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Gerhard Banse (Hg.)

Disziplinäres und Interdisziplinäres. Einblicke und Ausblicke

Festvorträge auf Leibniz-Tagen der Leibniz-Sozietät der
Wissenschaften zu Berlin von 1994 bis 2019

 

2020, [= Abhandlungen der leibniz-Sozietät, Bd. 60], 520 S., ISBN 978-3-86464-211-1, 42,80 EUR

 

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Dieser Band enthält Vorträge, die auf oder zu Leibniz-Tagen der Leibniz-Sozietät seit 1994 gehalten wurden.
Der Leibniz-Tag wurde als öffentlicher Festtag der Preußischen Akademie der Wissenschaften mit dem neuen Statut im Jahr 1812 eingeführt. Er hatte folgende Aufgaben:
- Der Leibniz-Tag ist eine „Erinnerungsfeier“ (Waldeyer 1896, S. 731) und ein „Ehrentag“ (Curtius 1885, S. 613): Es geht um „das Gedächtniss an ihren geistigen Begründer und ersten Praesidenten“  (Waldeyer 1896, S. 731).
- Am Leibniz-Tag werden „die neuen Mitglieder an den Herd des Hauses geführt“ (Curtius 1885, S. 613).
- Der Leibniz-Tag dient „dem Andenken an ihre in der Jahresfolge hingeschiedenen Mitglieder“ (Curtius 1885, S. 613), derer, „welche unserer Gemeinschaft entrissen sind“ (Waldeyer 1896, S. 731).
- Der Leibniz-Tag ist sowohl „ein Tag dankbarer Rückschau“ (Curtius 1885.
S. 613) als auch – oder vor allem – Gelegenheit, darauf zu dringen, „durchzuführen und auszugestalten, was Leibniz vorausschauend entworfen hat“ (Curtius 1885, S. 613).
Bedingt durch die erste Aufgabe wurde der Leibniz-Tag dann jeweils kurz vor oder nach dem 1. Juli jeden Jahres durchgeführt, d.h. in unmittelbare Verbindung mit dem Geburtstag von Gottfried Wilhelm Leibniz am 01. Juli 1646 gebracht.
In seiner Ansprache zur Eröffnung der Öffentlichen Sitzung zur Feier des Leibniz’schen Gedächtnistages am 2. Juli 1885 hebt Ernst Curtius einen weiteren wichtigen Gedanken hervor: „Wir halten auch, je mehr die Arbeit sich theilt, um so entschlossener an der Gemeinsamkeit fest, wie sie uns in der Person unseres Gründers vorbildlich vor Augen steht“ (Curtius 1885, S. 613). Mit anderen Worten: Spezialisierung in der wissenschaftlichen Arbeit erfordert nicht nur den gedanklichen Austausch mit Vertretern anderer wissenschaftlicher Disziplinen, sondern insbesondere das Zusammenführen des durch „getheilte Arbeit“ Erhaltenen in einer Gelehrtengemeinschaft.
Vor allem mit Bezug zur vierten Aufgabe setzte es sich später durch, am Leibniz-Tag einen Festvortrag zu halten, der durch seine Thematik sowohl ein breites wissenschaftliches Spektrum berührt als auch für die Öffentlichkeit von Interesse ist.
Diese Tradition wurde von der Nachfolgeeinrichtung der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem SMAD-Befehl Nr. 187/46 am 1. Juli 1946, dem 300. Geburtstag von Leibniz, eröffnet wurde, fortgesetzt. Diese wurde mit der Akademiereform von 1972 zwar in Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) umbenannt, der Leibniz-Tag als Ehrentag aber blieb. Die Abwicklung der AdW als wissenschaftliche Institution führte 1993 zur Fortführung ihrer Gelehrtengesellschaft auf vereinsrechtlicher Basis in Form der Leibniz-Sozietät (seit 2007 „Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin“). Damit blieb auch der Leibniz-Tag erhalten. Er findet traditionell an dem Donnerstag statt, der dem 1. Juli am nächsten steht. Anlässlich des Geburtstages ihres Namenspatrons werden vor der Öffentlichkeit ein Bericht über Tätigkeit der Leibniz-Sozietät während der vergangenen Sitzungsperiode gegeben, verstorbene Mitglieder gewürdigt, neue Mitglieder vorgestellt – und: ein Festvortrag gehalten.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 wurden auf den Leibniz-Tagen der Leibniz-Sozietät folgende Festvorträge gehalten:


1993 Otto Prokop: Wissenschaft und Okkultismus
1994 Conrad Grau: Gelehrtengesellschaft und Forschungsgemeinschaft. Zur Organisationsgeschichte der Akademien der Wissenschaften in Deutschland im 20. Jahrhundert. Hubert Laitko: Betrachtungen
         zum Problem akademiespezifischer Forschung
1995 Horst Klinkmann: Vom Alles-oder-Nichts zum Möglichen – Perspektiven des künstlichen Organersatzes
1996 Hans Heinz Holz: Leibniz und das commune bonum
1997 Conrad Grau: Akademie – Stadt – Wissenschaft Friedhilde Krause: Von Mathurin Veyssiere de la Croze bis Adolf von Harnack: Mitglieder der Gelehrtensozietät als Leiter der Bibliothek
1998 Elmar Altvater: Die prästabilierte Harmonie, die unsichtbare Hand und die moderne Globalisierung
1999 Friedhart Klix, Karl Lanius: Wege und Irrwege der Menschenartigen
2000 Hubert Laitko: Theoria cum praxi – Anspruch und Wirklichkeit der Akademie
2001 Jürgen Mittelstraß: Krise des Wissens? Über Erosionen des Wissens- und Forschungsbegriffs, Wissen als Ware, Information statt Wissen und drohende Forschungs- und Wissenschaftsverbote
2002 Achim Müller: Chemie und Ästhetik
2003 Werner Ebeling: Selbstorganisation – Zur Entwicklung des Konzeptes und neue Anwendungen
2004 Hans-Joachim Schellnhuber: Erdsystemanalyse und Koevolution
2005 Gisela Jacobasch: Ernährung, Kolitis und Krebsrisiko im Dickdarm
2006 Hermann Klenner: Juristenaufklärung über die Gerechtigkeit
2007 Helmut Moritz: Das Internationale Jahr der Geophysik 1957 und seine Folgen
2008 Hartmut Rudolph: Daniel Ernst Jablonski und Gottfried Wilhelm Leibniz – Kirchen- und akademiegeschichtliche Beobachtungen zur Frühaufklärung
2009 Karl Lanius: Wandel im Weltbild der Physik 2010 Hans-Otto Dill: Kunst im Kontext von Wissenschaft, Technik, Kultur und Kommerz
2011 Sabine Müller: Künstliches Leben – Fluch oder Segen der Synthetischen Biologie
2012 Tom Rapoport: Kompartimentierung und Strukturierung biologischer Zellen
2013 Herbert Hörz: Der schwierige Weg einer traditionsreichen Wissenschafts akademie ins 21. Jahrhundert – 20 Jahre Leibniz-Sozietät
2014 Michael Decker: Autonome Technik – Autonomieverlust des Menschen? – Technikzukünfte in der Diskussion
2015 Abdusalam Abdulkerimovich Guseynov: Die religiös-sittliche Lehre von Leo Tolstoi
2016 Hartmut Hecht: Individualität als Maß aller Dinge
2017 Ali Mehmet Celâl Şengör: Erdbeben-Risiko und Geologie in Europa
2018 Ortwin Renn: Das Risikoparadox: Wie nehmen Menschen Risiken und Gefahren wahr?
2019 Axel Kleidon: Was leistet die Erde und was trägt die Menschheit dazu bei? Antworten aus der Thermodynamik des Erdsystems

