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Marita Rock

Zweierlei Grün

Roman

2012, 500 S., ISBN 978-3-86465-013-0, 19,80 EUR

Inzwischen bereits 8 positive Leserbesprechungen bei Amazon.de!!

07. Oktober 2015 - Aktueller Hinweis:

Am 14. Oktober erfolgt die Erstausstrahlung eines Films beim SWR und danach beim NDR, in dem die Autorin Marita Rock mit ihrer Geschichte, die Gegenstand des Buches ist, auftritt. Leider erfolgt die Ausstrahlung erst spät abends. Im Anhang sind die genauen Sendezeiten. Nach den Ausstrahlungen wird der Film in den Mediatheken der Sender jeweils sieben Tage zu sehen sein.

Hier die Sendehinweise des NDR http://www.ndr.de/fernsehen/epg/import/Wir-wollten-einfach-zusammen-sein,sendung437308.htmll und von Lichtfilm. http://lichtfilm.de/de/

 

Auch als ebook verfügbar

epub-Format: ISBN 978-3-86465-401-5

mobipocket-Format: ISBN 978-3-86465-402-2

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 => Bei Amazon (Print und ebook)

 

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Zur Autorin

Marita Rock, Jahrgang 1948, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Pädagogik, Kulturwissenschaften und Soziologie in Berlin; arbeitete in einem Kinderheim; als Soziologin und Beraterin.

Marita Rock lebt und arbeitet in Berlin.

Mit „Zweierlei Grün" legt sie ihren ersten Roman vor, der von der wechselvollen Geschichte der Stadt Berlin und dem Kiez erzählt. „Das Große im Kleinen erzählen" – dieses Anliegen setzt sie sehr lebendig und spannend, mit Detailkenntnis und Liebe zu den Menschen in „ihrer" Stadt Berlin um.

Für alle Berlinfans, in und außerhalb der Stadt.

 

 

Zum Buch

Die Zeit des Kalten Krieges.
Deutschland ist zwischen den vier Siegermächten aufgeteilt.
In Berlin prallen die Systeme aufeinander. Berlin ist Frontstadt und Schaufenster. Die Bevölkerung versucht, das alltägliche Leben zu meistern.
Die Unruhen 1953 polarisieren die Berliner mehr als je zu vor.

So auch die Familien Riemer und Fichte.
Beide Familien werden zerreißen, ein Teil geht in den Westen, der andere bleibt in Ost-Berlin. Dazwischen steht Marie Christine Riemer, die nicht wählen darf, weil sie noch ein Kind ist.
Als 1961 die Mauer errichtet wird, als sichtbares Fanal der Teilung, ist die Trennung endgültig.
Der Zwiespalt spitzt sich für Christine Riemer im Laufe der Jahre zu, sie sucht ihren Weg, sie sucht ihr individuelles Glück. Sie schwankt zwischen Anpassung und Ungehorsam, Gehen oder Bleiben.

 

 

 

Leseprobe

Irgendetwas hat mich aufgeschreckt, jetzt höre ich es genau, die Dielenbretter knarren und knarzen, es ist finster, ich wage nicht, das Licht anzumachen. Das Knarzen hört sich an, als ob jemand den Flur entlang schliche. Eine Weile lausche ich, dann lasse ich mich auf das Kissen zurückfallen. Obwohl ich weiß, dass es die alten Holzdielen sind, bleibe ich wachsam. Warum nur arbeiten sie am lautesten, wenn alles still ist? Plötzlich ist nichts mehr zu hören. Totenstille. Dann überfällt sie mich wieder, diese unsägliche Panik. Wenn nun alles schief geht?

Träge wälzt sich die Zeit durch den Raum, bleiern, wie der Winterhimmel über der Stadt. Die Schatten der Vergangenheit zoomen Schwarzweißbilder über die Wand, sie wollen mich nicht loslassen, sie gehören zu mir. Längst bin ich draußen, doch immer noch hier: abtrünnig, ausgebürgert, staatenlos.

