[= Spurensuche. Vergessene Autorinnen wiederentdeckt, Bd. 1], trafo verlag 2002, 298 S., zahlr. Dok. und Fotos, ISBN 3-89626-335-8, 24,80 EUR
Der Literat 10/2002, S.
21,
Rez. v. Birgitta M. Schulte
Auszug: “Endlich ein ausführlicher Führer durch das
Werk Ilse Langners, nach engmaschiger Recherche und vor dem Hintergrund
profunden Wissens über die deutsche Nachkriegsliteratur geschrieben! Mit
bemerkenswerter Kenntnis der asiatischen Literatur beurteilt Monika Melchert
auch die Arbeiten der Darmstädterin, die auf deren Reisen nach Japan und China
beruhen. Die Interpretationen der einzelnen Dramen, Romane und Essays sind
chronologisch aneinandergefügt und zeigen schlüssig auf, wie Ilse Langner ihre
Themen "Frau und Krieg", "Frau und Gesellschaft", "Frau
und Geschichte" fortschrieb. Es ist der rote Faden eines Lebens, der den
roten Faden dieses Buches ausmacht.
Monika Melchert präsentiert eine Vielzahl an
Fundstücken, die bisher nicht verfügbar waren, so zu Beispiel einen Brief Ilse
Langners an den Kritiker Alfred Kerr, der ihr erstes Stück "Frau Emma
kämpft im Hinterland" (1928) das "erste Antikriegsstück einer
Frau" nannte und engagiert rezensiert hatte. "Da aber Kampf sein
muss," schreibt Ilse Langner, "denn ich lebe ja ganz gwgenwärtig im
heute, - streite ich nach wie vor für die Frauen.
"Frauen, Frauen, Frauen möchte ich auf die Bühne bringen, doch leider
sind die Theater zu dieser Art Stücke noch nicht zu bekehren." Solch ein
Bekenntnis zum Frauenblick und auch zur Frauenbewegung war in dieser
Deutlichkeit bisher nicht veröffentlicht. Ilse Langner hatte den Blick auf ihr
Werk und seine Rezeption selbst gelenkt ("mein Thema und mein Echo",
Darmstadt 1979). Nun belegt Monika Melchert mit aussagekräftigen Einzelheiten,
dass Ilse Langners drittes Stück über die Gründerin der Sekte Christian
Science „Die Heilige aus USA" wirklich ein Theatererfolg war. Es wurde
22mal gespielt in einer Inszenierung, die so auch heute auf die Bühne könnte....
die Ostberlinerin Melchert [arbeitet] sehr verdienstvoll Parallelen zum Werk
Christa Wolfs und Irmtraud Morgners heraus. Christa Wolf und Ilse Langner haben
beide immer wieder Stoffe des antiken Mythos herangezogen, um die Position der
Frau in der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts zu reflektieren, ihr Verhältnis
zum Mann als Kontrapunkt oder Konkurrent im Arbeitsprozess, als Geliebten und
Ehemann. Und beide sind sie darin zur Meisterschaft gelangt.