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Isensee, Stefan

Hans Brass (1885–1959). Maler, Bürgermeister, Moralist

274 S., 95 Abb. davon 44 farb., ISBN 978-3-89626-748-1, 34,80 EUR

Link zur CD-ROM mit dem Werkverzeichnis von Hans Brass

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Hans Brass war Maler: Expressionist, Mitglied des „Sturm“ und der „Novembergruppe“, Mitbegründer der „Bunten Stube“ in Ahrenshoop. Ein unstetes Leben, vor allem die Widrigkeiten der Nazizeit, dann der frühen DDR, ließen sein bemerkenswertes Werk weithin in Vergessenheit geraten. Der Autor erzählt die romanhaft spannende Lebensgeschichte
des Künstlers, vermittelt Einblicke in dessen
künstlerische Denk- und Arbeitsweise und liefert eine umfassende Übersicht über sein Schaffen. Ein bewegtes Stück deutscher Zeitgeschichte, gespiegelt am Schicksal eines ungewöhnlichen Menschen, wird hier lebendig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt


Vorwort 7

1. Revolution 11

2. Wie einer Künstler wird 38

3. Konflikte und Zerwürfnisse 58

4. Malerei, Geschäft und Politik 67

5. Der Großstadt-Eremit 86

6. Ende und Anfang 111

7. Aufbruch 137

8. Aufenthalt 160

9. Endlich in Berlin 175

10. Ausklang 202

Galerie 217
Anmerkungen 249
Literatur zu Hans Brass 259
Personenregister 267
Lebensdaten 271
Bildnachweis 274
 

 

Vorwort


Hans Brass’ Name ist nicht jedem Kunstliebhaber geläufig. Zwar gelang ihm zu Beginn der Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, der großen Blütezeit der Moderne, in der Kulturmetropole Berlin ein erster, vielversprechender Karrierebeginn, den er jedoch in seiner Unstetheit selbst abrupt abbrach. Der Versuch eines Neuanfangs in den Dreißigern fiel der Barbarei der Nazizeit zum Opfer, die er in einem Alter durchlebte, in dem Künstler anderer Generationen gerade auf dem Höhepunkt ihres Schaffens stehen. Und seine nach 1945 bis ins hohe Alter fortgesetzten Versuche, spät noch einen Durchbruch zu erringen, trafen auf die diktatorisch bevormundende Kulturpolitik der SED im östlichen Nachkriegsdeutschland, die eine Kenntnisnahme seines Spätwerks durch eine breitere Öffentlichkeit nicht mehr zuließ.
Wer jedoch unter den Kunstinteressierten sich näher mit der Berliner Szene um 1920, insbesondere mit dem »Sturm« und der Novembergruppe beschäftigt, stößt bald auf Brass’ Namen, und den Einwohnern, Gästen und Freunden des Ostseebads Ahrenshoop ist er als Maler, Mitbegründer der »Bunten Stube« und zeitweiliger Bürgermeister bis heute bekannt, ein kurzes Stück Straße, gleich gegenüber seiner langjährigen Wirkungsstätte, trägt seinen Namen. Dennoch: Mehr als die Stichworte Sturm, Novembergruppe, Ahrenshoop bringt kaum jemand mit diesem Namen in Verbindung, zumal man in der Literatur nur über verstreute, kurze, meist unpräzise Hinweise auf ihn stößt.
