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Zum Buch
Gerhard Zwerenz, 1956 in der DDR neben Wolfgang
Harich einer der schärfsten linken Kritiker Ulbrichts, brachte ein
Jahrzehnt später in der Bundesrepublik eine Ulbricht-Biografie heraus, die
von Sebastian Haffner im September 1966 in „Konkret“ ausführlich
besprochen wurde. Als stärkste Passage in Zwerenz Buch benannte Haffner
die folgende: „Ob man es schätzt oder nicht, Walter Ulbricht stellt in
seiner Person und als Exponent seiner Partei die Kontinuität der deutschen
revolutionären Tradition dar; und indem er sich einen Staat schuf,
vereitelte er alle westdeutschen Bestrebungen, die revolutionäre Tradition
der Linken in Deutschland zu eliminieren.“ Haffner fügte ergänzend hinzu:
„Vielleicht erklärt das den wilden persönlichen Haß des westdeutschen
Bürgertums (einschließlich seines sozialdemokratischen Flügels) gegen
Ulbricht. Vielleicht liegt aber auch gerade darin Ulbrichts historisches
Verdienst um Deutschland: den Mord an der deutschen revolutionären
Tradition, der Hitler schon einmal zwölf Jahre lang gelungen schien und
den das deutsche Bürgertum gar zu gern aus der Hitlerschen
Hinterlassenschaft herüber gerettet hätte, verhindert zu haben.“ Haffner
nutzte die Lektüre der Schrift von Zwerenz zu einem eigenen
Ulbricht-Porträt, das in der Feststellung gipfelte: „Ulbricht ist der
erfolgreichste Politiker nach Bismarck und neben Adenauer“.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Kapitel 1: Die DDR in der ersten Hälfte der 50er Jahre
-
DDR-Gründung und deutsche Frage - Das
Jüdische in der DDR -
BRD-Gründung und deutsche Frage - Die SED
und das Mehrparteiensystem -
Beseitigung volkswirtschaftlicher Disproportionen - Die
Stalin-Note vom März 1952 - Das
Gutachten von Richard Meyer von Achenbach - Der
Zipfel des Mantels der Geschichte - Die
Pfleiderer-Denkschrift -
Einbetonierung der Demarkationen - Stalins
Fehlkalkulation - Die
veränderte Deutschlandpolitik der UdSSR und der 17. Juni 1953> - Die
Deutschland-Initiative von Winston S. Churchill - Die
Verschärfung der Krise in der DDR -
Kurskorrektur als jähe Wende - Der 17.
Juni im Lichte von Berichten der Gewerkschaftsinstrukteure - Proteste
gegen die Intelligenzläden - Der
Ausnahmezustand - Das Ende
der Churchill-Initiative - Zur
Bewertung des 17. Juni - Kultur
und Wissenschaft im Zeichen des Neuen Kurses - Im
Widerstreit von Ideologie, Politik und Wissenschaft - Das Jahr
der großen Initiative
Kapitel
2: Vom zweiten Fünfjahrplan zum Siebenjahrplan
- Das Jahr
1955 und seine weitreichenden Konsequenzen - Die zwei
Erdstöße im Jahre 1956 - Probleme der Staatssicherheit - Die
Unzufriedenheit der SED-Intellektuellen mit den Ergebnissen der 3.
