Georg Biedermann

 
Lebensbild
Grafik
 

1920
Der Autor wird am 26.August als drittes Kind von fünf Nachkommen der Familie Biedermann in Haslau, Kreis Asch, Ledergasse 195, geboren.
† 18. Januar 2008 in Bad Blankenburg.

Vater:
Georg B. (1884–1961), Steinmetz, auch Polier und Steinmetzmeister, mit  Spitznamen Schlout-Schorsch, der auf seinen Vater zurückgeht, der bei der Brautschau auf dem Dach hinter dem „Schlot“ (Kamin) gesessen und seiner zukünftigen Frau zugeschaut hat.

Mutter:
Marie B., geb. Wagner (1883–1953), Näherin, Plättnerin.

Geschwister:
Elisabeth, verh. Fischer (1903–1997)
Lorenz B. (1910–1964)
Marie B., verh. Abel (geb. 1922)

Rudolf B. (1924–1989)

Aus der Erinnerung des Fünfzehnjährigen (1935).
Der Geburtsort
 


Das zweistöckige Geburtshaus, Haslau, Ledergasse 195, war eigentlich das Gebäude des Strumpfwirkers Bergmann, in dem auch die Eltern des Verfassers und noch zwei andere Parteien zur Miete wohnten. Zu dem Anwesen gehörten der Hof mit der Scheune (dem Schupfen (Schuppen), die Wasserpumpe (am Gartenzaun) und der Obstgarten, der das Wohnhaus von der Nachbarschaft abgrenzte.
Unmittelbare Nachbarn waren:
„dâ Sto[d]lâ” (der Stadler),
„dâ Schmiesto[d]l“, Stadel (Scheune) des Schmiedes zum Hufbeschlagen der Pferde und Rinder;
„dâ Pfa[h]simâ“ (der „Pferde-Simon“), ursprünglich Besitzer eines Pferdes und eines Kramladens mit Lebensmittelverkauf;
„dâ Ârnât“ [der Arnold (Bareuther)], Fleischwarenverkauf mit Schlachthaus;
„dâ Beck“ (der Bäcker Goldschald vis a vis vom „Ârnât);
„dâ Netsch“ (Kolonialwarengeschäft in der Nähe vom „Pfa[h]sima“.


1926 (-1934)
Schulbildung
 


1. September (1926)

Einschulung in die Gemischte Bürgerschule in Haslau – eine nach dem Vorbild des leistungsstarken französischen Unterrichtswesens eingerichtete Bildungsstätte, die 5 Jahre Volks- und 3 Jahre Bürgerschule umfasste. Im Andenken wach gebliebene Lehrer-Persönlichkeiten: Sallaba, Albin (Direktor), Gruber, Franz (Heimathistoriker und Klassenvorstand), dann und vor allem auch die Fachlehrer Salzer und Mayer, Ries, Kaas und Bartachzi Vom Autor bevorzugte Fachgebiete: Heimatkunde, Geographie, Körperlehre (Anatomie) und Sport (im letzteren Lehrabschnitt wieder Turnen, Leichtathletik und Fußball (die letztere Sportart seit dem 10. Lebensjahr).

Ab 1932
Ehrenaufgabe aus Neigung: Nachzeichnen von großen Geschichts- und Landkarten, die als Anschauungsmaterial im Unterricht Verwendung fanden.

 

1934 (Juli)
Abschluss der Schulbildung mit einem Aufsatz über Haslau, den Heimatort des Verfassers (siehe “Wissenschaftliche Bildung ...) Zeugnis: Durchschnittsnote „lobenswert“ („gut“), darunter Betragen:„lobenswert“ (sehr gut) und Fleiß „ausdauernd“ (sehr gut). Die Durchschnittsnoten der verbindlichen Lehrfächer, von der Religion über die Bürgerkunde bis zur körperlichen Erziehung waren „gut“). Die Eigenheit: Schon mit 12 Jahren (ab 1932) erfolgte die Einführung in die körperliche Tätigkeit durch „Wasserpumpen“ im Steinbruch des Vaters (am „Grenzjägerhübel“ bei dem Dorf Ottengrün an der sächsischen Grenze); dann auch Bewirken der Luftzufuhr für die Feldschmiede (zum Schärfen der Steinmetzwerkzeuge) durch Treten der Luftpedale.

