Frisch, Andrea

 

Rudi & Alfons. Aus dem Leben zweier Hasenbrüder

 

 

Kinderbuch, 2012, 80 S., zahlr. Abb.,  ISBN 978-3-86465-014-7, 12,80 EUR, mit beiliegendem Hörbuch !

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Die Autorin Andrea Frisch wurde 1958 geboren, absolvierte ihr Studium der Medizin und ihre Ausbildung zur Kinderärztin. Seit 1991 ist sie als Kinderärztin in eigener Praxis in Berlin-Kaulsdorf niedergelassen. Ihre Arbeit mit den Kindern und eine besondere Liebe zu Tieren brachte sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben. Es ist die wahre Geschichte von zwei Hasenbrüdern und die Chance für Kinder, in ihrer Beziehung zu Tieren die verschiedenen Seiten des Lebens, insbesondere Verlusterfahrungen, emotional besser zu verarbeiten.

Der Künstler Bernd Retzlaff, der vielen Berliner Schülern durch seine Auftritte als Clown bekannt ist, steuerte zum Buch die Illustrationen und den Song bei, der am Ende des dem Buch beigelegten Hörbuches zu hören ist.

 

 

 

 

Leseprobe

WAS FÜR EINE TOLLE WEIHNACHTSÜBERRASCHUNG

Ein Klopfen an Gitti`s Zimmertür riss sie aus ihrer Traumwelt. Sie hörte nur noch wenige Wortfetzen von Mutters gesprochenem Satz: "Aufstehen, nicht bummeln…". Als Gitti die Augen öffnete , tanzten riesige Schneeflocken vor ihrem Fenster. Sie wollte sie zählen, aber es war ihr nicht möglich. Zu viele Flocken, die hin und her tänzelten und vom Wind geschubst wurden, bis sie sich entschieden, doch auf die Erde zu sinken. Gitti zog ihre Decke bis unter die Nase, denn der Anblick des Wettertreibens verriet ihr, dass es heute nass und kalt draußen sein wird. Sie wollte noch einige Minuten die Wärme in ihrem Bett spüren, bevor sie sie durch wegreißen der Decke aufgeben musste. Zumindest brachte ihr der Schnee die Möglichkeit, noch einen Schneemann zu bauen, dachte sie. Es war heute der letzte Tag vor dem Weihnachtsfest, ein letztes Mal in diesem Jahr in die Schule gehen, ein letztes Mal mit dem Bus den Schulweg befahren und aus dem Fenster sehen, um die Leute zu beobachten, die noch zur Arbeit hetzten. Ein letztes Mal mit ihrer Freundin Neuigkeiten austauschen und vielleicht hatte Susi ja auch Lust, mit Gitti zusammen einen Schneemann zu bauen. Warum musste es eigentlich ein Schneemann sein? Gitti überlegte, was man noch so aus Schnee alles formen könnte. Vielleicht einen Dino oder einen Igel, dessen Stachelkleid müsste man dann aus Eiszapfen bilden. Oder einen Hasen? Immerhin gibt es Schneehasen, die sowieso ganz weiß aussehen. Sie dachte gerade an die Ohren, die riesigen Löffel, die sie mit ihren Händen formen müsste und plötzlich schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf. Sie riss ihre Decke weg, sprang wie ein Känguru mit einem Satz aus dem Bett in ihre Hausschuhe und öffnete ihre Zimmertür, um die Treppe des Hauses, indem sie mit ihrer Mutter wohnte, runter zu rennen. Die Mutter kam ihr gerade entgegen, wollte soeben noch einmal an Gitti`s Tür klopfen und fragte sie erschrocken nach dem Grund ihrer Eile: "Was ist denn los, warum rennst du so die Treppe runter?" Gitti wollte in die Küche, die im unteren Stock des Hauses lag. Dort stand ein Hasenstall mit ihrem Häschen. Mohrchen war 2 Jahre alt, ein schönes grau-schwarzes Tier mit dunklen, fast schwarzen Augen und Mohrchen sollte Babys bekommen. Gitti hatte sie vor Wochen zu ihrer Freundin gebracht und dort hatten die beiden Mädchen Gitti`s Mohrchen und Klopfer, den Hasenmann von Susi, zusammengetan. Gitti wünschte sich so sehr kleine Häschen und nachdem sie mit ihrer Mutter darüber gesprochen hatte, dass sie auch für alle Hasen sorgen wird, immer frisches Futter besorgt, die Trinkflasche mit frischem Wasser füllt, den Hasenstall auch ohne Muttis Aufforderung saubermachen wird , hatte sich ihre Mutter damit einverstanden erklärt. Es passierte vor ungefähr 4 Wochen, als die Mädchen die beiden Hasen zusammen brachten und Gitti und Susi waren überzeugt, dass es geklappt hatte. In den letzten Tagen konnte sie auch beobachten, dass sich Mohrchen Fell am Bauch zupfte, um damit das Nest, was sie gebaut hatte, ab zu polstern. Es muss ja schön weich sein , denn kleine Hasenbabys kommen ohne Fell auf die Welt, sind ganz nackig und dürfen nicht frieren. Mohrchen war in den letzen Tagen auch sehr ruhig. Sie sprang nicht mehr durch den Stall, sondern saß meistens auf einem Fleck und wenn Gitti sie zum Streicheln in den Arm nahm, glaubte sie , dass sie einen kleinen Bauch tastete.

