Maurice Tamisier

Reise in den Hochländern Arabiens

[= Edition Morgenland, Band 4], hrsg. u. aus dem Französischen übers. v. Uwe Pfullmann, 2008, trafo Wissenschaftsverlag, Hardcover, 282 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-89626-768-9, 42,80 EUR

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Inhalt


Vorwort 7

Reise in den Hochländern Arabiens

    Teil I 13

    Teil II 127

Bildanhang 247

Glossar 255

Auswahlbibliographie von und über Maurice O. Tamisier 259

Bildnachweis 260

Editorische Hinweise 261

Anmerkungen 263

Orts- und Personennamen-Konkordanz 273

Über den Herausgeber 277
 

Zum Buch

Der französische Reisende Tamisier (23.12.1810-10.12.1875) verließ Frankreich im Alter von 21 Jahren mit der Absicht, den Orient zu besuchen. Er war Teil einer Gruppe von jungen Saint-Simonisten, die nach 1830 Ihr Glück in Ägypten und dem Nahen Osten suchten. Der Begründer des Saint-Simonismus war Claude Henri Graf von Saint-Simon (1760-1825), der mit 17 Jahren in den Militärdienst trat und nach Amerika ging, um unter George Washington für die Freiheit der Neuengland-Gebiete von Großbritannien zu kämpfen.

Durch die Revolution von 1789 verlor er sein ganzes Vermögen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigten ihn erste Gedanken, etwas Großes für das Wohl der Menschheit zu bewirken, die sozialen und moralischen Missstände zu beseitigen und ein einvernehmliches Leben der Völker sicherzustellen. Saint-Simon fühlte sich als neuer Messias berufen. In weiteren, in den folgenden Jahren erscheinenden Schriften arbeitet er den Klassengegensatz Klassengegensatz von Fabrikbesitzern und Arbeitern, von Kapital und Arbeit heraus. Saint-Simon gilt daher zu Recht als Vordenker von Karl Marx.

Mit seinem Freund Edmond Combes betrat er am 7. August 1833 Kairo und fuhr wenig später mit ihm bis Khartum den Nil flussaufwärts, um Erkundungen für den künftigen Suez-Kanal zu unternehmen. Ein Jahr zuvor hatte Muhammad Ali, der 1805 an die Macht gelangte Herrscher Ägyptens, sich entschlossen, die arabische Hochland-Provinz Asir zu unterwerfen. Zu seiner Armee gehörte bereits ein Sanitätsdienst, der von Dr. Chédufau geleitet wurde. Maurice Tamisier war dessen Sekretär. Bei seiner Ankunft kleidete er sich als Araber und ließ sich einen Bart wachsen. Am 17. Mai 1834 setzte sich die ägyptische Armee in Marsch und umging Mekka im Norden. Über Zaima gelangte sie nach Taif. Der Feldzug wurde durch die Unfähigkeit des kommandierenden Generals, Ahmad-Pascha, zu einem Misserfolg. Am 26. September 1834 musste Ahmad einen demütigenden Waffenstillstand unterzeichnen. Tamisier erreichte über Abu Arisch wieder die Küste.

Im Januar 1835 besuchte Tamisier gemeinsam mit seinem Freund Combes die arabischen Küsten des roten Meeres und gelangte nach Dschidda, Qunfidha, Dschaizan, Luhaiya, Hudaida, Bait al-Faqih, Zabid und Mukha (Moka). Von Mukha aus begaben sich Combes und Tamisier nach Massawa. Von dort aus unternahmen sie ihren bedeutende Reise, wofür sie später mit der Ehrenlegion geehrt wurden. Beide waren von einer Gruppe von Saint-Simonisten unter der Leitung von Prosper Enfantin beauftragt, das Gebiet des Roten Meeres, Nubien und den Sudan zu erkunden. Die Gruppe beschäftigte sich mit Plänen, den Suez-Kanal zu bauen und eine französische Kolonie in Ostindien oder Neuseeland zu errichten. Neben dem allgemeinen sozialistischen Gedankengut waren die Saint-Simonisten davon überzeugt, dass Gott sowohl männlich als auch weiblich war, und deshalb sollte ein weiblicher Messias, eine neue Jungfrau Maria, im Orient gesucht werden, um mit anderen über die Gesellschaft zu präsidieren.

Doch die beiden Abgesandten hätten zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt in Ostafrika eintreffen können. Die Briten waren bereits am Horn von Afrika aktiv und hatten bereits Delegationen nach Äthiopien entsandt. Im Gebiet des heutigen Eritrea kämpften die ägyptischen Garnisonen gegen die Stämme aus dem äthiopischen Binnenland. Äthiopien selbst war in rivalisierende Königreiche gespalten. Die lokalen Potentaten erwarteten von Combes und Tamisier großzügige Geschenke, beide mussten Zollgebühren und Abgaben entrichten, so dass die Reisekasse schnell zusammenschmolz. Sie durchquerten die Gebiete von Adowa, Debra Tabor und das Königreich von Sahle Selassie, um in das Hochland-Königreich der Shoa zu gelangen. Über Aksum und das muslimische Galla-Land und unendlichen Strapazen erreichten sie Angolala, wo sie vom Negus Sahle Selassie freundlich empfangen wurden. Der Versuch, eine antimuslimische Koalition gegen die Potentaten am Horn von Afrika zu schmieden, scheiterten, zum einen, weil die Saint-Simonisten unter Enfantin von Kairo aus operierten, zum anderen, weil Combes und Tamisier nicht ermächtigt wurden, in französischem Namen offizielle Verhandlungen zu führen. Auf dem Umweg um den Tana-See gelangten sie wieder nach Debra Tabor, Gondar, Adowa und Massawa. 1837 erreichten sie schließlich nach einer zweijährigen Odyssee Marseille. Die Gesellschaft für Geografie verlieh ihnen die Goldmedaille.

3 Jahre zuvor war Maurice Tamisier Sekretär von Chefarzt Dr. Chedufau dieser begleitete die ägyptischen Truppen auf ihrem Feldzug in den Asir. Auch heute noch ist der Asir eine weithin unbekannte Gebirgsregion im äußersten Süden Saudi-Arabiens. Lange Zeit konnten die Bergstämme ihr Unabhängigkeit bewahren. Erst 1934 wurden sie unterworfen und in den Saudischen Staatsverband eingegliedert. Ein teil der Attentäter vom 11. September stammt aus dem Asir und den angrenzenden Regionen. Tamisier liefert eine anschauliche Beschreibung des Freiheitskampfes der Bergstämme aus dem Jahr 1834, aber auch anschauliche Belege für die Unfähigkeit des Türkischen Militärs.