Ich wünschte, diese Nacht wäre endlich vorüber, dieser andauernde Dämmerzustand ist unerträglich. Es ist dunkel, es wird noch lange dunkel bleiben. Wir haben Januar. Es ist dunkel und es ist kalt. Am Abend zuvor habe ich die letzten Kohlen verheizt. Die letzten Kohlen, das letzte Holz. Der Keller ist leer. Jetzt gibt der kleine gelbe Kachelofen nur noch wenig Restwärme ab. Ich rücke meine Luftmatratze näher an den Ofen, doch es nutzt nicht viel, aus den Ritzen des Dielenbodens zieht es kalt herauf. Die Kälte lähmt allmählich meine Glieder. Wenn ich nun erfriere? Ich ziehe die Beine hoch und versuche, die Füße warm zu reiben.

Diese Wohnung ist ein Eispalast, sobald ein Tag nicht geheizt wird. Wen wundert es? Zehn Meter Außenwand und kein Putz an der Fassade, die Kälte kann ungehindert ins Innere dringen. Ich ziehe die Bettdecke über den Kopf, die alten Federn sind verklumpt und bauschen sich an beiden Seiten, nur wenige Minuten, dann fehlt mir die Luft zum Atmen. Mit heißem Kopf und immer noch kalten Beinen schlage ich das Federbett zurück und klopfe es, bis die Federn halbwegs in der Mitte des Inletts angekommen sind.

Der vertraute, alte rote Bademantel liegt auf dem Stuhl, nur einen Meter von mir entfernt. Ich ziehe ihn über, schnell wieder unter die Decke, nur keinen Wärmeverlust entstehen lassen. Erneut starre ich in die Finsternis, starre an die Zimmerdecke, kaltes weißes Mondlicht sickert durch die Vorhänge. Wieder überfällt mich panische Angst. Die Kehle wird eng, der Druck auf meiner Brust unerträglich. Zweifel peinigen mich. Ich schiebe die finsteren Gedanken weg – bei mir ist alles anders, alles ganz legal. Morgen beginnt ein neues Leben.

Morgen? Vielleicht schon heute? Ich greife nach dem Wecker. Die kleinen Leuchtziffern sagen mir: heute. Es ist 3 Uhr morgens. Also heute beginnt ein neues Leben. Mein neues Leben.

Was ist mit dem alten? schreit die Stimme in mir. Der Schrei ist gellend. Und peinigend.

Freu dich auf das neue Leben! gaukelt eine zweite, schmeichelnde Stimme: Es wird bunter, es birgt mehr Freiheit, Liebe! Alles wird gut.

Wird alles gut? Ich nehme es an, ich hoffe inständig, aber weiß ich es mit letzter Gewissheit? So lange habe ich geduldig auf diesen Tag gewartet, habe für ihn gekämpft, Verachtung hingenommen, und nun, nun kann ich mich nicht einmal freuen.

Ich will weg von hier und will doch bleiben. Hier ist alles vertraut, ich hatte Freunde, vielleicht auch eine berufliche Zukunft, wenigstens die Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Warum musste ich mir alles vermasseln?

Und dort? Dort bin ich geboren. Als Kind war ich häufig dort, mit meiner Mutter. Doch jetzt ist es ein fremdes Land. Wir hören sehr Widersprüchliches, trotzdem zieht es die Menschen magisch an. Das sind alles Vorurteile, sagt Er, und Er muss es doch wissen.

Ich habe mich entschlossen, kann nichts mehr rückgängig machen, ich wollte mit dem Kopf durch die Wand, nun brauche ich mich nicht wundern, wenn ich verletzt bin und es entsetzlich weh tut.

Ich greife nach der Taschenlampe und pelle mich aus der warmen Federhülle. Ich werde nicht mehr schlafen können, es ist sinnlos, mich weiter zu bemühen. Jetzt beginne ich die Stunden zu zählen. Wie soll ich die Zeit überstehen? Plötzlich spüre ich Tränen aufsteigen. Jetzt möchte ich heulen, in Selbstmitleid zerfließen. Doch wem nützt das? Es ist lächerlich, ich komme da durch. Nein, ich darf nicht heulen!

