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  Volker Schobeß

 

 

 Wert und Maß.

 

    Das Potsdamer Infanterie-Regiment 9.

 

  Geschichte und zeithistorische Fotos 1921-1945 

 

 

 

 

2025, 170 S., 85 Fotos u. Abb., ISBN 978-3-86465-209-7, 19,80 EUR

lieferbar

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Klappentext

Noch nie wurden derart viele Fotos von den Hohenzollern mit Sicht auf deren Kindheit veröffentlicht, die nach dem Hausgesetz der Hohenzollern im Alter von zehn Jahren der Armee beitreten mussten. In diesem Zusammenhang stellen die Aufnahmen vom Potsdamer Ersten Garde-Regiment zu Fuß, dem Leibregiment der Hohenzollern, den Schwerpunkt der Betrachtung in diesem Buch dar und zeigen gleichzeitig den militärischen Alltag in der Stadt. In alter Tradition waren alle Preußischen Könige bis 1918 stets Chefs dieses Regiments gewesen. In einer Zeit also, in der das preußische Militär einen geachteten Stellenwert in der Gesellschaft einnahm. Daneben stellt der Militärhistoriker Volker Schobeß alle damals berühmten Potsdamer Garderegimenter unter Kaiser Wilhelm I. in ihren Bunten Röcken vor. Die farbigen Uniformtafeln der Potsdamer Garden sind Kaiser Wilhelm I. und den siegreichen Waffentaten von 1870/71 gewidmet. Der Maler Carl Friedrich Schindler hatte hierzu jede einzelne Potsdamer Waffengattung für eine wohlmeinende Leserschaft zusammengestellt.


Inhalt

Zum Geleit
Frank Wernitz     7

Vorwort – Die geschichtliche Bedeutung eines legendären Regiments    11

Aufbau und Gliederung des Regiments 9     17
- Die Gliederung     20
- Übungen und Manöver     22
- Standort Lübben im Spreewald     29
- Das besondere Foto von 1938 – Gardetag in Potsdam     30
- Das Ausbildungs-Bataillon 9     31
- Im Zentrum des militärischen Widerstandes. Das Potsdamer Infanterie-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillone 9 und 178 am 20. Juli 1944     34
- Das Regiment     36

Das Infanterie-Regiment 9 im Zweiten Weltkrieg. Zu den wichtigsten Stationen     45
- Zur Quellenlage     45
- Umbildung der 23.Infanterie-Division zur 26.Panzer-Division. Ihr Untergang im Jahr 1945     59
- Der Einsatz in Italien       62
- Die neu aufgestellte 23.Infanterie-Division kämpfte mit dem Grenadier-Regiment 9 erneut im Osten. Ihr Untergang in Ostpreußen     68

Prolog – Die Potsdamer Garnisonkirche als gesicherter Ort des kirchlich-militärischen Widerstandes gegen Hitler     77


ANHANG     83
- Anhang Hellmich – Brief an Oberst Werner Heinemann     84
  Transkription des Briefes     86
- Anhang: Fotos zur Geschichte des IR 9      89

Quellen- und Literaturverzeichnis     165
Danksagung     169
Quellennachweis der Bilder      170

Zum Autor     171

 

