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Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Band 141 (2019)


 

Interkulturelle Koedukation in der Berufsbildung. Workshop des Arbeitskreises "Pädagogik" der Leibniz-Sozietät in Kooperation mit dem Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e.V.  und der Sicherheitsakademie Berlin am 06.06.2019 im Schloß Biesdorf



Hrsg. v. Peter Hübner &
Bernd Meier

 

 

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[= Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Bd. 141], 2020, 170 S., ISBN 978-3-86464-177-0, 19,80 EUR

 

Inhaltsverzeichnis

Peter Hübner, Bernd Meier: Einführung  7

Gerhard Banse: Workshop „Kulturelle Koedukation in der Berufsausbildung“ – Eröffnung und Begrüßung      15

Juliane Witt: Grußwort der Bezirksstadträtin im BA Marzahn Hellersdorf 19

 Dorothee Röseberg: Zusammenhalt in Vielfalt: Fragen an die kulturelle Integration 23

 Detlef Schmidt-Ihnen: Vietnamesische Schülerinnen und Schüler an einer Berliner Schule – das Barnim-Gymnasium. Wege der Integration  39

Harun Turan: Interkulturelle Kompetenzen – Umgang mit anderen Kulturkreisen   51

 Ralf Wiechert-Beyerhaus: Angebote für Geflüchtete in der beruflichen Bildung: Willkommensklasse – IBA – Berufsausbildung  63

Hermann Zöllner: Integration geflüchteter Schülerinnen und Schüler in das Berliner Schulsystem  77

Ali Alzeem: Schwierigkeiten und Hilfen auf meinem Weg Deutsch zu lernen 91

 Anna A. Wojciechowicz: Als Lehrkraft in der Schule wieder arbeiten können? – Das Refugee Teachers Program an der Universität Potsdam  97

Niklas Lewin: Kurse für Geflüchtete: Sprache und Kultur mit Orientierung  103

Arno Schelzke: „Migranten in die Mitte nehmen“ – ein beantragtes Ausbildungsprojekt – eingebunden in ein Gesamtkonzept zum Nachteilsausgleich  113

Bernd Meier: Gesprächsrunde zum Erfahrungsaustausch von Beratern, Unterstützern, Betrieben und Firmen sowie mit Betroffenen zu wirksamen Hilfen und Hemmnissen in der Praxis   133

Peter Hübner: Schlussfolgerungen 141

 Gisela Jacobasch: Bienensterben – Ursachen und Folgen 143

 Autorinnen und Autoren 169


Peter Hübner, Bernd Meier

Einführung

Der vorliegende Band der „Sitzungsberichte“ enthält Beiträge des Workshops zum Thema Interkulturelle Koedukation in der Berufsausbildung, den

der Arbeitskreis „Pädagogik“ der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften am 06. Juni 2019 in enger Kooperation mit dem Unternehmerverband Branden-

burg-Berlin e.V. und der Sicherheitsakademie Berlin durchführte. Die Veranstaltung wurde durch die beteiligten Institutionen inhaltlich unterstützt

und durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung finanziell gefördert. Das Schloss Biesdorf bot der Veranstaltung einen überaus würdigen Rahmen.

Das Tagungsthema sollte zur Auseinandersetzung mit den Problemkreisen „Flucht und Migration – Integration und Bildung“ anregen. Gewöhnlich

wird der Begriff Koedukation für die heute inzwischen selbstverständliche gemeinsame Bildung von Jungen und Mädchen. gebraucht. „Interkulturelle

Koedukation“ sollte die Hoffnung auf eine ebenso selbstverständliche gemeinsame Bildung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen bzw. ver-

schiedenen ethnischen Herkünften in Deutschland zum Ausdruck bringen.

Der Präsident der Leibniz-Sozietät, Professor Dr. Prof. e.h. Gerhard Banse, ordnet in seinem Beitrag aus der Eröffnungsrede den Workshop in

die verschiedenen Aktivitäten der Sozietät ein. Insbesondere verweist er auf die Jahrestagung 2017 der Sozietät, die bereits der Thematik Migration und

Interkulturalität gewidmet war. Hieran solle der Workshop anknüpfen und auf der Basis theoretischer Grundpositionen und differenzierter Erfahrungs-

berichte dazu beitragen, sachgerechte Strategien bei der kulturellen und sozialen Integration von Migranten und Geflüchteten zu entwickeln. Dazu war

vorgesehen, im gemeinsamen Bildungsbereich der allgemeinbildenden und der berufsbildenden Institutionen über spezielle geeignete Handlungsvoll-

züge zu diskutieren, die sich mindestens als „zielannähernd“ erweisen. Koedukation kennzeichnet der Präsident Gerhard Banse als einen emanzipato-

rischen Prozess, der auf Gleichberechtigung und somit auf gleichwertige Teilhabe an den gesellschaftlichen Prozessen zielt.