1934–1936
Praktische Arbeit
 


Hofarbeiter in der Kammgarnspinnerei C.B. Göldner in Haslau (1934), daran anschließend (1934–1936) „Aufstecker“ in der gleichen Textilbranche der Fa. Fischer in Asch; Mitglied im Kommunistischen Jugendverband der ČSR (KJČ), auch der Gewerkschaft der Textilarbeiter (1934–1938).

1936–1938
 


Steinmetzlehrling bei der Fa. Künzl [Mauerôhl=Uhl] in Steingrün (Kreisgebiet Asch); Teilhaber des Unternehmens war auch der Vater des Autors.
Besuch der Gewerbeschule in Asch [1936/37 Steinmetz im Steinbruch „Schüsselstein“ der Fa. Simon, Asch und danach (bis 1940) im Steinbruch der Fa. Wollkraus, Lindau (einem Dorf bei Haslau]; Eintritt in das NSFK (Nationalsozialistisches Fliegerkorps), um den Kampf gegen das Naziregime fortzusetzen. So lautete der Auftrag der KPČ-Führung von Brüssel 1936, der den im Herbst 1938 in das Innere Böhmens (ČSR) emigrierten deutschen Antifaschisten bekannt gemacht wurde. Der Verfasser hatte sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in das südliche Böhmen begeben, um als Freiwilliger der tschechischen Armee die Republik gegen den drohenden Angriff Hitler-Deutschlands zu verteidigen. Aber die tschechische Regierung kapitulierte und der Autor wurde, zusammen mit den anderen Jugendlichen, von den leitenden KP-Funktionären aufgefordert, nach Hause zurückzukehren, um in einer NS-Organisation (siehe oben) den illegalen Widerstand gegen die bevorstehende Nazibarbarei zu organisieren. So wurde ich Mitglied des NSFK.


1940
 


Reichsarbeitsdienst (RAD) in den Böhmerwald-Dörfern Haid, Pfraumberg und Tachau.


1941–1945
 


Kriegsteilnehmer: Hilfstechniker der Flughafenbetriebskompanie (FBK) des Kampfgeschwaders 63 Legion Condor;1941 in Kolberg/Ostsee;1941/42 in Orscha (Sowjetunion); 1943/44 in Orléans (Frankreich); 1945 (Febr./Apr.) in Scolnok (Ungarn); Apr./Juli) Rheinland und Bayern. In der Kriegszeit blieb der Autor seiner marxistisch-humanistischen Gesinnung treu. Bei gebotener Vorsicht diskutierte er mit den Soldaten, über den sinnlosen Krieg und über das, was auf uns nach dem Krieg noch zukommen wird. Auch suchte der Verfasser die Verbindung zur Bevölkerung in den an die Flugplätze angrenzenden Ortschaften, wie z.B. in Schatalowka in der russischen Wojewodschaft Orscha, wo es nach der Überwindung der ursächlichen Befangenheit, stets zu angeregten Unterhaltungen kam, die bei den russischen Gesprächspartnern die Gewissheit prägten, dass nicht alle Deutschen Nazis oder Kriegsverbrecher seien.


1945 (Juli)
 


US-Kriegsgefangenschaft in Bad Aibling/Bay. (als ein nach Hause trödelnder „Zivilist“ beim Überqueren der Donau in Obertraubling/Regensburg festgenommen); nach vier Wochen Internierung aus der Haft entlassen; Heimkehr nach Haslau. Einmalige Maßnahme; unmittelbar nach diesem Erlass wurde das Lager nach Frankreich verlegt, wo die Gefangenen ihren Beitrag zum Wiederaufbau des Landes zu leisten hatten.

(Juli–Herbst)
 


Hofarbeiter (Spinnerei Haslau), dann (bis Juni 1946) Steinmetz, beim Vater Biedermann, Georg (sen.); Bekanntschaft des Verfassers mit seiner späteren Gattin Edith Goldschald.


1946 (26. Januar)
 


Heirat mit Edith Goldschald (geb.03.05.1928), Horterzieherin (1957–1981)
Aus der Ehe mit ihr sind die Kinder hervorgegangen:
   – Biedermann, Ralph (geb.07.09.1947), Maschinenschlosser, Dipl.-Ing., nach 1990
      selbständig im Werkzeug- und Formenbau
   – Biedermann, Dagobert (1950–1950)
   – Biedermann, Wolfgang (geb. 28.03.1952),-Vorfertigungsmechaniker, Dr.phil., frei schaffender Autor
   – Biedermann, Alexander (geb.23.12.1953), Baumaschinenführer, Mitinhaber einer Firma
Umsiedlung nach Freiberg/Sa. bzw. nach Rothenfurt bei Freiberg (Juli).

