Dr. Matthias John

Matthias John, Dr. phil., geboren 1952 in Meißen, studierte Geschichte der Arbeiterbewegung an der Karl-Marx-Universität; sein Studium schloß er im Jahre 1975 mit dem Diplom ab. Fünf Jahre später promovierte er an derselben Universität mit einer Dissertationsschrift zum Thema: Karl Liebknecht als Berliner Stadtverordneter. In den Jahren 1975 bis 1991 war er zunächst befristeter, sodann unbefristeter Assistent an der Alma mater lipsiensis. Von 1989 bis 1991 nahm er eine Habil-Aspirantur wahr (Thema: Zur Soziologie der Führungselite der preußischen Sozialdemokratie), die im Dezember 1991 kurz vor Fertigstellung der Arbeit abgebrochen werden mußte. Im Verlaufe des Jahres 1991 wurde er mit dem Ergebnis „sehr förderungswürdig“ evaluiert, danach beschäftigungslos. In den Jahren 1993 bis 1995 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Rat der Stadt Leipzig (Thema: Geschichte der deutschen Versicherungsämter), hinterher erneute Arbeitslosigkeit. Zwischen 1993 und 1997 sowie 1999 erteilte ihm das Institut für Politikwissenschaft an der Universität Leipzig mehrere Lehraufträge. 1997/98 erschloß er am Sächsischen Staatsarchiv Leipzig Teile des Bestandes „SED-Bezirksleitung Leipzig“. von Juni 1998 bis Oktober 2001 war er verantwortlicher Bearbeiter des VW-Projektes „Sachthematisches Inventar zur sächsischen Pressegeschichte von den Anfängen bis 1945“. Seitdem erneut arbeitslos.

Zu seinen langjährigen Forschungsgebieten gehören die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung; die Soziologie der Führungselite der preußischen Sozialdemokratie; die Biographik der deutschen Sozialdemokratie und die Historie der sozialdemokratischen Kommunalpolitik.  In den letzten Jahren kamen die Geschichte der deutschen Versicherungsämter und die sächsische Pressegeschichte hinzu. In der Lehre unterrichtete er in den vergangenen Jahren u.a. zu folgenden Themen: Europäische Faschismen im Vergleich; Nationalitätenkonflikte in Ost- sowie Südosteuropa und die Geschichte der internationalen Beziehungen.

 

 

 

 

 

Publikationen

Publikationen in der trafo Verlagsgruppe

Reihe „BzG - Kleine Reihe Biographien"

Band 4: John, Matthias: „Ferdinand Bender (1870–1939). Sein Weg vom Anarchisten zum Gewerkschafter", 2005, 137 S., zahlr. Abb., Tb, ISBN 3-89626-399-4, 12,80 EUR

Band 5: John, Matthias: „Ausgewählte Briefe führender Sozialdemokraten an Konrad Haenisch und dessen Briefe an Dritte", 2005, 150 S., zahlr. Faksimile, ISBN 3-89626-410-9, 14,80 EUR

Band 8: John, Matthias: „Im Geruch eines Bombenwerfers – Johann Most und seine Beziehung zur Glauchauer Sozialdemokratie", 2007, 122 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-89626-510-4, 11,80 EUR

Band 25: John, Matthias: „Max Vogler (*13. Juni 1854 in Lunzenau, † 7. Oktober 1889 in Lunzenau). Fragmente eines verschollenen Werkes", 2012, 202 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-86464-011-7, 16,80 EUR

 

Reihe „BzG – Reihe Quellen, Dokumente und Inventare zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung"

Band 1: John, Matthias (Hrsg.): „Sachinventar zur Sozialgeschichte der Stadt Glauchau unter Berücksichtigung der örtlichen Arbeiterbewegung", 2007, 160 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-89626-511-1, 22,80 EUR

Band 2: John, Matthias (Hrsg. u. Bearb.): „Sachinventar zur Sozialgeschichte der Stadt Lunzenau unter Berücksichtigung der örtlichen Arbeiterbewegung", 2012, 106 S., ISBN 978-3-86464-010-0, 19,80 EUR

 

Reihe „Leipziger Beiträge zur Pressegeschichte"

Band 1: John, Matthias: „Zeitungsdruckereien in Mittelsachsen und im Muldental – Arbeiter, Arbeitsalltag und -bedingungen. Mit einem Anhang: Die aus dem Jahre 1942 stammende Fotodokumentation der Grimmaer Druckerei Bode", 2010, 224 S., zahlr. Fotos, ISBN 978-3-89626-845-7, 34,80 EUR

Band 2: John, Matthias: "Pressekonzentration in Sachsen während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Beispiel der Stadt Thum", 2012, [= Leipziger Beiträge zur Pressegeschichte, Band 2], 111 S., 22 Abb., ISBN 978-3-86464-019-3, 19,80 EUR

