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Inhaltsverzeichnis
Danksagung 7
Vorwort zur deutschen Ausgabe 9
Südwärts von Winnipeg 15
North Dakota 37
South Dakota 59
Nebraska 81
Kansas 99
Oklahoma 117
Texas 135
Nordmexiko 159
Zentralmexiko 174
Südmexiko 190
Guatemala 207
El Salvador 225
Honduras 241
Nicaragua 250
Costa Rica 268
Panama 286
Epilog 305
Quellenverzeichnis 309
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Im Winter 2006 verließen meine Frau Norma und ich South Dakota und
fuhren nach Mexiko. Von Mexiko City aus nahmen wir einen Bus nach Oaxaca,
lernten einen Monat lang Spanisch und folgten dann dem Pan American
Highway durch den im Süden Mexikos gelegenen Staat Chiapas.
In Oaxaca besuchten wir eine Kundgebung der Zapatisten auf der zentralen
Plaza. Als wir um 16.00 Uhr dort eintrafen, war die Plaza proppenvoll
mit Zapotekenfrauen in handgewebten roten huipels, jungen Leuten, die
Banner mit Hammer und Sichel schwenkten, älteren Leuten und Besuchern
aus anderen Ländern. Subcommandante Marcos, der Führer der nunmehr seit
12 Jahren aktiven zapatistischen Bewegung für nationale Befreiung,
rauchte gelassen eine Pfeife hinter seiner Ski-Maske, während ein
Dutzend Redner sprachen – jeder von ihnen repräsentierte eine mit den
Zapatisten solidarische Gruppe, jede hatte eigene Klagen und
Forderungen.
Als Marcos gegen 20.00 Uhr die Bühne übernahm, war die Plaza immer noch
voller Menschen. Die Menge hatte seit vier Stunden ausgeharrt, fest in
der Überzeugung verwurzelt, dass durch die vereinte Aktion sich die
Dinge irgendwie ändern werden.
Nun, als ich unter dem Palmwedeldach einer palapa in der winzigen Stadt
San Agustinillo am Pazifik saß, fragte ich mich, was hatte sich seit
meiner in American Artery beschriebenen 8.000 Kilometer langen Reise
über den Pan American Highway von Kanada bis Panama verändert – und was
nicht? Hier übertönt die donnernde Brandung die Stimmen der Hungrigen
und Benachteiligten und dämpft den Nachhall der Kämpfe für Frieden,
Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit – Kämpfe, die von einem Ende des
Kontinents bis zum anderen geführt werden. In dieser Stadt mit
vielleicht 200 Einwohnern fahren die Fischer auf kleinen, offenen Booten
bei Tagesanbruch aufs Meer hinaus. Frauen bieten frisch gebackene
Ananassemmeln aus den breiten Körben auf ihren Köpfen feil. Jungen
fangen die Hauptmahlzeit ihrer Familien in der Brandung. Hier, wo
Menschen in geradezu urzeitlicher Harmonie miteinander und mit der
Umwelt leben, ist die Vortäuschung möglich, dass alles in Nordamerika in
Ordnung ist.
Doch in den zwölf Jahren seit des Inkrafttretens der Nordamerikanischen
Freihandelszone und den Aufständen der Zapatisten in Chiapas hat sich
für die Ureinwohner Mexikos oder die Millionen, die hier in Armut leben,
nur wenig verbessert. Zum Beispiel müssen Menschen, die sich kaum Essen
kaufen können, immer noch verschmutztes Wasser trinken oder Wasser, das
vom US-Unternehmen Coca Cola – in Mexiko früher von Präsident Vicente
Fox geleitet – abgefüllt und verkauft wird. Die Straßenränder sind
übersät mit Plastikflaschen. Doch warum sollte die Regierung
Wasserleitungssysteme reparieren oder sauberes Trinkwasser zur Verfügung
stellen, wenn sich doch Geld machen lässt?
Möglicherweise ist die winzige Mittelschicht gewachsen, und es scheint,
dass der Mindestlohn der arbeitenden Armen etwas weniger ausbeuterisch
als 1995 daherkommt. Obwohl die Mexikaner kein Ende der politischen
Korruption auf jeglicher Ebene gesehen haben, hat sich das 70 Jahre
andauernde Festhalten an der Macht durch die so genannte Partei der
Institutionalisierten Revolution gelockert. Ebenso wie viele der
Bevölkerung der Vereinigten Staaten und Mittelamerikas bleiben die
Mexikaner zynisch, nur einige wagen die Hoffnung, dass eine größere
Demokratie sich schließlich doch zeigen könnte.
