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Mieszkowski, Sylvia / Vogt-William, Christine (Hg.)

Disturbing Bodies

 

[= Frankfurter kulturwissenschaftliche Beiträge, Bd. 5], 2008, 276 S., 30 Abb. dav. zahlr. farbige, ISBN 978-3-89626-722-1, 29,80 EUR

 

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Disturbing Bodies

Wahrnehmung formt wahrgenommene Objekte mit. Das gilt bereits für die alltägliche Beurteilung bestimmter Körper als disturbing. Es gilt doppelt für die wissenschaftliche Beschreibung von Körpern, die eine Repräsentation und/oder Wahrnehmung als verstörende/gestörte erfahren.
Die Blicke der Autor/innen auf Körper werden von verschiedenen Disziplinen strukturiert, denn die Beträger/innen sind in der Soziologie, der Literatur- und Kulturwissenschaft, der Kunsttheorie, der Philosophie und der Photographie professionell beheimatet. Entsprechend unterschiedlich sind die Parameter nach denen sie Formen von Ver/Störung ausgewählt haben. Als Konsequenz ergibt sich eine Vielfalt von Untersuchungsgegenständen, Vermittlungsformen, Medialisierungen, theoretischen Interpretationsansätzen und Angeboten, die Betrachter/innenposition ins Verhältnis zu den Analyseobjekten zu setzen.
Vampirbisse & Bluttransfusionen, weibliche Genitalbeschneidungen, indische Kastraten & drag queens, behinderte Tänzer­/innen, vakuumverpackte performance-Künstler & auf­blas­bare Madonnen, Bodybuilderinnen, Meerjungfrauen und andere disturbing bodies in Literatur, (Zeichentrick-) Film, Installationskunst, Photographie und Bildhauerei werden daraufhin befragt, welche destruktiven und welche produktiven Kräfte der Ver/Störung von Körpern und ihrer Rezeption innewohnen können.
Mit einer Einleitung von Sylvia Mieszkowski und Beiträgen von Alena Alexandrova, Elisabeth Bekers, Merit Esther Engelke, Isabel Karremann, Andreas Kraß, Carolin Roder, Susanne Scholz, Jules Sturm, Christine Vogt-William und Mica Wirtz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt/Contents


Einleitendes/Introduction 7
Sylvia Mieszkowski

Fragmentierte Körper/Fragmented Bodies 31

Blutspenden – Lebensgaben: Zur Medialität des Blutes in Bram Stokers Dracula 33
Susanne Scholz

Körper-Pamphlete: Weibliche Genitalbeschneidung in Afrikanischen Literaturen 49
Elisabeth Bekers

Queere Körper/Queer Bodies 71

Nicht Fisch noch Fleisch: Queeres Begehren in Andersens Die Kleine Meerjungfrau und Disneys The Little Mermaid 73
Andreas Kraß

Hijras and Drag Queens: Cross-Dressing Disturbed in Contemporary Stage Musicals 89
Christine Vogt-William

Zwischenbilanz/Interim 119

Macht – Körper – Sinn? Körper als Schnittstelle zwischen kultureller Einschreibung und verstörendem Eigensinn 121
Isabel Karremann und Carolin Roder

Normen & Abweichungen/Norms & Deviations 165

Seeing Through an Aesthetics of Vulnerability 167
Jules Sturm

Vermännlichung durch Krafttraining? Muskeln, Weiblichkeit und Heteronormativität im Frauenbodybuilding 189
Mica Wirtz

Körperbilder/Body Images 213

The Body Within: On Images and Ruptures 215
Alena Alexandrova

Galerie 233
Merit Esther Engelke

Verstörende Bilder: Körperphotographien 257
Merit Esther Engelke

Kurzbiographien der Autor/innen/Short Author Biographies 273
 

 

