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Fuchs-Kittowski, Klaus / Zimmermann, Rainer E. (Hg.)

 

Kybernetik, evolutionäre Systemtheorie und Dialektik


 

 

 

 

 2012, 257 S., zahlr., Abb., ISBN 978-3-89626-919-5, 36,80 EUR
 

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Inhaltsverzeichnis



Inhalt


Vorwort 7


Spekulative und materialistische Philosophie 9
Hans Heinz Holz

Systemtheorie und Entwicklungsdenken – Zum Verhältnis von Dialektik und Kybernetik 25
Herbert Hörz

Konzeptuelle Dialektik 45
Rainer E. Zimmermann

Kybernetik – evolutionäre Systemtheorie und dialektisches Denken 65
Klaus Fuchs-Kittowski

Dialektik – wie weiter? 89
Heinz Engelstädter

Dialektik der Gesellschaft als System 101
Annette Schlemm

Neuere Gesichtspunkte der Arbeitswerttheorie 121
Peter Fleissner

Gesellschaftskritik und Gesellschaftstheorie im Zeitalter des Internets 137
Christian Fuchs

System, Network, Space, and Game: Thoughts on Scientific Mapping Schemes for Modelling Evolutionary Dynamics 167
Matthias Schafranek

Zur Lehrbarkeit dialektischen Denkens Chance der Philosophie. Mathematik und Kybernetik helfen. 185
Rainer Thiel

Äquifinalität? 203
Rudolf Rochhausen

Der semiotische Informationsbegriff im Kontext systemtheoretischer Modelle der Biologie 211
Robert Jahn

Wie ein Biologe zu den Wirtschaftswissenschaften kam – oder: Richard Wagner und sein Buch über rückkoppelte Systeme 227
Frank Dittmann

Selbstorganisation und Evolution in der Biosphäre – Kybernetik und Dialektik 243
Rolf Löther

 

 

 

Vorwort


Der vorliegende Band versammelt die meisten Beiträge der Tagung, die im Rahmen des „Berliner November 2007“ stattgefunden hat. Dabei war der „Berliner November“ 2007 in zwei große Abschnitte aufgeteilt: Am 7. und 8. November fand das Symposium „Kybernetik, evolutionäre Systemtheorie und Dialektik“ an der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Träger waren die Deutsche Gesellschaft für Kybernetik und die Leibniz-Sozietät, unterstützt von der Ernst-Bloch Gesellschaft und dem Bertalanffy Center for the Study of Systems Science.
Den Schwerpunkt des ersten Tages bildete deutlich die Frage, wie das Konzept einer entwickelten Dialektik zu begründen sei, welches den Ansprüchen der philosophischen Tradition und der modernen Wissenschaften gleichermaßen genügt und nachweislich dringend benötigt wird. So begründete Hans Heinz Holz seine These, dass es die Aufgabe der Philosophie sei, nicht nur dialektisches Denken anzuwenden, sondern auch eine Grundlegung der Dialektik vorzunehmen, in die metaphysisches Denken einzubeziehen sei. Anknüpfend an seine Ausführungen zur „Dialektik als heuristische Methode“, die den Anstoß zu dieser Konferenz gegeben hatten, konzentrierte sich Herbert Hörz auf die Darstellung von Gemeinsamkeit und Unterschied zwischen Systemdenken und Dialektik. Rainer Zimmermann hob in seinem Beitrag vor allem die Bedeutung der modernen modellierenden Mathematik hervor. An Hand der Entwicklung von der Kybernetik I. zur Kybernetik II. Ordnung verdeutlichte Klaus Fuchs-Kittowski, wie dialektisches Denken diese Entwicklung und wie umgekehrt die Kybernetik II. Ordnung dialektisches Denken beeinflusst hat. Annette Schlemm gab eine neuere an Hegel orientierte Interpretation von Dialektik. Wie Heinz Engelstädter verdeutlichte, verfügt die Menschheit jedoch noch nicht über eine dialektische Theorie der globalen sozialen Evolution, und deren innere Widersprüchlichkeit und historische Eigendynamik wird erst in Bruchstücken erkannt.
Mit den Referaten am zweiten Tag stand die Rolle dialektischen Denkens für ökonomische und politische Fragen im Vordergrund. In den Referaten von Peter Fleissner und Hans-Gert Gräbe ging es speziell um neue Gedanken zur Arbeitswerttheorie. Christian Fuchs setzte sich mit Vereinseitigungen auseinander, die soziale Entwicklungskonzeptionen lange beherrscht haben. Matthias Schafranek gab einen Überblick über spieltheoretische Bezüge. Mit der von Rainer Thiel aufgeworfenen Frage nach der Lehrbarkeit dialektischen Denkens wurde verdeutlicht, wie man im dialektisch orientierten Handeln der ganzheitlichen Wahrheit näherkommen kann.
Der zweite Abschnitt der Veranstaltung am 9. und 10. November fand im Gästehaus der Freien Universität Berlin statt und beinhaltete das Symposium „Kybernetik und Dialektik“ mit einem Referat von Ruth Dayhoff zu medizinischen Ontologien und die wissenschaftshistorischen Betrachtungen von Rudolf Seising zu Theorien der Systeme in Lebens- und Ingenieurwissenschaften. Daran schloss sich die Fachtagung „Blended-Learning und ethische Bildung an, veranstaltet von der Gesellschaft für Pädagogik und Information GPI), dem Kuratorium Wirtschaftskompetenz für Europa (KWE), der Deutschen Gesellschaft für Kybernetik (GfK) und der Leibniz-Sozietät.
Die Referate am Samstag, der wieder von der Deutschen Gesellschaft für Kybernetik und der Leibniz-Sozietät, unterstützt von der Ernst-Bloch Gesellschaft und dem Bertalanffy Center for the Study of Systems Science veranstaltet wurde, standen ganz im Zeichen der Einzelwissenschaften und der Allgemeinen Systemtheorie im Sinne von Bertalanffy. Karl-Heinz Bernhard arbeitete in seinem Referat heraus, dass bereits Engels verdeutlicht hatte, inwieweit es immer schon Klimawandel gibt, was freilich nicht als Ausflucht dienen darf. Rudolf Rochhausen arbeitete in seinem Referat heraus, warum die Kybernetik und die allgemeine Systemtheorie für das philosophische Denken in der Mitte des 20. Jahrhunderts wichtig waren. Frank Dittmann trug über rückgekoppelte Systeme in einem Werk Richard Wagners vor. Auf der Grundlage neuerer Überlegungen und Forschungen zur Bertalanffy-Rezeption in Deutschland wurde von Verena Witte die Bedeutung der Allgemeinen Systemtheorie von L. v. Bertalanffy für das philosophische Denken bestätigt. Es schlossen sich Beiträge zur Information und Semiotik an (Robert Jahn) und über die internetbasierte 3D-Infrastruktur Second-Life (Andreas Mertens). Den Abschluss der Tagung bildete der gemeinsame Vortrag von Vincent Brannigan und Bernd Beier zum dialektischen Denken bei der rechtlichen Analyse von Unfällen bei Risiko.
Leider können nicht alle hier erwähnten Beiträge abgedruckt werden, aber aus dem Vorliegenden sollte es gleichwohl möglich sein, sich einen repräsentativen Überblick über den hauptsächlichen Verlauf der Veranstaltung herstellen zu können.


K. Fuchs-Kittowski, R. Zimmermann
Berlin und München, im April 2009