Band 3 - In Vorbereitung: John, Matthias: „Archivalische Quellen zum Frühzentrum der oppositionellen Presse in Sachsen – Grimma. Drei Bände", 2012, [= Beiträge zur Pressegeschichte, Bd. 3], ca. 1200 S., zahl. Abb., ISBN 978-3-89626-850-1

Band 3.I: „Regesten zur Grimmaer Zensur- und Presseschichte mit einem Abriss des dortigen Zeitungswesens von den Anfängen bis 1945 – die sachthematischen Akten des in den Fluten des Jahres 2002 versunkenen Stadtarchivs", 2012, ISBN 978-3-89626-851-8, Einzelband ca. 70,00 EUR

Band 3.II: „Regesten zur Grimmaer Zensur- und Presseschichte mit einem Abriss des dortigen Zeitungswesens von den Anfängen bis 1945 – die sachthematischen Akten des in den Fluten des Jahres 2002 versunkenen Stadtarchivs", 2012, ISBN 978-3-89626-852-5, Einzelband ca. 70,00 EUR

 

„Das Tagebuch des Buchdruckerlehrlings Friedrich Anton Püschmann während der Revolution von 1848/49 und der Restaurationsepoche von 1850 bis 1856", 2015, drei Bände, zus. 1208 Seiten, zahlreiche Abb.

 

Handbücher zur SPD-Geschichte

John, Matthias: „Biographisches Handbuch zur Geschichte der Berliner Sozialdemokratie in der Spätwilhelminischen Ära in drei Bänden", 2011, zus. 592 S.

Die Einzelbände:

• Band I: Arons – Hunschede, 206 S., ISBN 978-3-89626-991-1, 39,80 EUR

• Band II: Janke – Zucht, 204 S., ISBN 978-3-89626-992-8, 39,80 EUR,

• Band III: Führende Vertreter der Berliner Sozialdemokratie in der Spätwilhelminischen Ära im Spiegel zeitgenössischer Fotos, Stiche und Dokumente. Anhang: Quellen- und Literaturverzeichnis sowie Indexe zum Gesamtwerk", 182 S., mehr als 100 histor. Fotos und Abb., ISBN 978-3-89626-993-5, 39,80 EUR

 

John, Matthias: „Organologisches Handbuch zu den sozialdemokratischen Funktionsträgern im Spätwilhelminischen Berlin in vier Bänden", 2012, zus. 1500 S., Gesamtpreis 210,00 EUR

Die Einzelbände:

• Band I: Die acht Großberliner Reichtagswahlkreise, 260 S., ISBN 978-3-86464-021-6, 44,80 EUR

• Band II: Die Ortsvereine Adlershof bis Mittenwalde, 386 S., ISBN 978-3-86464-022-3, 59,80 EUR

• Band III: Die Ortsvereine Motzen bis Zühlsdorf, 416 S., ISBN 978-3-86464-023-0, 59,80 EUR

• Band IV: Gesamtregister der Bände I bis III, 435 S., ISBN 978-3-86464-028-5, 59,80 EUR

 

Weitere Titel

John, Matthias: „Marginalien zum 600jährigen Jubiläum der Universität Leipzig. Drei Beiträge zu akademischen Freiheiten, zu Forschungen über den Sozialreformismus und zu einem Wissenschaftlerranking in den siebziger/achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts", 2009, 143 S., zahlr. Dok., ISBN 978-3-89626-662-0, 14,80 EUR

John, Matthias: „‚Wenn heut‘ ein Geist herniederstiege‘ – die Napoleonische Herrschaft und die Befreiungskriege im Spiegel der sozialdemokratischen Presse von 1913", 2012, 155, 26 Abb., ISBN 978-3-89626-751-1, 26,80 EUR

John, Matthias: „Die Anwälte Karl und Theodor Liebknecht mit einer vollständigen Dokumentation ihrer Prozesse", 2014, 222 Seiten, zahlr. Abb., ISBN 978-3-89626-072-8, 34,80 EUR

In Vorbereitung: John, Matthias: „Die Söhne Wilhelm Liebknechts (1826–1900) im Spiegel seines Briefwechsels mit führenden Sozialdemokraten", 2016, ca. 100 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-89626-835-8

 

Änderungen und Irrtümer vorbehalten

 

1. Weitere Eigenständige Publikationen von Matthias John

- Höhere Bildung in Leipzig. Karl Liebknecht als Nicolaitaner und Studiosus, Leipziger Universitätsverlag 1998.

- Karl Liebknecht in Leipzig. Hrsg. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, GNN Verlag Sachsen GmbH, Leipzig/Schkeuditz 1999.

- Regesten zur Leipziger Pressezensur - die Bücherkommission. Erscheint Mitte 2003 in der vom K.-G.-Saur-Verlag München herausgegebenen Reihe ”Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung” bzw. in der vom Leipziger Universitätsverlag herausgegebenen Reihe "Leipziger Kalender".

