trafo verlag 2007, [= Schriften des Hedwig-Hintze-Instituts Bremen, Band 9], 350 S., zahlr. Dok. und Abb., ISBN 978-3-89626-302-5, 42,80 EUR
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Anfang Februar 1926 erschien in der Berliner Börsenzeitung ein Artikel, in dem die Berechtigung des Wahlrechts für Frauen grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Annagrete Lehmann, zum rechten Flügel der Deutschnationalen Volkspartei gehörende, langjährige Abgeordnete des Preußischen Landtages, wehrte diesen Angriff scharf ab und erklärte, dass Frauen – Berufstätige ebenso wie Hausfrauen oder Mütter – "ihrem Volk verantwortlich" seien. Das deutsche Volk könne nur zu alter Stärke zurückkehren, wenn die politische Beteiligung von Frauen sichergestellt sei. Der Artikel von Lehmann, veröffentlicht am 15. April 1926 in der illustrierten Zweiwochenschrift Die Deutsche Frau, bringt die Problemstellung des vorliegenden Bandes auf den Punkt: Einschneidende Prozesse des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, wie die Fundamentalpolitisierung im Deutschen Kaiserreich, der Erste Weltkrieg, der politische Umbruch von 1918/19 und die Krisen der Republik, führten zu einer Mobilisierung von Millionen Frauen für politische Fragen. Gerade unter weltanschaulich rechts orientierten, konservativen, völkischen und radikal nationalistischen Frauen entstand ein leidenschaftliches Interesse, zur aktuellen politischen Lage öffentlich Stellung zu nehmen. Ihre Partizipation wurde im rechten Lager immer wieder kritisiert und abgelehnt, so dass Aktivistinnen permanent auf der Suche nach Bündnispartnern waren und ihre politische Arbeit angelehnt an das Sagbare ihrer Zeit legitimieren mussten. Dennoch waren Parlamentarierinnen, Journalistinnen und Vereinsaktivistinnen mehr und mehr an den politischen Debatten der Rechten beteiligt, vor allem nach der Einführung des Frauenwahlrechts im November 1918, als es notwendig wurde, Wählerinnen für rechte Parteien zu werben.
Der vorliegende Band dokumentiert den Anteil von Frauen an Organisationen, Agitationen und Ideologien des rechten Spektrums in der Zeit von 1890 bis 1933. Die Autorinnen und der Autor untersuchen Organisationen wie den Vaterländischen Frauenverein (Andrea Hänger), den Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft (Claire Venghiattis) und den Bund Königin Luise (Eva Schöck-Quinteros), betrachten den Aktivismus rechter Frauen in der Wahlpropaganda (Julia Sneeringer) und an der Parteibasis (Raffael Scheck) und fragen schließlich nach Ordnungsentwürfen auf den Gebieten der Konsumpolitik (Nancy Reagin) und der Geschlechterverhältnisse sowie nach dem Stellenwert von Frauen in völkischen (Ute Planert) und neuen nationalistischen Strömungen (Christiane Streubel). Ausgehend von einem Plädoyer für einen intensiven, umfassenden Dialog zwischen Allgemeiner und Geschlechter-Geschichte verortet der einführende Aufsatz die Beiträge in zentrale Forschungsdebatten zur politischen Rechten.
Der Band enthält außerdem eine Dokumentation ausgewählter, für die Argumentation der Beiträge wesentlicher Quellen. Zeitgenössische Texte zu Organisationen, Agitationen und Ideologien rechter Frauen sind meist nur in Archiven und in wenigen Bibliotheken überliefert. Für die Lehre sind sie nur umständlich und unter hohem Zeitaufwand zu beschaffen, weshalb einige Quellen in diesem Band als Nachdrucke von Originalen oder als Abschriften zugänglich gemacht werden.
