Zurück zur letzten Seite                    Zur Startseite des Verlages


Petra Werner

Claude Monet oder

Wo die Kunst begraben liegt

 

 

 

Kriminalroman

 

 

2021, 218 S., ISBN 978-3-86465-159-5, 16,80 EUR

 

Lieferbar

 

=> Bestellanfrage beim Verlag

 

2

Zurück zur letzten Seite                   Zur Startseite des Verlages
 

Zum Buch

1995. Nahe Bellinzona. Ein Milliardär wird in seiner schlossähnlichen Villa im Tessin getötet und fast jeder, der mit ihm zu tun hatte, ist verdächtig. Auch die junge Medizinhistorikerin Alice. Es scheint, als hinge der Mord mit einer Kunstsammlung zusammen, die 1938 vom Bekannten ihrer jüdischen Großeltern in Verwahrung genommen und nie zurückgegeben wurde. Dazu gehörte Claude Monets Gemälde „Parklandschaft“. In welcher Beziehung stand der Milliardär zu ihrer Familie und warum kopierte er in seinem Atelier ausgerechnet Werke Claude Monets?
Der Ermordete hinterließ geheimnisvolle Zettel mit kryptischen Zeichen. Und auch seinem Gangsterkater Murrli alias Al Capone kommt eine besondere Rolle zu.
Die Lösung des Mordfalls überrascht.

 

Auf Russisch

Петра Вернер

Тайна кота по прозвищу Аль Капоне

Синопсис

1995 год . Окрестности Беллинцоны, главного города швейцарского кантона Тичино. Здесь, на своей вилле, больше похожей на старинный замок, убит миллиардер. К этому может быть причастен каждый, кто с ним сталкивался. И в первую очередь – его гостья Алиса. Она пишет докторскую диссертацию по истории «эликсира молодости» и приехала сюда поработать в архиве знаменитого батюшки хозяина виллы, который был добрым другом ее деда. Вызывает подозрения и сосед жертвы Альберт Рутер, к которому, кстати, регулярно наведывался любимый кот покойного по прозвищу Аль Капоне. Под подозрением также молодая пара, которой миллиардер намеревался сдать виллу в аренду. И уж, конечно, следует внимательно присмотреться к жителям деревни и их гостям. Например, к внезапно приехавшему к отцу погостить сыну местного трактирщика. Окрестности виллы полны тайн и загадок, особенно грот, что находится неподалеку. В нем покойный миллиардер встречался с таинственными незнакомцами, с которыми его связывали какие-то темные делишки и странные ритуалы. А главное, непонятны причины убийства и неизвестно, кому эта смерть выгодна: нет ни завещания , ни претендентов на наследство, а местные власти явно что-то скрывают. Каков мотив преступника? Или преступников?

А, может, убийство связано с уникальной коллекцией картин французского импрессиониста Клода Моне, которую дедушка Алисы в 1938 году оставил на время отцу миллионера, спасаясь от нацистских преследований, и затем бесследно исчез?

Молодой следователь Рето Хофер ищет ответ на главный вопрос: кому эта смерть выгодна? А тем временем в прошлом миллиардера обнаруживается все больше и больше загадок. Почему он всю жизнь занимался копированием картин Клода Моне? Как это связано с тем самым собранием картин? И не принадлежала ли к этому собранию знаменитая, но давно утерянная картина К.Моне «Парковый пейзаж»?

Может, все ответы кроются в загадочной записке, которую миллионер успел оставить Алисе? Только неизвестно, где он ее спрятал. И при чем тут, в конце концов, кот по прозвищу Аль Капоне?