 

2. Herausgabe bzw. Redaktion von eigenständigen Publikationen anderer

- Im heute ist das gestern lebendig (Zu historisch bedingten kulturell-geistigen Elementen nationaler Konfliktpotentiale in Ost- und Südosteuropa). Texte zur poltischen Bildung, H. 26. Hrsg. v. d. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen; GNN Verlag Sachsen/Berlin GmbH, Leipzig/Schkeuditz 1998.

 

3. Mitautor von bzw. Mitarbeit an Büchern

- Berühmte Leipziger Studenten, Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1984 (2. Auflage: 1989). Darin: Karl Liebknecht, Student der Rechte und Cameralwissenschaften, S. 143–149.

- Geschichte der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung, Band 1: Von den Anfängen bis 1917, Dietz Verlag 1987. Darin: Sechstes Kapitel
      (1900 bis 1910), S. 442 bis 499 und siebentes Kapitel (1910 bis 1914), S. 500–562.

- Karl Liebknecht (1890). In: Leipzig. Ein Städte‑Lesebuch. Hrsg. von Esther Gallwitz (=Insel‑Taschenbuch 1089), Frankfurt am Main 1989, S. 495–497.

- Biographien bedeutender Dortmunder. Menschen in, aus und für Dortmund. Im Auftrage des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark. Hrsg. von Hans Bohrmann, Band 1, Dortmund im Verlage des Historischen Vereins Dortmund 1994. Darin: Klupsch, Franz, S. 69–73 und Lex, Anna (geborene Clocke), S. 83–86.

- Biographisches Handbuch zu den Vorläuferorganisationen der ÖTV. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rüdiger Zimmermann, Union‑Druckerei und Verlangsanstalt Frankfurt/ Main 1996. Darin: Biographische Skizzen über Ida Baar, Ferdinand Bender und Oswald Grauer sowie Mitarbeit an weiteren Biographien.

- Konrad Hänisch – seine Lehrjahre an der "Leipziger Volkszeitung". Eine Dokumentation. In: "Natürlich – Die Tauchaer Straße!" Hrsg. von Jürgen Schlimper, GNN‑Verlag Leipzig/Schkeuditz 1997.

- Hugo Haase. Sein Leben und Wirken. Hrsg. von Dieter Engelmann und Horst Naumann unter Mitarbeit von Matthias John und Michael Rudloff, Verlag Neue Wege Berlin 1999.

- Biographien bedeutender Dortmunder. Menschen in, aus und für Dortmund. Im Auftrage des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark. Hrsg. von Hans Bohrmann, Bd. 3, Klartext Verlag, Dortmund 2001. Darin: Haenisch, Konrad, S. 84–91 und Ruschitzka, Georg, S. 161–163.

 

4. Beiträge in Jahrbüchern

-     Karl Liebknechts Tätigkeit in Ausschüssen der Berliner Stadtverordnetenversammlung. In: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Siebenter Band, Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar 1979, S. 92–120.

-     Karl Liebknecht – ein bedeutender Student der Leipziger Universität. In: Leipzig. Aus Vergangenheit und Gegenwart. Beiträge zur Stadtgeschichte 1, VEB Fachbuchverlag Leipzig 1981, S. 189–205.

-     Karl Liebknecht im "Roten Rathaus". Sein Wirken in ständigen und zeitweiligen Ausschüssen sowie in Deputationen der Berliner Stadtverordnetenversammlung 1901 bis 1913. In: Jahrbuch für Geschichte, Band 25, Akademie-Verlag Berlin 1982, S. 215–257.

-     Die Zeit war reif, der "Kompromisselei mit der bürgerlichen Gesellschaft" ein für allemal ein Ende zu bereiten. Zu einem bisher unbeachtet gebliebenen Kapitel opportunistischer Kommunalpolitik. In: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Elfter Band, Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar 1984, S. 59–84.

-     Berlin als Zentrum der sozialistischen Arbeiterbildung. Zur bildungspolitischen Diskussion von 1905/06 und ihren Ergebnissen. In : Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte. Dreißigster Band ( Neue Folge Band 15 ). Jahrgang 1987, Akademie-Verlag Berlin 1987, S. 61 ‑ 105.

-     Karl Liebknechts Tätigkeit als recherchierender Stadtverordneter für das Berliner Schul- und Waisenwesen. In: Jahrbuch für Erziehungs- und Schulgeschichte, Jahrgang 27/1987, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1987, S. 143–160.

-     Großberlin im Sommer 1913. Zur Situation in der Berliner Sozialdemokratie am Vorabend des Ersten Weltkrieges und zu ihrer Stellung gegenüber der Reichstagsabstimmung vom 30. Juni 1913. In: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Band 16/I. Teil, Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar 1989, S. 127–146.

-     ”Sie wollen Dortmund verlassen! ... Das wäre ein schwerer Schlag”. Der Lebensweg von Konrad Haenisch. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark, Bd. 89, Klartext Verlag, Essen 1998, S. 185–235.

-    Ein Sachinventar zur sächsischen Pressegeschichte. In: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte. Hrsg. von Holger Böning, Arnulf Kutsch und Rudolf Stöber, Franz Steiner Verlag Stuttgart, Stuttgart 2000, S.209–229.