Herbst
 


Besuch der SED-Parteischule in Neuhausen/Erzgebirge.

1946–1947
 


Gemeindearbeiter in Rothenfurt und Angestellter des Gemeinderats; Initiator und Vorsitzender eines Fußballvereins in Freiberg/Sa., vermutlich der ersten Sporteinrichtung dieser Art in der damaligen sowjetischen Besatzungszone, auch Mitglied der Kampfgruppe der Arbeiterklasse.
Umzug nach Hilbersdorf, Kr. Freiberg/Sa. (Sommer 19479).

1947–1949
 


Mitarbeiter im Landratsamt Freiberg; dann Sekretär für Kultur, Bildung und Werbung im Kreisvorstand der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) zudem Mitglied der Entnazifizierungskommission, schließlich Übersiedlung nach Freiberg/Sa., Wohnung: Mozartplatz 3.


Der Übergang zur Sportarbeit

 
 

Der Grund für den Wechsel: Ich hatte dem Parteivorstand mitgeteilt, dass ich Mitglied im NSFK war. Die Ursache (s.o.) aber anerkannte der Vorstand nicht. Ich wurde mit der Maßgabe entlassen, mir ein neues Aufgabengebiet zu wählen. So kam ich, angeregt auch durch meine Neigung, zum Sport.

 

1949–1951

 

Instrukteur des Bezirkskomitees Sachsen für Körperkultur und Sport in der Oberlausitz Wohnungswechsel nach Oppach/Oberlausitz. Gründer der dortigen Sportschule und Direktor dieser Bildungsstätte.

 

 
1951–1952
 

Delegierung nach Parchim (Kr. Schwerin). Aufbau und Leiter der Landessportschule Mecklenburg in Parchim; danach Umzug nach Ludwigsfelde.

 

 
 
1953–1956
 

Ludwigsfelde (Kr. Zossen), Wohnung Jahnstrasse 6; Einrichtung einer Sportschule für den Raum Strausberg, aus der später die Zentralschule des DTSB (Deutscher Turn- und Sportbund) hervorgegangen ist; Lehrer und stellv. Direktor der Ludwigsfelder bzw. der Strausberger Sportschule (seit 1954), Umzug nach Petershagen; Wohnung in der Schenkendorfstraße 24. Neben der Lehrtätigkeit an der Sportschule auch Einsätze in Frankfurt/O. zum Aufbau eines Stadions wie auch zur Entwicklung von Körperkultur und Sport.

 

1956–1959

 

Umzug nach Frankfurt/Oder, Wohnung in der Julian-Marchlewski-Straße 1. Vorsitzender des Bezirkskomitees für Körperkultur und Sport; dann Vorsitzender des Bezirksvorstandes Frankfurt/O. des DTSB; Schrittmacher der Sportentwicklung entlang der Oder von Stalinstadt (Fürstenberg) im Süden bis nach Eberswalde und Angermünde im Norden; Bildung zahlreicher Sportgemeinschaften (SG) mit dem Schwerpunkt der SG Wriezen bei Bad Freienwalde.

 

01.12.1959 ...
 

Versetzung nach Bad Blankenburg zur Grundlegung der Zentralen Sportschule des DTSB. Bad Blankenburg Wohnung: Bahnhofstr.24, ab 2000 Pestalozzistraße 1.
Tätigkeiten: Direktor der Sportschule; Vorbereitung einer Spezialausbildung für Sportfunktionäre, die dann in der Form eines Kombinierten Fachschulstudiums (1 Jahr Direkt-, 2 Jahre Fernstudium, Beschluss des Staatsekretariats für Hoch- und Fachschulwesen der DDR vom 26.09.1960. ) von 1961 bis zur Auflösung der Zentralschule des DTSB im Jahre 1990 auch meisterhaft durchgeführt wurde.
Die Ausbildung der Absolventen umfasste die Sozialwissenschaften (Dialektischer und historischer Materialismus, Pädagogik und Psychologie) sowie die Theorie und Praxis der Sportarten mit den Schwerpunkten: Leichtathletik, Turnen und Ballspiele. Beide Abteilungen des kombinierten. Fachstudiums sicherten bis zur Auflösung der Zentralschule des DTSB im Jahre 1990 eine meisterhaft geführte Ausbildung der Lehrgangsteilnehmer.

