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Kühnel, Klaus

Freiheit du siegst. Leben und Sterben der Agnes Wabnitz (10.12.1841–28.8.1894). Eine biographische Collage aus Akten, Aufzeichnungen und Artikeln

2008, 307 S., zahlr. histor. Fotos und Abb., ISBN 978-3-89626-817-4, 24,80 EUR

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Zu den Rezensionen

 

Agnes Wabnitz, als Tochter eines Schankwirts 1841 in Gleiwitz geboren, entwickelte sich zu einer engagierten Streiterin für die Rechte der Frau. So forderte sie die politische Gleichstellung mit dem Mann, setzte sich für das Wahlrecht der Frau und die Verbesserung ihrer sozialen Lage ein. Die in ganz Deutschland berühmte »Wanderrednerin« der SPD wurde unter Kontrolle der Politischen Polizei gestellt. Mehrmals wegen Verächtlichmachens der Kirche und Majestätsbeleidigung angeklagt und inhaftiert, verweigerte sie im Gefängnis jede Nahrungsaufnahme, wurde deshalb zwangsernährt und in ein Irrenhaus eingeliefert. Als sie eine 10-monatige Haft antreten sollte, vergiftete sie sich am 28. August 1894 auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain. Zu ihrem Begräbnis erschienen 45.000 Menschen und legten auf ihrem Grab mehr Kränze ab als seinerzeit während der Beisetzung von Kaiser Wilhelm I.

Das sozialdemokratische Organ, der »Vorwärts« widmet ihr einen Nachruf, worin es heißt: Ein willensstarkes, charakterfestes Weib, der Sache der Arbeiter bis zum letzten Athemzuge treu, ist sie freiwillig in den Tod gegangen. Ihr Geschick hat sich erfüllt. Daß es so kommen mußte, war geschuldet der Verkettung der Verhältnisse und ihrer Individualität, die einen krankhaften Zug aufwies, der sich bis zur hochgradigen Neurasthenie gesteigert hatte. Daß aber eine solche Frau, bei der schon seit Jahren solche pathologische Merkmale zu Tage traten, mit zehn Monaten bestraft werden mußte, kennzeichnet den Geist unserer Rechtssprechung.« – Dazu bemerkt die »Post«, es sei ein Armutszeugnis, »daß man eine Person, die, wie der »Vorwärts« diesergestalt selbst betont, nicht völlig zurechnungsfähig sein soll, lange Jahre zur Agitatorin für die sozialdemokratische Bewegung »benutzt« hat.«
 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Agnes Wabnitz – wer ist das denn? 7
Kindheit 16
Die entscheidende Katastrophe 43
Ärger in Berlin 56
Zuckerbrot und Peitsche 72
Die Agitatorin 87
Käfighaft 105
Ein betriebsamer Staatsanwalt 130
Idol der Zeit 146
Irrenhaus Dalldorf 164
Lebensängste und Strapazen 193
Freiheit auf dem Gottesacker 218
Nachgeburten 246

Anhang 259
Lebensdaten und Zeitereignisse 299
Dokumente und Literatur 303
Bildnachweis 306
Danksagungen 307
 

 

Agnes Wabnitz – wer ist das denn?


