Zurück zur letzten Seite                    Zur Startseite des Verlages

  Jürgen Hargens, Lorenz Peter Andresen
 

 

 Lahida. Augen des Terrors
 

 

lieferbar

=> Bestellanfrage beim Verlag 

 

Buchvorstellung bei "moin moin" im Januar 2019

2018, Thriller, 301 S., ISBN 978-3-86465-110-6, 14,80 EUR

Zurück zur letzten Seite                   Zur Startseite des Verlages

 

zu den Autoren
 

Zwei waschechte Nordlichter, Lorenz-Peter Andre­sen und Jürgen Hargens, haben ihr Wissen und ihre Erfahrungen – als Ex-Bundespolizist und als Ex-Psychotherapeut – zusammengepackt und einen spannenden, nachdenklichen wie hochaktuellen Thriller geschrieben.

 

 

ZUM BUCH

 

Terroristen zielen auf Macht – mit den unterschiedlichsten Begründungen – und verbreiten Angst und Schrecken. Polizei und Geheimdienste nutzen ihre technischen und personellen Möglichkeiten, Terroristen aufzuspüren, festzusetzen und ihre Anschläge zu verhindern. Beide verfolgen klare Ziele und beide setzen darauf, dass es eindeutige und direkte Wege gibt, die angestrebten Ziele zu erreichen.

 

Was aber geschieht, wenn ein Akteur diese „Bühne“ betritt, der den Terroristen den Schmerz, den er selbst erleiden musste, auf gleiche Weise zurückzahlt? – Genau dies tut der deutsche Buchhalter Richard Speer. Er tötet mit seinem Selbstmordattentat die Familie eines Terroristen. Gleichzeitig wird diese Tat live ins Internet übertragen.

 

Was am Anfang nach einfacher Vergeltung aussieht, entpuppt sich nach und nach als Auftakt zu einem hochkomplexen Feldzug um die Macht im weltumspannenden „Heiligen Jihad“. Ein Szenario mit beklemmnder Realitätsnähe.

 

 

LESEPROBE

 

Keine fünfzehn Minuten Fußmarsch später meldete das Gerät in seiner Hand: „Ziel erreicht.“ Er schaute zur Sicherheit noch einmal in die obere rechte Ecke des Türrahmens, wo ein kaum sichtbares, winziges Kreuz als Markierung diente. Speer war tatsächlich am richtigen Haus angekommen.

Ohne zu zögern, klopfte er an und schon wenige Augenblicke später öffnete ein älterer Mann mit fragendem Blick die Tür, dessen Gesicht er von den Bildern her wiedererkannte.

Richard zog die Walther, lud sie durch und schob den verängstigten Mann mit auf dessen Brust gerichteter Pistole wieder ins Haus zurück.

Im Inneren herrschte eine bedrückende Enge.

„Luxuriös hatte man die Familie des Terroristen nicht gerade untergebracht“, dachte Richard. Fast hätte er zynisch gelächelt. Auch so ein Versprechen, das nicht eingehalten wird. Er schüttelte seinen Kopf und sah sich aufmerksam um.

Auf einem kleinen Tisch mitten im Zimmer sah er einen alten kleinen Farbfernseher, der neben dem Bild des toten Terroristen Muhlad al Cassim stand.

Richard hatte Glück, denn es schien, als wäre im Moment die gesamte Familie anwesend. Jetzt war er sich wirklich vollkommen sicher, genau das Richtige zu tun. ...

Speer erkannte auch die anderen Gesichter von seinen Bildern wieder. Mit wedelnder Handbewegung drängte er den Mann und alle anderen Anwesenden in einer Ecke zusammen. Dann warf er Kabelbinder auf den Boden und wies sie mit eindeutigen Gesten an, sich gegenseitig zu fesseln. All das geschah ohne jede Gegenwehr, denn alle schienen sich sofort der Tatsache bewusst, der Mann würde ihnen keine Gelegenheit geben, heil oder lebend diese Situation zu verlassen. ...

Die Geiseln beobachteten danach nur noch schweigend und ängstlich, wie der fremde Weiße den alten Fernseher und das danebenstehende Bild einfach vom Tisch auf den Boden fegte. Er stellte beinahe theatralisch das Bild einer unbekannten Frau mit blonden langen Haaren auf den leeren Platz und baute dann in aller Ruhe die Videokamera auf.

Der Familie dämmerte allmählich, wer der bewaffnete Eindringling sein könnte. Sie begannen zu schwitzen. Angstschweiß rann über ihre Gesichter. Leise tuschelten sie miteinander – ein Versuch, die Panik abzuwehren. Die Kinder weinten und klammerten sich voller Furcht und Entsetzen an die Erwachsenen.