Einleitendes

Sylvia Mieszkowski
 

Auf der Wissenschaftsseite seiner Homepage bietet der britische Sender BBC unter der Rubrik »Human Body & Mind« das Spiel »Interactive Body« an, mit dem online-Besucher ihre Anatomiekenntnisse testen können. Zunächst hat man die Wahl zwischen den Kategorien »Skelett«, »Muskulatur«, »Nervensystem« und »Organe«, dann muß man sich für ein Geschlecht entscheiden. Als nächstes bekommt man Körperteile der gewählten Kategorie angeboten, die man per Mausklick in die richtige Position rotieren und dann an den korrekten Ort im Körper manövrieren soll. Nach zehn Knochen, Muskeln oder Elementen des neurologischen Systems, beziehungsweise sechzehn Organen erhält die Hobbyanatomin eine Bewertung ihrer Kenntnisse von »lots to learn« bis »top notch«. Erheblich professioneller, mit Kernspinresonanztomographie-Aufnahmen, die für drei Ebenen abgerufen werden können, wartet die Website von e-anatomy auf. Zwar wird dort um eine Anmeldung per Email ersucht, doch die Registrierung steht allen offen, das heißt, um auf diesen interaktiven Anatomie-Atlas zugreifen zu können, müssen keine medizinischen Qualifikationen vorgewiesen werden. Einen körperzentrierten Informations-Service anderer Art bietet die amerikanische Website »webmd.com« in Wort, Graphik und Bild. Durch Anklicken eines Körperbildes auf dem Bildschirm und Auswahl von Beschwerden aus mehreren drop-down Menüs hilft der so genannte symptom checker den online-Besuchern, ihre fiktiven oder tatsächlichen Leiden einer Reihe von mehr oder weniger präzisen Krankheitsbildern zuzuordnen. Der ausführliche disclaimer der Website warnt davor, den Besuch beim Hausarzt durch die Ferndiagnose Marke Eigenbau zu ersetzen. Dort liest man: »WebMD does not provide medical advice, diagnosis or treatment«. Gleichwohl ist zumindest die Diagnose explizit der Endpunkt des virtuellen Symptomzuordnungsprogramms. Volksbildung? Gesellschaftsspiel? Hypochonder-Paradies? Medizineralptraum? Vielleicht ist doch etwas dran an der Behauptung, Gunther von Hagens Körperwelten-Projekt habe die Massen aus einer Art anatomischem Dornröschenschlaf geküßt. Tatsache ist: das Interesse am Körper boomt.
Im deutschen Fernsehen veranstaltet Dr. House, der misanthropisch-wortwitzige Holmes der Humandiagnostik, seit Mai 2006 jeden Dienstagabend eine Symptom-Schnitzeljagd in und mit den Körpern seiner Patienten, während die Störungen seines eigenen Körpers – bedingt durch Muskeltod und Vicodin-Abhängigkeit – permanent mitthematisiert werden. House führt auf der innerfiktionalen Ebene (fieberhafte Differentialdiagnose) wie auf der realweltlichen (Einschaltquoten) vor, daß jene Körper, die die so genannte Norm als soziale Hilfskonstruktion mit einigen Vorteilen und einer ganzen Reihe problematischer Implikationen ins Licht rücken, zu Beginn des 21. Jahrhunderts ganz besonderes Interesse genießen. Laut Angaben des Mediendienstes Kress lockt RTL jeden Dienstagabend zur besten Sendezeit im Schnitt über vier Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Um die charismatische Hauptfigur sind bemerkenswert ›normale‹ Mitarbeiter und Kollegen postiert, die ihrerseits im Kontrast zur Schar der Patienten und ihrer disturbing bodies stehen: ein Mann, der zwei verschiedene Blutgruppen hat; ein sechzehnjähriges Supermodel, das sich als Hermaphrodit herausstellt; ein Mädchen, dessen Mutter kleinwüchsig ist, und dessen geringe Körpergröße deswegen von niemandem einem Gehirntumor zugeschrieben wird; ein extrem schwergewichtiger Mann, der sich vehement (und wie sich herausstellt, zu recht) dagegen verwahrt, daß alle seine Symptome seinem Gewicht geschuldet seien; ein Mädchen, das keine physischen Schmerzen empfinden kann. Die Reihe ließe sich problemlos weiterführen, doch bereits diese wenigen Beispiele illustrieren, daß die ›Norm‹ nur dann als sinnvolles Diagnose-Instrument dienen kann, wenn ihr grundsätzlicher Konstruktcharakter klar ist. Gerät dies in Vergessenheit, so führen die aufgelisteten Beispiele vor, kann das für individuelle Körper, die ihr eben nicht entsprechen, tödlich sein. Doch selbst wenn es nicht ganz so tragisch endet, produziert die ›Norm‹ in dem Moment, in dem ihr Konstruktcharakter in Vergessenheit gerät, Konformismus und Diskriminierung oder sorgt für die Pathologisierung dessen, was von ihr als ihr Anderes hervorgebracht wird. In einem kurzen Dialog, in dem House und seine (dünne, sozial privilegierte, weiße) Mitarbeiterin Dr. Cameron über das Verhältnis der Eltern eines Patienten zu ihrem autistischen Sohn diskutieren, wird diese Botschaft prägnant auf den Punkt gebracht:

Cameron: Is it so wrong for them to want to have a normal child? It’s normal to want to be normal.
House: Spoken like a true circle-queen. It’s these skinny, socially privileged, white people who get to draw this neat little circle. And everyone inside the circle is ›normal‹; and anyone outside the circle should be beaten, broken and reset, so that they can be brought into the circle. Failing that, they should be institutionalized or worse: pitied.