1967–1969
 


Stellv. Direktor des Höhentrainingszentrums „Freundschaft“ der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Bulgarien auf dem Belmeken, einem Hochgebirgszug in der Nähe der Ortschaften Jundola und Velingrad. Letzter Lehrgang für den Autor: September 1969. In den fachspezifisch eingerichteten Trainingslehrgängen bereiteten sich die Leistungssportler der DDR in mehr als 2000 m Höhe über NN auf die Europa- und Weltmeisterschaften wie auch auf die Olympischen Spiele vor. Nach der Rückkehr aus Bulgarien (Ende September 1969): mehrere Monate Wissenschaftlicher Assistent am Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport der DHFK (Deutsche Hochschule für Körperkultur) in Leipzig.


1970–1985
 


1. April 1970:
Aufnahme der Tätigkeit an der FSU (Friedrich Schiller Universität) Jena, Sektion marxistisch-leninistische Philosophie. Fachgebiet: Klassische deutsche Philosophie, besonders die Lehre Hegels.
Beginn der wissenschaftlichen Tätigkeit als Assistent an der Friedrich-Schiller-Universität Jena; Vorbereitung der Promotionsschrift „Zur philosophischen Entwicklung des jungen Hegel und die Philosophie der Aufklärung“.
13. Juli 1973: Verteidigung der Promotionsschrift;
02. Oktober: Verleihung des akademischen Grades „Dr. phil.“
Januar 1974: Ernennung zum Oberassistenten;
September 1976: Berufung als Mitglied in den Problemrat Geschichte der marxistisch-leninistischen Philosophie;
Mai 1977: Beiträge zur Geschichte der klassischen deutschen Philosophie (Zusammenfassung und Erläuterung von 12 publizierten Aufsätzen).
Anmerkung: Der Entwurf, geplant als Promotionsschrift B, wurde auf Grund ihrer schon vorher erfolgten Drucklegung nicht verteidigt.
Februar 1979: Facultas docendi (Lehrbefähigung für die Universität Jena), 
1. September: Berufung zum
a.o. Professor. Unter diesem Titel, später ohne das Prädikat a.o., signierte der Autor alle seine Entwürfe und Druckschriften.


1985 …
 

Fortsetzung der philosophie-historischen Studien wie auch der Aufbereitung der Regionalgeschichte, ausgewiesen durch eine Reihe von Publikationen auf beiden Fachgebieten.

Wissenschaftliche Bildung und erste schriftliche Arbeiten
 


1934:
Haslau und Umgebung im Dreißigjährigen Krieg. (Abschluss-Aufsatz zur Schulbildung).
1953: Der Heidelberg-Mensch (homo heidelbergensis) nach Karl Brant (URANIA 1947; Handschrift, 7 Seiten).
1955: Geschichte [des Menschen von der Urzeit über den alten Orient, Griechenland und Rom bis zum Frankenreich und darüber hinaus (Handschrift: 60 Seiten). Aphorismen aus Kants Werken (Handschrift, 7 Seiten).
1956, 21. Juli: Staatliche Abschlussprüfung mit dem Prädikat Lehrbefähigung im Fach Turnen (den Sport schlechthin) für die Mittelstufe der allgemein bildenden Schulen; Aphorismen zum Menschenbild in der philosophischen deutschen Klassik (10 Seiten).
1959: Lehrbefähigung (Staatsexamen) für die allgemeinbildende polytechnische Oberschule, Fach Geschichte. Staatsexamensarbeit:
„Die nationale Befreiungsbewegung von 1813 gegen die napoleonische Fremdherrschaft im Landkreis Lebus“ (April 1959, 21 Seiten).
1966 (Mai): Ursachen, Formen und Methoden der kleinen Religionsgemeinschaften in Bad Blankenburg/Th.W., unter besonderer Berücksichtigung der Evangelischen Allianzkonferenzen und der konfessionellen Struktur der Stadt (studentische Jahresarbeit an der FSU Jena).
1967: Diplomarbeit (Fernstudium):„Zur Dialektik des Abstrakten und Konkreten“ (05. Juli, 67 Seiten).
1968, 15. April: Empfang des Diploms der FSU für das abgelegte Staatsexamen Philosophie im Fernstudium (Note:„sehr gut“).


Auswahlbibliographie
 

www.palmakunkel.de/bibliographie/

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