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[= Berliner ZeitLäufe, Band 3], 2008, 44 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-89626-763-4, 5,80 EUR
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Kirchen gehören zum
Berliner Stadtbild seit Jahrhunderten wie die sprichwörtlich bekannten
Berliner Spatzen. Wer sie sehen und begreifen will, muss sie erwandern. |
Leseprobe
Tagelang habe ich aus den
Fenstern meines neuen Büros am Franz-Mehring-Platz in Friedrichshain mit
strengem Blick auf die große alte Platane vor dem Eingang des Gebäudes geblickt.
Es hat sich gelohnt. Seit einigen Tagen hat sie Blätter. Ihre Krone reicht hoch
zu mir in den sechsten Stock und ich freue mich, wenn in ihren Ästen die
verschiedenen Vogelarten kreischend auf- und abturnen. Auch sie sind erfreut.
Der Frühling hat uns erobert.
Vor die Frage gestellt, für den neuen Band der Verlagsreihe Friedhöfe oder
Berliner Kirchen aufzusuchen, entscheide ich mich mit sicherem Gespür zuerst für
Berliner Kirchgänge. Hierzu haben auch die vier Kirchtürme beigetragen, die mein
Büro umzingeln. Jeden Morgen nicke ich ihnen zu und grüße.
An religiösen Bauten kann die Stadt mit anderen europäischen Metropolen durchaus
konkurrieren. Allein Knaurs Kulturführer von 1998 zählt in Berlin 140
sehenswerte Gebäude auf. Hierzu kommen noch zahlreiche nicht genannte sakrale
Orte für die unterschiedlichsten Glaubensgemeinschaften.
Treu wie immer hat meine Frau, die Ehrenwerte, mich für die neue Aufgabe mit
Literatur versorgt. Zunächst soll mir Knaurs Kulturführer in Farbe von 1998 über
Berlin genügen. Eine Auswahl muss getroffen werden, Berlin hat viele Kirchen und
einige von ihnen sind schon so oft beschrieben worden. Zu ihnen zählen der
Berliner Dom am Lustgarten, die katholische Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz,
der Französische Dom am Gendarmenmarkt. Auch die Marienkirche am Neuen Markt,
die jüdische Synagoge in der Oranienburger Straße, die Nikolaikirche im
Nikolaiviertel und die von Schinkel errichtete Friedrich-Werdersche Kirche in
Mitte werden nicht erwandert. Die zwei letztgenannten werden seit Jahren bereits
museal genutzt.
Mich reizen die weniger bekannten und dennoch geschichtsträchtigen Gebäude und
hierfür beginne ich mit der Erarbeitung einer zumutbaren Wanderroute. Zeit
hierzu habe ich, da mein fotografischer Wanderpartner Bernhard erst ab Mai mit
mir und der Ehrenwerten durch die Stadt ziehen kann.
Die vielen Religionsgemeinschaften in unserer Stadt haben auch unterschiedliche
Feiertage, an denen die verschiedensten Köstlichkeiten auf den Familientisch
gelangen. Ich nutze die Kochbuchsammlung der Ehrenwerten, um mich mit einigen
von ihnen vertraut zu machen und von diesen zu berichten. Ne jut jebratene Jans
is ne jute Jabe Jottes, sagt ein Berliner Sprichwort. Schauen wir, was es noch
für kulinarische Spezialitäten gibt.
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