Meine Reise von 1995 auf Nordamerikas längster Straße war eine Suche
nach Nachhaltigkeit. In neun Staaten, von Kanada bis Panama, suchte ich
nach Beweisen dafür, dass das Leben auf diesem Kontinent mit einem
erneuerten Bekenntnis zu Gerechtigkeit, Frieden und Harmonie mit der
Umwelt in das neue Jahrtausend eintreten würde. Ich hatte mich ausgiebig
mit der Geschichte, der Ökologie, den Kulturen und der Geographie dieses
Erdteils beschäftigt, und ich wusste, dass nicht alles in Ordnung war.
Die 500jährige Vergangenheit der europäischen und euro-amerikanischen
Kolonisierung und Ausbeutung der Amerikas ist blutig und schmutzig, und
der Missbrauch von Mensch und Land beschleunigte sich mit der Ausbeutung
und Dezimierung von Wald und Energieressourcen.
Ich hatte Nicaragua, Guatemala und Honduras in den 80er Jahren besucht,
als US-Präsident Ronald Reagan Stellvertreterkriege führte, um die
populäre Sandinistenregierung in Nicaragua zu stürzen und blutdürstige
Militärregime in Guatemala, El Salvador und Honduras zu unterstützen.
1995 hatte die Herrschaft des Krieges nachgelassen, doch die Gründe für
den bewaffneten Kampf blieben. Nun, nach dem Verlauf einer weiteren
Dekade, sehen die Bauern, Fabrikarbeiter, Straßenhändler und die
Ureinwohner kaum mehr Verheißung als vor 20 Jahren.
1995 fand ich längs des ganzen Kontinents Degenerierung vor, nicht nur
die von Kulturen und Menschen, sondern auch die von Flora und Fauna, die
den Boden, das Wasser und die Luft mit uns teilen. Entlang der Great
Plains in den Vereinigten Staaten, der Gebirge und
Landwirtschaftsgebiete in Mexiko und Mittelamerika wächst das
Umweltbewusstsein, aber die Anzeichen für Schutz und Wiederherstellung
scheinen auf kleine lokale Nester beschränkt, wo Menschen sich ihrer
Umwelt bewusst und genügend wohlhabend sind, so dass eine unumkehrbare
Ausbeutung von Ressourcen nicht erforderlich ist, um die Kinder zu
ernähren.
In meinem Heimatstaat South Dakota und überall in der relativ reichen
USA gibt es weniger hungrige Kinder als in Lateinamerika, doch die Löhne
der Arbeiter sinken fortwährend bezogen auf die Lebenskosten, während
die Reichen unvorstellbaren Reichtum ansammeln. Die Zusammenlegung von
Bauernhöfen zu riesigen Farmfabriken schreitet weiter voran.
Traurigerweise haben sich bei meinen kürzlichen Reisen eher
voranschreitende Umweltzerstörung als Bewahrung und Wiederherstellung
offenbart.
Die Amtsführung durch Präsident George W. Bush, der 2000 durch das
Oberste Gericht der USA ernannt und von einem Viertel der
Wahlberechtigten im Jahre 2004 gewählt wurde, bedeutet einen Angriff auf
die Nachhaltigkeit an jeder Front, da kurzfristige Profite und
Machtgewinne bevorzugt werden. Umweltreglements, die für die
Nachhaltigkeit notwendig sind, wurden abgewandelt oder ignoriert. Wir
verbrennen fossile Energien in eskalierendem Maße, während der Präsident
uns weismacht, die globale Erwärmung sei ein Mythos. Bush gewährt Öl-
und Kohleunternehmen Steuervorteile, anstatt die überreichlich
vorhandene Wind- und Solarkraft nutzbar zu machen.
