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Wie Norbert Grohs meint, ist unsere Zeit voller
Muster dafür, was beispielsweise von einer durchgreifenden Digitalisierung
zu erwarten ist, wenn sie nicht mit einer durchdringend wirksamen
Dialogisierung des Lebens einhergeht. Literarische Dialoge können freilich
schon infolge ihrer Fiktionalität nur sehr vermittelt Anteil daran haben,
wie die nicht erdichtete Kommunikation in den jeweiligen Lebensbereichen
abläuft. Aber selbst solche dialogischen Dichtungsformen, die häufig in
absurder Art extraverfremdend angelegt sind, dürften ein generelles
Potenzial für die verschiedensten produktiven Übergänge in die tägliche
Welt zweckhaften Verhaltens und zielgerichteten Handelns in sich bergen.
Mitunter vielleicht sogar gerade deshalb.
Inhaltsverzeichis
Vor-Worte 9
I Elementarkaleidoskop 11
II
Beziehungswellen 43
III Wissens- und Bildungsaspekte 83
IV
Vernunft- und Sinnbezüge 119
Nachworte 159
Dank 164
Über den Autor 165
Vor-Worte
Nach den Epigrammen in
„Auf Gott und die Welt meinen Reim gemacht“ und den Aphorismen und
Kurzreflexionen in „Kleine Brötchen backen ... große Töne spucken“ folgen
nun wieder Dialoge. Da inzwischen bereits über dreihundert hiervon
vorliegen, könnte ich mir bei viel Ehrgeiz und Übermut auch vornehmen, ein
Drama zu schreiben. Aber das, was von Dramen überlebt, sind vor allem
Dialoge. Wenn man nun im höheren Lebensalter ist und das Fertigstellen von
Theaterstücken viel zu mühsam wäre, kann man dies vielleicht auch einmal
auf bornierte Weise kompensieren und sich heimlich zuflüstern: Ich ziele
lieber weiterhin gleich auf die Essenz ab. Zumal dies mir und Teilhabenden
so viel Freude bereitet, dass ich keinen Grund sehe, ein Spaßverderber zu
sein.
Wie ich an anderer Stelle schon ausführte, ist
Unterhaltsamkeit durchaus mit Kapazität für Tiefenwirkung verknüpft. Zu
den großen Chancen, die Dialoge bieten, gehört es, das eigene
Selbstverständnis durch das Wahrnehmen des beteiligten Gleich- und
Andersdenkenden zu reflektieren und zu vertiefen. Dies gilt für jeden der
Austauschpartner. Ein Dialog, der zu einem regelrechten Zerwürfnis führt
und bei dem die besagte Chance rundweg verspielt wird, war keiner.
Umgekehrt kann eine sehr hitzig verlaufende und schließlich unerquicklich
erscheinende Diskussion einen Dialog zur Folge haben, in dem bei
Bereitschaft zur gegenseitigen Akzeptanz und zum Zuhören auch das
beleuchtet und aufgearbeitet wird, was einen wechselseitigen Austausch
verhindert hat. Dies dürfte auch initialzündend für eine künftig stärker
dialogisch geprägte Kommunikation der Betreffenden sein. Die Welt des
Menschen ist voller Dinge, Eigenschaften und Beziehungen, die es in sich
haben, vor allem wenn sie außer sich sind. Gerade dann zeigen sich
deutlich die Schwierigkeiten eines Selbstverständnisses, das sich stark
auf voreingenommene Außensichten gründet und unbedingt alle Welt nach dem
so geprägten Bild einzurichten trachtet. Hohe zivilisatorische Standards
lassen sich indes nicht dadurch bewahren, dass man den Gang der Dinge und
Geschehnisse nach diesem oder jenem verbissen praktizierten Schema des
Kostens und Propagierens, was es wolle, andauernd zu traktieren und zu
überholen versucht. Es wachsen sogar Gefahren, in zusätzliche
Konstellationen divergierender Interessen- und Erwartungslagen zu geraten,
bis sich vielleicht bei gravierenden Fragen gar nichts mehr auf einen
Nenner bringen lässt.
Unsere Zeit ist voller Muster dafür, was
beispielsweise von einer durchgreifenden Digitalisierung zu erwarten ist,
wenn sie nicht mit einer durchdringend wirksamen Dialogisierung des Lebens
einhergeht. Literarische Dialoge können freilich schon infolge ihrer
Fiktionalität nur sehr vermittelt Anteil daran haben, wie die nicht
erdichtete Kommunikation in den jeweiligen Lebensbereichen abläuft. Aber
selbst solche dialogischen Dichtungsformen, die häufig in absurder Art
extraverfremdend angelegt sind, dürften ein generelles Potenzial für die
verschiedensten produktiven Übergänge in die tägliche Welt zweckhaften
Verhaltens und zielgerichteten Handelns in sich bergen. Mitunter
vielleicht sogar gerade deshalb. In diesem Sinne hoffe ich, Ihnen, liebe
Leserin, lieber Leser, ein wenig Freude und Denkspielraum beim Lesen zu
bieten und also hier und da auch Anregung für Ihr Tun vermitteln zu
können.
Norbert Grohs Berlin, im Mai 2025
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