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Hecht, Arno

Konservative Kontinuität und ihre Konsequenzen für die medizinische Wissenschaftselite der DDR

[= Medizin und Gesellschaft, Bd. 59], Berlin 2007, 49 S., Abb., ISBN 978-3-89626-791-7, 11,80 EUR
 

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Inhaltsverzeichnis

Ein Anschluss mit Konsequenzen

Gescheiterte Selbsterneuerung

Die fremdbestimmte Hochschulerneuerung

Das Instrument Personalkommission

Die Entlassungsgründe

Das Ausmaß der Entlassungen

Verwestlichung statt Integration

Keine Kollegialität

Konsequenzen aus der Entlassung von Angehörigen der medizinischen Wissenschaftselite

Keine Alternative

Die Frage nach dem Warum?

 

Resumee des Autors zur Abwicklung der universitären medizinischen Ausbildung nach 1991

Ziehen wir abschließend ein Resümee, so kann der Umgang mit der DDR-Wissenschaftselite nur den wirklich überraschen, der sich mit vordergründigen Eindrücken begnügt und nicht den gesellschaftlichen Trend beachtet. Die deutsche Politik der letzten zweihundert Jahre ist durch eine konservative Kontinuität ausgezeichnet. Der Konservatismus hat zwei Gesichter. Das eine ist auf die Bewahrung humaner Lebensformen gerichtet. Das andere betrifft den Konservatismus als reaktionäre Bewegung mit dem Ziel des Erhalts der bestehenden politischen Machtverhältnisse einer kleinen gesellschaftlichen Oberschicht. Der reaktionäre Konservatismus richtet sich gegen all diejenigen, die die bestehende Herrschaftsstruktur infrage stellen und sie verändern möchten. Zu diesen Gegenkräften gehören seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die damals erstarkende Arbeiterbewegung,die kommunistische Bewegung des frühen 20.Jahrhunderts und die von ihr begründeten realsozialistischen Staaten. All diese Gegenkräfte wurden in der Monarchie, der Weimarer Republik, durch die Nazis und nach dem Ende des 2. Weltkrieges durch die Bundesrepublikerbittert bekämpft. Nach dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik mit Restauration der traditionellen Herrschaftsverhältnisse in dem angeschlossenen Gebiet war deshalb eine Abrechnung mit all denjenigen zu erwarten, von denen eine Gefahr für die bestehenden Herrschaftsverhältnisse ausgehen könnte. In ihrer Herrschaft bedrohte Klassen greifen zum Mittel der strukturellen und auch militärischen Gewalt, wenn es darum geht ihren Herrschaftsanspruch zu sichern. Die militärische war nicht erforderlich. Auf die Anwendung struktureller Gewalt gegenüber den DDR-Eliten, einschließlich der Wissenschaftseliten, wurde jedoch nicht verzichtet: „Wie ein roter Faden zieht sich durch Vergangenheit,Gegenwart und Zukunft deutscher Geschichte konservativ-reaktionäre Denk- und Handlungsweise seiner politischen Eliten“. Dies zu begreifen bedeutet die Handlungsweise der gegenwärtigen politischen Elite der Bundesrepublik zu verstehen ohne sie zu billigen.