Noch alarmierender ist, dass die Bush-Regierung sich auf einen
Erstschlagskrieg eingelassen hat, der den globalen Frieden bedroht, und
gleichzeitig staatsbürgerliche Freiheiten sowie internationale Verträge
und Rechte mit Füßen tritt. Die USA haben mehr Menschen eingekerkert und
hingerichtet als jede andere moderne Industrienation, wobei durch die
Einkerkerung tausender Menschen im Ausland ohne offizielle Anklage die
Verfassung der USA sowie internationales Recht und menschlicher Anstand
ignoriert werden. Wir geben mehr Geld für Krieg und Kriegsvorbereitungen
aus als die anderen führenden Staaten der Welt zusammen. Wir leihen im
Jahr 400 Milliarden Dollar zur Finanzierung des Krieges und der
Steuervorteile für die Reichen. Bush und seine Handlanger stellen die
pure Gegenthese zur Nachhaltigkeit dar.
Doch – wie schon 1995 – ist nicht alles düster. Beim Nachspüren von
2.000 Kilometern des Pan American Highways im Jahr 2006 fanden Norma und
ich begründete Hoffnung: In jedem Staat und jeder Region fanden wir
Menschen in verschiedenen Lebenslagen, die emsig für eine nachhaltige
Zukunft arbeiten, auch im Angesicht überwältigender Ungleichheit.
2006 finden wir noch immer eine blühende Kunst und Musikalität vor,
nicht nur in Mexiko, sondern längs des gesamten Kontinents. Wenn
Konzerne Wälder roden, pflanzen die Menschen Bäume. Wenn Berghänge
auswaschen und Flüsse verschmutzen, bauen die Menschen mehrjähriges
Pflanzgut an und kämpfen für saubere Luft und sauberes Wasser.
Hoffnung finde ich ebenfalls angesichts der Wahl populistischer und
linksgerichteter Regierungen in einem halben Dutzend
lateinamerikanischer Länder in den letzten Jahren. Vielleicht rollt
diese Welle der Gerechtigkeit auch nordwärts, vielleicht bis zum Kern
der Abscheulichkeit – meinem Heimatland, das im Moment von einem
skrupellosen und inkompetenten Regime beherrscht wird, das die
Sicherheit und Nachhaltigkeit auf der ganzen Welt bedroht.
Es ist unmöglich zu behaupten, dass sich seit meiner Reise von 1995 die
Aussichten für eine nachhaltige Zukunft verbessert haben. Aber es waren
die einfachen Leute, die vielen Einzelnen, mit denen ich sprach, eine
Mahlzeit einnahm oder eine Nacht verbrachte, auf die ich meine Hoffnung
damals setzte, und gerade auf diesen Menschen ruht die Hoffnung
weiterhin. Männer mit Hungerlöhnen haben den Pan American Highway in
einen besseren Zustand seit 1995 versetzt, und Arbeiter kämpfen immer
noch heroisch darum, Tortillas und Bohnen für ihre Kinder auf den Tisch
zu bringen, ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen und ihre Kultur am
Leben zu halten.
Auf dem Boden am Feuer der Weberin Maria im winzig kleinen Maya-Dorf
Zinacantán in Chiapas hockend, aßen wir handgeklopfte Tortillas,
hausgemachten Käse, Chili und Squash. Wir tranken posh, ein hiesiges
Getränk, das aus Zuckerrohr und Mais vergärt wird. Wir beobachteten die
10 Frauen und Mädchen, die in Marias Haus leben, beim Weben von
geschmackvollster Kleidung und Wandteppichen, die man sich nur
vorstellen kann. Wenn es ihnen gelingt, heute einige dieser
Meisterstücke zu verkaufen, können sie masa für die Tortillas von morgen
und Milch für den Käse von morgen kaufen.
Ihre Gesichter zeigen trotz allem ein breites Lächeln. Es gibt ein
Ziegeldach über ihren Köpfen. Sie haben einander und das seit
Generationen von Großmüttern zu Müttern übermittelte Handwerksgeschick.
Die jüngeren Frauen sprechen, wenn es für den Handel nötig ist,
Spanisch, und ich lehrte die 19jährige Felipa ihr Warenangebot auf
Englisch abzugeben, sollten einmal Nordamerikaner bei ihnen auftauchen.
