Textfeld: Friedhof Bornstedt                           3

Hans-Jürgen Mende / Christian Scheer 

 

Friedhof Bornstedt. Ein Friedhofsführer


 

 

 

 

186 S., mehr als 300 Fotos, ISBN 978-3-86465-037-6, 8,50 EUR

 

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Inhaltsverzeichnis

 

Gesamtplan Friedhof Bornstedt .............................................................  6

Herzliches Willkommen ......................................................................... 7

Vorbemerkungen ................................................................................. 8

Rundgang Friedhofsteil I ................................................................... 13

Rundgang Friedhofsteil II .................................................................. 64

Rundgang Friedhofsteil III ................................................................. 78

Rundgang Friedhofsteil IV .................................................................  92

Rundgang Friedhofsteil V .................................................................. 116

Rundgang Sello-Friedhof .................................................................. 165

Literatur und Quellen ........................................................................... 182

Alphabetisches Register ...................................................................... 183

Numerisches Register .......................................................................... 186


 

Ein "Herzliches Willkommen"

Es mag sein, dass Sie, lieber Leser, bei einem Gang über einen der zu recht berühmten Friedhöfe Berlins mehr Ihnen bekannte, gleichsam aktuellere Namen finden. Die meisten unserer „Berühmtheiten sind doch schon älteren Datums. Kurz: bei uns in Bornstedt liegen die, die am Hofe der Könige und Kaiser die Arbeit gemacht haben. In seiner legendären Formulierkunst schrieb Fontane: „So finden wir denn auf dem Bornstedter Kirchhofe Generale und Offiziere, Kammerherren und Kammerdiener, [...] Hofärzte und Hofbaumeister, vor allem – Hofgärtner in Bataillonen. Und ich füge hinzu: hier liegen auch ein Parkettpfleger, Zeichenlehrer, „Hofnarr, Museumsgründer, Flugpionier und ein Eiskunstläufer Menschen also, so bunt und vielfältig wie das Leben. Das gilt übrigens bis heute, denn dieser Friedhof ist viel mehr als ein Museum. Auch wenn um die Kirche herum, im Teil I, der museale Eindruck vorherrscht durch die Türchen des Sellofriedhofs hindurchschreitend werden Sie die „neuen Erweiterungsteile II bis IV entdecken. Sie wurden zwischen 1855 und 1910 angelegt und sind historisch keineswegs weniger bedeutsam. Seit über 400 Jahren wird hier bestattet. Doch die meisten älteren Grabmale, die Sie sehen können, entstammen dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.

Ich bin versucht, Ihnen zuzurufen: Mut also, lieber Leser, zum weiterwandern! Schnell werden Sie bemerken, dass hier eben nicht nur die vermeintlich wichtigen Menschen (neudeutsch VIPs) ihren Platz haben: ganz im Gegenteil! Bis heute und auch in Zukunft gilt, was schon Fontane begeistert festhielt, Wie wunderbar gemischt hier die Toten ruhen.

Auch andere Friedhöfe sind mit Liebe gepflegte Refugien, die uns einladen, der Aufgeregtheit unseres Lebens das Aufatmen und die Ruhe an die Seite zu stellen. Was also ist das Besondere am Bornstedter Friedhof? Ich denke, es ist seine unmittelbare Nähe zur Trabantenwelt rund um die rstlichen „Starsder vergangenen Zeit. Der Glanz des preußischen Hofes strahlte über die Mauern von den umliegenden Schlössern herüber. Doch auf dem Friedhof vermittelt die Trauerkultur der Menschen einen anderen Schwerpunkt. Die prachtvolle Anmutung der Schlösserparks bezieht sich auf „irdische Freuden. Hier hingegen wird das Leben sozusagen tiefer gelegt, gegründet im Glauben an den wirklichen Herrn des Lebens: Jesus Christus. Das auf manchen barocken Grabmalen sehr drastisch ausgesprochene Gedenke des Todes! wird wunderbar gewendet in ein zwar Stilles, aber um so Eindringlicheres: „Sei hoffnungsvoll und gestalte!