Für mich ist jeder Sozialdemokrat gleichbedeutend mit Reichs- und Vaterlandsfeind. Mit diesem Geständnis hatte Kaiser Wilhelm II. – zugleich König von Preußen – am 16. Mai 1889 einer Deputation westfälischer Bergleute einen Blick in seine Seele gestattet. Dann verriet Seine Majestät den erschrockenen Untertanen, dass er mit unnachsichtlicher Strenge einschreiten und die volle Gewalt, die Mir zusteht – und die ist eine große – zur Anwendung bringen wolle, wenn er bei wem auch immer sozialdemokratisches Gedankengut entdecken würde. Diese Einschüchterung war eigentlich fehl am Platz, denn die Untertanen hatten gerade dem Kaiser eifrig gehuldigt und ihm ihre unverbrüchliche Treue in einer Ergebenheitsadresse erklärt.
Die so allgemein gehaltene Drohung galt den Sozialdemokraten als Ganzes und einer Frau im Besonderen, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt erst auf dem Weg war, das Dunkel der Geschichte zu verlassen, um mühsam die Bühne der Politik zu erklimmen: Agnes Wabnitz, Gastwirtstochter aus Gleiwitz.
Dass sie sich mehr für die Probleme der Gesellschaft zu interessieren begann als ihrem langweiligen Beruf nachzugehen und die Wäsche der etwas Reicheren zu pflegen, daran trug kein Geringerer als Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck-Schönhausen die Schuld, der Reichskanzler höchstpersönlich. Und die Abgeordneten des Reichstags selbstverständlich, die eigentlich auch damals schon »nur ihrem Gewissen verpflichtet« sein sollten, aber in bewunderndem Gehorsam der Regierung gegenüber am 19. Oktober 1878 vorsorglich das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie beschlossen hatten. Allein der Titel des Gesetzes verrät schon die Demagogie des Herrn von Bismarck: Zu dieser Zeit war die Sozialdemokratie ganz weit entfernt, gemeingefährlich zu sein oder gar den gewaltsamen Umsturz der Verhältnisse in Deutschland zu planen. Aber sie gewann immer mehr Ansehen und Einfluss in der Arbeiterschaft und war dabei, aus der Bedeutungslosigkeit aufzusteigen und eine politische Macht zu werden. Das widerstrebte Kaiser wie Kanzler und der gewiefte Bismarck – bereits mehrere Male mit einem beantragten Verbot der sozialdemokratischen Partei im Reichstag gescheitert – nutzte die Gunst der Stunde, das so genannte Sozialistengesetz durchzupeitschen. Als Vorwand dienten ihm zwei Attentate auf den einundachtzig Jahre alten Kaiser Wilhelm I. Dem Monarchen hatte der Klempnergeselle Max Hödel am 11. Mai 1878 in Berlin Unter den Linden mit einem Revolver aufgelauert und zwei Schüsse zugedacht, allein der Mann war so aufgeregt und verfehlte sein Ziel meterweit. Majestät kam also mit dem Schrecken davon. Der sofort überwältigte Attentäter soll – ganz wie hernach der »Brandstifter« Marinus van der Lubbe auch – Ausweise und Mitgliedskarten für gleich mehrere sozialdemokratische Vereine in der Hosentasche gehabt haben, weshalb Bismarck schnellstens auf eine Mitbeteiligung des politischen Gegners tippte und die Bewegung verbieten lassen wollte. Jedoch scheiterte er wieder einmal im Reichstag mit seiner Forderung, aber ein Gericht tröstete den Verzweifelten: Es verhängte die Todesstrafe über den tolpatschigen Klempnergesellen, der wahrscheinlich nur ein Werkzeug des Kanzlers war. Max Hödel hatte man noch nicht durch staatlich sanktionierten Mord vom Leben zum Tode gebracht, als schon wieder Schüsse auf den greisen Wilhelm abgefeuert wurden. Diesmal war der Meuchelmörder ein wirklich feiner Herr, Dr. Karl Eduard Nobiling, dem allerdings nachgesagt wird, er sei nicht