Bei den Autorinnen und dem Autor aus den USA und Deutschland, aber auch bei unserem Verleger Wolfgang Weist bedanken wir uns für ihre Geduld, als sich die Herausgabe des Bandes zu einer never ending story zu entwickeln drohte. Einen unverzichtbaren Beitrag zum positiven Gelingen des Bandes leistete Christine Bartlitz mit der sorgfältigen Redaktion der Aufsätze und Quellen.
Eva Schöck-Quinteros und Christiane Streubel
Bremen und Bielefeld im April 2007
Vorwort 7
Forschungen zur politischen Rechten Allgemeine Geschichte und Geschlechterforschung im Dialog 9
Christiane Streubel
Politisch oder vaterländisch? Der Vaterländische Frauenverein zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik 57
Andrea Hänger
Conflict Over Women’s Patriotic Activism Gender Relations and the German Colonial Movement During the Kaiserreich 87
Claire B. Venghiattis
Mutter und Volk Vom Antifeminismus zur völkischen Bewegung und zum Nationalsozialismus 109
Ute Planert
Nationale Hausarbeit? Bürgerliche Hausfrauen und konservative Politik in der Weimarer Republik 131
Nancy R. Reagin
Die Partei als Heim und Familie Frauen in den Ortsvereinen der Deutschnationalen Volkspartei und Deutschen Volkspartei in der Weimarer Republik 153
Raffael Scheck
"Frauen an die Front!" The Language of "Kampf" in DNVP Women’s Propaganda 1918–33 177
Julia Sneeringer
"Eine wahrhaft nationale Frauenbewegung" Antidemokratinnen in der Weimarer Republik 199
Christiane Streubel
Der Bund Königin Luise. "Unser Kampfplatz ist die Familie …" 231
Eva Schöck-Quinteros
Quellenanhang 271
Autorinnen und Autor 331
Abkürzungsverzeichnis 335
Personenregister 337
Anita Augspurg 190
Augusta Marie Luise Katharina von Sachsen-Weimar-Eisenach 57
Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg 31, 60, 62, 65, 67, 73, 78, 83, 155, 161, 247f.
Adolf Bartels 126f.
Gertrud Bäumer 76, 88, 97
Käte Bayer 42
August Bebel 193
Gertrud Becker 165
Margarete Behm 181, 184, 187, 192
Diego von Bergen 260
Vera von Bergen (geb. von Dirksen) 260
Otto von Bismarck 31, 122, 155, 181
Wilhelm von Bodelschwingh 28
von Bogendörffer 258
Elisabet Boehm 15, 42, 45, 133, 135
Max Hildebert Boehm 45f.
Maria von Bonin 40
Hannah Brandt 205
Lili Braun 138
Margarethe Braunert 165
Ruth Bré 284
Gertrud von Bredow 135
Ludwine von Broecker 205
Heinrich Brüning 79
Friedrich Brunstädt 316
Walter Buch 266ff.
Gerhard von Buchka 94
Marie-Therese von Buddenbrock (verw. von Wietersheim, geb. von Colmar) 240, 257f.
Marie von Bunsen 63
Friedrich Burgdörfer 266
Cäcilie Auguste Marie zu Mecklenburg-Schwerin 32, 73f., 241, 256
Minna Cauer 93ff.
Elisabeth Cimbal 165ff.
Carl Eduard von Coburg 81
Therese Deutsch 159
Guida Diehl 17, 42
Louise Diehl 147
Marie Diers 45, 109-112, 116ff., 122-126
Rosa Dürr 240, 258
Konrad Dürre 256
Theodor Duesterberg 225, 235, 237, 263ff., 324
Friedrich Ebert 75, 189
Andrea Ellendt 42
Emma Ender 215, 221
Sonny von Engelbrechten 253
Michael Kardinal von Faulhaber 316
Bernhard Frantz 242
Hans Freyer 45
Wilhelm Frick 80, 266
Milka Fritsch 168
Theodor Fritsch 27, 42, 47, 127
Else Frobenius 25
Marie Fröhlich 205
Franziska von Gaertner (geb. Zawadzky) 232-235, 238, 240f., 244, 246-250, 255f., 258, 263, 265
Rudolf von Gaertner 246
Margarete Geffers 240
Günter Gereke 37
Anna von Gierke 43
Heinrich von Gleichen 36, 214
Joseph Goebbels 179, 246
Friedrich Gogarten 47
Rüdiger von der Goltz 258
Gustav Goes 266
Lisa von Goessel 253, 258
Johann Wolfgang von Goethe 122, 288
Lydia Gottschewski 266f.