Diese Aura erfasst beim Spazieren unsere Besucher, und ich wage zu behaupten, sie rührt eines Jeden Herz. Die gütige Gegenwart Gottes endet nicht: Diese Botschaft hat die uns vorangegangenen Menschen durch ihr Leben getragen. Sie wird physisch greifbar in den steinernen Zeugnissen ihres Glaubens, die noch heute zu uns sprechen. Unübersehbar sind die vielen Kreuze als Zeichen des Bekenntnisses: hier gehöre ich dazu. Auch die Grabstätten auf Teil II, die wie Betten aussehen, erinnern uns bis heute daran, dass wir uns behütet zur ewigen Ruhe legen, die dann wohl doch nicht so ewig ist, denn wir werden mit Christus auferstehen.

Genießen Sie unseren Friedhof als einen von Generationen gestalteten und geschenkten Ort des Lebens. Ich grüße Sie im Namen der Ev. Kirchengemeinde herzlich.

 

Jutta Erb-Rogg Dipl. Rel. Päd (FH) und Friedhofsleiterin März 2014

 

 

Der Bornstedter Friedhof

 

Der Friedhof Bornstedt ist ein Kleinod unter den Dorfkirchhöfen in Deutschland. Er ist ein Geschichtsbuch besonderer Art, in dem es sich zu blättern lohnt. Wenngleich von vielen Tausenden hier bestatteten Persönlichkeiten kein Grabzeichen mehr existiert und kein Stein mehr an sie erinnert, vermitteln die noch vorhandenen Grabstellen ein eindrucksvolles Bild preußischer Historie zwischen 1730 und 1947. Aber auch die nach dem Zweiten Weltkrieg hier aufgestellten Grab- und Erinnerungsmale erzählen Interessantes von deutscher Geschichte.

 

Im Sommer 1869 besuchte Theodor Fontane mit seinem Potsdamer Gewährsmann, dem Heimatforscher und Lehrer an der Garnisonsschule Heinrich Theodor Wagener, den Bornstedter Friedhof. Das Ergebnis seiner Erkundungen vor Ort und in geschriebenen Quellen stellte Fontane zunächst 1871 in der vielgelesenen Zeitschrift Über Land und Meer“ unter dem Sammeltitel „Havel und die Haveldörfer“ und dem Zusatz „(Bei Sanssouci)vor und dann unter der Kapitelüberschrift „Bornstädt (!) 1872 in seinem dritten (nach Buchhändlersitte auf 1873 vordatierten) Wanderungsbuch, Osthavelland. Er war beeindruckt von dieser Begräbnisstätte: Wir haben viele Dorfkirchhöfe gesehen, die um ihres landschaftlichen oder überhaupt ihres poetischen Zaubers willen einen tieferen Eindruck auf uns gemacht haben; wir haben andere besucht, die historisch den Bornstedter Kirchhof insoweit in den Schatten stellen, als sie ein Grab haben, das mehr wiegt als alle Bornstedter Gräber zusammengenommen: aber wir sind nirgends einem Dorfkirchhofe begegnet, der solche Fülle von Namen aufzuweisen hätte.“/1/ Ursache waren (und sind) die Schlösser, Villen und Gärten von Sanssouci und seiner Umgebung, die in Bornstedt eingepfarrt waren, und Fontane resümiert wenige Zeilen später: „... und was in Sanssouci stirbt, das wird in Bornstädt begraben ....

