[= Schriftenreihe des Hedwig-Hintze-Instituts, Bd. 10], trafo verlag 2007, 381 S., zahlr. Fotos und Abb., ISBN 978-3-89626-641-5, Subskriptionspreis bis 31.12.2007 = 40,80 EUR, danach 44,80 EUR
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Die Geschichte der verschiedenen Richtungen der Frauenbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert ist in den letzten Jahrzehnten einer breiten wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen worden. Dabei lag der Schwerpunkt der Forschungen weitgehend auf den Methoden, Strukturen und Aktionsformen von nationalen Frauenbewegungen, die in ihren verschiedenen Erscheinungsformen untersucht worden sind.
Die historische Analyse in Deutschland hat erst in den letzten Jahren begonnen, sich von dieser nationalen Ebene wegzubewegen und einen ersten vorsichtigen Blick darauf zu werfen, dass die Frauenbewegungen der verschiedenen Länder eine Organisation auf internationaler Bühne anstrebten und diese auch schufen. International organisierte Frauen konnten dabei teilweise auf jahrelanges gemeinsames Engagement zurückgreifen, denn die Frauenbewegungen hatten seit ihren Anfängen international diskutiert und gearbeitet. Es waren gerade diese über die nationalen Grenzen hinausgehenden Diskussionen, die eine wesentliche Grundlage der Frauenbewegungen bildeten.
Es greift allerdings zu kurz, wenn man die internationale Dimension der Frauenbewegungen als ihre unveränderbare Grundlage zwischen 1848 und der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ansehen wollte. So wie nationale Bewegungen historischen Veränderungen ausgesetzt waren und diese beschleunigten oder abbremsten, so unterlag auch die internationale Zusammenarbeit historischen Prozessen. Diese internationale Zusammenarbeit in den Frauenbewegungen, ihre Brüche und Kontinuitäten, sind Gegenstand des vorliegenden Sammelbandes.
Die hier versammelten Artikel gehen auf die Tagung "Kommunikation – Mobilität – Netzwerke: Die internationale Dimension der Frauenbewegungen (ca. 1830 bis in die 1960er Jahre)" zurück, die vom 15. bis 17. September 2005 an der Universität Bremen stattfand. Inhaltlich war die Tagung von Mitgliedern des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung konzipiert und durchgeführt worden, insbesondere von Eva Schöck-Quinteros, Jutta Schwarzkopf, Annika Wilmers und Kerstin Wolff.
Die Konferenz war eine der ersten in Deutschland, die verschiedene nationale Frauenbewegungen des 19. und 20. hinsichtlich ihrer internationalen Dimensionen untersuchte. Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, England, Schweden, den USA, Kanada, Ungarn und den Niederlanden trugen dazu bei, die Geschichte der nationalen Frauenbewegungen um ihre internationale Perspektive zu erweitern.
Finanziell gefördert wurde die Tagung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), vom Zentrum für feministische Studien (Bremen), der Hedwig Hintze-Gesellschaft (Bremen), von der Universität Bremen und der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung. Diesen Institutionen sei hiermit noch einmal für ihre Hilfe gedankt.
Danken möchten wir auch dem trafo verlag in Berlin, der den Sammelband in sein Verlagsprogramm aufgenommen und uns bei der Herausgabe professionell unterstützt hat.
Eva Schöck-Quinteros, Anja Schüler, Annika Wilmers und Kerstin Wolff
Vorwort 9
Mobilität – Netzwerke – Kommunikation: Theoretische Zugänge
11
“Es sind die gleichen Überzeugungen, die die Frauen aller Länder erfüllen …”.
Zur Entstehung von internationalen Netzwerken in den Frauenbewegungen
13
Anja Schüler / Kerstin Wolff
“Wahrhaft international?”. Soziale Bewegungen zwischen nationalen
Öffentlichkeiten und internationalem Bewegungsverbund 27
Susanne Kinnebrock
Akteurinnen in frühen Netzwerken 57
“I Stand With You”. Early International Feminism 1830–1860 59
Bonnie S. Anderson
Jenseits von Grenzen. Transnationale Kommunikation und transnationale
Akteurinnen im Umfeld des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins 79
Susanne Schötz
Frauenbewegte Freidenkerinnen im Dialog zwischen alter und neuer Welt Der
Freidenker / Milwaukee als Ort transatlantischer Kommunikation 103
Eva Görtz / Eva Schöck-Quinteros
Der Weg in internationale Organisationen 129
Putting a Network to Use. Formation and Early Years of the Women’s International
League for Peace and Freedom 131
Jo Vellacott
Vom Kinderschutzkongress zum Völkerbund Die internationalen Aktivitäten
lateinamerikanischer Feministinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
155
Barbara Potthast
Die Liaison. Gender und Globalisierung in der internationalen Politik
183
Madeleine Herren
Im Spannungsfeld von nationalen und internationalen Interessen
205
Über die Grenzen. Die Italienerinnen in der frühen internationalen
Frauenbewegung 207
Elisabeth Dickmann
Resources and Swedish Women’s Organisations. Participation on the International
Scene 1885–1916 229
Pernilla Jonsson / Lovisa af Petersens
“Jene feinen inneren Werte …”. Zur Kultur der internationalen
Frauenfriedensbewegung während der Kriegs- und Nachkriegszeit 1915–1919
249
Annika Wilmers
Gender and the Politics of Pacifism. Feminist Pacifism and the Case of the
French Section of the Women’s International League for Peace and Freedom
267
Norman Ingram
Feministischer Internationalismus – eine
Erfolgsgeschichte? 287
Liberty, Equality, Morality. The Attempt to Sustain an International Campaign
against State-regulated Prostitution 1875–1906 289
Anne Summers
Was the Suffrage Campaign Truly International? Votes for Women in Edwardian
England 1903–1914 311
Jill Liddington
Völkerverständigung durch akademische Vernetzung Die International Federation of
University Women 1919–1945 333
Christine von Oertzen
Die Women’s International League for Peace and Freedom nach 1945. Zwischen
Anspruch, Tradition und Anpassung 357
Susanne Hertrampf
Personenregister 377
Bildnachweis 385
Über die AutorInnen 389