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Heimatverein Treptow-Köpenick e.V. (Hrsg.)

Das Rathaus Berlin-Treptow – Ein Baudenkmal mit 100-jähriger Geschichte

 

 

 

2010, [= Schriftenreihe Hausgeschichte(n) aus dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, Band 1], 113 S., zahlr, teils farb. Abb., ISBN 978-3-89626-963-8, 13,80 EUR
 

 

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Geleitwort

 

Liebe Leserinnen und Leser,

eine Publikation zum 100-jährigen Geburtstag des altehrwürdigen Rathauses Treptow ist mir auch ein ganz persönliches Anliegen. So habe ich in diesem Gebäude den Aufbau einer demokratischen Verwaltung nach der friedlichen Revolution vom Herbst 1989 als Bezirksstadtrat, Bezirksverordneter und auch als Bezirksbürgermeister von Treptow bis zur Bezirksfusion mit Köpenick an entscheidender Stelle mitgestalten dürfen. Ich freue mich darüber, dass diese spannende Zeit auch in einem eigenen Kapitel des Buches gewürdigt wird.
Dass nun pünktlich zum Jubiläum eine Veröffentlichung durch den Heimatverein Köpenick vorliegt, die facettenreich und informativ die Entstehungs-, Bau- und Nutzungsgeschichte des Rathauses Treptow nachzeichnet, findet meine Anerkennung, verbunden mit herzlichem Dank für die damit verbundene Mühe.
Als Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick, die ihren Sitz bis heute im Rathaus Treptow hat, ist es mir ein besonderes Anliegen, Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, zur Wahrnehmung Ihrer demokratischen Rechte zu ermuntern. Ich würde mich freuen, wenn Sie bei Problemen den Kontakt zu Ihren Bezirksverordneten suchen und darüber hinaus Anregungen und Vorschläge zur Entwicklung unseres Gemeinwohls unterbreiten. Eine Demokratie bleibt dann lebendig, wenn sich möglichst viele Menschen in ihr engagieren. Die auf der Vorhalle des Rathauses durch Figuren symbolisierten Bürgertugenden Fleiß, Gerechtigkeit, Stärke und Weisheit mögen dabei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung stets Vorbild für ihre Arbeit zum Wohle der Gemeinschaft sein.
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre dieses Buches.

Ihr
Siegfried Stock
Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort von Siegfried Stock 7

Vorwort von Stefan Förster 9


Auf der Höhe der Zeit – Entstehung und Bau des
Rathauses Treptow 11
Stefan Förster

Auf dem Weg zu einem Ort der Demokratie –
das Rathaus Treptow im Jahre 1990 84
Oliver Igel

Das Baudenkmal Rathaus Treptow – Die Restaurierung
der Ratssäle, der Hallen, des Treppenhauses und der
Eingangshalle 99
Christian Breer

Bürgermeister des Bezirks Treptow von Berlin 1921–2000 111

Bildnachweis 112

Über die Autoren 113
 

 

Leseprobe


Auf der Höhe der Zeit – Entstehung und Bau des Rathauses Treptow
Die Gemeinde wächst – das alte Rathaus wird zu klein
 

Von Stefan Förster


Weniger als 600 Einwohner umfasste der zu Berlin gehörende Gutsbezirk Treptow im Jahre 1876, als er auf Erlass des Königs in eine eigene Landgemeinde umgewandelt wurde. Berlin sparte dadurch Verwaltungskosten für die damals nur 37 bebauten Grundstücke. Im selben Jahr begann man auf Anregung des Berliner Magistrats den Treptower Park anzulegen, der noch heute charakteristisch für das Gebiet ist. Im Frühjahr 1876 wurde die erste Gemeindevertretung gewählt, die aus dem Gemeindevorsteher, zwei Schöffen und sechs Gemeindeverordneten bestand. Erster Gemeindevorsteher wurde der Guts- und Gärtnereibesitzer Eduard Mosisch. Ihm folgten sein Sohn Richard Mosisch, der Gartenbaudirektor Martin Hoffmann, Paul Schmock und schließlich, mit zwanzigjähriger Amtszeit, Paul Schablow. Die beiden letzteren waren bereits hauptamtliche Amts- und Gemeindevorsteher. Schablow durfte sich später auch mit dem Titel „Bürgermeister“ schmücken. Großen Zuwachs an Bevölkerung erhielt Treptow nach der „Berliner Gewerbeausstellung“ 1896 im Treptower Park. 1908 wohnten bereits über 20 000 Einwohner in der Landgemeinde. Das alte Rathaus in der Neuen Krugallee 8, das noch heute links neben dem Neubau steht, genügte nicht mehr den Anforderungen. Zusätzliche Aufgaben erforderten mehr Personal und Raum, eine nochmalige Erweiterung war ausgeschlossen. Die Gemeindevertretung war aufgrund der Fülle ihrer Aufgaben mittlerweile auf 42 besoldete und 45 ehrenamtlich tätige Beamte angewachsen und hatte weitere 55 Angestellte. Ein neues Baugelände bot sich direkt nebenan, wo der Gastwirt und Großbauer August Weinhold ein Ausflugslokal mit Tanzboden und Biergarten betrieb. Nachdem Grundstücksankauf und Bau finanziert waren, konnte der Bauwettbewerb ausgeschrieben werden. Den Zuschlag bekamen die erfahrenen Architekten Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth, die zuvor bereits die Rathäuser in Steglitz und Charlottenburg erbauten und auch für das Ensemble von Lyzeum und Kirche „Zum Vaterhaus“ in Baumschulenweg verantwortlich zeichneten.