So viele Leute beneiden mich um diesen Schritt nach draußen, so viele hassen mich deswegen.

Ich mache den Gaskocher in der Küche an, eine bescheidene Wärmequelle. Der Wasserkessel ist noch da, so wie die ganze Kücheneinrichtung, später wird sie der Hauswart abholen, dann werde ich bereits fort sein.

Wenn ich doch etwas tun könnte! Doch was soll ich in dieser leeren Wohnung tun? Die Kälte springt mich wieder an. In meinem Leben werde ich die Kälte nicht vergessen, diese Winterkälte. Meine Finger sind klamm, zum Glück beginnt jetzt der Wasserkessel zu pfeifen. Der heiße Tee wird mir gut tun. Ich nehme den Pott mit dem dampfenden Tee und tappe den Flur entlang ins große Berliner Zimmer. Das Zimmer ist leer. Ein schmaler, frostiger Mondlichtstreifen schimmert durch das Fenster, bündelt sich in einem kleinen Lichtpunkt auf dem großen grünen Kachelofen, der wie ein schwarzes Ungeheuer in der Ecke steht. Wie oft habe ich mich an unwirtlichen Tagen mit dem Rücken an ihn gedrückt, die Arme ausgebreitet und seine wohlige Wärme aufgenommen. Wie behaglich, wenn der Rücken warm wurde, einmal wenden, dann den Bauch, die Brust und die Knie an ihn schmiegen – er wird mir keine Wärme mehr spenden. Vorbei.

Der Raum ist groß und das Fenster zum Hof ist schmal: das typische Berliner Zimmer. Warum heißen diese Zimmer so? Gibt es sie tatsächlich nur in Berlin? Auch andere Städte haben Mietskasernen mit mehreren Hinterhöfen, die sich in eingeengten, düsteren Schluchten aneinander drücken. Doch keine Berliner Zimmer. Oder doch? Heißen sie nur anders? Was weiß ich schon von den anderen Städten? Bisher war es genug, in der Hauptstadt zu sein, immer im Zentrum des Weltgeschehens, nur, dass die Welt um mich herum immer enger geworden ist.

Der Wintermond zeichnet skurrile Schatten in den düsteren Hof. Nur im Nebenhaus brennt ein einsames Licht. Vermutlich ein Schichtarbeiter. In zwei Stunden werden viele Fenster erleuchtet sein, die Öfen werden geheizt, die Stullenpackete gepackt, man steht früh auf im Prenzlauer Berg. Um 6 Uhr morgens wird der Berufsverkehr in der Stadt in vollem Gange sein.

Jetzt ist noch alles still.

 

 

 

 

1. Teil

 

Jeden Morgen wartete sie darauf, dass die Wohnungstür ins Schloss fiel. Das war das Zeichen, dass sie allein war, dass die anderen zur Arbeit gegangen waren. Endlich Ruhe! Adelheid atmete auf. Sie ging in die Küche und überlegte, was sie als nächstes tun sollte. Zuerst fiel ihr Blick auf den Abreißkalender an der Wand. Es war der 16. Juni 1953. Sie riss das kleine dünne Blättchen ab und las den Spruch des Tages:

Wer das Scheiden hat erfunden, hat an Liebe nicht gedacht. Unbekannter Verfasser.

Sie las den Spruch ein zweites Mal, dann legte sie den Zettel zu den anderen in die rechte Schublade des geräumigen Küchenschranks.

Gewohnheitsmäßig legte sie die rechte Hand auf die Stelle, wo sie das Herz vermutete, durch die dünne Wolljacke spürte sie, wie es gleichmäßig schlug, die morgendlichen Tropfen zeigten ihre Wirkung. Sie brauchte Ruhe, dann ging es ihr auch besser.