Dabei lohnt es sich durchaus, mehr über Leben und Werk dieses ungewöhnlichen Mannes zu erfahren, denn seine Entwicklung verlief menschlich wie künstlerisch gleichermaßen wechselvoll, reich an geradezu romanhaft überraschenden Wendungen. Aus individueller Perspektive vermittelt seine ganz persönliche Geschichte erhellende Einblicke in den Verlauf eines an Brüchen und Widersprüchen reichen Abschnitts der Kunstgeschichte, einer bewegten, von Krisen und Kriegen zerrissenen Zeit.
Der weitgehende Verlust seiner Bilder aus der Zeit der Zwanziger Jahre, einer Periode, die heute größte Popularität genießt, erschwert die umfassende Würdigung seines Werks. Dennoch, gerade dieser Verlust und der frühzeitige Abbruch seines ersten Karriereanlaufs haben Brass nach 1945 zu einem radikalen Neubeginn geführt und ihn eigenwillig und originell nach neuen, gültigen Antworten auf die Herausforderungen dieser Zeit suchen lassen. So entstand ein ungewöhnlich vielschichtiges, am Ende reifes Alterswerk.
Sein minutiös geführtes Tagebuch erschließt den Zugang zu verborgenen Gedanken und Hintergründen der künstlerischen Arbeit, zum Einfluss von persönlichen Lebensumständen und allgemeinem Zeitgeschehen auf Brass’ Werk. Es bringt uns den Künstler und den Menschen nahe und erlaubt, den inneren und äußeren Prozess seiner schöpferischen Arbeit ein Stück weit nachzuvollziehen. Neben Dokumenten, Archivmaterial und zeitgenössischen Publikationen stellt Brass’ Tagebuch daher die wichtigste Quelle dieses Buches dar. Ihm sind, im Versuch kritischer Würdigung einer sehr persönlichen Selbstdarstellung, alle angeführten Tatsachen entnommen, deren Quelle nicht durch Fußnoten besonders nachgewiesen ist. Einige wenige Details beruhen auf mündlicher Überlieferung von Zeitzeugen.
Von Kennern und Freunden des Brass’schen Werks habe ich große Hilfe erhalten. Mein besonderer Dank gilt Gertrud Wegscheider, Ahrenshoop, und Dr. Ansgar Keßler, Bonn. Von Frau Wegscheider erfuhr ich zuerst Näheres über Brass’ Wirken in dem traditionsreichen Künstlerdorf an der Ostsee und von der Existenz seiner Tagebücher. Dr. Keßler hatte schon seit den achtziger Jahren Fakten und Quellenmaterial über Brass’ Leben und Werk gesammelt. Er hat mir sein umfangreiches Archiv uneigennützig zur Verfügung gestellt und mir während der gesamten Arbeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ohne seine Vorarbeiten wäre dieses Buch nicht entstanden.
Ich danke Bettina Brass, der jüngsten Tochter des Künstlers, sowie Frau Dr. v. Andrian-Werburg, Leiterin des Archivs des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg für die freundliche Unterstützung beim Zugang zu den Tagebüchern, ferner allen Museen und Sammlern, die mir bereitwillig Zugang zu Brass Bildern gewährten, sowie der Galerie Bernd Dürr in München.
Bei der Durchsicht des Manuskripts halfen außer Frau Wegscheider und Herrn Dr. Keßler auch Hannelore Stiefel und Reinhard Brettel und gaben zahlreiche wichtige Hinweise und Anregungen. Auch ihnen sei herzlich gedankt.