Durch das Wortspiel mit »circle-queen« betont Houses Antwort, daß diejenigen, die (wie Cameron) das Feld der ›Norm‹ abstecken, dies (wie Cameron) unumgänglich in zirkulär verlaufenden Argumenten tun.
Im Juli 2005 machte das Amsterdamer Rijksmuseum auf eine Installation des Photo­graphen Mark Bain mit einem weiblichen Körper aufmerksam, der mit Versatzstücken aus der Werbung arbeitet, bekannte Schönheitskonventionen aufgreift, sie aber verändert und damit die Blicke der Betrachter (ver-)stört. Sanneke Baars, das Modell, ist auf dem besagten Plakat von hinten zu sehen: hoch gewachsen, mit blondem Langhaar, rotem Slip und einem Bein, das im Kindesalter zu wachsen aufgehört hatte und, von einer Unterschenkelprothese gestützt, künstlich auf die Länge des anderen Beins verlängert wird. Als zentrale Motive der Arbeiten von Bain benennt Baars in einem Interview Störung und Zerstörung.
Ebenfalls im Sommer 2005 brachte Lee Breuer, Gründungsmitglied und Regisseur der experimentellen New Yorker Theater-Truppe Mabou Mines eine Adaptation von Henrik Ibsens Nora. Ein Puppenheim auf die Bühne. Ibsens proto-feministische Botschaft – daß die Männerwelt nur Platz habe für puppenähnliche Frauen, die sich selbst verniedlichen, um ihren Männern das Gefühl von Größe zu geben – wurde von Mabou Mines durch einen körperlich produzierten Verfremdungseffekt aktualisiert. Die Männerrollen waren mit Schauspielern besetzt, die zwischen 1,01 Meter und 1,34 Meter maßen, die weiblichen Rollen hingegen mit Frauen, deren Größe der durchschnittlichen Größe der Zuschauer/innen entsprach, wobei Bühnenbild und Requisiten auf die Maße der Männer zugeschnitten waren.
Die 1983 von Manri Kim gegründete Performance-Truppe Taihen aus Osaka besteht aus Tänzerinnen und Tänzern mit körperlichen Behinderungen. Im September 2001, im Rahmen der »Asia-Pacific Week«, führt das Ensemble zum ersten Mal The Legend of Maha-Laba Village in Berlin auf. Als das Stück im Sommer 2005 auf dem Festival »Theater der Welt« in Stuttgart zu sehen ist, wird es in der Zeit rezensiert. Roland Müllers Besprechung hebt dabei das verstörende Bewegungsvokabular hervor, das sich das Ensemble erarbeitet hat: »Da rudern Arme, die in Stümpfen enden, durch die Luft, da schlingen sich Beine, die keine Kraft mehr haben, um den Kopf, da robben Körper, gezeichnet von Kinderlähmung, unter dem Bühnentuch hervor.« Die radikale Ästhetik und das einzigartige Repertoire dieser Kompanie erweitern den Formenkatalog des modernen Tanzes, die Chefin der Truppe benennt aber auch politische Ziele. Auf der Website von Taihen heißt es: »We have three axes for our activity: to create innovative expressions that pull down the existing frameworks of [the] arts; to encourage participation of those who have been considered as outsiders of art; to sledgehammer the boundary between art and life, involving manifold matters into [the] arts.«
In den Niederlanden hat die Dokumentarfilmerin Sunny Bergman 2007 mit »Beperkt Houdbaar« und den daran anschließenden politischen Aktionen – »the people vs. the beauty industry« – Aufsehen erregt. Der feministische anti-makeover Film kritisiert die Schönheitsindustrie – von den Herstellern von Kosmetikprodukten über die Macher von Werbeplakaten und Hochglanzmagazinen bis zu den Abräumern unter den plastischen Chirurgen – für das Propagieren eines Ideals weiblicher Schönheit, das jegliche Referenz in der Realität aufgegeben hat. Vor allem zwei Praktiken werden durch Bergman angeprangert: die unmarkierte digitale Bearbeitung von Porträts mit Hilfe von Photoshop und ähnlichen Programmen in der Werbung; und die Ausdehnung des Zuständigkeitsbereichs der plastischen Chirurgie auf das weibliche Genital. Bergmans Versuch, die führenden glossy magazines in den Niederlanden dazu zu überreden, bei der photoshop-vrij actie mitzuwirken und jene Bilder diskret mit einem Logo zu kennzeichnen, auf denen Körper und Gesichter der Models digital verändert wurden, scheiterte. Die politischen Aktionen der von Bergman und sechs anderen Frauen gegründeten Stiftung Onbeperkt Houdbaar werden indes fortgesetzt. Mindestens eine Petition ist als Auftrag an mehrere Parlamentsmitglieder weitergereicht worden und auf dem Weg durch die politischen Gremien. Sie betrifft das Anliegen, das Mindestalter von Frauen, die aus rein ästhetischen Gründen einen operativen Eingriff vornehmen lassen möchten – etwa um ihre inneren Schamlippen verkleinern zu lassen und den so genannten playboy-look zu erzielen –, von sechzehn auf achtzehn Jahre anzuheben. Wichtig für unseren Kontext ist dieses letzte Beispiel aus mehreren Gründen; zunächst weil es zeigt, wie die Manipulation von Körperbildern zu (operativen) Einschnitten in lebendes und gesundes Fleisch führt. Außerdem, weil es klar macht, daß nicht nur die Unterschreitung der ›Norm‹, sondern auch ihre Steigerung zum Ideal verstörende Effekte erzielt. Drittens weil es auf den von der Schönheitsindustrie aus Profitstreben insinuierten, vermeintlichen Zusammenhang zwischen der Zurichtung des Körpers und dem seelischem Gleichgewicht und Glücksgefühl der Frauen aufmerksam macht. Schließlich weil es zur Diskussion stellt, wieso Ärzte in Europa und den USA, die aus kulturellen (in diesem Fall ästhetischen) Gründen operative Eingriffe am Geschlecht von Frauen vornehmen, überhaupt Zulauf erhalten. Noch dazu in dem Moment, in dem es zunehmend gelingt, die Praxis der Genitalbeschneidung, die in einigen afrikanischen Ländern ebenfalls kulturell (in diesem Fall sozial) begründet werden, abzuschaffen.
Seit den 1990ern haben die Geisteswissenschaften den oder vielmehr die Körper vor allem als Einschreibungsfläche/n kultureller Praktiken, als Projektionsfläche/n kollektiver oder individueller Phantasmen und als Quelle/n der Störung symbolischer Ordnungen analysiert. Die Reihe von Publikationen, die immer neue Fragen an die verschiedenen Körper herantragen, ist seit dem nicht abgerissen. Das Spektrum reicht hier von der sozialen Konstruktion von Körpern über die Kategorien Geschlecht, Klasse, Rasse, Begehren und Alter zu Kulturtechniken an konkreten, lebendigen, menschlichen, tierischen oder cyborg-ähnlichen Körpern und Praktiken, die sich mit toten Körper beschäftigen, bis zu allen Formen der Repräsentation von Körpern in Literatur oder bildender Kunst und der Beschäftigung mit ihren semiotischen Funktionen. In diese reiche Tradition geisteswissenschaftlicher Untersuchungen, die den Körper als Objekt im Spannungsfeld zwischen kulturellem Konstrukt und materieller Substanz ebenso wie als wichtigen Teil des Subjekts zu begreifen suchen, reiht sich unser interdisziplinäres Projekt ein. Das spezielle Interesse der einzelnen Beiträge aus Literatur- und Kulturwissenschaft, Kunsttheorie, Soziologie, Philosophie und Photographie gilt dabei den Formen der destruktiven und/oder produktiven Störung/Verstörung von Körpern und durch Körper – seien sie lebendig oder Zeichenträger oder beides.