Gitti kniete sich vor den Stall, um jede Veränderung zu erspüren. Mohrchen saß ruhig in einer Ecke und schaute Gitti an. Sie fing an sich zu putzen. Gitti schaute weiter und fand in der einen Ecke im Stroh kleine Blutspritzer, die bereits angetrocknet waren. Es musste passiert sein. Gitti streichelte Mohrchen mit der einen Hand und mit der anderen schob sie vorsichtig Heu und dann Fell beiseite und freute sich sehr. Da lagen zwei kleine Babys aneinander gekuschelt, sich gegenseitig wärmend und atmeten ganz ruhig. Die Augen waren nur als kleine Striche im Gesicht zu erkennen, denn Hasen kommen blind zur Welt und die Augen öffnen sich erst nach gut einer Woche. Gitti deckte schnell alles zu und überzeugte sich noch, dass das Nest jetzt genau so aussah wie vorher und Mohrchen sprang gleich dazu, um zu sehen, ob ihre Babys noch da sind. Gitti streichelte sie noch einmal. "Hast du gut gemacht" sagte sie ihr und stand wieder auf. Sie musste sich beeilen. Sie rannte die Treppe wieder hoch, rief ihrer Mutter zu: "Mohrchen hat zwei Junge, was für eine schöne Weihnachtsüberraschung".

Noch nie war Gitti mit allen Dingen, die es früh zu tun gab, so schnell fertig. Sie verließ das Haus gewaschen, gefrühstückt und für das Schneetreiben ordentlich eingepackt und wartete auf ihren Bus. Sie war so voller Freude und am liebsten hätte sie ihre Neuigkeit allen Leuten im Bus erzählt, aber sie wartete bis Susi dazu stieg und dann erzählte sie alles so laut und voller Freude, so dass die danebenstehenden Fahrgäste sowieso mithörten und sich für Gitti freuten. Da am letzten Tag vor den Weihnachtsferien keine aufregenden Dinge in der Schule passieren, war es auch nicht schlimm, dass Gitti in den 4 Stunden, die sie noch hatte, kaum dem Lehrer zuhörte und auch beim alljährlichen Singen von Weihnachtsliedern manchmal nur den Mund bewegte und nicht wirklich mitsang. Ihre Gedanken waren bei zwei süßen Hasenbabys und sie hatte jetzt jeden Tag Zeit, um das Wachsen der Kleinen zu beobachten. Als sie wieder nach Hause fuhr und sich mit Susi für 16 Uhr verabredet hatte, konnte sie es kaum erwarten Mohrchen zu beobachten. Sie rannte den Weg vom Bus und zu Hause angekommen, ging sie gleich in die Küche und kniete wieder vor dem Hasenstall. Mohrchen zog gerade ihre Ohren lang, um sie mit ihrer Zunge innen zu säubern. Hasen sind sehr gelenkig, denn sie kommen , bis auf ihren Rücken, fast überall hin beim Putzen. Mohrchen schien ganz ruhig zu sein. Sie machte sich jetzt lang, um sich von den Strapazen der Nacht zu erholen. Gitti hätte am liebsten wieder nachgeschaut, aber sie wusste auch, dass man nicht sehr oft stören darf, sonst könnte es passieren, dass Mohrchen die Babys nicht mehr versorgt und sie verstößt. Als Susi kam, hatte Gitti gerade frisches Möhrenkraut in den Stall gelegt und Mohrchen ließ es sich schmecken. Das aß sie besonders gerne und einen alten Brotkanten gab es auch noch, den Gitti`s Mutter ihr gegeben hatte. Da Mohrchen alles wegmümmelte, konnte Gitti vorsichtig erneut Heu und Fell beiseite schieben und im offenen Nest lagen sie nun da, die kleinen Babys. Susi, Gitti und ihre Mutti konnten sich nicht satt sehen. So kleine Füße, so kleine Hände und der Kopf mit den viel zu großen Ohren. Mohrchen wurde unruhig, kam gleich angesprungen, schnupperte an Gitti`s Hand und Gitti streichelte sie, um ihr zu sagen, dass alles in Ordnung sei. Schnell machte sie das Nest wieder zu und alle drei traten zurück. "Ist ja wirklich eine tolle Weihnachtsüberraschung", sagte Susi. "Wie sollen sie denn heißen" fragte sie Gitti. Aber Gitti hatte noch keine Idee. "Ich werde mir etwas überlegen und von ihrem Äußeren ausgehen", sagte sie. Susi musste nun erstmal nach Hause, denn es gab noch viel zu erledigen vor Weihnachten und die Zeit war kurz. Gitti wollte ja eigentlich noch einen Schneehasen zu bauen , dazu hatte sie jetzt wirklich keine Zeit mehr.