 

 

Lebensdaten


1885 Am 9.7. in Wesel geboren.
1891–1896 Grundschule in Berlin-Charlottenburg
1896– 902 Preußischer Kadett in Berlin-Lichterfelde
1902–1904 Besuch der Kunstgewerbeschule Magdeburg.
1904 Anstreicherlehre in Berlin. Danach Besuch der »Lehr- und Versuchs-Ateliers für angewandte und freie Kunst« (Debschitz-Schule) in München.
1904–1908 Gelegenheitsarbeiten, Bohemeleben, gebrauchsgrafische Arbeiten für den Verlag Mosse sowie kurzzeitig für Rudolf Presbers Illustrierte »Arena«. Gestaltung von Büchern für die Deutsche Verlagsanstalt und den Bondy Verlag. Erste eigenständige Zeichnungen und Versuche in Öl.
1908 Eheschließung mit Clara Krause.
1909 Geburt einer Tochter, Ruth.
1914–1918 Teilnahme am 1. Weltkrieg, zuletzt als Offizier. Einsatz in Polen, Mazedonien und Belgien. Unter dem Eindruck der Kriegsgräuel Beschäftigung mit expressionistischen Konzepten (Kandinsky).
1917 Erster Kontakt mit Herwarth Walden.
1919 Mai: Ausstellung beim »Sturm«, zusammen mit Nell Walden.
1919/20 Trennung von Walden, Beitritt zur Novembergruppe
1919–1923 Beteiligung an allen Ausstellungen der Novembergruppe. Veröffentlichungen im »Kunstblatt«, »Kunsttopf«, »Menschen«.
1920 Einzelausstellung in der Galerie Heller in Berlin-Charlottenburg. Beteiligung an der ersten Ausstellung der Galerie Goyert in Köln.
1921 Beteiligung an einer weiteren Ausstellung bei Heller.
1921 Scheidung von Clara Brass. Partnerschaft mit Martha Wegscheider. Teilweise Übersiedlung nach Ahrenshoop. Künstlerisch Hinwendung zur »neuen Sachlichkeit«.
1922 Gründung der »Bunten Stube« mit Martha Wegscheider.
1923 Endgültige Übersiedlung nach Ahrenshoop. Austritt aus der Novembergruppe. Allmähliches Erliegen der künstlerischen Tätigkeit.
1927–1931 Amtsvorsteher der Gemeinde Ahrenshoop. Rege Tätigkeit zur Entwicklung des Seebads
1931 Schwerer Autounfall. Trennung von Martha Wegscheider, Umzug nach Berlin. Beteiligung an der Herbstausstellung der Berliner Secession.
1932 Ein Bild auf der Juryfreien Kunstausstellung in Berlin
1932 Übertritt zum Katholizismus, intensive Beschäftigung mit der Religion. Aussöhnung mit Martha Wegscheider.
1935 Austritt aus der Reichskulturkammer aus politischen Gründen, damit nicht mehr zum Malen befugt. Leben von Sozialhilfe, später quasi als Eremit in einer großstädtischen Missionseinrichtung.
1937 Rückkehr nach Ahrenshoop. Ein autobiografischer Roman entsteht: »Wehe uns Gottlosen«, unveröffentlicht, das Manuskript ist nicht erhalten. Keine sonstige künstlerische Betätigung bis 1944.
1942 Eheschließung mit Martha Wegscheider.
1945 Für einige Monate Bürgermeister von Ahrenshoop.
1946 Beteiligung an einer Ausstellung anlässlich der Neueröffnung des Kunstkatens in Ahrenshoop. Große Einzelausstellung in Schwerin.
1948 Große Einzelausstellung in William Wauers »Kunsthaus Neukölln« in Berlin.
1949–1951 Übersiedlung nach Birkenwerder bei Berlin.
1950 Einzelausstellung mit Zeichnungen in der Bücherstube Lowinsky in Berlin.
1951 Scheidung von Martha Wegscheider und Heirat der 30 Jahre jüngeren Elisabeth Bieschke. Übersiedlung nach Berlin, Friedrichstraße.
1950–1959 Mitgliedschaft im Ostberliner »Verband bildender Künstler« und im Westberliner »Berufsverband bildender Künstler«. Intensive Teilnahme an den kulturpolitischen Auseinandersetzungen in der frühen DDR.
1952 Geburt einer zweiten Tochter Bettina. Beteiligung (ein Bild) an der Ausstellung »Eisen und Stahl« der Nordrhein-Westfälischen Metallindustrie.
1952–1956 Regelmäßige Beteiligung an der Juryfreien Kunstausstellung in Westberlin.
1954 Übersiedlung nach Wuhlgarten bei Berlin-Biesdorf.
1954 Einzelausstellung mit Aquarellen im Krankenhaus Wuhlgarten.
1959 Am 30.5. gestorben. Beerdigt auf dem Friedhof in Biesdorf.

 

Personenregister

A
Ackermann und Pungs, Kunstverlag 34
Albrecht, Ernst 194, 195, 196
 

B
Baltschun, Hans 194, 195
Becher, Johannes R. 135, 152, 155
Behne, Adolf 153, 155, 156, 168
Belling, Rudolf 15, 27, 37, 62
Bennett, Gordon 50
Bismarck, Otto v. 40
Boddien, Heinrich v. 26, 59, 61
Boecklin, Arnold 38
Bondy, Hans 51
Braque, Georges 12
Brass, August Heinrich 39
Brass, August James 39, 41, 43
Brass, Bettina 177, 202
Brass, Else 41, 103, 177, 178
Brass, Grete 41, 92
Brass, Margarethe Hortense 40
Brass, Ruth 51, 54
Bredel, Willi 147
Breuer, Florian 154, 189, 191, 192, 198, 203, 207
Busoni, Ferrucio 86
Busoni, Raffaelo 86
 

C
Campendonk, Heinrich 60
Cassirer, Paul 34
Cézanne, Paul 38
Chevalier, Johann Emil 39
Cremer, Fritz 189, 200, 204, 205, 206
 

D
Daimler, Hans 38
Daumier, Honoré 22, 23
Debschitz, Wilhelm v. 44, 45
Deutschmann, Konrad 115, 116, 131
Dix, Otto 15, 61
Dörffler, Fridomar 35, 36
Dross, Lieselotte 140, 142
 

E
Edison, Thomas A. 38
 

F
Feininger, Lyonel 15, 20, 26
Foucault, Charles de 105
Franco, Francisco 108
Friedrich II. 94
 

