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Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7 Einleitung 9
1 Wilhelm
Pinnecke und die Funktionäre der Honnefer KPD 21 2
Der kollektivbiografische Netzwerk-Ansatz 47 3 Von
der Revolution 1918 bis zur Gründung der KPD 1920 61
4 Die Etablierung der KPD bis 1921 79 5 Organisation,
Mitgliedschaft und Funktionärsleben 83 6 Das
Schlittern in die Krise im Jahr 1922 98 7 Das
Krisenjahr 1923 – Russenbrot und Bürgerkrieg im Siebengebirge
109 8 Der Honnefer Kommunistenprozess von 1926 119
9 Lug und Trug – Kommunisten und die Polizei 132 10
Die KPD und das Dilemma des Parlamentarismus 1924–1929
135 11 Kommunismus und Katholizismus 148 12
Krisen, Gewalt und scheinbarer Aufstieg 1930–1932 159
13 „Das ist unser allerschlechtester Punkt in der Partei“: Landagitation
175 14 Zerschlagung, Widerstand und Neuaufbau 1933 bis 1956
181 Resümee 192
Quellen und
Literaturverzeichnis 199 - Archive
199 - Zeitungen und Zeitschriften 207 - Literatur,
gedruckte und digitale Quellen 207 Über den Autor
209
Aus der Einleitung
Im August 1920 gedachten Honnefer Turner ihrer
im Ersten Weltkrieg gefallenen Turnbrüder mit der Enthüllung einer
Gedenktafel. Zum Ende der Veranstaltung ergriff einer der Teilnehmer das
Wort, die katholische Honnefer Volkszeitung (HVZ) berichtete: „Nach
erfolgter Aufstellung der Turner sprach namens der Aktiven Herr W.
Pinnecke. Mit markanten Worten verurteilte er den männermordenden Krieg,
der auch seinen Verein der besten Mitglieder beraubt habe. Von dem
schrecklichen Weh dieses Völkerringens zeuge die Gedenktafel. Seine Worte
werden den Zuhörern unvergeßlich bleiben. Das dreifache ‚Schlaft wohl‘ der
Turner wirkte einfach rührend.“ Insgesamt waren über 200 Honnefer
Bürger im Weltkrieg gefallen oder an Krankheiten gestorben.
Kriegsinvaliden gehörten wie in ganz Deutschland zum Stadtbild. Man würde gerne genauer wissen, mit was für „markanten Worten“ Herr Pinnecke hier
den Krieg verurteilte, aber vielleicht waren dem Redakteur die Worte auch
etwas zu „markant“ gewählt, als dass er sie wortwörtlich hätte
wiedergegeben wollen. Fast 20 Jahre später fiel auch Wilhelm Pinnecke in
einem „männermordenden Krieg“. Er hatte als Kommissar 'eines Bataillons der
Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der
Republikaner gekämpft, zuvor hatte er für die Kommunistische Partei
Deutschlands (KPD) Mandate im preußischen Landtag und im Reichstags inne
gehabt. Wie lässt sich dieser erstaunliche Lebensweg vom Rhein bis an den
fernen Ebro erklären? Die Region Mittelrhein, organisatorisch bestehend
aus den Regierungsbezirken Aachen, Koblenz, Köln und Trier, galt und gilt
jenseits der Großstädte Köln und Aachen sowie der vorgelagerten
Kohlereviere nicht eben als kommunistische Hochburg und schon gar nicht
der beschauliche Kurort Honnef (seit 1960: Bad Honnef). Aber in der
Wahrnehmung der Zeitgenossen war „Honnef, ein Luftkur- und Badeort […,]
als Kommunistennest verschrien“, so jedenfalls ein damaliger
Bürgermeister. Der kommunistische Journalist Alexander Abusch hingegen
berichtete zweieinhalb Jahre später über das „Städtchen, fast ohne
Industrie, das schwarze Honnef, mit seinen vielen Klöstern“ und beschrieb
die Lage etwas bissig, aber ansonsten wohl treffend: „Hinter der Kulisse
der Hotelstädte und des Fremdenbetriebes mit seiner ‚rheinischen
Fröhlichkeit‘ als Animierung zum Suff birgt sich eine klassenkämpferische
Tradition der Arbeiter dieses Landstriches“. Nur vergaß Abusch zu
erwähnen, dass es sich hierbei um eine überaus junge „Tradition“ handelte,
wenn nicht gar um eine erfundene. Mit stadtweit immerhin 18,4 Prozent
und rund einem Drittel der abgegebenen Stimmen für die KPD im Ortsteil
Selhof bei der Reichstagswahl im November 1932 gehörte Honnef zu den
zahlreichen „Klein-Moskaus“ in Europa, auch wenn die gängigen
Voraussetzungen dafür hier eindeutig fehlten. Denn die historischen und
sozioökonomischen Rahmenbedingungen für einen Aufstieg des Kommunismus am
Rande des Siebengebirges waren denkbar ungünstig. Industrie oder größere
Unternehmen fehlten hier fast gänzlich und es gab auch keine
wirtschaftliche Monokultur oder ein die Kommune dominierendes Unternehmen
mit einer Werkssiedlung. Ebenso wenig fand sich hier ein durch
Binnenmigration entwurzeltes und säkularisiertes Milieu, dass einer
Radikalisierung im kommunistischen Sinn zugänglich gewesen wäre. Eine
parteiförmige Arbeiterbewegung gab es vor der Gründung eines Ortsvereins
der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) um die Jahreswende
1918/19 in Honnef nicht. Selbst bei der Reichstagswahl im Januar 1912, als
die Sozialdemokratie mit 34,8 Prozent der Stimmen reichsweit einen großen
Sieg errang, erzielte der sozialdemokratische Kandidat in Honnef lediglich
49 von 1247 abgegebenen Stimmen, also 3,9 Prozent. Es war ein
„klägliche[s] Fiasko“, wie ein Redakteur der HVZ bemerkte und dies auf die
volkstümliche Wahlagitation des Zentrums zurückführte. Diese
klassenübergreifende und integrierende Mobilisierung konnte das
katholische Milieu auch nach 1918 erzielen, wenn auch weniger erfolgreich.
Der idealtypische Arbeiter aus Selhof war, und er blieb dies auch während
der Weimarer Republik, katholisch, beschäftigt vor allem im Bau- oder
holzverarbeitenden Kleingewerbe, betrieb nebenher Land- oder
Gartenwirtschaft (oder Wilderei bzw. Forstdiebstahl) und war häufig
Hauseigentümer – alles nicht gerade Merkmale, die auf „politischen
Fanatismus“ bei Honnefer Bürgern hindeuten oder jemanden dazu brächten,
sich selbst stolz als „Max Hölz II.“ zu titulieren. Zusammengefasst
wies Honnef nahezu alle Merkmale einer kommunistischen Diaspora auf, nicht
jene einer Hochburg: „Die linksextremen Hochburgen sind im Vergleich zum
Reichsdurchschnitt durch einen leicht unterdurchschnittlichen
Katholikenanteil, überdurchschnittliche Verstädterung, einen deutlich
unter dem Durchschnitt liegenden Anteil der Agrarbevölkerung, eine starke
Stellung des sekundären Wirtschaftssektors und einen beträchtlichen Anteil
von arbeitslosen Arbeitern an den Berufspersonen charakterisiert. Die
linksextremen Diasporagebiete verhalten sich praktisch spiegelbildlich
dazu“.
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