 

Als Fontane und sein Begleiter über den Alten Friedhof gingen (heute Teil I), lag eine fast dreihundertjährige Geschichte hinter diesem. Um 1580 wurde an der Stelle der heutigen Kirche auf dem Bornstedter Friedhof eine Fachwerkkirche errichtet. Obgleich eine erste urkundliche Erwähnung für den die Kirche umgebenden Friedhof aus dem Jahr 1599 stammt, kann durchaus angenommen werden, dass mit den Bestattungen um die Kirche herum bereits um 1580 begonnen wurde. Die Wohlhabenden und Honoratioren des Dorfes wurden, soweit der Platz reichte, in der Kirche oder in Grüften, die um die Kirche angelegt wurden, beigesetzt, die anderen Toten auf dem die Kirche umgebenden Kirchhof. Für die Kirchengemeinde war dieser typische Dorfkirchhof lange Zeit ausreichend. 1664 kaufte der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm das Gut Bornstedt. Zugleich entwickelte sich Potsdam unter dem Großen Kurfürsten zur zweiten Residenzstadt neben Berlin. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde Potsdam zur Garnisonstadt ausgebaut. Die Gemeinde Bornstedt wuchs, und die Begräbnisfläche des Alten Kirchhofes reichte bald nicht mehr aus. 1733 wurde eine erste Erweiterung vorgenommen. Auf längere Sicht bekam der Bedarf an Begräbnisflächen einen erneuten Schub, als 1744 der preußische König Friedrich II. mit der Errichtung von Sanssouci und der Anlegung der Gartenanlagen begann. Die Zahl der beim Hof Beschäftigten und im Umfeld von Bornstedt Lebenden stieg ständig. Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Kirche störten die „letzte Ruhe empfindlich, erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Neubau der Kirche an gleicher Stelle, dann 1854/56 und schließlich 1881/82 Umbauten, die dazu führten, dass in der Kirche Bestattete umgesetzt und an der Kirche befindliche Grabgewölbe geräumt wurden.

Der Umbau der Kirche von 1854/56 und die Arkadenhalle sowie der Turm basierten auf Ideen von König Friedrich Wilhelm IV. und Entwürfen von August Stüler. Der Choranbau 1882 erfolgte durch Reinhold Persius. Bereits

1842/44 und 1855 erfuhr der Kirchhof zwei Ausdehnungen: Zum einen durch den privaten Sello-Friedhof, der nordwestlich am Alten Kirchhof anschloss und später erweitert wurde. Zum anderen mit dem heutigen Teil II, der westlich am Alten Kirchhof – heute Teil I anschloss. Zuvor war 1844 Bornstedt Kronfideikommissgut geworden, 1867 wurde es Wohnsitz des Kronprinzenpaares Friedrich Wilhelm und Victoria. Das Gebäudeensemble des Krongutes war im gleichen Jahr nach Entwürfen von Johann Heinrich Haeberlin errichtet worden. Die Bornstedter Gemeinde wuchs, und bald wurden die nächsten Friedhofserweiterungen erforderlich.

 

In diese Zeit fiel der Besuch von Theodor Fontane. Vom alten Friedhofsteil war Fontane begeistert. Mit Interesse besuchte er auch den Sello-Friedhof. Der Erweitungsteil von 1855 dagegen bot für Fontane kein besonderes Interesse. Auch nach dem Besuch Fontanes erfuhr der Friedhof weitereVeränderungen: Es fanden Umbettungen nach anderen Teilen des Friedhofes statt. Viele Grabanlagen, die Fontane noch gesehen hatte, sind heute nicht mehr vorhanden. Schließlich kamen bis heute noch drei Erweiterungen hinzu: 1879 Teil III, 1892 Teil IV und 1904–1910 Teil V. Nicht zu vergessen die Kriegsgräberanlage 1914–1918, die der Gartenarchitekt Hans Kölle 1935/36 gestaltete. Die Bronzeplastik, die zur Erinnerung an die Kriegsopfer das Gradfeld westlich begrenzt, schuf 1937 der Bildhauer Walter E. Lemcke. Die Anlage befindet sich hinter der nördlichen Mauer des Friedhofsteiles I, begrenzt von der Eichenallee, an der sich auch das Eingangstor befindet.

 

Eine Analyse der Sozialstruktur der auf dem Friedhof Bornstedt Bestatteten wäre sicher interessant. Sie wäre aber nur zu leisten bei Berücksichtigung aller hier Bestatteten. Das ist aus vielen Gründen nicht möglich. Ein nicht repräsentativer Überblick auf der Grundlage der von uns dokumentierten Personen soll gleichwohl versucht werden, denn einige Grundzüge und Tendenzen lassen sich aufzeigen. Bei einem derartigen Ansatz einer

„Strukturanalyse der von uns dokumentierten Namen sind mehrere Dinge zu beachten.