Parteikonferenz - Das
Aufbegehren der Künstler - Die
studentische Opposition - Die
Philosophie-Diskussion - Die Reformmonate im Jahre 1956 - Die
Wirtschaftsreform - Die
Agrarreform - Die
Justizreform - Die
Kulturbunddebatten – Möglichkeiten und Grenzen - Ungarn
und Ägypten – das Ende des Tauwetters in der DDR -
Sowjetische Hilfe für die DDR -
Abstimmungen im Vorfeld der Verhaftung Wolfgang Harichs - Erste
deutsch-deutsche Kontakte im Zeichen der unumkehrbar gewordenen
Zweistaatlichkeit - Die
Konföderation als Zwischenlösung auf dem Wege zur deutschen Einheit -
Ökonomisch-gesellschaftliche Hintergründe und Widersprüche in der DDR Ende
der 50er Jahre - Aspekte der späten Akzeptanz der
wissenschaftlich-technischen Revolution in der DDR - Zur Entwicklung
des Lebensstandards in der DDR - Der Anstieg der Haushaltseinkommen
- Steigerung des Nahrungsgüterverbrauchs und des Kaufs hochwertiger
industrieller Konsumgüter - Mode und Kulturangebot 284 - Der
deutsch-bulgarische Film „Sterne“ - "Rentabilität in den
Köpfen" - Die Schallplattenfirma AMIGA - Urlaub und Tourismus -
FKK wird Mode - Wohnungsbau und Wohnen -
Disproportionen, Krise und Stabilisierung - Die DDR
auf dem Wege zum Juniorpartner der UdSSR
Kapitel
3: Die DDR in den 60er Jahren
- Die
erfolgreichste Periode - An der Schwelle zum Mauerbau - Das
Parteiprogramm für den umfassenden Aufbau des Sozialismus - An der
Schwelle zum Mauerbau - Die äußeren und inneren Aspekte der Entstehung
der Mauer in Berlin - Nach dem Mauerbau - Das Parteiprogramm für den
umfassenden Aufbau des Sozialismus - Das Neue Ökonomische System der
Planung und Leitung - Staat und Kirchen - Der Lebensstandard in den
60er Jahren - Gesundheit und Sport - Etablierung einer neuen
Strategie unter Breshnew - Sargnagel
für die Hallstein-Doktrin - Prager
Frühling 1968 - Ulbrichts Für und Wider -
Integration der DDR in die sozialistische Staatengemeinschaft - Das
schwierige Ende der Ulbricht-Ära - Resümee
Abkürzungen Personenregister Danksagung Über den Autor
Diskussion in der Zs. Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung
von Heft
64(2022)3 bis Heft 65(2023)4 Diskussion zum Buch von Siegfried Prokop mit
Beiträgen von Günter Benser, Eberhard Aurich, Christian Stappenbeck,
Andreas Heyer u.a.
Weitere Besprechungen (Auszüge)
ZfG
... Mit einer überbordenden Fülle von Material,
Beispielen und Zitaten belegt Prokop, dass die 1960er Jahre zwar die
ökonomisch erfolgreichste Periode in der 40-jährigen Geschichte der DDR
waren, die Wirtschaft aber schrittweise und immer stärker aus den Fugen
geriet – auch weil die Zahl der „Republikfluchten“ stetig anstieg. Und
dies ungeachtet der „Ergebnisse“ der Beratung der Kommunistischen und
Arbeiterparteien 1960 in Moskau, die eine lineare Aufwärts bewegung für
den Sozialismus und eine lineare Abwärtsbewegung für den Kapitalismus
„feststellte“. Prokop hat eine unendliche Fülle von Belegen
herangeschafft, welche die Stärken und die Grenzen des Wirkens des Sohns
eines Schneiders und frühen Berufsrevolutionärs herausarbeiten. ... Die
Titelei ist etwas unglücklich. Wolfgang Harich, ein zweifellos wichtiger
Kopf der Parteiopposition, wird mindestens in einem Kapitel etwas zu aus-
führlich zitiert. Ob sich die Geschichte der DDR nach Ulbricht mit Alfred
Neumann besser oder anders entwickelt hätte, wie Prokop suggeriert, darf
bezweifelt werden. Insgesamt handelt es sich um eine lesenswerte Studie
sowohl fiir Neulinge als auch für Fortgeschrittene auf dem Gebiet der
Geschichte der DDR und des Wirkens Ulbrichts.
Matthias Dohmen ZFG 71 (2023) 11,
S. 981
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