Der vorliegende Band rekrutiert sich aus zwei verschiedenen Veranstaltungskontexten. Im Verlauf dreier Semester – vom Winter 2005/06 bis Winter 2006/07 – wurde von den Frauenbeauftragten des Instituts für England- und Amerikastudien der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt eine Vortragsreihe mit dem Titel Disturbing Bodies organisiert. Das Gros der Artikel, die wir hier präsentieren, basiert auf den besten der dort gehaltenen Vorträge. Inspiriert durch die theoretischen Modelle der jüngsten gender studies, durch literarische Texte und zeitgenössische künstlerische Arbeiten nahm die Vortragsreihe Disturbing Bodies jene Effekte der Störung in den Blick, die Dynamisierung, Pluralisierung, das Aufbrechen von Hegemonien, ein Infragestellen von scheinbar natürlich Gegebenem und durch Tradition zur Norm Versteinertem zur Folge haben. Denn oft sind es ›störende‹ und/oder ›gestörte‹ Körper, die Bewegung in Denksysteme oder Ordnungsmuster bringen. Es ging in dieser Vortragsreihe aber auch um die Frage nach der Grenze der Akzeptanz von Störung und damit um den Punkt, an dem Störung in Zerstörung umschlägt. Im Januar 2007 fand, ebenfalls am IEAS und organisiert von Susanne Scholz und Sylvia Mieszkowski, ein Nachwuchs-Workshop unter dem Titel Bend It Like Gender statt. Drei der hier präsentierten Artikel nahmen dort ihren Anfang. Für die vorliegende Publikation wurde diese Zweiteilung der Ursprungszusammenhänge zugunsten einer thematischen Gliederung in vier Abschnitte aufgelöst, die sich mit fragmentierten Körpern, queeren Körpern, Normen & Abweichungen und Körperbildern beschäftigen.
Den Auftakt bilden zwei literaturwissenschaftliche Untersuchungen, die sich für das gewaltsame Perforieren oder Zerschneiden als Form der Störung von Körpern und der Verstörung durch sie interessieren. »Blutspenden – Lebensgaben: Zur Medialität des Blutes« hat Bram Stokers Dracula zum Analyseobjekt. Susanne Scholz konzentriert sich darin auf die kulturellen Signifikationsprozesse, die den Austausch von Blut und anderen Körperflüssigkeiten zwischen englischen und nicht-englischen, zwischen weiblichen und männlichen, zwischen lebenden und untoten Körpern begleiten. Als Zeichenträger symbolischen Kapitals wird der Austausch von Blut dabei vor dem Hintergrund von Gabentheorien als eine Praktik gelesen, die traditionelle Hierarchien stört und ver/störende Körper produziert.
Was Zeit und Ort angeht, liegen Welten zwischen dem England der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem Afrika der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In ihrem Beitrag »Körper-Pamphlete: Weibliche Genitalbeschneidung in Afrikanischen Literaturen« geht es Elisabeth Bekers um Darstellungen einer, aus westlicher und feministischer Sicht betrachtet, extrem verstörenden kulturellen Praxis in Romanen aus verschiedenen afrikanischen Ländern und der afrikanischen Diaspora. Im Gegensatz zum Großteil der zum Thema der female genital excision erscheinenden Texte ist es Bekers Studie aber nicht darum zu tun, den Brauch politisch zu bekämpfen. Vielmehr wird in dieser diachronisch angelegten Studie, die literarische Tendenzen aus vier Jahrzehnten einfängt, nachgezeichnet, in welcher Gestalt und zu welchem Zweck auf Englisch, Französisch und Arabisch schreibende Autor/innen afrikanischer Herkunft dieses Thema in ihren Romanen verhandeln. Auf diese Weise wird deutlich gemacht, wie afrikanische Auseinandersetzungen mit weiblicher Genitalbeschneidung zum Verständnis der Komplexität der Debatte über diese Praktik beitragen.
Eine der derzeit produktivsten Formen der gender studies firmiert unter dem Etikett der queer theory, für das Andreas Kraß als deutsche Übersetzung »kritische Heteronormativitätsforschung« vorschlägt. Dieses Forschungsfeld fußt auf dem Interesse an der Dekonstruktion zweier Dichotomien: zur Untersuchung der in sich hierarchisierten und gewerteten Opposition von ›männlich‹ vs. ›weiblich‹, der sich bereits die Geschlechterforschung verschrieben hat, tritt in der kritischen Heteronormativitätsforschung noch die Analyse der Dichotomie ›heterosexuell‹ vs. ›homosexuell‹. Der zweite thematische Abschnitt von Disturbing Bodies beschäftigt sich mit Körpern, die die heteronormative Matrix stören oder von ihr als verstörend gebrandmarkt werden, um dadurch die soziale Ordnung als heteronormative zu stabilisieren.
Andreas KRAß, der in der Vortragsreihe mit einem Beitrag über Hans Christian Andersens Die Kleine Meerjungfrau mitgewirkt hatte, nimmt für den Band eine Erweiterung vor, wenn er der dänischen Märchenliteratur den US-amerikanischen Zeichentrickfilm zur Seite treten läßt, und sein Augenmerk auf die Ökonomie des Begehrens in Andersens Text und Walt Disneys Little Mermaid richtet. In »Nicht Fisch noch Fleisch« wird das Schicksal der kleinen Meerjungfrau und das der Meerhexe über das Sündenbock-Muster, wie René Girard es beschrieben hat, miteinander verklammert. Durch die massive Störung des Körpers gibt die kleine Meerjungfrau die soziale Ordnung der Meeresbewohner zugunsten der der Menschen auf; durch seine vollständige Auflösung tritt sie von dort schließlich in die Sphäre der Luftgeister über. Die als queer markierte und als verstörender Körper inszenierte Meerhexe aber ist es, die diese Transgressionen überhaupt erst möglich macht.
In ihrem Beitrag »Hijras and Drag Queens: Cross-Dressing Disturbed in Contemporary Stage Musicals« untersucht Christine Vogt-William Figuren, die sich einer eindeutigen geschlechtlichen Zuordnung entziehen und dafür mit dem Tod bestraft werden. Als Analyseobjekte wählt sie mit Rent und Bombay Dreams zwei Musicals, die um den Millenniumswechsel herum spielen und zu dieser Zeit auch auf die amerikanische/englische Bühne kamen. Im Zentrum steht auf der einen Seite die hijra Sweetie, die als Produkt einer (indischen) kulturellen Praxis der freiwilligen Kastration ein Leben jenseits der heteronormativen Gesellschaft führt; und auf der anderen Seite die (hispanisch-US-amerikanische) drag queen Angel, deren Absage an Heteronormativität nicht auf der Ebene von sex, sondern auf der von gender ansetzt.
Vor den dritten Abschnitt und damit an den Scheitelpunkt des Bandes, haben wir einen Beitrag gesetzt, der auf zwei Ebenen Brücken schlägt: auf der argumentativen Ebene die Brücke zwischen Theorie und Literatur als Medien der Bedeutungsstiftung; auf der methodologischen Ebene die Brücke zwischen den Beiträgen, die sich aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Sicht und denen, die sich aus philosophischer, gesellschaftswissenschaftlicher, kunsttheoretischer und künstlerischer Warte mit Disturbing Bodies beschäftigen. Isabel Karremann und Carolin Roder eröffnen ihren gemeinsamen Artikel mit einem Arrangement, das drei theoretische Positionen, aus deren Perspektive in den letzten knapp zwanzig Jahren bevorzugt über Körper geschrieben wurde, kritisch gegeneinander stellt. Konstruktivismus, Phänomenologie und Psychoanalyse werden nacheinander darauf befragt, welche Möglichkeiten sie bereitstellen, Körper zu denken, sie insistieren und dabei Prozesse von Bedeutungskonstitution produktiv stören zu lassen. Die zentrale These von »Macht – Körper – Sinn? Körper als Schnittstelle zwischen kultureller Einschreibung und verstörendem Eigensinn« lautet, daß der Körper und sein Störpotential im literarischen Raum noch einmal anders zur Sprache kommen können als im theoretischen Diskurs. Die Formenvielfalt der Ver/Störung von Körpern und durch Körper wird im zweiten Teil des Artikels anhand von zehn literarischen Texten unterschiedlicher Gattungen und Epochen (sowie einem Film) belegt.