In seinem Statement konnte der Präsident auch darauf hinweisen, dass zu der Jahrestagung 2017 inzwischen eine umfangreiche Tagungsdokumentation,

 erschienen ist. Diese Veröffentlichung wurde von der Sekretarin der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften, Kerstin Störl, im Peter Lang Wissen-

schaftsverlag unter dem Titel „Migration und Interkulturalität: Theorien – Methoden – Praxisbezüge“ herausgegeben.

Der Band – auf den Gerhard Banse wegen der inhaltlichen Korrespondenz zu der nunmehr aktuell durchgeführten Folgeveranstaltung hingewie-

sen hat, enthält historische, philosophische, kulturwissenschaftliche, psychologische, linguistische und kommunikationswissenschaftliche Studien, die

das aktuelle Migrationsphänomen und die damit im Zusammenhang stehenden interkulturellen Kontaktsituationen interdisziplinär und anhand empiri-

scher Daten sachgerecht beleuchten. Ziel ist es, auf diesem Wege die wissenschaftlichen Diskussionen anzuregen, sowie Praxisvertretern fundierte

Argumente anzubieten, um sich mit Missverständnissen in der Bevölkerung konstruktiv auseinandersetzen zu können. Auch Lösungsmöglichkeiten waren

aufzuzeigen, um gegenseitigen Respekt voreinander und miteinander zu fördern und zu unterstützen.

 

Der Band beinhaltet unter anderem folgende Kapitel:

• Die aktuelle „Flüchtlingskrise“ – ihre Reflexion in Politik und Gesellschaft,

• Gewaltmigration und das „Fremde“ – historische, sozial- und kulturwissenschaftliche Studien,

• Migration und Integration – psychologische, linguistische und kommunikationswissenschaftliche Aspekte.

Insgesamt lieferte diese kurz vor der aktuellen Veranstaltung erschienene Publikation mit den Ergebnissen der Jahrestagung 2017 eine gute Grundle-

gung für das aktuell neu akzentuierte Thema der Interkulturellen Begegnungen.

Nach der Eröffnungsrede des Präsidenten der Leibniz-Sozietät überbrachte Frau Bezirksstadträtin Juliane Witt für das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf

 im Rahmen eines Grußwortes ihre guten Wünsche zum Erfolg des Workshops. Sie betont in ihrem Beitrag die herausragende Bedeutung der Thematik

und begrüßt die Kooperation mit der Leibniz-Sozietät. Zur Fortführung der Zusammenarbeit empfiehlt sie die Durchführung von weiteren Veranstaltungen

 im Schloss Biesdorf.

Der in dieser Tagungsdokumentation veröffentlichte Beitrag Zusammenhalt in Vielfalt: Fragen an die kulturelle Integration von Frau Professorin

Dr. Dorothee Röseberg, Vizepräsidentin der Leibniz-Sozietät, bildet die prägnante wissenschaftliche Einführung in den Workshop. Ausgangpunkt der

Darlegungen sind die 15 Thesen zu kultureller Integration und Zusammenhalt, die vom Deutschen Kulturrat in Zusammenarbeit mit einem breiten

Bündnis aus Zivilgesellschaft, Kirchen, Sozialpartnern, Bund und Ländern etc. im Jahre 2017 verfasst worden waren. Diese Impulse sollten eigentlich

zu einer breiten Diskussion aufrufen, die jedoch bislang – nach Meinung der Autorin – leider weitgehend ausgeblieben ist. Zusammenhalt in Vielfalt,

dieses Motto wirft spezifische interkulturelle Fragestellungen auf. Dorothee Röseberg geht mit ihren Ausführungen insbesondere solchen Fragen nach,

wie z.B.:

• Wer soll wohin integriert werden?

• Welche Werte sind nicht verhandelbar?

• Welche Herausforderungen bringen Begegnungen mit dem „Anderen“ und dem „Fremden“ mit sich?

