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Bernd Kebelmann


Drei Brüder im Spiegel bei brechendem Licht


 

 

2022,  400 S., ISBN 978-3-86465-172-4, 26,80 EUR

in Vorbereitung

 

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Leseprobe Kapitel I

Industrieromantik


Bergmann Willi stand still im Gras, in der Morgensonne. Er sah Marion hinterher. Dabei lauschte er der Musik. Solange noch kein Schnee fiel, sangen die Vögel für ihn. Er fütterte sie. Sie sollten bleiben, bis der Frost sie vertreiben würde. Marion war schon weit fort. Sie trat eilig in die Pedalen, ihre rötlich flatternden Haare leuchteten durch den Morgen. Willi warf Hände voll Körner ins Gras, zwischen das Herbstlaub der Bäume und Büsche. Bei den Spatzen fanden sich Amseln ein, Meisen, Rotkehlchen und ein Grünfink, ein Zaunkönig hüpfte umher. Mit den fallenden Buchen- und Ahornblättern wechselten auch die Vogelarten. Etwas Solides blieb: Hinter Willi schimmerte einer der letzten großen Rumford-Öfen durchs Laub. Er hatte ihn vor dem Verfall gerettet, sich kurz vor der Rente dort eingerichtet. Der Ofen bot ihm Gelegenheit, darin zu leben, von Frühjahr bis Herbst. Was nicht hieß, dass Willi in dieser Wildnis, am Rand von Kalkdorfs Bergbauregion, zwischen Felsen und Heinitzsee in den Tag träumen und allein bleiben wollte. Er liebte seine Einsamkeit, doch ab und zu brauchte er Wärme. Irmgard, seine zweite Frau weigerte sich, ihn hier zu besuchen. Sie saß in Willis Wohnung, verkaufte in der Tiefbau-Kantine und vermisste den Mann nur selten. Aber Marion kam zu Besuch. Sie ging im Kalkofen ein und aus. Sie sollte nicht hier sein, doch Willi gefiel es. Er streckte sich in der Sonne und überlegte, die junge Frau bei sich anzustellen. Das Bett war gemacht, die Stube gefegt. Er brauchte sie für sein Museum … Wenn ich alt bin, sagte er sich, kriegt Benno mein Museum. Mein Neffe ist der Einzige, der infrage kommt, wenn er erwachsen ist. Heute lacht er vielleicht noch darüber: Ein Kalksteinmuseum, wozu denn das? Kalkstein haben wir überall!
Willi sah hinüber zur Heinitzstraße, die hinter den Büschen vorbeilief. Bei Schichtbeginn knatterten Mopeds und Motorräder vorüber, fuhren Kollegen zur Arbeit im nahen Tagebau, in Kalkdorf Tiefbau genannt. Sonst blieb die Straße leer. Jetzt allerdings sah Willi die Postfrau kommen. Sie brachte auf ihrem klapprigen Fahrrad die Tageszeitung vorbei.
Als die Frau heran war, verstummten die Vögel. Sie stieg ab und keuchte: Lange mache ich das nicht mit! Den weiten Weg hierher strampele ich nur für dich! Wer bist du denn, dass ich das aushalten muss? Ich sage dir, wenn hier der Schnee fällt, dann kostet das extra, oder ich streike!
Willi lachte und setzte die zeternde Frau in die Sonne, auf die Holzbank, direkt an den Ofen. Sie lehnte sich an das historische Bauwerk, gebaut wie eine Burg, und wärmte sich den Rücken. Als sie die Steinwand hinaufsah, hoch geschichtet, sauber verfugt, bis zum Zinnenkranz in zehn Meter Höhe, wurde ihr fast schwindlig. Willi brachte ihr einen Schnaps und tätschelte ihre Apfelbäckchen. Bei Frauen wusste er, was zu tun war. Da saß sie und ließ es sich schmecken. Sie blinzelte in die Morgensonne, und er wusste, sie würde wiederkommen.
Der Bergmann glättete seine Zeitung. Doch die Postfrau holte, wer konnte das ahnen, einen Brief hervor: Der ist für dich, da steht doch dein Name, oder? Es war der erste Brief, den Willi hierher bekam, an eine Adresse, die kaum jemand kannte. Er riss ihn auf, dann besann er sich …
Erst gab er der Frau einen zweiten Schnaps, und diesmal trank er mit. Sie blieb sitzen, sah zu, wie er las, und wollte alles wissen: Es ist doch kein Geheimnis, oder?
Es war eine Überraschung. Die Landwirtschaftsakademie aus Berlin fragte bei Willi an, ob er im kommenden Winter bei den Tierschützern aushelfen möchte? Es ging um die Fledermäuse. Ob er sich vorstellen könne? Hätte er überhaupt Lust? Willi nickte. Das las sich gut. Fledermäuse gab es genug. Daran würde die Sache nicht scheitern.