In gewisser Hinsicht beschäftigen sich die beiden Beiträge der dritten Sektion mit zwei Seiten derselben Medaille, nämlich dem Verhältnis von Körpern zur ›Norm‹ als kulturellem Konstrukt und ihrer Wahrnehmung als ›verstörend‹, wenn sie – ob aus freien Stücken oder nicht – den ihnen zugewiesenen Platz nicht einnehmen. Der erste beschäftigt sich, aus philosophischer Warte, mit Körpern, die angeblich hinter jenem Richtwert der so genannten ›Norm‹ zurückbleiben, der zweite untersucht, aus soziologischem Blickwinkel, Körper, die über sie hinausgehen.
In den letzten Jahren hat sich mit den disability studies ein Forschungsansatz ausgeformt, der mit Hilfe des Instrumentariums der Differenztheorien körperliche Beeinträchtigung oder Behinderung neu zu konzeptualisieren versucht. Die jüngste Entwicklung in diesem Forschungsfeld verknüpft unter dem provokativen Namen crip theory Impulse aus der queer-theoretischen Heteronormativitätskritik mit dem politischen Aktivismus der disability studies. Anhand des Dokumentarfilms augen blicke N (2005) von Gitta Gsell and Gesa Ziemer, in dem behinderte Tänzerinnen und Tänzer ihr Körpergefühl zu vermitteln suchen, entwickelt der Artikel von Jules Sturm eine Ästhetik der Verletzbarkeit, die dann am Beispiel von Mark Quinns Skulptur Alison Lapper Pregnant (2005) auf die Probe gestellt wird. In »Seeing Through an Aesthetics of Vulnerability« wird für die Verabschiedung des für die Beschreibung von Körpern in vielerlei Hinsicht diskriminierenden »Norm vs. Devianz«-Modells plädiert. An seiner Statt wird ein in sich nicht hierarchisiertes System von Differenzen vorgeschlagen, innerhalb dessen Ansehen und Angesehenwerden zu einem gemeinschaftlichen Projekt zusammenwachsen können.
Die Gesellschaftswissenschaftlerin Mica Wirtz setzt sich in ihrem Beitrag mit dem Befund auseinander, daß Muskeln grundsätzlich männlich codiert sind, und geht dem Klischee nach, Krafttraining führe bei Frauen zur – klar negativ besetzten – »Vermännlichung«. Als Analyseobjekte dienen ihr Texte und Bilder aus einer Subkultur des Kraftsports: dem Frauen-Bodybuilding. Im Fokus steht hier, mit welchen Strategien versucht wird, dem Klischee der Vermännlichung, dem latent immer präsenten Verdacht der Unfruchtbarkeit und dem der Homosexualität zu begegnen. In »Vermännlichung durch Krafttraining? Muskeln, Weiblichkeit und Heteronormativität im Frauenbodybuilding« tritt aber auch klar zu Tage, wie sich die (hetero-) sexistische Norm reproduziert und erfolgreich verordnet, daß ein muskulöser Frauenkörper als ver/störend wahrzunehmen ist.
Die letzte Sektion von Disturbing Bodies wendet sich noch einmal dem Verhältnis von Körpern, ihren Abbildungen und deren Betrachterinnen in den (ab)bildenden Künsten, diesmal aus zwei neuen Positionen, zu. In einem kunsttheoretischen Artikel untersucht Alena Alexandrova drei Arbeiten des zeitgenössischen belgischen Künstlers Lawrence Malstaf. Christlich-religiöse Motive, die an den Körper gekoppelt sind, erleben um den Jahrtausendwechsel herum und innerhalb einer an und für sich klar säkularen Kunst eine Renaissance. Für die Analyse von Sandbible (1999), Madonna (2000) und Shrink (1995) werden in »The Body Within: On Images and Ruptures« drei Konzepte – das Symptom, die Symptom-Imago und der Gegen-Abdruck – weiterentwickelt, um Malstafs künstlerische Verfahren der Verschiebung, Inversion und Dekonstruktion in Bezug auf Körper und ihre Repräsentationen freizulegen.
In gewisser Weise spiegelt der letzte Aufsatz den Beitrag von Roder/Karremann am Scheitelpunkt des Bandes, denn auch hier geht es um den Brückenschlag zwischen Theorie und – in diesem Fall photographischer – Praxis. Der hybride Beitrag von Merit Esther Engelke läßt auf eine kommentierte Galerie einiger ihrer eigenen Arbeiten über verstörende und gestörte Körper einen Artikel folgen, dessen Bildlektüren und Einblik­ke in die Geschichte der Photographie immer wieder die vorangestellten Körperbilder evozieren. Indem »Verstörende Bilder: Körperphotographien« Engelkes zwei Berufungen – als Künstlerin und als Bildwissenschaftlerin – einander kommentieren läßt, wird zum Abschluß unseres Bandes eine Konvention des wissenschaftlichen Schreibens – nämlich die Trennung von produzierender und analysierender Instanz – bewußt gestört.
Im Oxford English Dictionary sind die Bedeutungen von »to disturb« wie folgt angegeben: »to throw into disorder«, »to agitate and destroy (quiet, peace, rest); to break up the quiet, tranquility, or rest of (a person, a country, etc.); to stir up, trouble, disquiet«. Diese Definition von Störung – der Ordnung, von Ruhe, der Stabilität, des Friedens – scheint vorwiegend negative Konnotationen zu haben. Allerdings ergeben sich diese negativen Konnotationen aus der positiven Wertung dessen, was gestört wird. Die negative Bewertung der Störung hängt davon ab, daß das, was gestört wird, nur im ungestörten Zustand wertvoll, nutzbringend und/oder erstrebenswert ist. Was aber, wenn die Ordnung, die gestört wird, nur für manche Subjekte, die ihr unterworfen sind, wünschenswert ist? Was, wenn die Ruhe nur durch Ruhigstellung zustande kommt? Was, wenn die Stabilität um den Preis des Ausschlusses erkauft ist? Mit unserem Band Disturbing Bodies hoffen wir, jenen Formen der Störung von Körpern oder durch Körper Aufmerksamkeit zu verschaffen, die einen positiven Effekt, eine Dynamisierung, eine Pluralisierung, ein Aufbrechen von Hegemonien, ein Infragestellen von scheinbar natürlich Gegebenem und durch Tradition zur Norm Versteinertem auslösen. Das OED liefert noch weitere Definitionen von »to disturb«: »to agitate mentally, discompose the peace of mind or calmness of (any one); to trouble, perplex«, »to interfere with the settled course or operation of; to put out of its course; to interrupt, derange, hinder, frustrate«, »to hinder by interference«. Wieder sticht zunächst das destruktive Potential ins Auge. Doch mit dem vorliegenden Buch möchten wir auch hier die implizite produktive Kraft der Ver/Störung in den Vordergrund stellen. Disturbing Bodies kann hoffentlich dazu beitragen, interdisziplinäre Diskussionen in Gang zu bringen, »Ruhe« im Sinne von Stagnation in Bewegung des Denkens zu verwandeln und disziplinengebundenen Traditionen entstammende Klischees zu stören.