Agnes von der Groeben 62, 66, 76ff., 82, 182, 271, 274
Clotilde von der Groeben 160f.
Selma von der Groeben 26, 40
Gräfin Wilhelm von der Groeben (siehe Agnes von der Groeben)
Hans Friedrich Karl Günther 256, 266
Charlotte von Hadeln 4, 232f., 235, 238, 240ff., 244ff., 255f., 258f., 261-268, 273, 326, 329f.
Ilse Hamel 35f., 77, 204f., 207, 211, 221, 223, 273, 316
Elisabeth Hancke 113, 121
Gesine Hanssen 240, 254
Elisabeth Haßlinks (vermutlich Pseudonym von Elisabeth Hancke) 271, 283
Gertrud von Hatten 91
Willibald Hentschel 123
Johann Gottfried Herder 288
Emilie Hergt 72
Oskar Hergt 72
Olga Herschel 169
Rudolf Heß 267f.
Marie von Heydebrand 40, 42
Hedwig Heyl 16, 88f., 96-104, 106f.
Bertha Hindenberg-Delbrueck 135, 137, 149
Paul von Hindenburg 23, 65, 75, 79f., 82, 143, 155, 159, 252, 257, 264, 316
Adolf Hitler 80, 127, 195, 246, 264ff.
Minna Hölzel 165
Cornelie Hoetzsch 72, 81
Otto Hoetzsch 72, 81
Ricarda Huch 318
Alfred Hugenberg 30, 37ff., 127, 195, 204, 206, 225, 265
Ernst Hunkel 123
Margarete Hunkel 122f.
Charlotte von Itzenplitz 58, 62
Johann Albrecht zu Mecklenburg 95f., 98, 101ff.
Edgar Julius Jung 36, 200, 211
Ernst Jünger 45, 200
Wilhelm Kahl 316
Gustav Ritter von Kahr 316
Anni Kalähne 162, 245
Clara Kaltheuner 240, 268
Wolfgang Kapp 72
Agnes Karll 63
August Keim 35, 47
Lilly von Keiser 240, 258
Rose Kempf 316
Walther von Keudell 37
Ellen Key 283
Margarete von Keyserlingk 78, 135, 215, 221
Auguste Kirchhoff 231, 265
Alexandra Kollontai 138
Benedikt Kreutz 68, 73
Bogdan Krieger 73
Bertha von Kröcher 40
Lenore Kühn 35, 77, 135, 185f., 195, 204, 223, 329
Philaletes Kuhn 13
Bernhard Kummer 223
Ewald Kürten 256
Maria Laeger 240, 256
Walther Lambach 37
Annagrete Lehmann 7, 263
Wladimir I. Lenin 193
Theodor Leutwein 93
Karl Liebknecht 190
Adda von Liliencron 94ff., 98, 271, 279, 282
Helene Lilienthal 240
Herta Lübbeke 240
Mathilde Ludendorff (geb. von Kemnitz) 42, 47f.