Im Laufe des Tages wollte sie das Notwendigste erledigen, ein paar Hemden für die Männer bügeln, das Frühstücksgeschirr abwaschen. Der Kamillentee in der braunen Steingutkanne war noch warm, sie schenkte sich den Rest ein und ging mit der Tasse in der Hand ins Wohnzimmer hinüber. Ein prüfender Blick, das Zimmer war aufgeräumt, trotzdem wirkte alles in diesem Raum unvollkommen, das Mobiliar zusammengewürfelt. Anna besaß eine dunkelrote Herrencouch mit zwei passenden Sesseln, Erbstücke, neu im Wohnzimmer waren nur der kleine polierte, wallnussbraune Nierentisch mit der goldenen Zierleiste und die Stehlampe in der Ecke. Annas neueste Errungenschaft. Über dieses merkwürdige Ding mit den Tentakeln und den bunten Papiertüten am Ende konnte sich Adelheid immer wieder ereifern. Sie empfand es als geschmackliche Entgleisung. Die Schiebetür zum Herrenzimmer stand offen, eigentlich war es noch kein Herrenzimmer, Bertold wollte sich später dort einrichten – mit Clubsesseln, Schreibtisch, Bücherregalen –, vorerst war es Wilhelms Zimmer. Hier standen die Junggesellencoach und der große schwere Esstisch mit vier Stühlen.

Wilhelm hatte sein Nachtlager ordentlich hinterlassen: Die Hose vom Vortag hing sorgsam gefaltet über dem Stuhl, der an der Wand stand. Adelheid öffnete das Fenster und schaute einen kurzen Moment hinaus zur begrünten Hofseite des Hauses, dann verließ sie das Zimmer und schob die Durchgangstür hinter sich zu. Sie kehrte in die Küche zurück.

Sie trat an das Fenster und zog sacht die Scheibengardine beiseite. Die Straße war belebt, emsig brachten Lastkraftwagen Baumaterial heran, Bauarbeiter hämmerten auf der gegenüberliegenden Straßenseite, Baulärm mischte sich mit Straßenlärm. Alles sah wie immer aus. Sie öffnete das Fenster und registrierte einen leichten Teergeruch. Der Himmel war grau, aber es regnete nicht. Gestern hatte es geregnet. Wieder keine Sonne, was sollte sie jetzt draußen? Sie schloss das Fenster. Von ihrem Platz am Fenster konnte sie gut sehen. Jeden Tag beobachtete sie, was auf der Straße vor sich ging. Das war ein Teil ihres Alltags, am Fenster stehen und warten. Sie stand auf Beobachtungsposten wie ein Jäger auf dem Hochstand, die bunte Bilderwelt der Straße flutete durch ihre Fenster.

Alles war neu. Der Geruch von Mörtel hing noch immer in den Wänden des Hauses. Die Straße veränderte sich täglich, die Bauarbeiter arbeiteten im Akkord, Gerüste wurden abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut, es herrschte beständiger Zeitdruck.

Die Bilder, die Adelheid wahrnahm, erzeugten selten ein Glücksgefühl in ihr. Trotz des turbulenten Geschehens vor ihrem Fenster verlief der Alltag für sie gleichförmig. Ein besonderes Ereignis war, wenn sie wieder einmal mit dem Fahrstuhl stecken blieb. Das passierte nur ihr, denn der Rest der Familie benutzte gewöhnlich die Treppen. Anna wagte einmal den Hinweis: Lauf doch auch, so viele Stufen sind es doch wirklich nicht. Sie erntete einen zornigen Blick.

Meine Großmutter Adelheid stand in ihrem Leben oft am Fenster, ein Bild, das sich mir eingeprägt hat: Eine alte Frau, mit einem altmodischen Dutt auf dem Kopf, die Haare nicht mehr braun und auch nicht grau, sie war nicht dick und nicht dünn, vielmehr konturenlos. Ihr braunes, geradegeschnittenes Kleid unterstrich diesen Eindruck noch. Niemals sah ich sie in belebenden Farben, bis auf die roten Granatohrringe, die sie ständig trug.