Literatur
Bérubé, Michael/McRuer, Robert (2006), Crip Theory: Cultural Signs of Queerness and Disability, New York.
House M.D. created by David Shore, produced by: Heel and Toe Films, Shore Z Productions and Bad Hat Harry Productions in association with Universal Media Studios.
Kraß, Andreas (erscheint 2008), »Camouflage und Queer Reading: Methodologische Überlegungen am Beispiel von Hans Christian Andersens Märchen Die kleine Meerjungfrau«, in: Anna Babka/Susanne Hochreither (Hg.), Queer Reading in den Philologien: Modelle und Anwendungen, Göttingen.
Müller, Roland (2005), »Durch den Körper in 25 Tagen«, in: Die Zeit 28 (07.07.), S. 36.
Sawyer, Pete (2005), »Model of Disruption«, in: Amsterdam Weekly (13.07.), S. 5.
Websites
http://www.bbc.co.uk/science/humanbody/body/interactives/3djigsaw02/index.shtml (28.03.2008).
http://www.e-anatomy.org (28.03.2008).
http://www.webmd.com (25.03.2008).
http://www.kress.de/cont/quoten.php (29.03.2008).
http://www.asahi-net.or.jp/~tj2m-snjy/eng/epolicy.html (29.03.2008).
http://www.asahi-net.or.jp/~tj2m-snjy/eng/epolicy.html (29.08.2007).
http://www.beperkthoudbaar.info/ (20.03.2008).
http://www.target-human-rights.com/ (18.03.2008).