 

5. Artikel in Fachzeitschriften

-     Karl Liebknecht zu einigen Fragen des Städtebaus und der kapitalistischen Stadt. In: Sächsische Heimatblätter. Wissenschaftliche Heimatzeitschrift für die Bezirke Dresden, Karl‑Marx‑Stadt und Leipzig, 23. Jahrgang, Heft 1/1977, S. 8– 15.

-     Karl Liebknecht über die Zentralisierung des Polizeiwesens im System des deutschen Militarismus. In: Militärgeschichte, 16. Jahrgang, Heft 1/1977, S. 69 bis 73.

-     Karl Liebknecht als Student an der Leipziger Universität. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Jahrgang 23, Heft 4/1981, S. 556– 561.

-     Anna Lex – eine bedeutende Vertreterin der westfälischen Frauenbewegung. In: Frauen in der Geschichte. In: Zeitschrift des Vereins "Frauen in der Geschichte" e.V. Leipzig, Heft 1/1994, S. 66– 71.

-     Die Zeitungspresse Sachsens von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Bestandsverzeichnis und Dokumentation. In: Informationsmittel für Bibliotheken (IFB), Beiheft 7: Zeitungen verzeichnen und nutzen. Aktuelle Ansätze und Unternehmungen zur bibliographischen und archivalischen Beschreibung und Nutzung deutschsprachiger Zeitungen. Hrsg. v. Hans Bohrmann und Wilbert Ubbens, Deutsches Bibliotheksinstitut, Berlin 1998, S. 112–118.

-     Das Sachinventar als Baustein für eine Quellenkunde zur sächsischen Presse. In: Ebenda, S. 161–173.

-     Biographische Skizzen. Zwei wenig beachtete sozialdemokratische Frauen: 1. Die schwierige Biographie der Ida Baar, einer führenden Funktionärin in der Handlungsgehilfen- und Hausangestelltenbewegung um die Jahrhundertwende. 2. Anna Lex – eine bedeutende Vertreterin der westfälischen Frauenbewegung. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 42. Jahrgang, H. 1/2000, S. 92–101.

-          Konrad Haenisch (1876-1925). Laufbursche bei der ”Leipziger Volkszeitung” – Redakteur in Dortmund – preußischer Kultusminister. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 43. Jahrgang, Heft 1/2001, S. 55–69.

-          Franz Mehrings Briefe an Konrad Haenisch (Auswahl). In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 43. Jahrgang, Heft 4/2001.

 

6. Beiträge in Protokollbänden

 -          Die Berliner - Konsumvereinsbewegung bis 1910 unter besonderer Berücksichtigung ihres Verhältnisses zur Sozialdemokratie. In: Protokolle
       und Informationen. Studien Analysen, Berichte, Heft 3/1987. Herausgegeben vom Wissenschaftlichen Rat für Sozialpolitik und Demographie,
       S. 22–31.

 

7. Forschungsberichte und Rezensionen

-          Rezension zu: Provinzialisierung einer Region. Regionale Unterentwicklung und liberale Politik in der Stadt und dem Kreis Konstanz im 19. Jahrhundert. Untersuchungen zur Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft in der Provinz. Hrsg. von Gert Zang, Frankfurt/Main 1978. In: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Zehnter Band, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1983, S. 262– 266.

-          Schriftenreihe zur Berliner Geschichte. Ein Forschungsbericht über die Veröffentlichungen der "Interessengemeinschaft für Denkmalpflege, Kultur und Geschichte der Hauptstadt Berlin" im Kulturbund der DDR. In: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Band 15/II. Teil, Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar 1988, S. 257– 272.

-          Rezension zu: Archiv für Kommunalwissenschaften, 23. Jahrgang, Zweiter Halbjahresband, Stuttgart 1984. In : Ebenda, S. 327– 331.

-          Rezension zu: Heinrich Pehle: Kommunale Entscheidungsstrukturen in Schweden und Deutschland. Vier Fallstudien zum Stellenwert kommunaler Außenpolitik bei Verkehrsinvestitionen (= Beiträge zur Kommunalwissenschaft. Interdisziplinäre Reihe, Band 17), München 1985. In: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Band 16/I. Teil, Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar 1989, S. 283– 285.

-          Rezension zu: Gilbert Cassasus: Kommunalpolitik in Penzberg und Saint-Fons. Ein Vergleich der Gemeindepolitik der deutschen
      Sozialdemokraten und der französischen Sozialisten (= Beiträge zur Kommunalwissenschaft. Interdisziplinäre Reihe, Band 16), München 1985.
      In: Ebenda, Band 16/II. Teil, Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar 1989 (1990), S. 284–286.

 

8. Artikel in Zeitungen und Zeitschriften

Zahlreiche Artikel in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem in der "Neuen Berliner Illustrierten", der "Berliner Zeitung", der
"Leipziger Volkszeitung", Leipziger "Universitätszeitung" und in ”Leipzigs Neue”.

