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Erlebtes und Erstrebtes.
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2018, [= Autobiographien, Band 51], 310 S., zahlr. Fotos und Abbildungen, ISBN 978-3-86465-047-5, 17,80 EUR lieferbar => Bestellanfrage beim Verlag
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Vorbemerkungen
Lange habe ich überlegt ob ich meine
Erinnerungen aus meiner Kindheit, Jugend und aus meinem Leben zu Papier,
oder wie heute allgemein üblich in den Computer bringe. Ich gehöre zu
einer Generation, die das siebente Lebensjahrzent überschritten hat, die
zwar im Krieg geboren, ihn zwar nicht bewusst, in seinen verheerenden
Folgen aber wohl erlebt und erlitten hat. Lebenserinnerungen können
verblassen, aber auch trügen, sie sind immer persönlich, aber
beschreiben bringt sie zurück und wiederholt fragt man sich, war es
wirklich so? Vielleicht liest der eine oder andere das Beschriebene auch
erst, wenn er älter ist und seine eigenen Erfahrungen als Heranreifender
gemacht hat, sie richten sich an alle Kinder und Enkelkinder in unserer
Patchwork-Familie. Es gab in dieser von mir beschriebenen Zeit viele
Sorgen, Nöte und auch Ängste mit denen sich meine Eltern herumplagten,
Obdachlosigkeit, Hunger und Kälte, die Sorge um das tägliche Brot und
nicht zuletzt das Bangen um das Leben des anderen. Vieles versuchten sie
uns zu ersparen, nicht alles gelang ihnen, auf vieles hatten sie keinen
Einfluss. Die Zeit der Entbehrungen hat unsere Generation geprägt, auf
vieles haben wir verzichten müssen. Viele Kinder haben ihre Väter,
Verwandte und Freunde im faschistischen Krieg verloren, wurden
ausgebombt und standen vor dem Nichts, so wie unsere Familie auch. Sie
hatten jedoch das wichtigste, sie hatten ihr Leben behalten. Auch in
dieser Zeit haben wir unseren Eltern manchen Kummer gemacht und auch den
einen oder anderen Streich gespielt. Die Schule haben wir oft auch als
Belastung, als Zwang empfunden, und dass wir für uns lernen, für das
Leben, wie oft haben wir das von den Erwachsenen gehört, das habe ich
erst viel später begriffen. Dazu gab mir der im Osten Deutschland nach
dem Krieg und die 1949 gegründete Staat die DDR jede Möglichkeit, die
ich zwar spät, aber nicht zu spät genutzt habe. Bildung war in der neuen
sozialistischen Repu-
Ein Vermächtnis haben uns unsere Eltern, die durch die Hölle des Krieges und der Nachkriegszeit gegangen sind, hinterlassen: „Nie wieder Krieg! Lieber ein Leben lang trocken Brot essen, als jemals wieder einen solchen Krieg erleben!“ Diesen Satz habe ich als Kind oft vernommen. Ich habe ihn tief verinnerlicht. Leider gerät dieser Satz immer mehr in Vergessenheit. Krieg ist wieder Mittel von Politik geworden, oder wie Clausewitz sagte: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Bisher und auch in Zukunft werden keine Kriege zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen beitragen, sie bringen nur Leid über die Menschheit. Krieg ist kein Naturgesetz, sondern Ausdruck von Machtstreben, meist der reichen und superreichen Interessengruppen gegenüber den armen Völkern und Staaten.
Meiner Altersgruppe ist solch ein Schicksal erspart geblieben. Wir brauchten bisher nicht für Profitinteressen unser Leben aufs Spiel setzen und dafür andere Menschen töten. Für die Zukunft meiner Enkeln bin ich mir da nicht mehr so sicher, ist doch Deutschland schon wieder in zahlreiche Kriege involviert. Soldaten werden wieder in den Tod geschickt, sollen ihr Land „am Hindukusch verteidigen“. Und wieder geht es um Macht, Vorherrschaft und wirtschaftliche Interessen. Ich kann nur auf die Vernunft der nach mir kommenden setzen, diese Hoffnung habe ich. Und die Hoffnung stirb bekanntermaßen zuletzt; im Krieg aber stirbt zuerst immer die Wahrheit.
Lutz Heuer
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