G
Gadamer, Hans-Georg 140
Gellhorn, Alfred 37
Gies, Ludwig 181
Goebbels, Joseph 103
Gogh, Vincent van 38
Göring, Hermann 128
Goyert, Galerie 20
Gräff, Emil 115, 127, 131
Grohmann, Will 181
Gropius, Walter 15
Grosz, George 62
 

H
Harich, Wolfgang 199
Hasenclever, Walter 34
Hausmann, Raoul 62
Heimann, Jenny 92
Heisig, Bernhard 171
Heisig, Walter 171
Herzog, Oswald 59, 61, 62
 

Hirschfeld, Magnus 27
Hitler, Adolf 94, 104, 126, 146
Höch, Hannah 15, 62
Hofer, Karl 74, 107, 125, 126, 135, 151, 180, 183, 190
Höffer, Paul 184
Holtz-Sommer, Hedwig 142
Hopp, Hans 153
Hülsmann, Fritz 117

K
Kandinsky, Wassily 12, 15, 20, 22
Kesting, Edmund 169
Kirchner, Ludwig 44
Klausner, Erich 95
Klee, Paul 20, 60
Klein, César 15, 20, 27, 36, 62, 63, 74
Klein-Chevalier, Friedrich 39
Kleinschmidt, Karl 144
Klünder, Arnold 142
Koch-Gotha, Fritz 140, 142, 154
Kokoschka, Oskar 59, 190
Krause, Clara 21, 48, 49, 50, 55, 63, 65, 83
 

L
Lattner, K.A. 106
Liebermann, Max 38, 88
Liebknecht, Wilhelm 40
Lindner, Agathe 145
Lowinsky, Richard 178, 185
Lucke, Hermann 85
Luke, Otto 126
 

M
Mann, Heinrich 150
Meidner, Ludwig 63
Melzer, Moriz 15, 27, 36, 62, 63
Menzel, Adolph 38
Mies van der Rohe, Ludwig 15
Möller, Otto 27
Mosse, Rudolf 47, 51, 78
Mueller, Otto 153
Müller-Kaempff, Paul 52, 142
 

N
Nagel, Otto 15, 36
Nerlinger, Oskar 199
 

O
Oberländer, Doris 140, 142
Obrist, Hermann 44, 45
Osborn, Max 26
 

P
Paetow, Erhard 127, 132
Partikel, Alfred 131
Pechstein, Max 15, 20, 151
Perfall, Erich v. 126
Picasso, Pablo 12, 20, 118, 124
Presber, Rudolf 47
 

R
Redslob, Edwin 158, 159, 207
Reimann, Bruno W. 21, 22, 54
Reiss, Siegfried 44, 46
Rethel, Alfred 149
Riemschneider, Margarete 144, 154
Ringelnatz, Joachim 27, 45
Röhm, Ernst 95
Rosen, Gerd 142
Rosenberg, Alfred 95

S
Sandberg, Herbert 153, 155, 156, 167, 168, 200
Scharrer, Adam 146, 185
Schikowski, John 24, 26
Schlemmer, Oskar 15
Schmidt-Rottluff, Karl 159, 181
Schorn, Theobald 142
Schreker, Karl 15
Schüler, Walter 142, 165, 168
Schultze-Jasmer, Theodor 88, 101, 102, 106, 139
Sommer, Erich Theodor 142
Spitta&Leutz 126
Spitzweg, Carl 38
Stalin, Josef W. 108, 130, 131, 195
Stoermer, Curt 11
Stuckenberg, Friedrich 59, 61
Stuckenschmidt, Hans Heinz 15
 

T
Tappert, Georg 15, 27, 36, 62, 63
Taut, Bruno 15
Taut, Max 181
Thim, Günter 184
Tolstoi, Leo 106
Triebsch, Franz 142
Tucholski, Herbert 178, 198, 207
 

W
Walden, Herwarth 14, 59, 60, 61, 62
Walden, Nell 14, 59, 60
Wauer, William 60, 155, 156, 158, 159, 162, 168
Wegscheider, Fritz 71, 84, 101, 111, 112, 114, 115, 139, 143, 151, 161, 177, 207
Wegscheider, Kurt 71, 101
Wegscheider, Max 64, 67, 70
Wegscheider, Ruth 71
Welk, Ehm 144, 145, 154
Wendt, Hans 159, 167
Wendt, Otto 109, 110, 117, 119, 126
Westheim, Paul 21, 26, 30, 33, 61, 62, 63
Woermann, Hedwig 142
Wolf, Friedrich 152
Wolzogen, Hans v. 27
Würzbach, Walter 37
 

Z
Zeller, Magnus 180
Zierath, Willy 36
Zieritz, Grete v. 184