Die Postfrau hörte und staunte. Willi setzte sich neben sie und erklärte: In den Schramlöchern, die seit einhundert Jahren in die Felsen getrieben wurden, auch in natürlich entstandenen Höhlen leben die Tiere zu Tausenden. Sie haben das Labyrinth der Gänge, Spalten und Schründe fast für sich allein. Jetzt fallen sie bald in Winterschlaf. Das ist die richtige Zeit, sie zu zählen, zu messen, zu wiegen. Sie werden beringt, soweit das geht bei ihrer großen Zahl, und ich soll alles notieren, Datum, Standort, Art und Gewicht … Willi fragte sich allerdings, wie er die Tiere unterscheiden, ihre Daten erfassen und protokollieren solle? Lust hatte er, und genügend Zeit. Es gab nun einen Grund mehr, über den Winter im Ofen zu bleiben. Er brauchte drei Zentner Briketts. Holz müsste er wohl sammeln. Aber die Aufgabe reizte ihn, und Marion würde ab und zu wieder für ihn da sein …
Die Postfrau fuhr kopfschüttelnd ab. Willi ging und kramte sofort die Bergmannskleidung hervor. Er suchte die Arbeitsstiefel und machte sich einen Plan. Dann schrieb er einen Zettel, wohin er klettern würde, falls ihn doch jemand suchte, oder ihm etwas passierte …
Früh am nächsten Morgen zog er sich umständlich an, stülpte sich den Helm auf den Kopf und hing die Stirnlampe vor. Er legte sich Haken und Seil zurecht, überlegte und ließ sie liegen.
Als die erste Sonne die Felsen beschien und das dünne Eis auf dem See bereits zu dampfen begann, stieg Willi Meter für Meter den Glockenberg hinauf. Er wechselte am Steilhang zu einer Traverse hinüber, die als schmaler Grat an der Kalksteinwand über dem See entlanglief. Schritt für Schritt stieg er höher. Vorsicht Willi, der Splitt ist rutschig! Der Bergmann ging langsamer weiter. Er war aus der Übung, doch zeigte es sich, hier brauchte er nicht zu sichern. Er atmete schwer und wurde erst ruhig, als er auf dem Felsenplateau vor einer Galerie stand, hinter der die Schramlöcher lagen.
Am Rand der früheren Abbauzone, wo das Kalksteinmassiv brüchiger wurde, ging es zu den natürlichen Höhlen. Jahrmillionen lang hatte der Regen Gipseinschlüsse und Sandsteinnester aus den Felsen herausgespült, Klüfte und tiefe Schluchten gebildet. Willi dehnte und streckte sich unter der Sonne, dann stapfte er langsam ins Dunkel. Er kroch durch hohe Gänge, die immer schmaler wurden, schob sich von Höhle zu Höhle, ließ die Stirnlampe leuchten und hob den Kopf. Dann sah er die Masse der Tiere! An Wänden, niedrigen Felsendecken, in Nischen und Spalten gab es Fledermäuse. Wie es aussah, schliefen sie fest, oder sie waren steif von der Kälte. Wie seltsam die Tiere dort hingen!
Die Fledermäuse hakten sich mit ihrem harten Sporn an jeden Riss im Stein. Den Kopf nach unten, die Flughäute eng an den Körper gelegt, hingen sie dicht an dicht, rückten instinktiv zusammen. Das hielt warm, wer wusste das nicht. Aber die Ruhe täuschte.
Falls es nicht schon zu kalt für sie war, wurden sie abends lebendig, um im hellen Mondlicht zu tanzen. Sie brauchten kein Licht, aber die Insekten lockte es magisch an. Sie selber flatterten über den See, torkelten zu den Büschen am Ufer, wo sie noch Beute fanden. Bald würden sie Winterschlaf halten. Dann sollte sie niemand mehr stören. Heute hob Willi zur Probe langsam eine Hand und pflückte sich ein Tier von der Decke. Als es die Wärme der Hände spürte, rührte es sich träge. Willi ließ es frei. Das war es also? Das war es!
Am nächsten Tag schrieb der Bergmann mit schwerer Hand einen Brief an die Akademie. Die Postfrau nahm ihn voll Ehrfurcht entgegen. Von nun an hatte sie ständig mit seiner Briefpost zu tun. Bald erhielt Willi den ersten Besuch. Er führte einige Professoren ins Gebirge hinauf. Sie brachten ihm ihre Methoden bei, die Tiere zu vermessen, Ringe anzulegen. Es klappte. Er sammelte winzige Kotproben ein, sie kamen ins Labor. Abends saß Willi am Tisch und schrieb seine Protokolle. Er zählte, verfertigte Listen, rechnete und schrieb, und ließ sich von der Postfrau reichlich Briefmarken bringen. Die Briefe gab er ihr morgens mit. Bei jeder Antwort, die sie ihm brachte, fragte Willi, ob sie nicht doch einen Schnaps? Sie lachte: So viele Schnäpse könne sie gar nicht trinken! Willi machte die Frauen auch so betrunken. Das sagte sie ihm nicht, doch kam sie nun wieder gern.