ganz zurechnungsfähig gewesen. Er benutzte eine Schrotflinte, hatte als Ort des Attentats ebenfalls die einzige Prachtstraße Berlins ausgewählt, sich aber – im Gegensatz zu Hödel – in einen Hinterhalt gelegt, wozu ihm ein offenes Fenster des Hauses Unter den Linden Nummer 18 diente. Dort hatte der angeblich nervenschwache Nobiling eiskalt auf die tägliche Spazierfahrt des Kaisers gewartet, und als der alte Mann in seiner offenen Kutsche vorbeizuckelte, gab der noble Herr einen Schuss auf den Monarchen ab. Von einer Unzahl kleiner Kügelchen verletzt, sank der Herrscher in sich zusammen. Aber es war mehr Blut zu sehen als Schaden angerichtet. Arm und Kopf des Landesherren waren leicht beschädigt. Sofort stürmten aufgebrachte Bürger das Versteck des Nobiling, ergriffen ihn in bodenloser Entrüstung und wollten ihn in die nahe gelegene Neue Wache bringen, deren Soldaten sich so ruhig verhalten hatten, als wären sie auch dieses Mal im Voraus von dem zu erwartenden Ereignis in Kenntnis gesetzt gewesen. Aber der mutige Mörder wollte nicht vor Gericht gezerrt werden. Er hatte noch Zeit genug, das zu verhindern, indem er sich den Lauf des Gewehres in den Mund steckte und abdrückte. Die spätere Obduktion ergab, dass mehrere Schrotkügelchen die Schädeldecke des Attentäters zertrümmert und bei ihrem Austritt sogar Hirnteile mit sich gerissen hatten. Trotzdem war der Mann nicht auf der Stelle tot, sondern konnte den empörten Bürgern noch zuflüstern: Habe viele Mitwisser, will sie nicht schonen, aber auch nicht verrathen. Mich hat’s getroffen! Dann verschied der fragwürdige Held in den Händen derer, die ihn eigentlich ins Gefängnis schleppen und der irdischen Gerichtsbarkeit überantworten wollten. So jedenfalls stand es am Tag danach in der Berliner Zeitung Tribüne, schon damit niemand zu rätseln brauchte, wer den Auftragskiller Karl Eduard Nobiling angeheuert hatte. Natürlich war das für die entsetzten Untertanen nicht Fürst Bismarck, sondern der Reichs- und Vaterlandsfeind Nummer Eins, die Sozialdemokratie. Nun endlich bekam der Kanzler sein lange verweigertes Gesetz, das zwölf Jahre jeden gesellschaftlichen Fortschritt im kaiserlichen Deutschland verhinderte und der Sozialdemokratie alle Luft zum Atmen nahm.
Agnes Wabnitz stand mit auf der Fahndungsliste. Allerdings nicht dem Namen nach, sondern als Frau, der es verboten war, eine politische Meinung zu äußern, denn erst während der blindwütigen Sozialistenverfolgungen begann sie, sich bewusst politisch zu betätigen. Sie sprang für ihren Bruder in die Bresche und nahm seine Position innerhalb der Partei ein, nachdem er aus der Residenzstadt Seiner Majestät gewiesen worden war.
Allerdings gibt es dafür keinen Beweis, aber das besagt nichts. Es war erst nach dem Fall des Sozialistengesetztes 1890 und mit den Beschlüssen des Erfurter Parteitages der SPD im Jahr darauf möglich, dass Frauen eingeschriebenes Mitglied einer Partei werden konnten. Damit war die SPD überhaupt die erste politische Organisation in Deutschland, die Frauen aufnahmen. Sozialdemokratinnen – oder Frauen, die sich als solche verstanden – waren bis dahin eben nicht Parteimitglied oder wurden unter dem Namen ihres Ehemannes aufgenommen und so auch registriert. Wenn Agnes Wabnitz schon damals Parteimitglied gewesen sein sollte – was heute fehlender Unterlagen wegen nicht mehr festgestellt werden kann – wird auch sie ein männliches Pseudonym geführt haben oder unter einem männlichen Vornamen geführt worden sein, wie das damals durchaus üblich gewesen ist.
