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Oliver Reschke


Der Kampf der Nationalsozialisten um den roten Friedrichshain 1925-1933

 

 

 
lieferbar

2020, 395 S., ISBN 978-3-86464-215-9, 39,80 EUR

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Vorwort zur zweiten Auflage


Anderthalb Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Bandes „Der Kampf der Nationalsozialisten um den roten Friedrichshain 1925–1933“ erscheint nun endlich dessen zweite komplett überarbeitete Auflage. Eine Reihe von Quellenfunden und neu veröffentlichte Literatur zum Thema ließen dies überfällig werden, jedoch standen mannigfaltige Gründe einer früheren Veröffentlichung im Wege.
Dass eine so relativ lange Zeit vergangen ist, bringt auch Vorteile mit sich: Mittlerweise hat sich bei mir nämlich ein völliger Paradigmenwechsel bei der Herangehensweise an das Forschungsthema vollzogen. Den entscheidenden Anstoß dafür und den damit einhergehenden Schub in diese Richtung bekam ich durch die Betreuung meiner Doktorarbeit durch Prof. Dr. Wolfgang Wippermann. Seitdem besteht der Fokus meiner Forschungen auf dem Kampf um die typischen proletarischen und meist zugleich „roten“ Berliner Kieze im Innenstadtbereich, während die Organisationsgeschichte der Nationalsozialisten in den Hintergrund rückt.
Bei der ursprünglichen Herangehensweise, wo der Schwerpunkt der Erforschung noch auf der organisatorischen Entwicklung der NSDAP und ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände lag, hatte sich nochmals ein „Quantensprung“ vom Friedrichshain-Band zum Prenzlauer Berg-Band vollzogen. Während ich im Friedrichshain-Band, neben NSDAP und SA, nur noch die NSBO ausführlich behandelt hatte, erreichte diese Herangehensweise im Band zu Prenzlauer Berg ihren Höhepunkt, indem auch die NS-Jugend- und Frauenorganisationen sowie die nationalsozialistische evangelische Glaubensbewegung „Deutsche Christen“ ausführlich in die Betrachtung einbezogen wurden und zudem die Mitgliederkartei einer NSDAP-Ortgruppe ausgewertet werden konnte. Wer sich diesem Thema über die Organisationsgeschichte nähern will, dem sei nach wie vor die Lektüre meines Prenzlauer Berg-Bandes empfohlen.
Durch ihre nochmalige völlige Überarbeitung verliert die ursprüngliche Magisterarbeit nun endgültig den Charakter einer trockenen wissenschaftlichen Qualifikationsschrift. Hinzu kommt, dass ich im Laufe der Jahre auch meinen Schreibstil weiterentwickelt habe. Der Leser profitiert davon, indem die Veröffentlichung insgesamt leserfreundlicher wird. So wird dieser Band meinem Anliegen, möglichst ein breites Publikum für dieses spannende aber auch heikle Thema begeistern zu können, hoffentlich noch besser gerecht.
In meinem erwähnten Prenzlauer Berg-Band nahm ich im Vorwort Bezug auf die aktuelle politische Lage. Damals, im Jahre 2008, schrieb ich: „In der Einleitung zu einem schriftlich niedergelegten Erlebnisbericht eines Zeitzeugen, der in dieser ‚kampferfüllten Zeit‘ gewirkt hat, wurde 1975 formuliert, dass seine Erinnerungen ‚für die heutige politische Arbeit angesichts der Ereignisse in Chile und Spanien und anderen Brennpunkten […] eine hohe aktuelle Bedeutung‘ hätten. Heute stellt sich die Situation so dar, dass man nicht mehr in ferne Länder schauen muss. Ein Beweis für Sinn und Aktualität dieser Forschungen.“ Heute, im Jahre 2020, sitzt der politische Arm der getarnten Faschisten seit über zwei Jahren im Bundestag und sogar schon über drei Jahre im Berliner Abgeordnetenhaus. Offen auftretende Neonazis haben in Berlin schon zwei Mal einen sogenannten „Rudolf-Hess-Gedenkmarsch“ durchgeführt.
Dabei erinnern die Methoden der blau-braunen Bewegung in Parlamenten und auf der Straße stark an schon einmal Dagewesenes. So fragte die AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ernsthaft nach, warum Straßen und Plätze in Berlin nicht nach Horst Wessel benannt werden dürfen, aber nach Silvio Meier. Eine Wahlwerbung im Jahre 2017 hieß: „Thälmann würde AfD wählen“. Dieser Slogan ähnelt stark einem Slogan aus Wahlkämpfen zu den Reichspräsidentenwahlen 1932, der lautete: „Arbeiter, wählt nicht den Arbeiter Hitler, sondern den Generalfeldmarschall v. Hindenburg, damit dies System erhalten bleibt!“. Beides war und bleibt widerliche, rechte Demagogie. Man halte sich nur den „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 vor Augen. Oder denke an das sächsische Heidenau, wo auf Antrag der AfD die dortige Ernst-Thälmann-Straße umbenannt werden soll. Dieser Antrag zeigt das wahre Verhältnis der AfD zum Arbeiter und Kommunisten Ernst Thälmann.
Schließlich sei an dieser Stelle speziell jenen gedankt, die an der Entstehung der Neuauflage ihren Anteil haben. Als da wären, der Grafiker Jürgen Mann für die Karte, Grit Ulrich von der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv für die schnelle und unkomplizierte Hilfe sowie nicht zuletzt Dr. Günter Wehner für Rat und Tat.

