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Christian-Ulrich Baugatz

 

 

Naturgefühl und Seelenkultur
 

 

Die Wiedergeburt des Abendlandes aus dem Geist des Pantheismus

 

 

 

2016, 480 S., mehr als 60 Illustrationen des Autors, ISBN 978-3-86465-077-2, 28,80 EUR

 

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Inhaltsverzeichnis

 

1. Einleitung - Die Verwandlung der Welt in eigenes Sein           9

2. Vom Werden der Persönlichkeit – Die Läuterung                  16

3. Vom Mythos zum Logos – Vom Götterbild zur Philosophie      29

4. Zeitenwende und Weltbewußtsein – Von der Vielzahl zur Einzahl        42

5. Der Buddhismus – Die Fülle des Nichts      44

6. Das Nein und das Ja                               53

7. Der Dauismus – Die Fülle der Kraft           57

8. Der Monotheismus – Die Fülle der Vorschriften                    85

9. Die Fülle des Seins – Die griechischen Naturphilosophen     103

10. Einführung in die ionische Naturphilosophie                     119

11. Zusammenfassende Bemerkungen zur ionischen Naturphilosophie    127

12. Thales von Milet (625–547 v. d. Zw.)      129

13. Anaximander (610–547 v. d. Zw.)           136

14. Anaximenes (585–525 v. d. Zw.) und Pythagoras (570–500 v. d. Zw.)    141

15. Heraklit (um 550–480 v. d. Zw.) – Ein weiterer Hauptkerl                     145

16. Parmenides (um 520/515–460/455 v. d. Zw.)                   162

17. Plotin (205–270 n. d. Zw.)                    165

18. Marc Aurel (121–180 n. d. Zw.)              175

19. Die Vernichtung der griechischen Kultur durch die katholische Kirche      201

20. Wie Europa christlich wurde                  207

21. Parcifal – Die Reise zur eigenen Seele    215

22. Meister Eckhart – Das Reich der Seele oder: Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht!       226

23. Der Absturz des deutschen Geistes im Zeitalter der Reformation           259

24. Nikolaus Kopernikus oder die Einzigartigkeit des Planeten Erde             282

25.   Paracelsus – ein pantheistischer Arzt    300

26. Der Geist des Kosmos oder die Seele der Natur – Giordano Bruno          317     

27. Vom Wert des persönlichen Weltbildes    323

28. Hyperion oder der Eremit von Griechenland – eine pantheistische Dichtung                  342

29. Goethes Faust und Hölderlins Hyperion – zwei epochale Werke             349

30. Der Athenerbrief                                  371

31. Pantheismus und Pädagogik                  392

32. Der natürliche Pflanzenanbau – die Ernährungsgrundlage der Zukunft    407

33. Rosengarten oder Rasengarten? Kulturland oder Wüste?                     416

34. Mit Pflanzen sprechen, auf Pflanzen hören: Das Findhorn-Experiment    426

35. Die Erschaffung der Zukunft – Die Lebensreformbewegung in Deutschland                   436

36. Die Signaturen unserer Zeit im Jahre 2016                    437

Literaturverzeichnis                                  469

Danksagung                                            478

Nachweis der Illustrationen                       478

Zur Person des Autors                              479

 

 

Leseprobe

1. Einleitung
Die Verwandlung der Welt in eigenes Sein

Wenn über die abendländische Kultur geredet werden soll, dann wird über die Entwicklung der Einzelpersönlichkeit zu reden sein. Sie wächst in der Spannung zwischen Seele und Natur, allgemein gesprochen, zwischen innen und außen.

Die Geschichte der abendländischen Kultur ist die Geschichte der mühevollen Entwicklung der Individualität.

Am Ende des Jahresberichtes über das Schuljahr 1955/56 im Staatlichen Landschulheim Marquartstein (Chiemgau) schrieb der damalige Direktor Herr Dr. Hanns Morawetz folgende bemerkenswerten Sätze:

„Im Blättern der Seiten zog eben ein Jahr an uns vorüber – ein Jahr unseres Lebens! Was uns gemeinsam anrührte, das Äußere im Geschehen dieser Spanne Zeit, ist vielleicht eingefangen in Worten und Bildern dieses Berichts.

Was Dich, den einzelnen, ergriff oder entließ, läßt sich nicht in Zeilen fassen, das mußt Du in Deiner guten Einsamkeit Dir selber sagen. Du mußt es tun – Du ganz allein für Dich.