• Was bedeutet es, wenn wir von einer transkulturellen Gesellschaft sprechen?

In ihrem schriftlichen Beitrag positioniert sich die Autorin einerseits zur Frage „Was heißt gelingende kulturelle Integration?“ Sie gibt andererseits

weiterführend fundierte Einblicke in die aktuelle Interkulturalitätsforschung, um sich schließlich dem Konstrukt „Interkulturelle Kompetenz“ zuzuwen-

den. Vor dem Hintergrund von grundsätzlichen Fragen an die Integration und ihre theoretische Grundlegung formuliert Dorothee Röseberg konse-

quent auch einige Herausforderungen an interkulturelle Bildungsprozesse und regt so zum weiteren Nachdenken und zur Diskussion an.

Detlef Schmidt-Ihnen, Oberstudiendirektor im Ruhestand und ehemaliger Leiter des Barnim-Gymnasium in Berlin-Lichtenberg, berichtet in seinem

Beitrag Vietnamesische Schülerinnen und Schüler an einer Berliner Schule – das Barnim-Gymnasium. Wege der Integration über seine langjährigen

Erfahrungen bei der erfolgreichen Integration vietnamesischer Schülerinnen und Schüler an seiner Schule. Dabei helfen einführend ein kurzer Rückblick

in die Geschichte des Barnim-Gymnasiums sowie ein Einblick in das Schulprogramm. Fakten zur Zusammensetzung der Schülerschaft nach Herkunfts-

ländern illustrieren die konkrete Situation an dieser Schule. Darüber hinaus benennt der Beitrag konkrete Probleme, die sich aus der Zusammensetzung

der Schülerschaft ergeben. Schmidt-Ihnen zeigt in seinem Erfahrungsbericht weiterhin auf, wie er im guten Einvernehmen mit seinem Kollegium schritt-

weise eine unterstützende Infrastruktur aufgebaut hat. Für die Schülerinnen und Schüler und auch für deren Eltern mit deutlich entwicklungsbedürftigen

deutschen Sprachkenntnissen konnten tragfähige interkulturelle Bausteine angeboten werden. Von zentraler Bedeutung war dabei offensichtlich die

zweisprachig kompetente vietnamesische Sozialarbeiterin Frau Thuy Luong, die vor allem die vietnamesischen Erziehungsberechtigten zu aktiver Mit-

wirkung am Geschehen in der Schule motivieren konnte. Konkreter Ausdruck der gelungenen interkulturellen Koedukation ist eine innerschulische

Arbeitsgemeinschaft für vietnamesische Sprache und Kultur, an der auch deutsche Mitschüler aktiv beteiligt sind. Dass der Autor über Schulpartner-

schaft zwischen dem Barnim-Gymnasium und einer Partnerschule in Vietnam berichtet, ist in diesem Sinne fast selbstverständlich aber in der Quali-

tät ausgesprochen beeindruckend.

Herr Harun Turan, Sicherheitsakademie Berlin, eröffnet mit seinem Beitrag zum Thema Interkulturelle Kompetenzen – Umgang mit anderen Kulturkreisen

 ein weiteres Handlungsfeld der interkulturellen Koedukation.

Er betont, dass interkulturelle Kompetenzen für eine erfolgreiche Betriebsführung bei den zunehmend gemischten Personalbeständen mit unterschied-

lichem kulturellem Hintergrund sehr wichtig sind. In diesem Kontext akzentuiert er unter anderem das Handeln und Kommunizieren im interkulturellen

Kontext, das Sensibilisieren für Stereotype und Vorurteile sowie die Bedeutung von Selbstreflexion als wesentliche Verhaltenskomponenten im Pro-

zess der Entwicklung von interkultureller Kompetenz. Schließlich bezeichnet er interkulturelle Handlungskompetenz als ein ganzheitliches Zusammenspiel

 vielfältiger Faktoren. Empathie und Zuwendungsbereitschaft, aber auch Konsequenz bei notwendigen Regelvorgaben sind Kriterien für klare Linienführung

 bei der personellen Kooperation. Inhaltlich ergaben sich somit durchaus Entsprechungen zu den Ausführungen von Dorothee Röseberg.

Im Hauptberuf ist Herr Turan, der selbst aus einer Familie mit Migrationserfahrung stammt, Mitarbeiter der Berliner Polizei. Gerade bei der

Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung ist es wichtig, mit Personen anderen kulturellen Ursprungs zunächst sensibel und zugleich orientierungsgebend

zu handeln. Bei Bedarf sind aber auch Grenzwerte zu beachten und gegebenenfalls durchzusetzen.