Berlin, im Januar 2020

 


 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort zur zweiten Auflage 11

Einleitung 13

1. Ein typischer Arbeiterbezirk im Zentrum der Stadt 21
1.1 Lage und Sozialstruktur 21
1.2 Politische Ausgangssituation – Zwei verfeindete Lager 27
1.3 Das „Recht auf die Straße“ 44
1.4 Verkehrslokale als Basis der Organisationstätigkeit 67

2. NSDAP und SA in Friedrichshain 77
2.1 Sektionen und Ortsgruppen 77
     Sektion Friedrichshain 77
     Sektion Baltenplatz 88
     Sektion Landsberger Platz 90
     Sektion Andreasplatz 92
     Ortsgruppen 96
2.2 SA-Stürme 100
     Sturm 5 – Friedrichshain 101
     Horst Wessel – „nationaler Sozialist“ oder „jugendbewegter Bürgersohn“? 108
     Sturm 34 – Petersburger Straße 110
     Sturm 36 – Andreasplatz 111
     SA-Formationen, die nach Herbst 1931 gebildet wurden 117

3. Sozialstruktur, Mitgliederzahlen, Organisationsgrad und Wahlerfolge der Nationalsozialisten des Friedrichshains 123
3.1 Sozialstruktur 123
3.2 Mitgliederzahlen 135
3.3 Organisationsgrad und Soziographie 137
3.4 Wahlerfolge 142

4. Die Ereignisgeschichte des Nationalsozialismus in Friedrichshain 151
4.1 Von „Kaisers Geburtstag“ bis zum Ende des Parteiverbotes 151
4.2 Die erste Zeit nach dem Parteiverbot mit dem Fall Kütemeyer als erstem Versuch Goebbels‘, eine Märtyrerlegende aufzubauen 160
4.3 Die erste Phase des „Kampfes um Berlin“ 171
     - Der Beginn des „Kampfes um Berlin“ ab Spätsommer 1929 mit dem Fall Neumann als vorläufigem Höhepunkt und düsteres Vorzeichen 171
     - Der Fall Horst Wessel – der zweite, diesmal erfolgreiche Versuch Goebbels’, eine Märtyrerlegende aufzubauen 175
     - Die Saalschlacht am 21. Januar 1930 im „Schweizergarten“ – die erste schwere Saalschlacht in Friedrichshain 179
     - Der „Hemden- und Hosenkrieg“ 183
     - Der „Ochsensturm“ kommt zu spät – die zweite schwere Saalschlacht in Friedrichshain am 27. Juni 1930 im „Saalbau Friedrichshain“ 185
     - Das Rededuell zwischen Goebbels und Neumann im „Saalbau Friedrichshain“ am 28. Oktober 1930 im Zeichen des Berliner Metallarbeiterstreiks
       vom 14. Oktober 1930 188