Willi lud sie in seinen Ofen ein. Sie schaute sich um und ließ sich sein Museum erklären. Wohin die auch fuhr, sie erzählte, Willi finge mit eigener Hand die kleinen Fledermäuse! Er würde sie messen und wägen, Ringe um ihre Füße legen. So zähle man sie und erfahre, wie weit und wohin sie fliegen.
Wie viele Arten von Fledermäusen es hier oder anderswo gab, hatte Willi noch längst nicht begriffen. Er hatte Jahre, Jahrzehnte lang im Tiefbau, im Abraum gearbeitet, die meiste Zeit als Steiger. Er sorgte dafür, dass der Kalkstein zur Sprengung freigelegt wurde, wobei auf der Abraumhalde weitere Berge wuchsen. Jeder russische Kipper brachte erneut vierzig Tonnen Mergel, die Raupen schoben ihn glatt. Seitdem Willi aber nun seine Bergmannsrente bekam, hatte er Zeit zu lernen. Anfangs nahm er sich von zu Hause Brehms Tierleben mit in den Ofen. Bald schickte man ihm die wichtigsten Bücher und bat ihn, darin zu lesen. Es war seine Pflicht, seine neue Freiheit. Zwar hatte er nie Latein gelernt, aber jetzt buchstabierte er: Mikrochiroptera, Kleinfledermäuse. Zu ihnen gehörten die Arten in den Kalkdorfer Höhlen. Größere Tiere, Flughunde oder Vampire lebten nur in den Tropen, wo es mehr Wärme und Nahrung gab. Willi lernte, dass hier die Glattnasen und Hufeisennasen wohnten, wie sie aussahen, sich orientierten, was und wie sie fraßen. Er saß in der Nische, am eisernen Ofen, der glühte, knisterte leise. Vor ihm leuchteten Kerzen, lag eines der Bücher, von denen er nicht ahnte, dass es so etwas gab, bevor der Brief ihn erreichte. Er goss sich ein zweites Glas ARAD ein und forschte mit Fingern, Zunge und Lippen den schwierigen Wörtern nach: Klappnasen, las er, Rhinopomidae, Taschenfledermaus Taphozous sakuleimos, Grabflatterer Taphozous.
Willi lauschte nach oben. Kein Laut war zu hören. Er wusste, daß die Tiere auch in seinem Ofen schliefen. Zwei Stockwerke über ihm waren sie sicher. Die hölzerne Zwischendecke verbarg sie vor dem Licht. Es handelte sich um kleine Tiere, die niemandem etwas taten.
Sie würden schlafen, so lange es hell war. Abends, wenn sie flogen, erschienen sie Willi viel größer. Wem sie unheimlich waren, der kannte sie nicht … Sein Kopf nickte über den Büchern ein. Die Kerzen flackerten und verlöschten bläulich. Er klappte das Buch zu und schlug sein Bett auf. Der Ofen wärmte nur, solange man Holz oder Kohlen hineinschob. Doch er steckte den Kopf in die Kissen und träumte sich Marion herbei …
Statt der jungen Frau erschienen in Willis Gedanken unzählige Fledermäuse. Im Kalkgebirge, in seinen Höhlen würden sie Winterschlaf halten. Dies sei eine der größten Kolonien im mittleren Europa, und sie gehörte auf einmal zu seinem gebirgigen Reich …
In der Nacht fiel der erste Schnee auf Willis Rumford-Ofen und verwehte zwischen den Büschen. Morgens stapfte er ein paar Runden um seine Ofenwohnung, deren Eiskristalle in der Sonne glitzerten. Die Sonne lud den Kalkstein wieder mit Wärme auf. Im Ofen blieb es kühl. Willi musste nun ständig heizen. Auch die Kalkfelsen im Gebirge hielten die Sonnenwärme zwischen den Felsen fest, und sie schützten die Tiere vor Frost. Noch waren es jene Spezies, die mit lateinischen Namen benennbar, deren Verhalten bekannt, vorherbestimmbar war. Dies würde vielleicht nicht so bleiben. Die Biologen ahnten wohl etwas, als sie im letzten Moment begannen, die Kolonie zu erforschen. Von solchen Überlegungen wollten sie Willi verschonen. Er hatte damit zu tun, ihre Biologie zu erfassen.
Täglich stieg er hinauf in die Steilwand, zur Felsengalerie, hinter der die Schramlöcher lagen. Er besuchte die abgelegensten Höhlen, fand weitere Bunker und Zufluchtsorte. Zwei Kriege waren durchs Land gezogen. Manchmal dachte Willi an Möglichkeiten, eine von tausend Geschichten dieser Kalksteinlandschaft zu bergen. Doch neben seinen Erinnerungen betreute er nun die Fledermäuse, dazu machte er sich viel Arbeit mit dem Wachsen seines Museums.
