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Zum Buch
Vorgedanke Jede Zeit Weimars gleicht einem Dreigespann. Sie birgt
immer etwas vom Damaligen, vom Heutigen und einen Hauch des Künftigen. Mag
der Morgen jedes neuen Tages unberührt scheinen: Nichts in dieser Stadt
ist gänzlich losgelöst von ihren fernen, gewesenen Tagen oder vom Tun der
Menschen in ihrer Zeit. Generationen transportierten sie in ihren
erzählten oder noch nicht erzählten Geschichten. Wie war das mit dem
alten Goethe in dessen letzten Tagen? Hat der uralte Mann am Frauenplan,
angesichts der sich dicht um ihn her so wandelnden Lebenswirklichkeiten,
tatsächlich gesagt: „Mich widert alles nur noch an“? Sein Leben
überdauerte die Spanne vieler anderer Altgewordener jener Zeit. Über
einige wissen wir viel, von den meisten wohl wenig. Das Lebensempfinden
des Hochbetagten hatte 1832 nicht mehr viel zu tun mit dem des 37-jährigen
Romreisen von 1786. Zuviel lag dazwischen, auch der Tod seines Freundes
Friedrich Schiller. Wie war es damals mit ihm? Mit dessen Gebeinen? Einige
Experten sagen so, die anderen so. Doch wohl nie, bevor Schillers
geplagter Kopf und Leib im Mai 1805 erlösend zur Ruhe kamen, wäre es dem
Dichter in den Sinn gekommen, dass sein verblichener Schädel einst zum
begehrten Fetisch werden könnte. Manches wurde aufgeschrieben. Anderes
blieb im Ungefähren. Aber hin- und wieder findet diese oder jene
langbewahrte Verschwiegenheit vielleicht doch noch an das Licht heutiger
Tage. Sie weckt neues Interesse, Phantasien und manchmal sogar
Begehrlichkeiten aus dem Fundus Weimars. Die kommenden Seiten dieses
Buches erzählen eine denkbare Geschichte, eine Fiktion. Sollten darin
äußere oder charakterliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen
erkennbar scheinen, beruht dies auf Zufall. Andererseits schlüpft das
Schicksal zuweilen in das Gewand es Zufalls um nicht erkannt zu werden.
Sollten dennoch einige wenige Protagnisten dieser Erzählung Ähnlichkeiten
mit real im Leben stehenden Zeitgenossen aufweisen, so geschah dies zu
deren Wertschätzung. Im Grunde aber – schenkt Weimar uns den Rahmen,
zu denken, dass es nichts gibt, was es nicht geben könnte.
Günther
H. W. Preuße 2024
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