Sehr rasch erkannte die Wirtstochter aus Gleiwitz, dass die Welt zweierlei Menschen beherbergt: Besitzende und Besitzlose, also Reiche und Arme. Sie spürte, dass die Macht der einen auf der Ohnmacht der anderen beruhte. Wollte man das ändern, durfte man sich nicht blenden lassen von Redewendungen wie: »Das ist so, weil Gott es so gefügt hat!« Es gab reiche Juden und arme Christen ebenso wie reiche Christen und arme Juden. Sie begriff schnell, dass die Einteilung der Menschen nach Haben oder Nichtshaben keine Frage der Religion ist. Deshalb konnten ihrer Meinung nach weder der Glaube an Gott noch inbrünstige Gebete diese Zustände verbessern und Gerechtigkeit auf Erden schaffen, sondern allein der Mensch selbst. Sie bemerkte auch, dass Männer anders angesehen waren in der Gesellschaft als Frauen und dass für gleiche Arbeit ungleiche Löhne gezahlt wurden. Wollte frau das verändern, musste sie eigentlich einen Zweifrontenkrieg führen: Gegen die Besitzenden und gegen die Männer des eigenen Standes, die natürlich auch von ihrer Gleichstellung mit »dem Weibe« nichts wissen wollten. Konkret hieß das für Agnes Wabnitz, die sich noch immer als Schneiderin durch das Leben schlug: Wenn Frauen ihre Situation verändern wollen, müssen sie sich zu Organisationen zusammenschließen, in denen nicht Männer das Sagen haben, sondern sie selbst. Deshalb half sie mit, im gesamten Kaiserreich Frauenvereine zu gründen. Dem sahen die Herrschenden selbstverständlich nicht tatenlos zu. Agnes Wabnitz wurde mehrere Male mit Haftstrafen belegt, die meist als Geldbuße vollstreckt wurden.
Vier Jahre brauchte Agnes Wabnitz, um die wohl bekannteste Frau ihrer Zeit zu werden, denn sie hatte selbstverständlich nicht als Sozialistin das Licht der Welt erblickt, sondern war in ihrem Elternhaus durchaus deutsch-national erzogen worden, weshalb sie ihren Dienst als Hausangestellte eines polnischen Großgrundbesitzers quittierte, nachdem sie mitbekommen hatte, dass er seinen bissigen Hund nach dem Reichskanzler »Bismarck« genannt und damit in ihren Augen die Ehre aller Deutschen beschmutzt und verletzt hatte. So ein konsequentes Wesen war Agnes Wabnitz, wenn ihr etwas gegen den Strich ging.
Die ehemalige Volksschülerin hielt im gesamten Kaiserreich vielbeachtete und stark besuchte Vorträge über Gott und die Welt, über die Anmaßung des Königs, untadelig zu sein und seine uneingeschränkte Gewalt direkt vom Herrn des Himmels empfangen zu haben, über die Scheinheiligkeit der Kirche, die jede sexuelle Betätigung vor der Ehe verdammt, Maria aber eine »Jungfrauengeburt« zugesteht, und das außereheliche Kind Jesu verherrlicht, während eine ledige Mutter in der gegenwärtigen Gesellschaft Höllenqualen durchstehen müsse und ihre doch in Liebe gezeugte Leibesfrucht lebenslang Bosheiten und Misshelligkeiten ausgesetzt sei. Kein Wunder, dass die Agitatorin der Partei nun auch strafrechtliche Verfolgungen erdulden musste. Zehn Monate Gefängnis erhielt sie wegen Majestätsbeleidigung und Verächtlichmachung der Kirche und weil angeblich Fluchtgefahr bestand, wurde sie noch im Gerichtssaal verhaftet. Im Gefängnis verweigerte sie die Aufnahme von Essen und Trinken, weshalb sie erst zwangsernährt und dann in ein Irrenhaus eingeliefert wurde.
