Klappentext
Noch nie wurden derart
viele Fotos von den Hohenzollern mit Sicht auf deren Kindheit
veröffentlicht, die nach dem Hausgesetz der Hohenzollern im Alter von zehn
Jahren der Armee beitreten mussten. In diesem Zusammenhang stellen die
Aufnahmen vom Potsdamer Ersten Garde-Regiment zu Fuß, dem Leibregiment der
Hohenzollern, den Schwerpunkt der Betrachtung in diesem Buch dar und
zeigen gleichzeitig den militärischen Alltag in der Stadt. In alter
Tradition waren alle Preußischen Könige bis 1918 stets Chefs dieses
Regiments gewesen. In einer Zeit also, in der das preußische Militär einen
geachteten Stellenwert in der Gesellschaft einnahm. Daneben stellt der
Militärhistoriker Volker Schobeß alle damals berühmten Potsdamer
Garderegimenter unter Kaiser Wilhelm I. in ihren Bunten Röcken vor. Die
farbigen Uniformtafeln der Potsdamer Garden sind Kaiser Wilhelm I. und den
siegreichen Waffentaten von 1870/71 gewidmet. Der Maler Carl Friedrich
Schindler hatte hierzu jede einzelne Potsdamer Waffengattung für eine
wohlmeinende Leserschaft zusammengestellt.
Inhalt
Zum Geleit Frank
Wernitz 7
Vorwort – Die geschichtliche
Bedeutung eines legendären Regiments 11
Aufbau
und Gliederung des Regiments 9 17 - Die
Gliederung 20 - Übungen und Manöver
22 - Standort Lübben im Spreewald 29 - Das
besondere Foto von 1938 – Gardetag in Potsdam 30
- Das Ausbildungs-Bataillon 9 31 - Im Zentrum
des militärischen Widerstandes. Das Potsdamer Infanterie-Ersatz- und
Ausbildungs-Bataillone 9 und 178 am 20. Juli 1944
34 - Das Regiment 36
Das
Infanterie-Regiment 9 im Zweiten Weltkrieg. Zu den wichtigsten Stationen
45 - Zur Quellenlage 45 - Umbildung der 23.Infanterie-Division zur
26.Panzer-Division. Ihr Untergang im Jahr 1945 59
- Der Einsatz in Italien 62 - Die
neu aufgestellte 23.Infanterie-Division kämpfte mit dem Grenadier-Regiment
9 erneut im Osten. Ihr Untergang in Ostpreußen 68
Prolog – Die Potsdamer Garnisonkirche als gesicherter Ort des
kirchlich-militärischen Widerstandes gegen Hitler
77
ANHANG 83 - Anhang Hellmich –
Brief an Oberst Werner Heinemann 84
Transkription des Briefes 86 - Anhang: Fotos
zur Geschichte des IR 9 89
Quellen-
und Literaturverzeichnis 165 Danksagung
169 Quellennachweis der Bilder 170
Zum Autor 171
Zum Geleit
Wie
kaum ein anderer Truppenteil der Deutschen Wehrmacht wird der 1935 mit
Proklamation der Wehrfreiheit und einsetzender Heeresvergrößerung schlicht
als Infanterie-Regiment 9 bezeichnete Verband mit dem militärischen
Widerstand gegen Adolf Hitler und das NS-Regime in Verbindung gebracht.
Durch die in der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit betriebene
Instrumentalisierung des „20. Juli 1944“ zur politischen
Rehabilitierung und gesellschaftlichen Integration konnte es zu einer
Vorzeigeeinheit preußischer Tugenden stilisiert werden. Neuere Forschungen
haben aber mittlerweile den Mythos vom „unbefleckten Regiment“ demontiert
und den Nachweis erbracht, dass im Einsatz trotz strenger Erziehung und
Ausbildung nicht selten die Verunsicherung von Invasoren das Handeln
bestimmte. Durch die zunehmende Brutalisierung des Krieges und
Entmenschlichung des Gegners war ein Klima entstanden, dem sich auch
dieser Truppenteil nicht entziehen konnte und zu einem Verhalten auf dem
Gefechtsfeld verleitete, bei dem der Zweck zunehmend die Mittel heiligte,
sprich Verletzungen des Kriegsvölkerrechts billigend in Kauf genommen
wurden. Doch vielleicht waren es gerade diese Verstrickungen, die bei
einem Teil der Offiziere des Regiments wie auch bei denen seines zu Beginn
des Krieges aufgestellten Schwesterregiments unter der Ordnungsnummer 178
den Entschluss reifen ließ, sich dem seit 1939 nach außen getragenen
NS-Terror und seinem Urheber entgegenzustellen. Das ab Herbst 1920 aus
einem Verband des Übergangsheeres gebildete und in Potsdam wie Berlin
stationierte 9. (Preußische) Infanterie-Regiment war eines von 21
Infanterie-Regimentern, dass der Versailler Vertrag dem besiegten
Deutschen Reich zugestanden hatte. Mit einer Personalstärke von etwa 2.000
Soldaten und fast 70 Offizieren, die in drei Bataillonen und einem
Ausbildungsbataillon Dienst leisteten, unterschied es sich organisatorisch
nicht von den anderen Infanterie-Regimentern der jungen Reichswehr.