Begnüg Dich nicht mit dem Zeugnis, das man Dir gab, es trifft nur einen mehr oder weniger von außen überschaubaren Bereich Deines Tuns; aber – ob Du so viel Welt, wie Du nur konntest, erfaßt und ‚in Deine Menschheit verwandelt‘ hast – diese Rechenschaft kannst und mußt Du nur allein Dir geben. Der Mut zu solcher Rechenschaft vor sich selber, gehört zu Deinen Befähigungen, die Dich als zugehörig zu diesem Hause ausweisen. Dieser Raum möchte der Raum sein, in dem Du so frei wirst zu Dir selbst. Dann erst wird alle und jede Begegnung mit Menschen und Bergen und Büchern um Dich zu „Welt“, die es zu verwandeln gilt in eigenes Sein. Nur so in Dich hinein lebend, wirst Du denen, die um Dich leben, etwas bedeuten; sie werden Dich erspüren wie eine Quelle, als einen Berufenen, der seiner Berufung wirkend zuwächst – und sie werden Dich lieben. Immer wieder müssen wir unsere Segel in den Wind stellen! Stellt sie nicht in den flauen müde abwartenden Wind des Mißmuts und des Genießens, des billig ergatterten kleinen Tageserfolges und des Dünkels!

Denkt bei den Fahrten Eurer Ferien, wenn Ihr Ausblick haltet in ein neues Wegjahr unseres Hauses, an das Wort eines prächtigen Menschen:

‚Wir müssen unsere Segel in den unendlichen Wind stellen, um zu spüren, zu welcher Fahrt wir fähig sind.

Den sorgenden Erwachsenen dieses Hauses zum Ausklang des Jahres:

Die Lebensform dieses Hauses, wie wir es wachend bewohnen, wird nie ein friedvoller, liebenswürdig abgeschlossener Garten sein. Dieses Idyll ist vielleicht gelegentlich einem privaten sonnigen Alter beschieden. In unserem Raum gilt es: immer wieder nur die mutige, gute und gütige bekenntnisfreudige Begegnung mit dem Kommenden. Das bleibt immer hoffendes und zuversichtliches Ringen um gute, frohe Zukunft. Und es bleibt Pflicht auch zur Härte gegen die früh sich fertig dünkende Anmaßung derer, die ein Schlaraffenland ertrotzen wollen, weil sie Genießerchen sind und bleiben möchten. Es war ein gutes Jahr – weil es ein Jahr der Mühe und des Sorgens war. Es war ein Jahr bemerkenswerter, guter Kameradschaft unter uns – ohne Mißklang mit viel erfrischendem Lachen.“

Diese Zeilen, vor sechzig Jahren geschrieben, lesen sich wie ein Manifest abendländischer Bildung. Das Bejahen der eigenen Lebensaufgabe, des eigenen Schicksals, der eigenen Seele und der Natur als unseres Urgrundes setzt Kräfte frei, die den einzelnen und damit auch die Gesellschaft zukunftsfähig und zukunftswillig machen.

Vollständige Persönlichkeiten streben Vollständiges an. Vollständiges anzustreben, erzeugt vollständige Persönlichkeiten.

„Der Mensch hat nur zwei Möglichkeiten, entweder er widmet sich nur den äußeren Dingen – Sport, Religion, Ritualen und Vergnügungen – oder er wendet sich nach innen. Das Gehirn hat unendliche Kapazitäten, die heute nur technologisch genutzt werden. Unser Gehirn ist fast ausschließlich mit der Materie beschäftigt. Wenn diese Funktionen von Maschinen übernommen werden, wird es schrumpfen. Einzig Religiosität kann eine neue Kultur hervorbringen; eine Religiosität, die völlig unabhängig von Aberglauben und Ritualen ist. Und deshalb muß man erforschen, was jenseits der Zeit, jenseits des Denkens liegt. [J. Krishnamurti (autorisierte Biographie, S. 403 f.)]

Kultur ist eine Schicksalsfrage für den einzelnen und die Gemeinschaft. Kultur ist kein schmückendes Beiwerk und keine Beliebigkeit. Kultur ist auch nicht austauschbar, sowenig wie die Seele eines Menschen austauschbar ist. Denn Kultur und Bewußtsein sind ein und dasselbe.

„Das Ausbilden des Gehirns und die Verfeinerung seiner Strukturen, das Training durch Aktion, Verhaltensweisen und Beziehungen und darüber hinaus ein Suchen und Forschen, ist das was in eine vom Denken unberührte Dimension führt.“ [J. Krishnamurti (a. a. O., S. 413)]

Kultur ist Seele und Richtung eines Volkes. Stirbt die Seele, stirbt das Volk. Wer kennt unsere deutsche Kultur?