 

9.  Arbeit an weiteren Publikationen bzw. größeren Projekten, die auf Grund der Zeitumstände bislang nicht abgeschlossen werden konnten

Von Mitte der achtziger bis Mitte der neunziger Jahren wurden von mir umfangreiche wie auch äußerst zeitaufwendige Archiv‑ und Bibliotheksstudien betrieben, die der Vorbereitung einer dreibändigen Geschichte der preußischen Sozialdemokratie galten. Im einzelnen waren folgende Bände geplant:

1.  Historisch-kritisches Handbuch zur Führungselite der preußischen Sozialdemokratie.

2.  Historisch-kritisches Handbuch zum Funktionärskörper und zur Sozialstruktur der preußischen Sozialdemokratie.

3.  Monographie über die Soziologie der preußischen Sozialdemokratie.

Für das historisch-kritische Handbuch zur Führungselite der preußischen Sozialdemokratie lag von Seiten des K. G. Saur Verlags (München) als auch von Seiten des Droste Verlages (Düsseldorf) ein verlegerisches Interesse vor. Allerdings mußte das zuletzt im Rahmen der Habil-Aspirantur verfolgte Projekt kurz vor dessen Fertigstellung abgebrochen werden.

Überdies wurde bzw. wird seit einigen Jahre an zwei grösseren Publikationsvorhaben mitgearbeitet:

1.      Dortmunder Biographie. Hrsg. vom Historischen Verein für Dortmund und der Mark (verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. Hans Bohrmann, Direktor des Instituts für Zeitungsforschung Dortmund). Dafür sollten im Verlaufe der nächsten Jahre noch weitere acht weitere Biographien erarbeitet werden.

2.      Altpreußische Biographie (verantwortlicher Redakteur: Dr. Brausch, Freiburg/Br.). Hier sollten für die vierte Lieferung zahlreiche Lebensbilder preußischer Sozialdemokokraten rekonstruiert werden.

 

10. Die für die nächsten Jahren geplanten Publikationsvorhaben

1. Band: Regesten zur Leipziger Pressezensur - die Bücherkommission. Obwohl der im Leipziger Stadtarchiv überlieferte (Teil-)Bestand ”Bücherkommission”1 bereits 1911 sowie 1930 Dissertationen zugrunde gelegt2 und Ende der fünfziger Jahre durch eine Kartei inhaltlich ausgewertet wurde3, blieb bisher weitgehend unbeachtet, daß darin auch wichtige Quellen zur Pressegeschichte, insbesondere zur Pressezensur, enthalten sind. Zwar ging Schaffer in seiner Disseration beiläufig darauf ein, daß die Bücherkommission auch ”Journale” überwachte4, und erwähnte Franke in seiner Arbeit ”Zensur und Presseaufsicht in Leipzig 1830 – 1848”, daß durch die Reskripte vom 19. Februar und 16. September 1825 ein besonderer Zensor für die in Leipzig erscheinenden Wochen- und Tagesblätter, periodischen Schriften und Flugschriften, nämlich Hofrat Methusalem Müller, eingesetzt worden war5, doch unterließ er es, dessen Wirken als Pressezensor wie auch die weitere Institutionalisierung der Pressezensur im Rahmen des provisorischen Zensurkollegiums (das auf Grundlage des königlichen Reskripts vom 14. Juli 1831 eingerichtet wurde und dessen personelle Zusammensetzung identisch war mit der der weiterhin bestehenden Bücherkommission6) systematisch zu untersuchen. Es fanden sich in dieser ansonsten kenntnisreichen Arbeit hierzu nur sporadische Bemerkungen wie die, daß Zensor Stadtrat Müller des öfteren zum Eingreifen aufforderte, ”wenn es galt, irgendwelchem üblen Treiben in der Presse ein Ziel zu setzen”7, oder daß Wachsmuth die Zeitungszensur nur gegen seinen Willen übernommen habe.8 Somit dokumentieren die in diesem Band erschlossenen Quellen, wie sich die Zensur der politischen Presse, die zunächst den Zensoren verschiedener Fachgebiete oblag (wodurch es auch immer wieder zu Kompetenzkonflikten kam), als eigenständiges Ressort konstituierte. Darin widerspielte sich zugleich die Konstituierung der periodischen Presse als erstem Masssenmedium. Die inventarisierten Akten vermitteln einen tiefen, wenn auch nicht geschlossenen Einblick in die Frühgeschichte der Leipziger wie auch – und das ergibt sich aus der Funktion der Bücherkommission – in die der deutschen und sächsischen Pressegeschichte.