Einen Einblick in bildungspolitische Positionen und Handlungsfelder der Willkommenskultur bietet der Beitrag von Oberschulrat Ralf Wiechert-Beyerhaus

 von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin. Er vermittelt einen strukturierten Überblick über die große Palette der Angebote für

 Geflüchtete zu deren beruflicher Qualifikation. Der Autor betont die gewaltigen Herausforderungen, die die Bildungsverwaltung in Berlin seit 2015

 bewältigen musste. Er kennzeichnet Integration und Förderung als verpflichtende und verbundene Aufgaben, die z.B. auch nach einem Übergang von der

 Willkommensklasse in die Regelklasse von entscheidender Bedeutung für eine gelingende Integration bestehen bleiben. Deutlich wurde nach seiner

 Erfahrung, dass es permanente Situationsanalysen sind, die die Basis für eine effektive konzeptionelle Weiterentwicklung im Bildungsbereich

 ermöglichen. Strukturierte Beobachtungen und systematische Datenerhebungen waren Grundlagen für die Entwicklung der neu konzipierten „Integrierten

 Berufsausbildungsvorbereitung (IBA)“. Der Erfolg dieses Ansatzes mit erhöhten Praktikumsanteilen hat die einfacher strukturierten Berufsqualifizierenden

 Lehrgänge (BQL) inzwischen weitgehend reduziert.

Damit ist ein Verfahren der effizienzorientierten Anpassung von Bildungsangeboten etabliert worden, das sich aktuell in einer flexiblen Weiterentwicklung

 befindet. Ralf Wiechert-Beyerhaus akzentuiert darüber hinaus vor allem die Rolle von Schulversuchen zur Entwicklung von Innovationen im Bildungswesen

 und zeigt den Weg vom Schulversuch zum Regelbildungsgang auf. Abschließend geht der Autor auch auf die besonderen Möglichkeiten der beruflichen

 Integration an Oberstufenzentren (OSZ) ein und gibt einen Überblick über die nunmehr erfolgreich implementierte Integrierte

Berufsausbildungsvorbereitung (IBA) an den OSZ-Standorten in Berlin.

Hermann Zöllner, Schulrat im Ruhestand, der in den letzten Jahren durch seinen Deutschunterricht in Willkommensklassen und seine individuelle

Bildungsberatung für Geflüchtete vielfältige Erfahrungen sammeln konnte, widmete sich in seinem Beitrag den immer noch vorhandenen Hürden für

jugendliche Geflüchtete bei der Gestaltung ihrer Bildungslaufbahn. Er benennt nicht nur vier Hürden, an denen viele Jugendlichen scheitern oder die

ihrem Bildungsweg eine nicht-intendierte Richtung gehen können, sondern unterbreitet auch sehr konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation.

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es offensichtlich noch keine Verbindlichkeit der Maßnahmen gibt, die die schulische Integration neu

Hinzugezogener unumkehrbar machen und ihnen eine konfliktfreie Emanzipation ermöglichen. Der Anspruch auf Inklusion wird noch nicht in erwünschtem

Maße umgesetzt.

Der konstruktiv-kritische Beitrag von Hermann Zöllner wird durch einen von ihm betreuten syrischen Flüchtling anschaulich illustriert. Ali Alzeem

berichtet über Schwierigkeiten und Hilfen, auf seinem Weg Deutsch zu lernen und schildert seine problematische Startsituation. Seine Ausführungen

mit differenziertem Bezug auf die Erfahrungen in Willkommens- und Regelklassen gibt einen guten Einblick in die emotionalen und motivationalen

Befindlichkeiten von Jugendlichen aus seiner eigenen Zielgruppe. Besonders 12 Peter Hübner, Bernd Meier würdigt Ali Alzeem abschließend aus eigenen

 Erfahrungen die positiven Lerneffekte im Spracherwerb, die sich aus Praktika und Projekten ergeben.

Mit ihrem Beitrag zum Thema „Als Lehrkraft in der Schule wieder arbeiten können? – Das Refugee Teachers Program an der Universität Potsdam“

 beschreibt Frau Dr. Anna Aleksandra Wojciechowicz ein spezielles Verfahren der Lehrerbildung im Rahmen der Suche nach alternativen Lösungen.