Das Weihnachtsfest war wieder mal wunderschön mit dem Schnee da draußen und dem herrlich geschmückte Baum, den Gitti und ihre Mutter jedes Jahr schöner werden ließen und auch die vielen tollen Geschenke. Aber Gitti`s schönstes Geschenk waren ihre Hasenbabys, die jeden Tag wuchsen und wuchsen. Sie wurden meistens nachts gestillt, denn Hasen wollen dazu ungestört sein und so konnte Gitti nur wenige Male beobachten, wie Mohrchen mit ihrer Schnauze Heu und Fell beiseite schob, um ihre Babys zum Trinken an ihre Zitzen zu bringen. War das ein Gedrängel, waren die hungrig. Die Köpfe wackelten und suchten die Zitzen, denn die Augen waren noch immer geschlossen und so mussten sie solange am Bauch der Mutter suchen, bis sie mit ihren Nasen die Milch riechen konnten, um dann mit ihren Mäulchen die Zitze zu umfassen. War das ein Geschmatze. Gitti hatte immer das Gefühl Mohrchen lässt ihre Kinder zu kurz trinken, aber sie wurden ja immer größer und kräftiger. Hasenmilch ist so fett wie Kaffeesahne, macht also ordentlich satt und dick und das konnte man an den kleinen Hasen sehen. Die beiden schliefen sehr viel und sie brauchten viel Ruhe. Und so vergingen die Feiertage und Gitti hatte jeden Tag die Gelegenheit genutzt, die Kleinen zu beobachten. So langsam konnte sie erkennen, dass das eine Hasenbaby dunkel wird und das andere braun. Und eines Morgens konnte Gitti die geöffneten Augen sehen. Jetzt sahen sie immer mehr wie kleine Häschen aus. Und es dauerte auch nicht mehr lange, da verließen sie vorsichtig ihr Nest und wollten schauen, wo sie sind und vor allem, was es zu entdecken gab, denn langsam wollten sie auch spielen. Zunächst schubsten sie sich gegenseitig an und als sie immer öfter ihr Nest verließen, da war es dann Mohrchen, die von ihren Kleinen zum Spielen aufgefordert wurde. Sie machten lustige Sprünge in die Luft, sie kletterten ihrer Mutter auf dem Rücken herum und sie fingen an sich selbst zu putzen. Da sie wie ein kleiner Wollknäuel waren, fielen sie dabei auch manchmal um und landeten in den weichen Sägespänen , mit denen Gitti immer den Boden des Käfigs füllte. Sie Schüttelten sich dann kräftig und die Späne flogen von ihnen ab. Rings um den Käfig sah es schon sehr lustig aus, da waren die Späne, da war Heu was rausgefallen war und es waren auch von Mohrchen kleine Hasenkekel die draußen landeten. Gitti nahm jeden Tag Handfeger und Müllschippe und fegte alles ringsherum weg. Sie wollte die Hasen nicht mit dem Staubsauger erschrecken, denn Gitti konnte auch schon selber saugen und sie wollte ihrer Mutter auch zeigen, dass sie sich um alles kümmerte ohne, dass ihre Mutter es ihr sagen musste.

 

 

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