Danksagung
Zunächst gilt unser Dank den Institutionen ohne deren finanzielle Unterstützung weder die Vortragsreihe Disturbing Bodies, noch der Workshop Bend It Like Gender noch die auf beiden aufbauende Publikation dieses Bandes zu verwirklichen gewesen wäre. Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt hat Geld aus den Mitteln zur Förderung von Frauen- und Genderforschung zur Verfügung gestellt, und das Institut für England- und Amerikastudien hat die Gegenfinanzierung übernommen. Wir danken sowohl den Mitgliedern der Auswahlkommission als auch dem Direktorium des IEAS für Vertrauen und Unterstützung. Des Weiteren danken wir den Herausgeberinnen der Frankfurter Kulturwissenschaftlichen Beiträge, Gisela Engel und Susanne Scholz, sowie dem wissenschaftlichen Beirat für Bereitschaft, unseren zweisprachigen Band, der vorwiegend Nachwuchswissenschaftler/innen versammelt, in ihre Reihe aufzunehmen. Besonderer Dank gilt Merit Esther Engelke, die mit ihrer »Schlangenfrau« der Vortragsreihe ein wunderbares Logo und dem Band ein hervorragendes Titelbild beschert hat. Raul Gschrey danken wir für die Gestaltung der Flyer und Poster für die Vortragsreihe. Schließlich danken wir Nina Holst für die Formatierung des Manu­skripts und Nicola Dropmann für die Korrekturlektüre – beides zeitaufwändige und nervenaufreibende Arbeiten, die mit Bravour erledigt wurden.