     - Der Kampf um die Arbeitsnachweise 199
     - Ein Nazi-Kellner verplappert sich und es hat keinerlei Konsequenzen 200
     - Parteiveranstaltungen des Jahres 1930 202
     - Die Ermordung der Sozialdemokraten und Reichsbanner Herbert Graf und Willy Schneider durch Nationalsozialisten in der Hufelandstraße in

       der Silvesternacht zum 1. Januar 1931 204
4.4 Die Saalschlacht im „Saalbau Friedrichshain“ am 22. Januar 1931, als Höhepunkt der politischen Auseinandersetzungen in Friedrichshain 206
4.5 Die zweite Phase des „Kampfes um Berlin“ 221
     - Die Entstehung eines neuen Brennpunktes im Bezirk durch das Erstarken des Sturmes 34 221
     - Der Stennes-Putsch 231
     - Der Volksentscheid über die Auflösung des Preußischen Landtages am 9. August 1931 237
     - Die „Hib-Aktion“ 239
     - Parteiveranstaltungen des Jahres 1931 240
     - Die „Antimarxistische Aktion“ 243
     - Die neue Taktik der Versammlungssprengungen, darunter die Versammlung des „Untersuchungsausschusses gegen den Hakenkreuzterror“ 254
     - Die Reichspräsidentenwahlen 1932 – der erste Griff Hitlers nach der Macht 261
     - Die Sektionsarbeit neben der „Antimarxistischen Aktion“ 264
     - Die Saalschlacht in den „Andreas-Festsälen“ am 31. Mai 1932 265
     - Der Höhepunkt der reichsweiten politischen Auseinandersetzungen im Sommer 1932 270
     - Die „antireaktionäre“ Propagandaphase der NSDAP nach den gescheiterten Verhandlungen zwischen Hitler und Hindenburg vom 13. August 1932 279
4.6 Die Zeit von der Neuorganisation der NSDAP bis zur Machtübertragung 1933: Die Voraussetzungen für die Machtübernahme werden geschaffen 283
     - Versammlungs- und Propagandaaktivitäten der NSDAP in Friedrichshain nach der reichsweiten Neuorganisation des Spätsommers 1932 283
     - Der „Kampf um die Straße“ ist noch längst nicht entschieden 290
     - Die Reichstagswahlen vom 6. November 1932 – die NSDAP hat ihren Zenit überschritten 300
     - Massenübertritte von der SA zur KPD Ende 1932/Anfang 1933 302
     - Jahreswende 1932/33: Ist die Gefahr einer faschistischen Machtübernahme gebannt? 304
     - Der „Saalbau Friedrichshain“ – längst noch nicht erobert sondern bis zuletzt heiß umkämpft 304
     - Auch der „Frankfurter Hof “ steht nochmal im Brennpunkt der Auseinandersetzungen 313
     - Die NSDAP fordert für Hitler die Macht 315
     - Der 30. Januar 1933 316
     - Der NSBO-Aufmarsch am 26. Februar 1933 319
     - Der Reichstagsbrand 321
     - „Bökers Festsäle“ – „Die letzte Kommune-Hochburg im Osten gestürmt!“ 323
     - Der „Tag der erwachenden Nation“ 324
     - Der Wahlkampf zu den letzten halbwegs freien Wahlen 325

5. Ausblick 329
5.1 Der Nationalsozialistische Bezirksverordnete Krischer im Bezirksamt Friedrichshain 329
5.2 Die „ Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in Friedrichshain 332
5.3 Konsolidierung der Macht auf kommunaler Ebene 340
5.4 Früher Widerstand 345

6. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung 353

Abkürzungs- und Begriffsverzeichnis 371
Quellen- und Literaturverzeichnis 375
A. Archivalische Quellen 375
B. Gedruckte Quellen 377
C. Zeitungen 378
D. Zeitgenössische Literatur 379
E. Literatur 380

Bildnachweis 392
Quellen zur Karte auf dem Innenumschlag 393

Über den Autor 395