Luise Auguste Wilhelmine Amalie zu Mecklenburg (Königin Luise) 31f., 155, 232, 235f., 243, 247f., 251, 324
Luise Marie Elisabeth von Preußen 57, 251
Martin Luther 122
Adelheid Mann 240
Eberhard von Medem 259, 273, 326, 328
Ida von Meerheimb 121
Clara Mende 150, 165, 272, 300
Paul Julius Möbius 110, 113
Arthur Moeller van den Bruck 29, 36, 46, 200, 213f., 220, 320
Angiola Moretti 327
Lina Morgenstern 134
Elhard von Morozowicz 261ff., 328
Charlotte Mühsam-Werther 135
Clärchen Müller 16
Paula Mueller-Otfried 38, 77f., 181, 184, 186, 192, 196
Benito Mussolini 259f., 327f.
Gneomar von Natzmer 244f.
Friedrich Naumann 111
Heinrich Netz 242
Marie Netz 231ff., 235-238, 240-246, 251ff., 264f., 268, 273, 321, 323, 327, 330
Maja Neumann 240
Konstantin von Neurath 260, 265
Ellen Niemer 272, 299
Ilse-Charlotte Noack 159
Ernst Oberfohren 127
Clara Papendieck 161
Karl Paumgarten 190
Mathilde Plate 253
Alfred Ploetz 266
Margarete Pohle 240
Margarethe Poehlmann 168
Beda Prilipp 35f., 77, 204, 211
Pastor Regler 93
Else Reichenbach (siehe Else Sennewald)
Lore Reinhard 240
Marie Reinicke 237f., 240
Giuseppe Renzetti 259ff., 328
Ernst zu Reventlow 124, 126
Axel Ripke 35
Leonore Ripke-Kühn (siehe Lenore Kühn)
Sophie Rogge-Börner 42, 204, 213f., 219, 223
Käthe Rohmeder 272, 287, 294
Kathinka von Rosen 110, 113, 118, 122
Alfred Rosenberg 127
Asta Rötger 165
Friedrich Rückert 288, 321
Arnold Ruge 126
Toni Saring 205
Anna Schellenberg 110, 116, 121f.
Hertha Schemmel 213, 223
Käthe Schirmacher 26, 31, 35, 42, 47f., 184, 204, 206, 214, 225, 255, 273, 312
Hans Schlange-Schöningen 37
Otto Schmidt-Gibichenfels 127
Gertrud Scholtz-Klink 43, 82, 268
Walther Schotte 204
Bruno von Schuckmann 279
Martha Schwarz 196
Franz Seldte 261, 265
Elfriede Charlotte Semerak 240
Else Sennewald (geb. Reichenbach) 234, 236f., 241, 246, 252, 273, 330
Hedwig Seyfarth 240
William Shakespeare 284
Paula Siber 267
Oswald Spengler 200, 217
Elisabeth Stackmann 40
Eduard Stadtler 36, 213, 320
Wilhelm Stapel 45, 213
Dora Stiewe 258
Konrad Stiewe 258
Adolf Stoecker 34
Gustav Stresemann 154
Käthe Sturmfels-Becker 110, 112, 117f., 122
Ilse Szagunn 169f.
Theda Tappen 240f., 253
Auguste Theele 295
Daniela Thode 127
Magdalene von Tiling 33, 38f., 47, 181, 188, 191f.
Gottfried Treviranus 37
Evelina Trosdorf 253
Augusto Turati 326
Else Ulbrich 30, 165
Frau von Ulrich 258, 261
Jane Voigt 165
Martha Voß-Zietz 42, 131f., 135f., 272, 297f.
Richard Wagner 127
Siegfried Wagner 261, 263
Helene von Watter 261, 329
Marianne Weber 126
Anneliese von Wedel 240, 258f., 261, 268
Bernd von Wedel-Fürstensee 259, 261
Franziska Weiman 135, 138
Otto Weininger 110
Maria Werner 110, 112, 120
Emma von Westarp 40
Kuno von Westarp 30, 40
Pauline zu Wied 61f., 80ff.
Wilhelm II. 71, 143, 157, 189
Gertrud von Willich 205
Joachim von Winterfeldt-Menkin 71f., 74, 80ff.
Herman Wirth 223
Emma Witte 110, 122ff.
Margarethe Wolff 30