Umfragen, für das Fernsehen auf der Straße durchgeführt, erbrachten ein beschämendes Ergebnis: Verlegenes Grinsen bei den befragten Passanten, dann zögernd der Hinweis auf Sekundärtugenden: Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Fleiß und Sauberkeit; und nicht zu vergessen – Fußball.

Lessing, Goethe, Johann Sebastian Bach – wurden nicht erwähnt. Ebensowenig wurden Primärtugenden erwähnt: Mitgefühl, Verantwortungsgefühl, Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft, Liebe, Zuwendung, Solidarität, Einsatz zugunsten des Allgemeinwohls.

Viele Menschen definieren sich über die Apparate, mit denen sie sich umgeben. Daraus wird die Begeisterung verständlich, die jeder technischen Neuerung entgegenschlägt, sei sie noch so überflüssig oder unsinnig.

Der Mensch, der ausschließlich in der Stadt lebt, der Stadtmensch, führt ein wirklichkeitsfernes Leben, welches von Technik, Gelderwerb und Vergnügen bestimmt wird. Das Wissen darüber, daß die Natur das Ganze ist und der Mensch ein Teil davon, ist weitgehend verloren gegangen. Trotzdem ist der Mensch von seiner Beziehung zur Natur, den Mitmenschen und den Pflanzen und Tieren geprägt und er kann sich niemals davon loslösen. Das menschliche Dasein ist ein Leben im Angesicht der Natur, aber nicht im Gegenüber zum Bildschirm. Der Bildschirm und der Rechner sind nur Mittel zum Zweck, der Knecht und nicht der Herr.

Die Kultur entsteht aus der rechten Pflege:

          1. des Bodens,

          2. der Religion,

          3. der Kunst,

          4. des Handwerks.

(Die industrielle Produktion ist ein Sonderfall des Handwerks.)

Die beiden wichtigsten Themen unserer Zeit sind die, sich bereits in vollem Gange befindliche, Umweltkatastrophe einschließlich des Klimawandels und die ebenfalls weit fortgeschrittene Seelenkatastrophe. Beide weisen darauf hin, daß es nicht nur heute, sondern zu jeder Zeit zwei Hauptthemen für die Menschen gab: Natur und Seele. Die Probleme der Menschheit beruhen immer auf einer Natur- und Seelenvergessenheit. Zwischen dem heutigen Menschen und der Natur stehen unzählige Apparate und technische Geräte, zwischen dem Menschen und seiner Seele stehen seine überkommenen unhinterfragten Angewohnheiten, die zahlreichen Medien sowie seine Glaubenssätze. Alles, was wir erleben, erleben wir seelisch – nicht rational. Rational kann man nichts erleben. Wenn wir denken, der Sonnenuntergang am Meer zeigt sich in Orange am Himmel und dauert zehn Minuten, so erleben wir nicht seine Schönheit. Lassen wir ihn auf die Sinne wirken, dann wird er uns zum Erlebnis. Alles, was wir unternehmen, geschieht aus seelischem Antrieb. Wirtschaftskrisen sowie andere Krisen sind nichts anderes als seelische Krisen. Alles, was Menschen ins Werk setzen, ist das Ergebnis ihrer reifen oder unreifen Seelen.

„Es ist meine feste Überzeugung, daß von jetzt an bis in unbestimmte Zeit das wahre Problem ein psychologisches sein wird. Die Seele ist Vater und Mutter all der anscheinend unlösbaren Schwierigkeiten, die sich vor unseren Augen zum Himmel türmen.“ [C. G. Jung (Briefe III, S. 243)]

Die Kultur wird von gereiften Persönlichkeiten gestaltet. Sie entsteht nicht aus einem Sammelsurium unterschiedlicher sogenannter Kulturen.

Jede Kultur erwächst wie die Pflanzen- und Tierwelt in einer bestimmten geographischen, klimatischen und geschichtlichen Situation. Sie ist nicht statisch, sondern fließend und muß ständig aktualisiert und weiterentwickelt werden.

Kultur ist das Spiegelbild menschlicher Entwicklung. Unkultur ist das Erscheinungsbild innerer Verwahrlosung.

Ein Erwachsener ist ein körperlich – und vor allem seelisch Aufgewachsener. Was alles dazu gehört, ein seelisch Aufgewachsener zu werden, beschäftigt die Menschen schon seit Tausenden von Jahren.

...

 

 

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