Marohn, Norbert

Ende der Kindheit

Roman, trafo Literaturverlag 2008, 226 S., ISBN 978-3-89626-694-1, 13,80 EUR

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ENDE DER KINDHEIT - Zum Buch

Dafür stand im Zeugnis Gesamtverhalten. Ich hatte immer eins. Mein verhaltnes Ich. Halt ich mich zurück, hältst du mir nichts vor. Guten Morgen! Die Nachrichten ... Dabei mach ich mit, meine öffentliche Arbeit. Mich verhalten. Irrsinnigerweise ist es wiederum das, was mich auch stabil macht. Keine Erlebnisse, aber Ergebnisse. Der Sozialismus siegt. Eine Innenwelt: das Gefühl für mich selbst, das immer genauer wird.

Leipzig 1989 – vor und nach dem Ende der DDR:
Der Journalist Grodek sucht die Wirklichkeit und flüchtet zugleich vor ihr, hungert nach Leben und schüttet sein Unausgelebtes mit Bier zu. Den Demonstrationsherbst erlebt er als Aufklaffen wie Vertiefen seiner Isolation.

Der zwanzigjährige Till, eben von der Armee entlassen, ist im Oktober-November 1989 entschlossen, seinen eignen Aufbruch zu verwirklichen, der nur bedingt mit gesellschaftlicher Gärung zu tun hat.

Diese beiden begegnen sich – in ihren Sehnsüchten nach dem gleichem Jungen, ihrer Liebe Karsten.

Mit der »Wende« wird lebenslanges Grübeln abgelöst vom Ausspüren des Körpers und körperlicher Arbeit. Reflexion ist nun vielfach das Umwerten von Erinnerungen. Der Ruin der DDR trifft Grodek in seiner Lebensmitte. Nach 1989 sieht er den Zwang wie die Chance zu Neuem: gedanklich, praktisch, sexuell. Halb zufällig, halbherzig fängt er beim Gasleitungsbau an. Hier lebt er mit Schlossern, Schweißern in einem Wohnlager. Seinen Wagen teilt er mit Philipp, den er in der Lagerwerkstatt anlernt. Philipp erweist sich beim Arbeiten wie sexuell als Enttäuschung für Grodek. Nun taucht ein Neuer auf: der Lockenkopf Karsten. Karsten muss ins Lagerleben eingewöhnt werden. Grodek stürzt sich mit Feuereifer auf ihn.

Ohne Sozialismus, ohne Zeitung »verroht« der Journalist, genießt körperliche Arbeit als Ankunft im wirklichen Leben, mit Sexualität und Totschlag.

Als eine Art Kommentar kann der Essay DIE ANGST VORM ANDERN (über literarische Vorstöße im letzten Drittel der DDR) verstanden werden, der das Manuskript schließt.