Allerdings war der Verband nach dem Ersten Weltkrieg aus Resten der seit
dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in den Residenzstädten Potsdam und
Berlin dislozierten Gardeformationen errichtet worden, die über 200 Jahre
in einem besonderen Verhältnis zu Krone und Staat standen. Obwohl der
erste industrialisierte „Maschinenkrieg“ der Jahre 1914/18 nicht nur den
bisherigen Charakter militärischer Konflikte prinzipiell verändert,
sondern auch jahrhundertalte Monarchien in Mittel- und Osteuropa
hinweggefegt hatte, konnte sich in diesem Regiment eine spezifisch
preußisch-aristokratische Offizierskultur erhalten. Dies lag nicht zuletzt
an den Angehörigen alteingesessener Adelsfamilien, die auf eine lange
Militärtradition und eine in unzähligen Schlachten unter Beweis gestellte
Bindung an das ehemalige regierende Herrscherhaus Hohenzollern
zurückblicken konnten. Ein Großteil von ihnen entstammte zudem noch dem
elitären preußischen Gardekorps. So nimmt es nicht Wunder, wenn
militärkritische Beobachter dieses Regiment als „Graf Neun“ persiflierten
und es pauschal als ein Hort der rückwärtsgewandten Gesinnung abtaten,
nachdem das Heer und seine Offiziere Stabilitätsfaktoren eines Staates
schlechthin zu sein hatten. Unabhängig davon – und im Gegensatz zu manch
anderen Verbänden der Reichswehr – waren in dem Potsdamer Regiment
Tradition und Moderne auf eine ganz besondere Weise miteinander verbunden,
die durchaus als Brücke zwischen altem und neuem Heer betrachtet werden
kann. Mag es in der Weimarer Republik noch als
konservativ-antidemokratische Zelle gegolten haben, so änderte sich das ab
1933. Im Regiment, besonders aber bei den bis 1945 in Potsdam verbliebenen
Ausbildungs- und Ersatzbataillonen 9 und 178 zeichnete sich allmählich der
Widerspruch zwischen nationalsozialistischer Staatsführung und preußischer
Tradition ab, der nicht ohne dramatische Folgen blieb. Aus dem kulturellen
Erbe, dem diese Offiziere mit ihrer traditionsgebundenen Erziehung und
Orientierung gerecht zu werden suchten, schöpften sie die Rechtfertigung
für ihre Handlungsweise. Von deren knapp 30 höheren Offizieren (ab
Hauptmann aufwärts) zählten zwei Drittel zum militärischen Widerstand bzw.
waren am Aufstand des 20. Juli 1944 beteiligt und nicht weniger als 19
Offiziere aller Dienstgrade wurden deshalb hingerichtet. Diese Vertreter
der anderen Seite des „Geistes von Potsdam“, 1933 als vordergründiger
Schulterschluss des alten Preußens mit dem neuen, nationalsozialistischen
Deutschland inszeniert, haben sich unter Einsatz des Lebens gegen eine
bedingungslose Unterwerfung verwahrt. Volker Schobeß möchte mit seiner
neuen, begrüßenswerten Arbeit nicht nur an das Potsdamer
Infanterie-Regiment 9 erinnern, sondern will mit 75 sorgfältig
ausgewählten Bildern aus den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten
Jahrhunderts einen Einblick in die damalige militärische Lebenswelt
ermöglichen. Ich wünsche dem Band deshalb eine weite Verbreitung und
den Lesern viele erhellende Momente und Ansatzpunkte zum tieferen
Verständnis dieses wichtigen Kapitels deutsch-preußischer
(Militär)Geschichte.
Dr. Frank Wernitz Vorsitzender der
Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V.
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