2. Band: Presse in Opposition zur Weimarer Republik und zum Dritten Reich. Regesten zur Zeitungsgeschichte Mittweidas. Durch die erschlossenen Akten kann die Pressegeschichte dieser Stadt und ihrer beiden Tageszeitungen nahezu lückenlos nachvollzogen werden. Das ist für die Pressegeschichtsschreibung um so bedeutsamer, als die Herausgeber dieser Zeitungen immer wieder in Opposition zum jeweils herrschenden System gerieten, während sich die sächsische Provinzpresse ansonsten durch eine stete Staatstreue auszeichnete. In den inventarisierten Akten findet sich u.a. das Ansinnen des sächsischen Ministerpräsidenten Zeigner, dem ”Mittweidaer Tageblatt” die Amtsblatteigenschaft nur deswegen zu entziehen, weil dessen Herausgeber einen ihn kritisierenden Artikel nachgedruckt habe. Mit diesem Vorgehen führte er die soeben erst gewonnene Pressefreiheit ad absurdum und löste eine (in den erschlossenen Akten ebenfalls gut dokumentierte) Grundsatzdebatte unter den sächsischen Zeitungsverlegern aus. Dem anderen Blatt, die ”Mittweidaer Tageszeitung”, wurde nach 1933 systematisch die materielle Existenzgrundlage entzogen, so daß es am 30. August 1935 sein Erscheinen einstellen mußte. Die darin enthaltene Erklärung ist ein bisher beispielloser Fall an offener Resistenz in einer nach Gleichschaltung der Presse legal erscheinenden Zeitung, wenn darin betont wurde, daß der Existenzkampf ”unter allergrößten Opfern, unter Schwierigkeiten und Gefahren, die erst später einmal gewürdigt werden können,” geführt wurde, und daß die Einstellung des Blattes vor allem dem ”Elan der Parteipresse mit ihren Machtmitteln” zuzuschreiben sei. Zugleich ging aus den unter dem Serientitel ”verbotene Druckschriften” inventarisierten Akten (übrigens wird von Archivaren auf die inhaltliche Erschließung von Akten, die vor allem Rundschreiben enthalten, bisher zumeist verzichtet) minutiös hervor, daß ungeachtet aller Verbote der liberalen Auslandspresse diese über Jahre hinweg in der Mittweidaer Bahnhofsbuchhandlung verkauft und zum Lesen in einem dortigen Kaffee öffentlich ausgelegt wurde. Diese Vorgänge an offenem und wohlgemerkt folgenlos gebliebenen Widerstand werfen zahlreiche grundsätzliche Fragen auf, die einer Antwort harren.

3. Band (möglicherweise in zwei Teilbänden): Zentren des frühen Zeitungsdrucks. Regesten zur Pressegeschichte der Amtshauptmannschaft Rochlitz ohne Mittweida. Während die meisten Zeitungsdruckereien in sächsischen Mittel- und Kleinstädten erst in der Mitte bzw. in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden – bis dahin hatte eine obrigkeitliche Verordnung der Gründung von Druckereien außerhalb der großen Städte enge Grenzen gesetzt –, existierten in Rochlitz und Penig schon seit Anfang des Jahrhunderts derartige Druckereien. Aus dem Inventar wird u.a. ersichtlich, wie deren Besitzer, die zugleich Zeitungsverleger waren, die Entwicklung des Pressewesens in dieser Region, ja in ganz Sachsen beförderten bzw. hemmten, indem sie die Gründung eigenständiger Lokalblätter in Geringswalde und Lunzenau verhinderten.

4. Band (möglicherweise in zwei Teilbänden): Grimma - die heimliche Pressehauptstadt Sachsens im frühen 19. Jahrhundert !? Regesten. In nahezu allen Arbeiten über das sächsische Verlags- und Pressewesen werden immer wieder Leipzig oder zuweilen auch Dresden als deren Zentren hervorgehoben und Grimma, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt, wobei diese Erwähnung immer nur mit einem Namen verbunden wird, nämlich mit Georg Joachim Göschen, seinem Verlag und seinem Wochenblatt. Allerdings muß dieses Bild durch die Erschließung der im dortigen Stadtarchiv überlieferten Quellen revidiert werden: Grimma verfügte neben Göschen über so bedeutende Verlegerpersönlichkeiten wie Dr. Carl Ferdinand Philippi, Ferdinand Stolle und Julius Moritz Gebhardt und hatte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, besonders in den dreißiger/vierzigern Jahren, ein sehr breit gefächertes Pressewesen. Insgesamt erschienen zu dieser Zeit wohl dreizehn verschiedene Zeitungen und Zeitschriften in Grimma, die unter Historikern zumeist als verloren gelten. Auf Grund dessen kann an dieser Stelle die Hypothese aufgestellt werden, daß Grimma in der ersten Hälfte und insbesondere in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts als heimliche Pressehauptstadt Sachsens.

5. Band: Zeitungsentwicklung zwischen zwei Pressezentren. Regesten zur Pressegeschichte in der ehemaligen Amtshaupmannschaft Grimma ohne die Stadt Grimma. In der Pressegeschichtsschreibung wurden bislang nur Pressezentren untersucht. Wie die Entwicklung des provinziellen Zeitungswesens im Spannungsfeld zwischen zwei solchen Zentren (in diesem Falle zwischen Leipzig und Grimma) verlief, ob es dadurch in seiner Ausdifferenzierung befördert oder gehemmt wurde, ist bislang ein Desiderat dieser Disziplin geblieben. Auf Grundlage der im geplanten Band inventarisierten Akten könnte erstmals versucht werden, auf diese Fragestellung eine empirisch gesicherte Antwort zu geben.