 

Herkunft, Beruf und andere soziale Merkmale des auf einem Friedhof ruhenden Personenkreises werden durch vielfältige Faktoren bestimmt. Der Ort der letzten Ruhestätte ergibt sich nicht immer zwangsläufig aus dem letzten Wohnsitz der verstorbenen Personen, sondern er ist nicht selten das Ergebnis einer bewußten Wahlentscheidung des Verstorbenen oder der Hinterbliebenen, und diese Entscheidung wird oft dadurch bestimmt sein, dass bereits eine Familiengrabstätte oder eine Grabstelle von im Tode vorangegangenen Eltern, Ehepartner, Kindern oder anderen Familienangehörigen vorhanden ist, nicht selten aber auch durch den Charakter“ oder das Ansehen eines Friedhofes.

 

Die Bornstedter Grabanlagen, die sich heute dem Auge des Betrachters präsentieren, sind naturgemäß auch das Ergebnis eines Ausleseprozesses, der sich auf jedem Friedhof im Wandel der Zeiten vollzieht: Gräber werden nach Ablauf von Liegefristen neu belegt, die alten Grabsteine gehen dabei verloren, werden anderweitig verwendet oder mit neuen Inschriften versehen. An den größten Teil der im Totenregister der Bornstedter Kirche verzeichneten Toten erinnert auf dem Friedhof heute daher nichts mehr, und es ist einleuchtend, daß ein solcher Proz die „unspektakulären Toten stärker betrifft als die „berühmten Namen (Fontane).

 

Ungleich ist aber auch die Erinnerung der bestehenden Grabanlagen hinsichtlich der (Ehe-) Frauen und der früh gestorbenen Kinder: Es gibt vor allem auf dem ältesten Teil des Friedhofes (Teil I) eine Reihe von individuellen Grabmälern für Frauen und auch Kinder, aber in der Regel wird an die (Ehe-) Frauen, sofern diese nicht hervorgetreten sind durch eigene berufliche oder andere außerhäusliche Aktivitäten (etwa als Schriftstellerin oder Kunsthistorikerin), und an die Kinder zusammen mit dem Ehemann oder den Eltern auf einem gemeinsamen Grabmal erinnert. Jede Analyse anhand der existierenden und hier vorgestellten Grabanlagen nach Beruf und sozialer Stellung ist daher in erster Linie eine Analyse der auf dem Friedhof ruhenden Männer, deren Namen dem Friedhofsbesucher auf den heutigen Grabsteinen und Erinnerungstafeln entgegentreten.

 

Und noch ein weiteres gilt es zu beachten: Was der heutige Besucher des Friedhofes an den einzelnen Grabstellen liest, sind nicht nur die Namen von in Bornstedt Bestatteten, sondern auch die Namen von Personen, die ihre letzte Ruhe an anderen Orten als Bornstedt gefunden haben und die dann in späteren Jahren umgebettet wurden oder deren Grabsteine später nach Bornstedt transferiert wurden oder an die in Bornstedt heute durch Gedenksteine/Gedenktafeln erinnert wird.

 

Nach alledem ist die Feststellung, dass der Bornstedter Friedhof heute ein anderes Bild zeigt, als es Fontane gesehen hat, geradezu trivial. Es gibt aber auch tiefergehende strukturelle Unterschiede des heutigen Bornstedt gegenüber „Fontanes Bornstedt, und auf diese sei kurz eingegangen.