Am nächsten Morgen blickte Willi wieder misstrauisch aus dem Fenster. War noch mehr Schnee gefallen? Dies nicht, doch der Schnee blieb liegen und schützte die harte Erde.
Den Altschnee bedeckte jedoch bereits eine feine Schicht von Zementstaub. Staub hatte hier die älteren Rechte. Wieviel Schnee auch auf See und Gebirge fiel, das Eis wurde bald wieder grau, nur die Schneehöhe nahm weiter zu. Bald würde das Klettern schwieriger werden. Ihm schmerzten schon jetzt die Knochen. Der Berg zehrte an Willis Kräften. Er wäre am liebsten im Ofen geblieben.
Aber nun hatte er Pflichten. Heute musste er noch hinauf, dann war Schluss! Einige Stunden später hatte Willi genügend Fledermäuse gefangen, gemessen, gewogen, ihre Art bestimmt. Er hatte sie beringt und gezählt. Jetzt kroch er aus den Höhlen und wollte Pause machen. In solchen Momenten legte er wie früher das Ohr an die Steine. Er lauschte den Sedimenten, die den Berg atmen ließen. Manchmal brachten die Sprengungen das Gefüge der Felsschichten durcheinander! Jeder Bergmann blieb ruhig, Willi wurde nervös. Seine Verantwortung wuchs. Er musste dringend mit Benno sprechen. Der Junge ging schon zur Oberschule und war klug genug … Auf der Galerie setzte Willi sich an den Hang. Die Sonne blendete ihn. Er blinzelte durch die Finger – und sah eine Frau näherkommen.
Ihr Schatten bewegte sich dicht am Absturz. Vorsicht, wollte er rufen … Aber sie war schon so nahe, dass er sie atmen hörte. Durch ihr rotblondes Haar schien die Sonne: Willi, ich habe dich gesucht!
Willi nickte und ließ die Beine in den Abgrund baumeln. Sie setzte sich an seine Seite: Wenn nur bald Frühling ist, seufzte Marion und schmiegte sich dicht an ihn … Im Frühling, murmelte Willi halblaut, bekommen sie Junge, auch Fledermäuse. Die Weibchen sind schon begattet. Wenn es so weit ist, hängen sie sich falsch herum, mit den Kopf nach oben an eine Felsenspalte … Marion schaute mit großen Augen … Das trächtige Weibchen packt seine Flughaut am Schwanz mit den Sporenbeinen. Links und rechts hält es sie fest, spreizt sie wie einen Sack. Dort fällt das Junge hinein. Es ist winzig und warm, hat die Augen geschlossen … Marion hielt still, hörte Willi reden: Tage später fliegen die Tiere davon, wenn der Frühling kommt und die Luft sich erwärmt hat. Noch ist das Frühjahr weit … Sie schauten hinab auf den See. Dreißig Meter tiefer lag eine graublaue Fläche, nicht so glasklar wie sonst. Kein Laut und keine Bewegung. Sie sahen in einen stumpfen, fast blind gewordenen Spiegel. Sie hörten ihren Atem. Er flatterte davon, in kleinen weißen Wolken. Für den Bruchteil von Zeit konnten sie sich spüren, ohne sich zu berühren. Dann blickten sie sich beide überrascht in die Augen.
Die Sonne schlich nach Westen, streifte bereits die Felsen. Das Grün am anderen Ufer duckte sich in den Schatten. Plötzlich knirschte der Stein hinter ihnen. Lautlos erzitterte das Gebirge. Feine Sprünge zerrissen die Fläche des Sees. Der stumpfe Spiegel zerbrach. Ein dumpfes Grollen folgte … Schnell! Willi ergriff Marions Hand. Sie flüchteten vor der Drohung, die plötzlich in der Luft lag.
In Willis Wohnung glühte der Ofen. Zum Abendbrot brannten Kerzen. Dabei schlief Willi ein. Marion schlich davon, still und leise, wie sie gekommen war. Lange ließ sich die Frau nicht blicken. Willi verkroch sich im Ofen. Die Sprengungen waren jetzt täglich zu hören. Sie schienen näher zu kommen. Das Feuer im Öfchen ging nicht mehr aus. Ab und zu kam noch die Postfrau. Ab und zu trat er an seinen Schrank, ein Gläschen Arad war fällig. Im Regal fand Willi ein zweites, in Leder gebundenes Buch, das älter war als er selbst: Das Weltall und die Entwicklungsgeschichte der Erde. Hatte es Benno ihm nicht gebracht? Auch darin wollte er lesen. Und er zog sich hinter die Ofenwärme, hinter die Zeit zurück … ...