Richard kümmerte all das nicht. Sollten sie doch spüren, wie es ist, Angst zu haben, völlig unschuldige Opfer eines Irren zu sein und – letztendlich – zu sterben. Genau das war es, was er auf dem Video zeigen wollte. Angst vor dem unfreiwilligen Tod. Der Wille zu leben und dass Mord kein Mittel war. Hier hörte Richard auf, weiter nachzudenken. Er konzentrierte sich stattdessen auf seine Aufgabe.

 Er schaltete die Kamera an und stellte den Sendeknopf auf „on“. Die „VTE 320“ nahm ihren Betrieb auf und sendete augenblicklich ihren Datenstrom in die Welt hinaus. Keine zwanzig Sekunden später zeigte ihm eine kleine grüne Leuchtdiode an, dass die ersten interessierten Beobachter ihn bereits online bei seinem Tun beobachteten.

Er wartete noch fünf Minuten, um sicher zu sein, dass er auch genügend Zuschauer hatte.

Zufrieden richtete er dann das Bild auf die Gefangenen und auf das im Vordergrund auf dem Tisch positionierte Bild seiner Frau aus. Dann kniete er davor nieder, betete laut und vernehmlich das Vaterunser und sprach anschließend mit ruhiger und entspannter Stimme einen vorher einstudierten Text in arabischer Sprache in die Kamera hinein.

Er hatte diesen Text immer wieder geübt, denn schließlich wollte er, dass die Zuhörer mitbekommen, dass es keinen Schutz vor Terror gibt und dass Terror nur Leid und Schmerz bringt. Seine Zweifel, ob es richtig war, dieses Exempel zu statuieren, darüber wollte und mochte Richard jetzt nicht mehr nachdenken. Darüber hatte er lange genug debattiert und war von seinem Tun vollauf überzeugt.

Er zog langsam seine Jacke aus, damit nun alle den um seinen Körper geschlungenen Bombengürtel sehen konnten. Hinter ihm fingen die Frauen hysterisch an zu schreien, die Kinder weinten immer lauter und der alte Mann bat und flehte für sich und die anderen, sie doch am Leben zu lassen. Schließlich waren sie ja alle unschuldig. ...

Knapp zehn Minuten nach seinem gewaltsamen Eindringen und einem über den Äther verteilten Bekenntnis, zerriss ein ohrenbetäubender Knall den kleinen Stadtteil und ein Haus zerfiel nahezu zu Staub. Und mit ihm sieben Menschen!

 

Keine hundert Meter entfernt schaute Ismael Goldman, alias Anhid Lahida, aus dem kleinen Fenster eines höher gelegenen Hauses dem Treiben Richard Speers genau zu. Sah, wie dieser in der erbärmlichen Behausung seiner potenziellen Opfer verschwand und sich mit ihnen kurz darauf in Staub und blutige Fetzen auflöste. Ganz nebenbei studierte er in Echtzeit die Aufnahmen aus dem Internet, die ihm gerade die letzten Worte und Handlungen von Speer aufs genaueste übermittelten, bevor das Bild in ein Rauschen überging, zeitgleich mit dem abebbenden Donner der ohrenbetäubenden Explosion vor seinem Fenster. Anhid machte ein äußerst zufriedenes Gesicht.

Sein Spiel hatte gerade erst begonnen und würde schließlich mit einem spektakulären Showdown in seiner alten Heimat enden. Mit dem ehrgeizigen Ziel, ihn zurück an die Herrschaft und Macht nicht nur des „heiligen Jihad“ zu bringen, von der man ihm vor so vielen Jahren verjagt hatte. Nein, er würde die Macht im gesamten Nahen Osten übernehmen und dem verfluchten Westen dann auf ganz neue Art das Fürchten lehren.

Der Staub der Explosion wehte in sein Zimmer, Lahida schloss eilig die hölzernen Fensterläden, griff sich eine kandidierte Dattel vom Tisch, schob sie sich in den Mund und kaute sie genussvoll. Er hatte fürs erste genug gesehen. Dies hier war schließlich nur der Anfang. Wenn alles weiterhin so gut klappen würde, war alles fast ein Kinderspiel. Erneut huschte ein verächtliches Grinsen über sein Gesicht. Dass gerade eine ganze Familie für seine morbiden Pläne getötet worden war, hatte er schon längst wieder beiseite geschoben. Mitleid war ein Wort, das in seinem Wortschatz schon lange nicht mehr vorkam.

 

 

Zurück zur letzten Seite                    Zur Startseite des Verlages