6. Band (möglicherweise in drei Teilbänden): Pressestaat im Pressestaat. Regesten zur Zeitungsgeschichte der Schönburgschen Lande. Ist die politische  Geschichte der Schönburger Landen bis zur Auflösung der Rezeßherrschaften im Jahre 1878 bislang weitgehend ein Desiderat der Geschichtswissenschaft geblieben, so liegt die Pressegeschichte dieser Herrschaften bisher vollkommen im historischen Dunkel. Aus den in das Inventar aufgenommenen Akten kann geschlußfolgert  werden, daß den Schönburgschen Behörden bis 1878 nicht nur Justiz- und Verwaltungsaufgaben oblagen, sondern auch Mittel zur Verfügung standen, um die Entwicklung der Presse in ihren Landen stark zu beeinflussen bzw. ”zu steuern”. Es ist charakteristisch, daß das ”Haus- und Hoforgan”, der ”Schönburgsche Anzeiger”, in den meisten Städten der Rezeßherrschaften lange Zeit eine Monopolstellung innehatte. Die Gründung von Ortsblättern wurden durch die schönburgschen Behörden immer wieder hintertrieben bzw. außerordentlich erschwert; so konnte die Lichtensteiner Lokalzeitung zunächst nicht am Ort, sondern mußte im angrenzenden ”ursächsischen” Gebiet herausgegeben und gedruckt werden. Immer dann, wenn die städtischen Körperschaften dem ”Schönburgschen Anzeiger” die Amtsblatteigenschaft entziehen und einem anderen Blatt übertragen wollten, intervenierte die gräflich und fürstlich schönburgische Gesamtkanzlei zugunsten des ”Zentralorgans”. Erst nach 1878 verloren sich allmählich die Züge einer von dieser Kanzlei aus zentral gelenkten Pressepolitik. Zugleich läge mit diesem Band erstmals ein vollständiges Sachinventar zur Pressegeschichte eines einst selbständigen Staatswesens vor.  

7. Band: Crimmitschau – Sitz einer der bedeutendsten Pressestiftungen Deutschlands. Regesten. Ein in der Pressegeschichtsschreibung nur wenig beachtetes Phänomen ist das der Stiftungen. Auch wenn es nur sehr wenige Pressestiftungen gab – in Sachsen konnten bislang nur zwei ermittelt werden, nämlich die Dr. Güntz’sche Stiftung in Dresden und die Thiemestiftung in Crimmitschau -, bieten gerade deren Quellenbestände tiefe Einblicke in die Presseproduktion. Es kann als ein Glücksumstand angesehen werden, daß diese Stiftungen der städtischen Aufsicht unterlagen und somit deren Akten nahezu lückenlos im jeweiligen Kommunalarchiv überliefert wurden. Crimmitschau bot jedoch nicht nur ein günstiges Mikroklima für die Einrichtung einer derartigen Stiftung, sondern auch für die Gründung eines Parteiorgans. Hier erschien mit dem ”Bürger- und Bauernfreund” eines der frühesten sozialdemokratischen Organe, wobei sich dessen Geschichte auf Grundlage der aufgenommen Akten detailliert nachvollziehen läßt. Überhaupt besaß Crimmitschau im Vergleich zu Städten mit ähnlicher Größe eine relativ ausdifferenzierte Presselandschaft. 

8. Band: Pressezentrum einer ganzen Region – Plauen. Regesten zur Zeitungsgeschichte der Stadt. Die Stadt Plauen als selbst ernannte Hauptstadt des Vogtlands stand immer im Schatten der anderen sächsischen Metropolen, wie Dresden, Leipzig, Chemitz und Zwickau, was sich auch in der im Vergleich zu diesen Städten nur gering ausdifferenzierten Presselandschaft widerspiegelt. Dem ungeachtet ist dessen Zeitungswesen für die Pressegeschichtsschreibung aus mehreren Gründen von besonderem Interesse: Einmal war Plauen die grenznaheste sächsische Metropole, so daß sich hier die Frage erhebt, ob es länderübergreifende Versuche gab, Zeitungen zu etablieren, und zum anderen hatte der hier erscheinende ”Vogtländische Anzeiger und Tageblatt” über Jahrzehnte hinweg eine gewisse Monopolstellung in der Region inne. Das ist deshalb um so bemerkenswerter, als es in der Nachbarregion, dem oberen Vogtland, ein sehr viel dichteres Pressenetzwerk gab.