 

Inhaltsverzeichnis


Die Personen 11

Industrieromantik 15

I. Verliebtheiten und Spiegelungen 25
- Fleischwaren. Winterkälte. Das brennende Mädchen 25
- Selbsttherapie. Frühstück mit Salomo. Hildes höhnisches Lachen 30
- Die Blendung. Die Öfen am See. Auf dem Glockenturm 35
- Virtuelle Brüder. Eine Großmutter, die sich bekreuzigt 41
- Im Hortwinkel. Astras Elternhaus 44
- Spuren im Stein. In der Steilwand. Der Röt 48
- Oskars Neugier. Realitäten und Regen 54

II. An der Erweiterten Oberschule 59
- Der Weg zur EOS. Die Bummelgroschen 59
- Eine Jugendfreundschaft. Gleichgewicht des Schreckens 64
- Die Kubakrise. Gallendiät 67
- Medienkrieg und Hosenfrage 71
- Die Kämpfe in Südostasien. Kalkdorfs politische Häftlinge 75
- Rollentausch mit Norbert. Petting und Konfirmation 80
- Feier mit der Ersatzfamilie. Kennedy in Berlin 86

III. Willis Aufbaupläne. Marions Annäherungen. Bürgerrechte 89
- Die Pförtnerloge. Alfred und Else 89
- Fahrradferien. Lynchjustiz und Gewaltfreiheit 92
- Die Sturheit besiegen. Marion widerstehen 96
- We shall overcome. Resignation und Verzicht 102
- Willis Einsamkeit. Architektur und Sehnsucht 105
- Passierscheine. Hedwigs Vorwurf. Französischer Besuch 111
- Auszug der Gottesanbeterin. Rückkehr zum Berghof 114

IV. Rendezvous. Höhlenforschung. Bennos erste Freundin 117
- Weltende Bahnhof Friedrichstraße 117
- Annette aus Nancy. Automatenrestaurant. Im Kino 119
- Geografische Zweifel. Staatsbürgerkunde 121
- Die Höhlen über dem See 125
- Menschenschädel. Gräber im Staub 128
- Fledermausarten. Höhlenphilosophien 130
- Wer die Nachtigall stört. Astras Nähe 134