Endlich freigekommen, musste sie sich im Krankenhaus aufpäppeln lassen. Als das Reichsgericht in Leipzig ihren Antrag auf Revision des Urteils abgelehnt hatte, bestand die Justiz auf ihrem Recht und forderte Agnes Wabnitz auf, am 28. August 1894 den Arrest anzutreten. Aus Angst vor erneuter Inhaftierung vergiftete sich die Agitatorin der Partei am Tage ihres Haftantritts auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Berliner Friedrichshain. Nun war das Idol der Sozialdemokratie sogar zur Märtyrerin geworden. Zu ihrem Begräbnis muss ganz Berlin auf den Beinen gewesen sein, obwohl die Polizei eine groß angelegte Demonstration der Sozialdemokraten ihr zu Ehren verboten hatte. Ihr Grab schmückten mehr Kränze als seinerzeit das des ersten Kaisers Wilhelm, was die Royalisten furchtbar erbittert und seinen Enkel Wilhelm II. wahrscheinlich in seiner Meinung Für mich ist jeder Sozialdemokrat gleichbedeutend mit Reichs- und Vaterlandsfeind bestärkt hatte.
Wie kommt es, dass die damals reichsweit in Deutschland bekannte Agitatorin, dass diese Vorgängerin von Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Luise Zietz oder Emma Ihrer heute derart vergessen ist? Und das, obwohl sie schon während des Sozialistengesetzes politisch aktiv war, zu einer Zeit also, da Frauen in Preußen wie geistig Behinderten und Lehrlingen jedwede politische Betätigung verboten war?
Für dieses Phänomen gibt es mehrere Gründe. Zum einen war Agnes Wabnitz keine Theoretikerin. Sie hat weder politische Artikel noch agitatorische Abhandlungen geschrieben, die von Generation zu Generation weitergereicht werden können und wenigstens so Namen und Verdienst der Frau lebendig erhalten. Das ist auch nicht verwunderlich, versichert die Historikerin Dr. Christl Wickert auf ausdrückliches Befragen, und erklärt: In der Zeit, wo Menschen ihr politisches Selbstverständnis verteidigen mussten und dafür auch verhaftet, verurteilt und ins Gefängnis gekommen sind, haben die wenigsten theoretische Schriften verfasst. Zum anderen hat Agnes Wabnitz nur wenig Spuren ihrer Tätigkeit hinterlassen, weshalb die Geschichtswissenschaft ihr auch später nicht hinterher geforscht hat. Das erfolgte ja eigentlich in beiden deutschen Staaten erst in den siebziger, achtziger Jahren, dass Frauen, Historikerinnen, sich mit der Geschichte der Frauenbewegung befasst haben und das, was sie herausfanden, niedergeschrieben haben.
Im Klartext heißt das: Agnes Wabnitz ist als scheinbare Lokalgröße durch das Sieb der Geschichte gefallen, weil die allgemeine Erforschung der Aktivistinnen der Emanzipation derart spät einsetzte, dass viele der ohnehin nur wenigen Spuren bereits so verwischt waren, dass eine Rekonstruktion der Ereignisse fast ausgeschlossen erschien. Schlicht und ergreifend gesagt: Bisher war niemand über sie gestolpert und niemand hat die Dokumente, die es über sie gibt, gesammelt und publiziert.
Einen weiteren Grund für das lange und tiefe Vergessen der Agitatorin Agnes Wabnitz sieht die Historikerin Wickert darin, dass Frauen damals noch viel zu wenig Einfluss hatten, um von den Männern als Konkurrenz überhaupt gesehen zu werden. Auch wurden sie heftig bekämpft durch das, was wir heute proletarischen Antifeminismus nennen. Bekämpft durch einflussreiche Männer innerhalb der Partei, nicht unbedingt durch die Parteiführer, nicht durch August Bebel beispielsweise, aber durch die zweite Reihe auf jeden Fall, die um ihre Ämter und Pfründe fürchtete. Den proletarischen Antifeminismus gab es sowohl innerhalb der SPD als auch innerhalb der Gewerkschaften.
So gesehen, ist es längst überfällig, aus zeitgenössischen Akten, Aufzeichnungen und Artikeln eine Biographie dieser Agitatorin der Sozialdemokratie zusammenzutragen und an eine Frau zu erinnern, die zuletzt sich selbst geopfert hat, um ihren Teil beizutragen, dass die Welt besser wird.