Seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 sind 35 Jahre
vergangen. Ein Jahrzehnt lang hat die Autorin die Veränderungen in
Deutschland und Europa schreibend beobachtet.
In ihrem ersten
Tagebuch „Es kam ein langer lichter Herbst“ (ISBN
3-89626-223-8)
schildert sie, welch gewaltiger gesellschaftlicher Umbruch im
Herbst 1989 in der DDR begann, der in die deutsche Einheit führte.
Der zweite Band, „Die Eleganz der Eseltreiber“ (ISBN
3-89626-177-0) zeigt die politische und
gesellschaftliche Entwicklung von 1991 bis 1993 auf. Zentrales
Thema ist die Suche nach Möglichkeiten individueller Existenz,
welche die Autorin als sehr ambivalent wahrnahm.
Im nun
vorliegenden 3. Band, „Vesper im leeren Garten“, der die Jahre
1994–1999 umfasst, wird deutlich, dass und warum Deutschland von
der inneren „Einheit“ noch weit entfernt ist. Woher im Osten
verstärkt das Gefühl kommt, fremdbestimmt, Bürger 2. Klasse zu
sein? – Nichts, was viele Ostdeutsche in der DDR geschätzt hatten,
konnten sie als „Zugewinn“ ins vereinte Deutschland einbringen.
Mit der sozialen Sicherheit gingen auch Selbstvertrauen und Stolz
auf die eigene Lebensleistung verloren. Zudem beschworen die
politischen Eliten gebetsmühlenartig, dass die DDR ein
„Unrechtsstaat“ gewesen sei, in dem Mauerbau, Schießbefehl und
Stasi-Terror das Leben bestimmt hätten, und gar nichts es wert
wäre, positiv erinnert und bewahrt zu werden.
Für die Autorin
öffnete sich Anfang der 1990er Jahre ein Fenster in die „Welt“.
Eine kurze Phase geistiger Emanzipation weckte die Illusion auf
echte Partizipation im vereinten Deutschland. Dies zeigt sich in
ihren Lebenszusammenhängen in Form des täglichen Kampfes um
Anerkennung und Akzeptanz – im unbändigen Drang, neues Wissen zu
erwerben, Sprachen zu lernen, Grenzen zu überschreiten, um als
Mensch – mit eigenen Erfahrungen und Überzeugungen – angenommen
und geachtet zu werden.