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Elviera Thiedemann

 

 

Vesper im leeren Garten.
Tagebuchaufzeichnungen Januar 1994 bis Dezember 1999

 

2025, 354 S., ISBN 978-3-86465-204-2, 26,80 EUR

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Seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 sind 35 Jahre vergangen. Ein Jahrzehnt lang hat die Autorin die Veränderungen in Deutschland und Europa schreibend beobachtet.
In ihrem ersten Tagebuch „Es kam ein langer lichter Herbst“ (ISBN 3-89626-223-8) schildert sie, welch gewaltiger gesellschaftlicher Umbruch im Herbst 1989 in der DDR begann, der in die deutsche Einheit führte.
Der zweite Band, „Die Eleganz der Eseltreiber“ (ISBN 3-89626-177-0) zeigt die politische und gesellschaftliche Entwicklung von 1991 bis 1993 auf. Zentrales Thema ist die Suche nach Möglichkeiten individueller Existenz, welche die Autorin als sehr ambivalent wahrnahm.
Im nun vorliegenden 3. Band, „Vesper im leeren Garten“, der die Jahre 1994–1999 umfasst, wird deutlich, dass und warum Deutschland von der inneren „Einheit“ noch weit entfernt ist. Woher im Osten verstärkt das Gefühl kommt, fremdbestimmt, Bürger 2. Klasse zu sein? – Nichts, was viele Ostdeutsche in der DDR geschätzt hatten, konnten sie als „Zugewinn“ ins vereinte Deutschland einbringen. Mit der sozialen Sicherheit gingen auch Selbstvertrauen und Stolz auf die eigene Lebensleistung verloren. Zudem beschworen die politischen Eliten gebetsmühlenartig, dass die DDR ein „Unrechtsstaat“ gewesen sei, in dem Mauerbau, Schießbefehl und Stasi-Terror das Leben bestimmt hätten, und gar nichts es wert wäre, positiv erinnert und bewahrt zu werden.
Für die Autorin öffnete sich Anfang der 1990er Jahre ein Fenster in die „Welt“. Eine kurze Phase geistiger Emanzipation weckte die Illusion auf echte Partizipation im vereinten Deutschland. Dies zeigt sich in ihren Lebenszusammenhängen in Form des täglichen Kampfes um Anerkennung und Akzeptanz – im unbändigen Drang, neues Wissen zu erwerben, Sprachen zu lernen, Grenzen zu überschreiten, um als Mensch – mit eigenen Erfahrungen und Überzeugungen – angenommen und geachtet zu werden.