Eine beeindruckende inhaltliche Vielfalt. Fachübergreifend und multiperspektivisch werden Ein- und Ausblicke aktueller Forschungen vorgestellt. Behandelt werden Problemstellungen, die Prozesse der(theoretischen) Gewinnung und der (praktischen) Umsetzung einer wachsenden Vielzahl und Vielfalt wissenschaftlicher Erkenntnisse umfassen. Das zielt auf Interdisziplinarität, d.h. auf jene Form wissenschaftlicher Problembearbeitung, bei der erstens die Probleme und Methoden komplexer Forschungsgegenstände oder -bereiche von jeweils unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen formuliert und begründet und zweitens die jeweiligen (Teil-)Erklärungen zu einem ‚ganzheitlichen‘ Verständnis der interessierenden Forschungsgegenstände und –bereiche zusammengeführt werden (vgl. näher Banse/Fleischer 2011). Wissenschaft interdisziplinär zu befördern und interdisziplinäre Diskussionen auf hohem wissenschaftlichem Niveau zu führen ist vornehmstes Anliegen der Leibniz-Sozietät.
Mit dem vorliegenden Band der „Abhandlungen“ werden die Texte dieser Festvorträge aus mehr als 25 Jahren erstmalig gemeinsam publiziert. Dabei wurde – soweit möglich – auf die Erstveröffentlichungen zurückgegriffen. Leider gibt es von den Vorträgen auf den Leibniz-Tagen 1993 (Prokop), 1995 (Klinkmann) und 2004 (Schellnhuber) keine gedruckten Versionen, und von den Vorträgen auf dem Leibniz-Tag 2014 (Decker) und dem Leibniz-Tag 2017 sind nur Präsentationsfolien verfügbar. Damit fehlen diese Vortragstexte leider in diesem Band.
Die vorliegende Publikation versteht sich zugleich als Komplement zu der Zusammenstellung aller Reden der Präsidenten der Leibniz-Sozietät auf den Leibniz-Tagen (vgl. Banse et al. 2018a). Sie ermöglicht so einerseits einen weitergehenden Einblick in das vielfältige Wirken der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften (vgl. auch Banse et al. 2018b), andererseits in den enormen wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs, wenn man die Darlegungen in ihrer Entstehungszeit mit dem Heute vergleicht.


***


Dieser Band wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung vor allem von Herrn Georg B. Kaiser, BMB-BuchManufacturBerlin, der die nicht leichte Arbeit des Konvertierens der ursprünglich zumeist nur als pdf-Dokumente verfügbaren Texte sowie deren erste Bearbeitung übernommen hat. Dafür herzlicher Dank. Der Herausgeber hat die Texte jedoch weitgehend in der ursprünglichen Form gelassen (vor allem hinsichtlich Rechtschreibung, Literaturverweisen und Literaturangaben) und nur wenig „formal“ vereinheitlicht. – Der Dank gilt auch Herrn Dr. Wolfgang Weist, trafo Wissenschaftsverlag Berlin, bei dem die „formale“ Vereinheitlichung und Gestaltung dieses Bandes wiederum in besten Händen lag. Last – but not least – ist der Herausgeber dem Berliner Senat, insbesondere der Abteilung Forschung der Senatskanzlei, zu Dank verpflichtet, denn ohne dessen finanzielle Unterstützung wären die Drucklegung und der Druck dieses Bandes, der einen kleinen Einblick in das inhaltliche Wirken des Leibniz-Sozietät gibt, in der realisierten Art möglich gewesen.


Literatur
Banse, G.; Fleischer, L.-G. (Hg.) (2011): Wissenschaft im Kontext. Inter- und Transdisziplinarität in Theorie und Praxis. Berlin (Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Bd. 27)
Banse, G.; Herrmann, D. B.; Hörz, H. (Hg.) (2018a): 25 Jahre Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. Reden der Präsidenten auf den Leibniz-Tagen 1993-2017. Berlin (Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Bd. 50)
Banse, G.; Küttler, W.; Rothe, H.-J. (Hg.) (2018b): 25 Jahre Leibniz-Sozietät – Vielfalt des wissenschaftlichen Lebens 1993 bis 2018. Beiträge und Materialien. Berlin (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Bd. 137)
Curtius, E. (1885): Ansprache zur Eröffnung der Öffentlichen Sitzung zur Feier des Leibniz’schen Gedächtnistages am 2. Juli 1885. In: Sitzungsberichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 1885/XXXIII, S. 613-619. – URL: https://archive.org/details/sitzungsberichte1885deutsch
Harnack, A. von (1900): Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band – Zweite Hälfte. Berlin. – URL: https://warburg.sas.ac.uk/pdf/nba150b2752334A2.pdf
Waldeyer, W. (1896): Ansprache zur Eröffnung der Öffentlichen Sitzung zur Feier des Leibnizschen Jahrestages am 2. Juli 1896. In: Sitzungsberichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 1896/XXXIII, S. 731-736. – URL: https://archive.org/details/sitzungsb

 

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