Leseprobe

Müller-Kenneth führte seine Besucherin in einen fensterlosen Raum, der nur von Kunstlicht erhellt war. Als sie eingetreten waren, schloss er die Tür und schob den Dimmschalter langsam so lange nach unten, bis es völlig dunkel war.
„Sie brauchen keine Angst zu haben.“
Seine Stimme erfüllte den Raum mit einem heiseren, dunklen Ton, der die Luft zum Vibrieren brachte. Was hörte sie da? Angst, Unsicherheit? Gefahr? Machtanspruch? Wollte er sie einschüchtern? Aber als sie Ironie heraushörte, verspürte sie keine Angst mehr. Jetzt schwieg der Gastgeber und es war nur noch sein Atem zu hören, der in seiner Brust ein Röcheln erzeugte und Alice einen leichten Windhauch spüren ließ. Da schob Müller-Kenneth langsam den Schalter wieder nach oben und das Licht ging allmählich wieder an wie nach einer Kinovorstellung. Langsam tauchten aus der Dunkelheit die Konturen eines Frauenrückens auf, daneben ein Strauß weißer Callas, die in einer hohen Vase steckten, dann eine Strandlandschaft mit Segelschiff und ein Gemälde mit einem reifen Weizenfeld, über dem Krähen kreisten. Auch eine Brücke war zu sehen, bewachsen mit Glyzinien über einem See, der mit rosafarbenen Seerosen bedeckt war.
Alice fiel ein Katalog verschollener Kunstwerke ein, die in der ganzen Welt gesucht wurden. Sie fragte sich, ob diese Bilder darin schon verzeichnet waren. Noch war das Licht schwach. Über dem Stuhl, der mitten im Raum stand, lag ein weißer Malerkittel, in der Ecke lehnte eine Palette. Alice spürte, wie Müller-Kenneth sie anschaute. Sein Gesicht wirkte angestrengt, seine Augen, weiß umrandet wie die der Erleuchteten auf einem Gemälde von El Greco, schienen hervorzutreten wie bei einem Basedow-Kranken. Seine Augäpfel leuchteten, die Gesichtshaut hatte jene Farbe, vor der Caravaggio seine Medusen mit ausgerenktem Kiefer präsentierte. Müller-Kenneth öffnete den Mund, sagte aber nichts. Sein Gesicht drückte den Gram eines unverstandenen Menschen aus, der nach Anerkennung lechzte. Er schaute Alice weiter an, wahrscheinlich erwartete er, dass die Bilder für sich sprächen. Aber sie sagten nicht viel über sein Inneres. Warum hatte er ausgerechnet diese Bilder kopiert? Woher hatte er die Vorlagen? Und was sagte die Auswahl über ihn? Und was, um alles in der Welt, sollte diese Inszenierung?
Plötzlich hatte Müller-Kenneth wieder das Licht gedimmt. In der Dunkelheit rezitierte er aus dem Gedicht „Leuchtfeuer“ von Baudelaire:
„Rubens, Strom des Vergessens, Garten der Trägheit, Kopfkissen frischen Fleisches, wo man nicht lieben kann, …/Leonardo da Vinci, tiefer und düstrer Spiegel, …/ Rembrandt, trauriges Siechenhaus, von Murmellauten ganz erfüllt, …/ Michelangelo, vage Stätte, wo Herkules zu Christus sich gesellt, …/ Watteau, dieser Karneval, …/ Goya, Alptraum voller unbekannter Dinge, … / ganz nackt ein Mädchen, das, um die Dämonen zu versuchen, seine Strümpfe straffzieht; …“
Alice hatte Müller-Kenneths Atem im Nacken gespürt und sich gefragt, was wohl als Nächstes geschehen würde. Falls er sie angriffe, so nahm sie sich vor, würde sie zuschlagen. Aber diese Überlegungen waren unnötig, denn schon schob Müller-Kenneth den Regler des Schalters wieder nach oben. Das Licht breitete sich langsam und wohltuend aus und als der Anschlag erreicht war, war es so grell, dass es blendete. Es war ein kaltes Licht, das jeden Winkel des Raumes ausleuchtete und jeden Pinselstrich auf der Oberfläche der Gemälde sichtbar machte. Nun sah Alice alles deutlicher: Es waren Bilder ohne Rahmen, so belassen, wie sie ein Maler von der Staffelei genommen hatte. Noch ohne Firnis, ein leichter Farbgeruch schwebte durch den Raum.Alice dachte: Eine Geschichte der Malerei in Form von Kopien.
Sie trat näher heran und schaute sich die Bilder genauer an. Ihr Gastgeber war ohne Zweifel ein guter Kopist. Aber je sorgfältiger sie die Bilder betrachtete, umso mehr erschrak sie. Besonders ein Bild erregte ihr Interesse. Sie versuchte ruhig zu bleiben. Woher hatte er die Vorlagen? Abgemalt aus Kunstbüchern und Katalogen? Sie beschloss, ihn nicht danach zu fragen. Sei es wie es sei, an die Leuchtfeuer der Kunst hat er sich nicht herangemacht. Niemals hätte er es gewagt, Werke von Malern aus der ersten Reihe zu kopieren. Sich einem Michelangelo zu nähern, wäre ihm wohl als Frevel erschienen. Aber vielleicht war ihm das auch zu gefährlich, denn bei berühmten Gemälden wäre sofort jeder stutzig geworden, würde Kopie und Original vergleichen.
Verkaufte er etwa diese Kopien? Es deutete nichts darauf hin.
„Gefallen Ihnen meine Arbeiten?“, fragte Müller-Kenneth spöttisch und schaute Alice prüfend an. Er sah wieder völlig normal aus und es gab keinen Grund, sich vor ihm zu fürchten.
Sie nickte.
„Und welches gefällt Ihnen am besten?“
„Der Monet dort, der wie das Original aussieht.“
Alice wies auf ein Bild, das auf einer der drei Staffeleien stand und ihre besondere Aufmerksamkeit erregt hatte. Es war eine Parklandschaft. Ein Weg verlief vom rechten unteren Bildrand zum linken oberen. Bläuliche Rispen neigten sich auf den Pfad, dahinter prangten Bäume in vollem Laub. Sie überlegte eine Weile, ob das Bild eine Sommer- oder eine Herbstlandschaft darstellte. In der Unschärfe, die jedem Betrachter Spielraum für Interpretationen gab, lag der Reiz. Im Vordergrund hatte der Maler ein Gewächs platziert, das nicht identifizierbar war, es könnte ein Rosenbusch mit dunkelroten Blüten sein, aber ebenso etwas Anderes. Alice fiel der letzte Satz ihrer Großmutter ein, die sich daran erinnerte, dass die Blüten rot waren. Das Bild war mit Müller-Kenneths Namen signiert. Aber warum hatte er ausgerechnet dieses Gemälde kopiert? Das Schwarz-Weiß-Foto, das er als Vorlage verwendet hatte, lag noch daneben. Als sie versuchte, sich die Farben wegzudenken, überkam sie eine böse Ahnung. War dies nicht das Bild aus dem Wohnzimmer ihrer Großeltern?
Müller-Kenneth schien ihre Zweifel nicht zu bemerken, schaute mit unverkennbarem Stolz auf sein Werk. Offensichtlich war er sehr zufrieden mit ihrer Antwort, ja, er reagierte fast ekstatisch:
„Der Monet!“, rief er aus, „wie schön, dass Sie meine Kopie für einen echten Monet halten.“

 

 

Zurück zur letzten Seite                    Zur Startseite des Verlages