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Heimatverein Köpenick e.V. (Hrsg.) /Theves, Frank

Von Krebsjauche und Silvana. Baumschulenstraße 78. Die wechselvolle Geschichte eines Grundstücks in Berlin-Baumschulenweg

[= Hausgeschichte(n) aus dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, Band 3],

2012, 179 S., zahlr., teils farb. Abb., ISBN 978-3-86465-017-8, 19,80 EUR

 

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Pressestimmen zum Buch

 

Klappentext

Fallen in Baumschulenweg die Namen Krebsjauche und Silvana, so begegnet man vielsagenden Blicken. Aber das Gehörthaben ist oft eher Hörensagen als Wissen um die Fakten. Die Legende von Krebsjauche ist eine Geschichte für sich und das Kino Silvana ist noch heute legendär.

Was aber steckt wirklich dahinter?

Das, was als leerer Acker begann, entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum von Baumschulenweg mit unterschiedlichster Nutzung.

Die Nachforschungen von Frank Theves förderten – teilweise sehr persönliche – Erinnerungen an das Leben und Überleben der jeweiligen Akteure an diesem Ort unter den wechselnden Verhältnissen deutscher Geschichte hervor.

Theves erzählt die Historie dieses für Baumschulenweg wichtigen Grundstücks und seiner Bebauungen – detailliert und reich illustriert auf der Grundlage intensiven Quellenstudiums – und trennt die Geschichte von den Geschichten.

 

Inhaltsverzeichnis

Von Krebsjauche und Silvana. Splitter der Geschichte – ungeordnet 7

Es begann in Kreuzberg. Vom abgeholzten Acker zur Parzelle Bauland 9

„Viel Vergnügen zu Krepsjauche". Der Restaurateur Laufs, seine Idee und die Folgen 16

D. Laufs Restaurant – Weiß-Bairisch Bier Lokal – viel Vergnügen zu Krepsjauche. 20

Von Laufs zu Speer... und vom Ablageweg zur Baumschulenstraße 27

Speers Festsäle. Ein Etablissement für alle Fälle 30

Als die Bilder Laufen lernten. Von der Zwangsverwaltung zum Kino 51

Ruhe! Tonfilm! Hermann und Grete Zacher und ihr Kino bis 1945 60

Stunde null für ein Kino? Das Silvana und der Weg in den Sozialismus 87

„Wir Wunderkinder". Die letzten Jahre eines verstaatlichten Privatkinos 96

Der Schwamm. Ende und Abriss des Silvana 111

Der Stachel – oder ein Irrtum des Durchhaltens? Das Studio Bildende Kunst bis zur Wende 1989 118

Visionen! – oder Einpacken? Das Studio bis zum Umzug nach Adlershof 143

„Wer den Blick hebt, sieht keine Grenzen". Die Baumschulenstraße 78 heute: Kleingewerbe und soziale Dienste 158

Das Wichtigste in Kürze. Chronik als Tabelle 169

Quellen und Literatur 175

Abkürzungen 177

Danksagung 178

Der Autor 179


 

 

Zur Einführung

 

Splitter der Geschichte – ungeordnet

Die Baumschulenstraße ist eine belebte Einkaufsstraße im Berliner Ortsteil Baumschulenweg. Im mittleren Teil – zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee – besteht sie überwiegend aus Altbauten aus der Zeit um 1900. Besonders auffällig sind diese Häuser heute nicht. Der alte Putz ist fast nirgendwo mehr vorhanden. Spuren vergangener Zeiten sind selten. Auffällig ist eine Kirche, die man architektonisch eher in Süddeutschland ansiedeln würde, und der freie Platz davor. Gegenüber das neueste Gebäude der Straße, ein kleines Einkaufszentrum mit Kaisers-Filiale. Daran anschließend – ein zufälliges Kuriosum – das älteste, das heute, mit frisch gestrichener Fassade, eine Tierarztpraxis beherbergt. Es steht etwas schräg und zurückgesetzt zur Straße, hält also das nicht ein, was die Architekten als Baufluchtlinie bezeichnen. Der Gärtnereibesitzer Wilhelm Mosisch ließ es sich 1869 erbauen.

Vor dem Kaisers-Markt stehend, fällt der Blick auf das Haus gegenüber, in dem heute ein Heimwerkermarkt untergebracht ist. Man wundert sich über die seltsam kleinen Schaufenster. Überquert man die Straße und schaut etwas genauer hin, fallen, teilweise vom Schild des Heimwerkermarktes verdeckt, die Konturen von Buchstaben ins Auge, die hier einmal angebracht waren. Ein Wort zu entziffern, ist schwierig, da sich hier zwei Beschriftungen überlagern. Die ältere ist „SILVANA", der Name eines Kinos, das hier bis 1961 bestand. Die jüngere ist das „bildende" vom studio bildende kunst, einer Galerie, die nach dem Kino knapp 20 Jahre bis 1998 hier untergebracht war. An diese Galerie werden sich viele noch erinnern, während das Kino nur noch Älteren ein Begriff sein dürfte, die hier auf knarrendem Kinogestühl möglicherweise ihre erste Jugendliebe im Arm gehalten haben.

Die Suche nach dem Kinosaal ist jedoch vergeblich. Er existiert nicht mehr. Dafür fällt der Blick auf die Durchfahrt zum Hof. Man entdeckt schmiedeeiserne Verzierungen in der Toreinfassung, u.a. eine Lyra, die darauf hinweist, dass hier auch vor dem Kino Unterhaltung und Bewirtung geboten wurde.

Und noch ein anderer Begriff ist mit diesem Grundstück verbunden, der seit Jahrzehnten durch die Literatur geistert und auch bei Ortsteilführungen Erwähnung findet: der von „Krebsjauche". Ein weiterer Name fällt in diesem Zusammenhang, der meist – dieser Hinweis ist wichtig! – in der Schreibweise „Lauffs" zitiert wird. Beide Begriffe, „Lauffs" und „Krebsjauche", gehören zu einer immer wieder erzählten Legende, die an diesem Ort ihren Ursprung hat und über deren Wahrheitsgehalt allerlei Spekulationen angestellt wurden: die angeblich beim Abfuhrbesitzer „Lauffs" in einer Jauchegrube gefundenen Krebse.

Damit sind einige der historischen Zutaten genannt, die in den folgenden Kapiteln genauer untersucht werden sollen.

Mit „Lauffs" fing es jedoch nicht an. Die Geschichte des Grundstücks reicht 25 Jahre weiter zurück, in eine Zeit, als es in Baumschulenweg noch gar keine Grundstücke gab, sondern nur eine Cöllnische Heide.

Nachtrag: So schnell ist Geschichte. Diese Einleitung, geschrieben im Frühjahr 2011, ist inzwischen schon selbst historisch, denn die Fassade im Erdgeschoss wurde im November 2008 neu gestrichen, sodass der Besucher die Buchstaben, die oben auf dieser Seite im Bild zu sehen sind, nicht mehr entdecken kann.


 

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