 

Das Militär vom Offizieranwärter bis zum Generaloberst macht insgesamt ungefähr ein Drittel aller hier vorgestellten 345 Persönlichkeiten aus, es ist mit rund 100 Personen vertreten darunter 12 Ritter des höchsten preußischen Militär-Verdienst-Ordens, des Ordens Pour de Mérite. Das Gewicht des militärischen Elementes variiert zwischen den einzelnen Teilen des Friedhofes. Es ist im ältesten Teil (Teil I) niedriger als in den anderen Teilen und nimmt mit fortschreitender Zeit von Teil II (belegt ab 1855) bis zu Teil IV (belegt ab 1892) deutlich zu, um dann im „jüngstenTeil des Friedhofes (Teil V, belegt ab 1904/10) wieder zurückzugehen.

 

Unter den Soldaten dominiert ganz eindeutig die Generalität, sie macht mit 52 Offizieren im Generalsrang und 3 Admiralen mehr als die Hälfte aller vorgestellten Militärpersonen aus. Zu rund drei Vierteln (41 von 55) sind diese durch Grabmal oder Gedenktafel dokumentierten Generale/Admirale in dem Zeitraum zwischen dem Ende des Ersten und dem Ende des Zweiten Weltkrieges (Nov. 1918 Mai 1945) gestorben; acht weitere starben während der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. (1888–1918). Bei den übrigen Militärpersonen „unterhalb der Generalität zeigt die Differenzierung nach dem Sterbejahr ähnliche Schwerpunkte: Zwanzig Prozent starben während der Jahre des Ersten Weltkrieges, dreiundvierzig Prozent in der Zeit vom Ende des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, und weitere elf Prozent in der Zeit ab Mai 1945 bis heute.

 

Auch die Analyse der Generalität nach dem Jahr des Avancements in die Generalsränge (oder der Verleihung des Charakters als Generalmajor) zeigt deutliche Schwerpunkte: Rund siebzig Prozent (38 von 55) der auf dem Friedhof vertretenen Offiziere im Generalsrang erhielten die Ernennung (oder die Charakterisierung) zum „Eingangsrang“ Generalmajor bzw. Konteradmiral in der Wilhelminischen Periode: 27 im Zeitraum von

1888–1914 und elf weitere während des Weltkrieges. Deutlich wird dieser wilhelminische Akzent des Friedhofes auch, wenn man auf die unmittelbare militärische Entourage des Kaisers und Königs abstellt, auf das sog.

„Militärische Gefolge, also die Generaladjutanten, die Generale à la suite und die Flügeladjutanten – einen Kreis, mit dessen Auflistung jahrzehntelang jede „Rangliste des Königlich Preussischen Armee begann und dessen Umfang sich im Vergleich des letzten Friedensjahres der Monarchie (1914) mit dem Ende der Regierung König Friedrich Wilhelms III. (1840) über die Jahre hinweg weit mehr als verdoppelt hat: Auf dem Bornstedter Friedhof wird an neun Mitglieder des „Militärischen Gefolges erinnert; nicht weniger als sieben dieser Offiziere im Generalsrang wurden in der Regierungsperiode Wilhelms II. zu General- oder Flügeladjutanten ernannt. Die Wandlungen gegenüber Fontanes Bornstedt werden deutlich, wenn wir diesem durch das Militär geprägtem Bild jene Bestandsaufnahme gegenüberstellen, die der frühe Friedhofschronist Bethge (1872) für das Jahr

1868, also ein Jahr vor Fontanes Friedhofsbesuch, erstellt hat in Form einer chronologisch angelegten Auslese des Grabverzeichnisses. Bethges Verzeichnis verschiedener auf dem alten Bornstedter Kirchhof begrabener Persönlichkeiten (von 1599–1866)“ umfaßt ungefähr 380 Personen, darunter rund 190 Frauen und Kinder. Lediglich sieben Generale treten uns hierin entgegen, das sind nur vier Prozent aller für den damaligen alten Friedhof (Teil I) verzeichneten männlichen Erwachsenen. Hinzu kommen nur neun weitere Soldaten (= nf Prozent) und vier Militärärzte.