Frankfurt, im März 2008
Sylvia Mieszkowski und Christine Vogt-William

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[1]     http://www.bbc.co.uk/science/humanbody/body/interactives/3djigsaw02/index.shtml.

[2]     http://www.e-anatomy.org.

[3]     http://www.webmd.com.

[4]     http://www.kress.de/cont/quoten.php.

[5]     Für den 25.03.2008 hält der Quotenticker des Kress-Reports fest: »Den Tagessieg holte sich RTLs Dr. House, der mit 4,34 Mio Werberelevanten (14–49 Jährige, sm) die höchste Zuschauerzahl seit vergangenem November erreichte.« Das Quotenbarometer gibt den Marktanteil dafür mit 32,3 % an. http://www.kress.de/cont/quoten.php.

[6]     House, 3. Staffel, »Sandkastenspiele« (engl. Original »Lines in the Sand«): 04 0:17:57–0:18:23.

[7]     Sawyer, S. 5.

[8]     Die Website der Kompanie gibt über die Etymologie des Namens »Taihen« Aufschluß, der von der Gründerin Manri Kim im Sinne von »Metamorphose« verstanden wird. http://www.asahi-net.or.jp/~tj2m-snjy/eng/epolicy.html.

[9]     Der Titel bezieht sich auf eine japanische Kommune, in der sich, in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, Menschen mit zerebralen Lähmungen, isoliert vom Rest der Welt, eine eigene Gemeinschaft aufgebaut hatten.

[10]     Müller, »Durch den Körper in 25 Tagen«, in: Die Zeit 28/2005, einzusehen unter: http://www.zeit.de/2005/28/Durch_den_Koerper_in_25_Tagen.

[11]     http://www.asahi-net.or.jp/~tj2m-snjy/eng/epolicy.html.

[12]     Diese Formulierung findet sich in den Niederlanden auf verderblichen Lebensmitteln und bedeutet wörtlich übersetzt »begrenzt haltbar«. Im Kontext des Films bezieht sie sich jedoch auf das von der Schönheitsindustrie immer niedriger festgesetzte »Verfallsdatum« weiblicher Attraktivität. Der Film ist mittlerweile im Handel erhältlich, aber auch online verfügbar unter: http://www.beperkthoudbaar.info/. Dort finden sich auch Informationen zu den politischen Aktionen.

[13]     Mittlerweise hat der Jurist Martin de Witte den Fall übernommen und die Gründung einer Stiftung angeregt, die sich darauf vorbereitet, einige Kosmetikfirmen wegen »irreführender Reklame« zu verklagen, die Anti-Faltencrèmes mit dem Versprechen bewerben, die Produkte stoppten den Alterungsprozeß der Haut.

[14]     Die Menschenrechtsorganisation Target berichtete 2006, das Verbot gegen die Genitalbeschneidung in Ägypten sei durch die Unterzeichnung des Großmuftis rechtsgültig: http://www.target-human-rights.com/.

[15]     Gemeint sind in diesem Kontext menschliche Körper, die eine Einheit mit Maschinen (Herzschrittmachern, artifiziellen Implantaten oder Prothesen) bilden.

[16]     Als ein Indikator des aktuellen Interesses in dieser Richtung mag der Erfolg der Fernsehserie Six Feet Under gelten. Ein anderes Indiz ist die Publikumswirksamkeit der fünf Mumien-Ausstellungen der Saison 2007/08 in Mannheim (Reiss-Engelhorn-Museen, »Mumien – Der Traum vom ewigen Leben«), Stuttgart (Landesmuseum Württemberg, »Ägyptische Mumien«), Wien (Museum für Völkerkunde, »Tutanchamun und die Welt der Pharaonen«), Zürich (Toni Areal, »Tutanchamun«) und Greenwich (The O2, »Tutankhamun and the Golden Age of the Pharaohs«).

[17]     Außer den Herausgeberinnen waren im Wechsel Britta Schneider und Sissy Helff an der Organisation beteiligt.

[18]     Der entsprechende Artikel erscheint 2008: Andreas Kraß, »Camouflage und Queer Reading.«

[19]     Crip Theory lautet der Titel einer einschlägigen Publikation von Michael Bérubé und Robert McRuer. Mit dem Terminus crip wird für das Wort »cripple« jene Umwertung von abwertender Fremdbeschreibung als hate speech in positive Selbstbeschreibung anstrebt, die bei »queer« gelungen ist.