue: Das hat ihn weder irritiert noch die Laune verdorben. Er war und ist der streitbarste und heiterste Dichter und Denker, der feinsinnigste und der gröbste, der tiefsinnigste und der vergnüglichste, der naheste und der fernste.

Doch nun sieht Branstner endgültig Zweck und Ziel seines Schaffens erreich und hält es für angebracht, die wichtigsten Bestandteile in geordneter Form dem Publikum vorzulegen.

 

6. März 2003

 

Gerhard Branstner