9. Band: Das obere Vogtland als eine Landschaft mit einem der dichtesten Pressenetzwerke in Sachsen. Regesten zu dessen Zeitungsgeschichte. Obwohl die ökonomischen Bedingungen für die Presseentwicklung in den einzelnen Städten der Amtshauptmannschaft Oelsnitz nicht unterschiedlicher sein konnten – Adorf und Schöneck mit einem florierenden handwerklichen Musikinstrumentenbau; Oelsnitz mit einer ausgeprägten kleinstädtischen Textil- sowie Maschinenindustrie und Schöneck mit einer typischen hausindustriellen Struktur (Zigarettenfabrikation) -, war die Zeitungsdichte, wie die erschlossenen Akten offenbaren, in all diesen Orten gleich hoch. Somit läßt sich die Ausdifferenzierung einer Presselandschaft nicht immer ursächlich aus dem Vorhandensein oder Fehlen bestimmter wirtschaftlich-sozialer Voraussetzungen erklären. Überdies liefert dieses Sachinventar einen exemplarischen (und zudem im Sachinventar lückenlos erschlossenen) Fall für politische Rahmenbedingungen, in denen sich Presseentwicklung in Sachsen zu vollziehen hatte: In den Maitagen des Jahres 1849 brachte der Herausgeber des Adorfer Wochenblatts seine Sympathie gegenüber den Dresdener Aufständischen in mehreren Artikeln zum Ausdruck und druckte einige ihrer Aufrufe. Als das den sächsischen Behörden bekannt wurde, untersagten sie ihm, dieses Blatt auch fernerhin zu redigieren, woraufhin er ihnen immer wieder Strohmänner, die angeblich die verantwortliche Redaktion  übernommen hätten, zu präsentieren suchte. Dieser Fall an zivilen Ungehorsam hatte lang andauernde Konsequenzen und war zugleich ein Beispiel für das hervorragend funktionierende ”Gedächtnis” der Administration: Der Sohn des Buchdruckereibesitzers, der inzwischen das väterliche Geschäft und auch die Redaktion des Adorfer Wochenblattes übernommen hatte, beantragte ein Vierteljahrhundert später, die Zeitung zum Amtsblatt zu erheben. Dieser Antrag wurde vom sächsischen Innenministerium zurückgewiesen und sooft er ihn auch in den folgenden Jahrzehnten erneuerte, stets verwarfen ihn die Ministerialbehörden. Erst am Vorabend des Ersten Weltkrieges gaben sie dem Gesuch schließlich statt.

 10. Band: Die einstige Amtshauptmannschaft Annaberg. Regesten zum Zeitungswesen in der ausgeprägtesten kleinstädtischen Landschaft Sachsens. Die erschlossenen Akten dokumentieren für die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Versuche, eine Lokalzeitung auch in diesen Städten zu etablieren - Versuche, die zumeist erfolglos blieben oder rasch scheiterten. In keiner anderen sächsischen Gegend zeigt sich somit das enge Wechselverhältnis zwischen ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen einerseits und Presseentwicklung andererseits so deutlich wie hier. Obwohl dieser Amtshauptmannschaft innerhalb Sachsens die größte Anzahl an Städten (11) zugeordnet war, verfügte sie in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts über weniger Lokalblätter als die Amtshauptmannschaft Oelsnitz mit nur 4 Stadtgemeinden, wobei es sich hier wie dort ausnahmslos um Zwerg- und Kleinstädte von unter 2 000 bzw. 20 000 Einwohnern handelte.

 

1  Weitere (Teil-)Bestände der Bücherkommission finden sich im Leipziger Universitätsarchiv sowie im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden. Siehe dazu auch: Borbein, Hildegard: Akten des Buchhandels im Stadtarchiv Leipzig. In: Archivmitteilungen. Zeitschrift für Theorie und Praxis des Archivwesens, 11. Jg., 1961, H. 2, S. 52 ff.

2 Vgl.: Schaffer, Kurt Oskar: Die Leipziger Bücherkommission als Zensurbehörde 1800 – 1815. Auf Grund der Akten des städtischen Archivs zu Leipzig. Inaugural-Dissertation, Borna-Leipzig 1911, und Franke, Richard Walter:  Zensur und Presseaufsicht in Leipzig 1830 – 1848. Mit einem Überblick über die gleichzeitige sächsische Preßgesetzgebung. Inaugural-Dissertation, Leipzig 1930.

3 Siehe dazu: Borbein, Hildegard: Akten des Buchhandels im Stadtarchiv Leipzig. In: Archivmitteilungen. Zeitschrift für Theorie und Praxis des Archivwesens, 11. Jg., 1961, H. 2, 52 ff.

4 Schaffer, Kurt Oskar: Die Leipziger Bücherkommission als Zensurbehörde 1800 – 1815. Auf Grund der Akten des städtischen Archivs zu Leipzig, a.a.O., S. 24 und 26.

5 Franke, Richard Walter: Zensur und Presseaufsicht in Leipzig 1830 – 1848. Mit einem Überblick über die gleichzeitige sächsische Preßgesetzgebung, a.a.O., S. 34.

6 Ebenda, S. 37 f.

7 Ebenda, S. 40.

8 Ebenda, S. 43.