Zum Geleit

Wie kaum ein anderer Truppenteil der Deutschen Wehrmacht wird der 1935 mit Proklamation der Wehrfreiheit und einsetzender Heeresvergrößerung schlicht als Infanterie-Regiment 9 bezeichnete Verband mit dem militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler und das NS-Regime in Verbindung gebracht. Durch die in der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit betriebene Instrumentalisierung des „20. Juli 1944“ zur politischen
Rehabilitierung und gesellschaftlichen Integration konnte es zu einer Vorzeigeeinheit preußischer Tugenden stilisiert werden. Neuere Forschungen haben aber mittlerweile den Mythos vom „unbefleckten Regiment“ demontiert und den Nachweis erbracht, dass im Einsatz trotz strenger Erziehung und Ausbildung nicht selten die Verunsicherung von Invasoren das Handeln bestimmte. Durch die zunehmende Brutalisierung des Krieges und Entmenschlichung des Gegners war ein Klima entstanden, dem sich auch dieser Truppenteil nicht entziehen konnte und zu einem Verhalten auf dem Gefechtsfeld verleitete, bei dem der Zweck zunehmend die Mittel heiligte, sprich Verletzungen des Kriegsvölkerrechts billigend in Kauf genommen wurden. Doch vielleicht waren es gerade diese Verstrickungen, die bei einem Teil der Offiziere des Regiments wie auch bei denen seines zu Beginn des Krieges aufgestellten Schwesterregiments unter der Ordnungsnummer 178 den Entschluss reifen ließ, sich dem seit 1939 nach außen getragenen NS-Terror und seinem Urheber entgegenzustellen. Das ab Herbst 1920 aus einem Verband des Übergangsheeres gebildete und in Potsdam wie Berlin stationierte 9. (Preußische) Infanterie-Regiment war eines von 21 Infanterie-Regimentern, dass der Versailler Vertrag dem besiegten Deutschen Reich zugestanden hatte. Mit einer Personalstärke von etwa 2.000 Soldaten und fast 70 Offizieren, die in drei Bataillonen und einem Ausbildungsbataillon Dienst leisteten, unterschied es sich organisatorisch nicht von den anderen Infanterie-Regimentern der jungen Reichswehr. Allerdings war der Verband nach dem Ersten Weltkrieg aus Resten der seit dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in den Residenzstädten Potsdam und Berlin dislozierten Gardeformationen errichtet worden, die über 200 Jahre in einem besonderen Verhältnis zu Krone und Staat standen. Obwohl der erste industrialisierte „Maschinenkrieg“ der Jahre 1914/18 nicht nur den bisherigen Charakter militärischer Konflikte prinzipiell verändert, sondern auch jahrhundertalte Monarchien in Mittel- und Osteuropa hinweggefegt hatte, konnte sich in diesem Regiment eine spezifisch preußisch-aristokratische Offizierskultur erhalten. Dies lag nicht zuletzt an den Angehörigen alteingesessener Adelsfamilien, die auf eine lange Militärtradition und eine in unzähligen Schlachten unter Beweis gestellte Bindung an das ehemalige regierende Herrscherhaus Hohenzollern zurückblicken konnten. Ein Großteil von ihnen entstammte zudem noch dem elitären preußischen Gardekorps. So nimmt es nicht Wunder, wenn militärkritische Beobachter dieses Regiment als „Graf Neun“ persiflierten und es pauschal als ein Hort der rückwärtsgewandten Gesinnung abtaten, nachdem das Heer und seine Offiziere Stabilitätsfaktoren eines Staates schlechthin zu sein hatten. Unabhängig davon – und im Gegensatz zu manch anderen Verbänden der Reichswehr – waren in dem Potsdamer Regiment Tradition und Moderne auf eine ganz besondere Weise miteinander verbunden, die durchaus als Brücke zwischen altem und neuem Heer betrachtet werden kann. Mag es in der Weimarer Republik noch als konservativ-antidemokratische Zelle gegolten haben, so änderte sich das ab 1933. Im Regiment, besonders aber bei den bis 1945 in Potsdam verbliebenen Ausbildungs- und Ersatzbataillonen 9 und 178 zeichnete sich allmählich der Widerspruch zwischen nationalsozialistischer Staatsführung und preußischer Tradition ab, der nicht ohne dramatische Folgen blieb. Aus dem kulturellen Erbe, dem diese Offiziere mit ihrer traditionsgebundenen Erziehung und Orientierung gerecht zu werden suchten, schöpften sie die Rechtfertigung für ihre Handlungsweise. Von deren knapp 30 höheren Offizieren (ab Hauptmann aufwärts) zählten zwei Drittel zum militärischen Widerstand bzw. waren am Aufstand des 20. Juli 1944 beteiligt und nicht weniger als 19 Offiziere aller Dienstgrade wurden deshalb hingerichtet. Diese Vertreter der anderen Seite des „Geistes von Potsdam“, 1933 als vordergründiger Schulterschluss des alten Preußens mit dem neuen, nationalsozialistischen Deutschland inszeniert, haben sich unter Einsatz des Lebens gegen eine bedingungslose Unterwerfung verwahrt.
Volker Schobeß möchte mit seiner neuen, begrüßenswerten Arbeit nicht nur an das Potsdamer Infanterie-Regiment 9 erinnern, sondern will mit 75 sorgfältig ausgewählten Bildern aus den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts einen Einblick in die damalige militärische Lebenswelt ermöglichen.
Ich wünsche dem Band deshalb eine weite Verbreitung und den Lesern viele erhellende Momente und Ansatzpunkte zum tieferen Verständnis dieses wichtigen Kapitels deutsch-preußischer (Militär)Geschichte.

Dr. Frank Wernitz
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V.