Was dachte sie, während sie täglich am Fenster stand? Waren ihre Gedanken da, wo ihre Augen waren, oder half ihr der Blick in die Ferne, die Gedanken schweifen zu lassen? Woran dachte sie? An früher? Warum konnte sie sich in der Gegenwart nicht freuen?

Die Großmutter stand am Küchenfenster, verborgen hinter der Gardine, beobachtete und wartete, wartete, dass der Tag verging, wartete, dass jemand nach Hause kam. Einen stattlichen Teil ihres Lebens hat sie wohl mit Warten zugebracht. Wann hatte das Warten begonnen? War ihr diese Bestimmung einst in die Wiege gelegt worden?

Adelheid gehörte einem anderen Jahrhundert an. Kaiserzeit. Das waren noch Zeiten, da gab es wahrlich vornehme Damen und Herren, sagte sie oft. Die Klassengegensätze waren noch klar definiert, aber davon sprach sie nicht. Adelheid gehörte weder zu denen da oben, noch zu denen da unten. Aber sie wollte nach oben. Geboren an einem kalten Wintertag, war sie das vierte Kind und das dritte Mädchen der Familie Ziebulla. Siebzehn Monate später, an einem warmen Maitag, kam als Jüngster ihr Bruder Jakob hinzu, der uneingeschränkte Liebling der Mutter.

Der Vater war nicht arm, das Landgut im Schlesischen war groß genug, um sie alle zu ernähren, auch Mägde und Knechte wurden satt. Doch drei Töchter gut zu verheiraten, das war eine andere Sache, da begann der Vater zu sparen – der Hof, die Ernte, das Vieh, es gab Prioritäten. Der Ansicht war auch Hermann, der zukünftige Erbe.

Adelheid und ihre Schwestern durften eine private Mädchenschule besuchen und bekamen ein wenig Bildung vermittelt, alles, um auf dem Heiratsmarkt zu bestehen. Sie lernten, wie feine Handarbeiten angefertigt werden und wie sich eine Dame zu benehmen hat. Einen Beruf brauchten sie nicht, sie kamen ja aus besserem Hause. Als Adelheid siebzehn Jahre alt war, heiratete ihre ältere Schwester Elsbeth einen gutsituierten Kaufmann aus Hirschberg, ein Jahr später zog die zweite Schwester nach Breslau und heiratete einen Bahnbeamten. Adelheid war jetzt auch im heiratsfähigen Alter, aber sie ließ sich Zeit. Sie wollte etwas ganz Besonderes. Sie wollte IHN.

Er war Offizier und aus dem Nachbardorf. Er tat seine Pflicht für Kaiser und Vaterland. Und Adelheid wartete, mit einem Versprechen. Dieser verdammte Krieg! Sie hatte gewartet, sie hatte ihm Briefe geschrieben, von ihrer Sehnsucht gesprochen. Ein kleines Päckchen mit roten Ohrringen war das letzte Lebenszeichen, dann kam lange nichts. Als sie im Sommer 1918 die Nachricht von seinem Heldentod erreichte, war sie bereits neunundzwanzig Jahre alt, fast dreißig. Der Traum von einem besseren Leben, der Traum von einem eigenen Gut, von einem Mann und Kindern war ausgeträumt, das Erwachen in der Realität hart. Sie galt nun als spätes Mädchen, eine, die zu lange gewartet hatte. Mitleid mit ihr empfand niemand – wer hoch hinaus will, fällt mitunter tief!

Sie solle ins Kloster gehen, schlug der Bruder vor, das taten andere Jungfern auch, doch sie war nicht fromm genug.

Adelheid wohnte weiter in ihrem Elternhaus, geduldet vom Bruder, der jetzt der Gutsbesitzer war und inzwischen geheiratet und drei stramme Kinder gezeugt hatte.

...

 

 

 

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