Ihr familiäres und kulturelles Leben ist jedoch verlässlich hinter ihrer
Tzotil-Sprache verborgen. Sie fühlen die Kraft in der
Zapatistenbewegung. Sie sind Frauen der Hoffnung
Ich teile ihre Hoffnung. Warum? Hoffnung ist alles, was wir haben.
Hoffnung und die Taten, die die Hoffnung hervorbringt. Viele Mexikaner
aus der Mittelschicht erzählten mir, dass die Zeit der Zapatisten
gekommen und gegangen sei und zu wenig sich geändert hätte. Vielleicht
haben sie Recht. Doch Hoffnungslosigkeit ist ein Luxus der Mittelklasse
und ein Werkzeug der Reichen und Mächtigen; es ist die Hoffnung in den
Herzen der Benachteiligten, die Männer wie George Bush fürchten. Und
Hoffnung, die sich im guten Miteinander und mit der natürlichen Welt
ansiedelt, kann den Planen am Leben erhalten – wenn die Hoffnungsvollen
Wege finden, die ihre Taten zur Nachhaltigkeit hinführen.
Aktivismus und Agitation für einen Wechsel zum Positiven sind nicht auf
die Zapatistenfestungen in Chiapas oder anderen Städten Mexikos
beschränkt. Sogar in der Great Plains der USA äußern Menschen ihre
Empörung über die Korruptionen und Intrigen der Machthaber. In der
kleinen Stadt Norfolk, Nebraska, am Pan American Highway fand zum
Beispiel eine Woche nach einer Studentendemonstration gegen Bushs
Irakkrieg auch ein gewaltiger Marsch gegen das vom US-Repräsentantenhaus
beschlossene Anti-Immigrationsgesetzt statt.
Hoffnung und Aktivismus – die Schlüssel zur Nachhaltigkeit des
Kontinents und der Erde – sind lebendig in Nordamerika. In den Augen der
Zapatisten in Chiapas und den Studenten und Immigraten in Nebraska las
ich weder Furcht noch Niederlage. Ich sah Leiden und Wut, aber auch
Entschlossenheit und Zuversicht.
Jerry Wilson
San Agustinillo, Mexiko, März 2006
Danksagung
Viele Menschen haben – direkt oder indirekt – zur Vollendung dieses
Werkes beigetragen; ich danke allen, die meine beharrliche Beschäftigung
mit diesem Highway und dem Kontinent, den er durchzieht, geduldig
ertragen haben. Meiner Frau Norma und unseren Kindern Walter und Laura
danke ich für die Freiheit zum Reisen und für das Willkommen zu Hause.
Ich stehe in der Schuld all derjenigen, die alles oder Teile des
Manuskripts gelesen haben oder hilfreiche Vorschläge gemacht haben und –
nicht zu vergessen – mich vor Blamagen beschützt haben, indem sie
Fehler, die mir entgangen waren, entdeckt haben. Diese Leser sind Norma
Wilson, Bob Lewis, Art Huseboe, Sr. Eileen Neville, Bruce und Betsy Noll,
Barbara und Bob Schmitz, Alice und Tom Gasque, Sr. Consuelo Chavez,
Richard Stinshoff, Jean Dederman, Pat Keating, Nancy Scott, Frank Parman,
Larry Griffin, Karen Cardenas, Phil Smith, Charles Hall, Bernie Hunhoff,
Mary Johnson, Roger Holtzmann und Kim Johnson. Für dennoch auftretende
Fehler muss ich selbst einstehen, und ich bedaure sie schon im Voraus.
Am meisten möchte ich den vielen Menschen danken, die mit mir ihre Zeit,
eine Tasse Kaffee oder ein Bier, eine Mahlzeit oder eine Unterkunft
teilten – Menschen zwischen Kanada und Panama, die mir ihre Einblicke
und Visionen, Ängste und Träume, ihr Wissen und ihre Hoffnung
offenbarten. Ohne diese Menschen, von denen viele in diesem Buch
erscheinen, gäbe es gar kein Buch, zumindest nicht dieses Buch. Die
Menschen, die entlang des Pan American Highway leben und arbeiten und
lieben und träumen, sind die Glieder einer Kette, die Kanada mit Panama
– die Völker von Nordamerika – verbindet und das Leben auf unserem
Kontinent erhält. Sie sind der Lebenssaft der Amerikanischen Arterie.
Und ihnen widme ich dieses Buch.
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