Erteilung der Baugenehmigung
Mit Datum vom 18. März 1910 wurde unter der Bauschein-Nummer 15 der Gemeinde Treptow „unbeschadet der Rechte Dritter die polizeiliche Genehmigung erteilt, auf dem Grundstücke Neue Krug-Allee 1-3, Grundbuch von den Umgebungen Berlins im Kreise Teltow Band 17, Blatt 602, Kartenblatt 2, Parzelle 563/43 und 508/42, folgende Baulichkeiten zu errichten: Ein Rathaus.“ Die Genehmigung erfolgte nach Maßgabe der Baupolizei-Ordnung vom 28. Mai 1907. Zudem wurde beauflagt, dass „vor Beginn des Baus die Baufluchtlinie durch einen vereideten Landmesser örtlich abstecken und vermarkten zu lassen“ ist. Nachgefordert wurden eine Skizze nebst Berechnung der im Kellergeschoss zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Räume, eine Einzelzeichnung vom Hauptgesims, und eine Skizze über die Einfriedung und Anlage des Vorgartens. Weiter heißt es: „Die Höhe des Gebäudes darf bis zur Oberkante der Attika nicht mehr als 18 Meter betragen. Die Wände sind nach den Eintragungen in grün herzustellen. Die vom I. und II. Obergeschoss als Fortsetzung der Haupttreppe führende Wendeltreppe ist feuersicher abzuschließen. Die Türen im Saal müssen nach außen aufschlagen; Kanten- und Schubriegel an ihnen sind unzulässig. Im Gebäude sind Hydranten nach näherer Angabe anzulegen. Für die Eisenbeton-Arbeiten ist eine Bescheinigung der ausführenden Firma einzureichen, dass die Abmessungen und Konstruktionen nach der statischen Berechnung und den Ministeriellen Bestimmungen vom 24. Mai 1907 ausgeführt werden. Dass die elektrische Anlage nach den Sicherheitsvorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker ausgeführt ist, ist durch eine Bescheinigung nachzuweisen. Die Herstellung von Gelassen unter Treppenläufen, Treppenpodesten ist unzulässig.“ Unterzeichnet ist die Baugenehmigung von Bürgermeister Paul Schablow. Ihr sind zahlreiche Skizzen, Bauentwürfe, Berechnungen und Lagepläne beigefügt. Mit Datum vom 18. November 1910 ist der Rohbauabnahmeschein dokumentiert, der wiederum vom Bürgermeister unterschrieben wurde und einen ordnungsgemäßen Baufortschritt bescheinigt. Am 22. Februar 1911 wird als Nachtrag zur Baugenehmigung die „Herstellung eines Personenaufzuges und eines Lastenaufzuges“ beantragt und mit dem Vermerk „Die Zugangstüren zu den Fahrstuhlschächten müssen feuersicher sein“ am 11. März 1911 genehmigt. In der Baubeschreibung heißt es: „Der Aufzug liegt in dem Gebäude und fördert vom Erdgeschoss bis zum III. Stock 11,58 m hoch. Die Fahrbahn ist durch massive Wände in ganzer Höhe und im übrigen durch Türen von der Umgebung abgeschlossen. Die Bewegung des Aufzuges geschieht durch einen Nebenschlussmotor mittels einer Aufzugsmaschine, welche im Keller in einem geschlossenen Raume angeordnet ist. Hinsichtlich des maschinellen Teiles wird vor der Inbetriebsetzung des Aufzuges Untersuchung und Abnahme durch einen Sachverständigen des Dampfkessel Revisions-Vereins beantragt werden.“ Am 7. April 1911 wurde als dritter Nachtrag zur Baugenehmigung, dem am 4. Mai des gleichen Jahres stattgegeben wird, die „Herstellung einer Waschküche im Dachgeschoss“ gewünscht. Die Errichtung der Vorgartenanlage wurde auf Antrag vom 19. Juli 1911 zwei Monate später am 11. September ebenfalls gebilligt. Am 29. September 1911 ist schließlich die Gebrauchsabnahme des Rathauses dokumentiert.

 

 

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