 

Ein wesentliches Element des heutigen Friedhofes ist aber auch die Erinnerung an Verfolgung, Widerstand und Kirchenkampf während des nationalsozialistischen Regimes. Diese Erinnerung kommt äußerlich zum Ausdruck in den Gräbern v. Plettenberg und Funcke und in den Gedenktafeln für v. Sell und v. Tresckow, sie tritt überdies in den biographischen Erläuterungen zu einer Reihe weiterer Grabstellen hervor (v. Falkenhausen, v. Friedeburg, v. Gottberg, v. Halem, v. Heeringen und Koenigs). In den Erläuterungen zu den Grabstellen v. Hadeln und v. Kriegsheim tritt uns zudem das Verbrechen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde entgegen.

 

Unter den in diese Schrift für den heutigen Friedhof dokumentierten „Zivilisten dominiert die Gruppe der Hof-, Verwaltungs- und Justizbeamten mit rund einem Fünftel (20 Prozent) vom Minister bis zum Sekretär. Es folgen die Gruppe der Gärtner, Landschaftsarchitekten und Forstbeamten mit rund einem Zehntel sowie die Selbständigen (Unternehmer, Köche, Bauern, Handwerker, Kaufleute, Weinhändler und Müller), die Mediziner (einschließlich der Militärärzte), die Theologen (vom Pfarrer bis zum Superintendenten ) und die Lehrer und Hochschullehrer – alle jeweils mit einem Anteil von rund 5 bis 6 Prozent, ferner die Künstler (Maler, Komponisten) und die Architekten und (Hof-) Baumeister mit jeweils 3 Prozent. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Friedhofsteilen. Die Gärtner usw. sind erwartungsgemäß ganz überwiegend in Teil I und im Sello-Friedhof zu finden, der allergrößte Teil der Mediziner ruht in Teil V und (in etwas geringerem Umfang) in Teil I, während zwei Drittel der insgesamt 18 Theologen in Teil IV und V bestattet worden sind. Einen Sonderfall stellt der einem durch Familien- und Freundschaftsbande definierten Personenkreis vorbehaltene Sellosche Privatfriedhof dar mit seinen (nach dem vielzitierten Wort Fontanes) „Hofgärtnern in Bataillonen. Er bietet ein eindrucksvolles Bild der familiären Verflechtungen der preußischen Hofgärtnerfamilien und der vielfältigen beruflichen und sozialen Veränderungen bei ihren Nachkommen im Laufe des wirtschaftlichen und sozialen Wandels. Die beigegte genealogische Übersicht soll die Orientierung über die vermutlich verwirrend erscheinenden Zusammenhänge erleichtern.

 

Vorliegende Broschüre möchten wir Ihnen als Führer über den Friedhof in die Hand geben. Von den Tausenden Grab- und Erinnerungszeichen haben wir 286 ausgewählt, und wir stellen Ihnen von den dort Ruhenden 345 Personen vor. Für jeden Friedhofsteil schlagen wir einen separaten Rundgang vor. Mit Hilfe der alphabetische Gesamtliste und der Plan-Skizzen kann natürlich auch individuell verfahren werden. Die biographischen Skizzen dienen der knappen biographischen Orientierung vor Ort. Zu einigen Persönlichkeiten, die und/ oder deren Grab wir vorstellen, haben wir bisher nur Dürftiges gefunden. Und sicherlich werden wir hinter einigen Namen auf den Grabsteinen nicht die Bedeutung der damit verbundenen Persönlichkeit erkannt haben. Für jeden Hinweis und für jede Anregung sind wir dankbar.

 

Zu danken haben wir Dipl. Rel. Päd. (FH) Jutta Erb-Rogg, der Leiterin des Friedhofs Bornstedt, für ihre Anregungen und ihre freundliche Unterstützung bei der Erabeitung unserer Publikation.

 

Dass diese Broschüre überhaupt erscheinen konnte, ist der großzügigen Unterstützung von Frau Christine Herzer zu danken.

 

 

 

Christian Scheer

Hans-Jürgen Mende

 

Bonn/Zeuthen April 2014


 

Fussnote

/1! Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Dritter Teil: Havelland. 2. Auflage, Berlin 1998, S. 253 f.


 

 

 

 

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