V. Die Abraumhalde. Der Umgang mit Frauen 139
- Willis große Bühne. Der Bergsturz 139
- Tiefbauexpansion. Willis Wohnung. Das Richtfest 145
- Zwei Männer im Berg. Erdgeschichtlicher Abriss 151
- Eckarts Karnickelzucht. Marions Sehnsucht 156
- Gerdas Auftritt. Bennos Versuchung 159
- Fledermäuse im Haus. Romantik im Winkel 163
- Das Brechen von Stein und Zeit. Wie die Derwische tanzen 167

VI. Im Industriemuseum. Willi und Marion. Vietnamkrieg 175
- Die sozialistische Praxis. Bewerbung zum Studium 175
- Die Bauabnahme. Kalkdorf in den Tropen 180
- Bildungschancen. Der Krieg geht weiter. Martin Luther King 183
- Bennos Zweifel. Blaumann und Arbeitsschutzhelm 187
- Marions Flucht. Nächtliches Feuer. Willi am Ende der Welt 192
- Schüsse in Westberlin. Staatsnahe Christen 197
- Schlammaufgabe. Heiße Hexen. Wasser und Feuer 199

VII. Erhaltungssatz der Energie. Astras vertrautes Bild 203
- Sir Benjamin Thompsons Erfindung 203
- Weil es nichts zu bereuen gibt 206
- Der Ofen als Wohnung. Filmdrehort Heinitzsee 208
- Astras Bild. Die Seele der Mädchen 213
- Willis Kalksteinmuseum. Else und Marion 217
- Berufsschulunterricht. Mauersegmente 223
- Graf Rumford zu Ehren 227

VIII. Der Ehrendienst. Die Höhlen, Praxis und Symbolik 231
- Verpflichtungen. Offizierslaufbahnen 231
- Mineralwolle. Die Museumsfee 233
- Thermoelemente. Geschichte des Zements 238
- Bennos Musterung. Erster Marschbefehl 242
- Körperhöhlen und magische Orte 247
- Armeelazarett. Geburtstagsgeschenke. Spuren im Stein 252
- Der Kohlenmüller. Ein Treffen mit Eckart 258

IX. Theorie und Praxis. Flucht und Verfolgung 265
- Ammons Getier. Das Halbtrockenverfahren 265
- Haralds Klugheit. Emmys Eifer. Eckarts Blitzkarriere 270
- Havarien und Erdgeschichte. Kleine Zwischenprüfung 275
- Auf der Seilbahnstation. Ein Knochenfund 280
- Arbeitsplatzbindung. Flucht, Wut und Angst 287
- Die Suche nach Eckart. Rachegefühle 292
- Oskar und Willi. Klartext 295

X. Versagensangst. Die Prüfungen 301
- Astronomie oder Astrologie. Ziel der Abifahrt 301
- Harald und Emmy. Druckfestigkeitsprüfung 303
- Bruderzwist. Zementwerkswinter 306
- Schwimmzeugnis. Sportabitur 315
- Die Weimarer Klassiker. Kahlwicht 318
- Abschlussprüfungen. Ideale Verhältnisse 321

XI. Bennos Rückfälle. Spaltung der Charaktere 327
- Unfreiwilliger Rückzug. Zeugnisse. Abiturball 327
- Die Zukunft der Brüder. Sorge um Astra 332
- Drei Brüder im Bergblick. Frau Gallows Observation 334
- Eine Schlussrunde über die Halde 339
- Die Bühne leert sich. Willis Vermächtnis 344
- Bennos Gedankenflucht. Astras Versprechen 349
- Oskar muss bleiben. Der Bergmann geht 353

XII. Trennungen. Erinnerungsarbeit 359
- Der Brief an Astra. In die Mühle zu Lotte 359
- Das Wiedersehen mit Hilde. Gemeinsame Höhlenforschung 362
- Im Schatten der Sonnenuhr. Norberts Fehltritt 366
- Oskar und Benno. Übung im Blindsein 371
- Astras Abschied. Bennos Kummer. Fluch der Berliner Mauer 374
- Benno auf Warteschleife. Oskar am Schreibtisch 379

Endnoten 383

Über den Autor 397

 

 

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