In groben Zügen stellt sie ein innovatives Qualifizierungsprogramm an der Universität Potsdam vor, in dem seit März 2016 berufserfahrene ausländische

 Lehrkräfte mit Fluchthintergrund auf ihren Einsatz als pädagogische Fachkraft an Brandenburger Schulen vorbereitet werden. Auf der Grundlage

von Ergebnissen qualitativer Begleitforschung werden sowohl die Chancen als auch die Hindernisse des Projektes herausgearbeitet. Klar wird, dass die

Lehrkräfte-Ausbildung unter dem Aspekt der migrationsgesellschaftlichen Pluralität langfristig neu gedacht und gestaltet werden muss.

Niklas Lewin, Lehrkraft in einem Sprachförderungsprojekt in Leipzig, stellt in seinem Erfahrungsbericht „Kurse für Geflüchtete: Sprache und Kultur mit

 Orientierung“ an exemplarischen Beispielen vor, wie er in derartigen Kursen für Geflüchtete Sprache und Kultur mit Orientierung vermittelt. Dabei

 methodische Offenheit zuzulassen und sich auch noch eigener schwieriger Schulerfahrungen zu erinnern, das sind Leitlinien seines interkulturell

 konzipierten Unterrichts, der stets die divergenten Kulturen zu berücksichtigen hat. Ein Gedicht zu den umfangreichen Strukturen unserer gegliederten

 deutschen Amtskultur bietet einen originellen Abschluss seines Beitrages.

Der Beitrag der privaten Berufsfachschule der Stiftung „Arbeit, Schule, Integrations-Gesellschaft (ASIG)“ widerspiegelt nicht nur Erfahrungen, sondern

 darüber hinaus gehende grundlegende konzeptionelle Gedanken.

Die schwierige Ausgangslage der Wirtschaft mit dem sich abzeichnenden Mangel an Fachkräften und mit dem erheblichen Rückgang von geeigneten

Schulabgängern in Ausbildungsberufen bietet einen ersten aktuellen Überblick zu den Problemen der Gegenwart in den Bereichen von Handwerk und

Dienstleistung.

Es wird über Maßnahmen zur besseren Vorbereitung auf Ausbildungsberufe durch strukturierte Betriebspraktika und vor allem durch Schülerfirmen

 berichtet. In der Mangelsituation ist es eine unabweisbare Aufgabe, auch noch nicht berufsreife Jugendliche fit zu machen für zukunftsstabilisierende

 berufliche Qualifikationen Der Autor dieses Beitrages Arno Schelzke, Geschäftsführer bei ASIG Berlin, greift die Workshop-Präsentation seiner

Mitarbeiter in der ASIG-Ausbildung „Fachkraft im Gastgewerbe“ Maximilian Adams und Sebastian Hardt auf und erläutert das generelle Bildungskonzept

 des privaten Schulträgers. Erfahrungen mit Azubis aus bildungsfernen Familien und aus Herkunftsfamilien mit Migrationshintergrund liegen bei diesem

 Bildungsträger schon seit über zehn Jahren vor. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal dieser Bildungsinstitution ist das Angebot einer dualen

 Ausbildung mit „Risiko-Minderung eines möglichen Abbruchs“. Der Ausbildungsvertrag wird mit Zustimmung der IHK mit dem Bildungsträger geschlossen.

 Wie im dualen System üblich, wird die Theorie im Berufsschulunterricht – hier des Trägers – vermittelt. Die Praxis wird in speziell ausgewählten

 Kooperationsbetrieben erworben. Wenn es zu Unstimmigkeiten zwischen Azubi und Betrieb kommt, platzt nicht gleich der Ausbildungsvertrag. Durch

 diese Konstruktion ist die Möglichkeit gegeben, ohne Auflösung eines sonst stets abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsvertrages den Praxisbetrieb

 zu wechseln und eine gute Passung zwischen Firma und Lehrling neu zu gestalten. Ein zweites wesentliches Merkmal ist das „peer-group-team“, bei dem

 die Zusammenarbeit der Jugendlichen untereinander verstärkt wird und zu einer Art „Perpetuum mobile“ der Ausbildung werden könnte. Dazu liegt unter

 dem Titel „Migranten in die Mitte nehmen“ ein Förderantrag vor, über den immer noch nicht abschließend entschieden wurde.

Die Leibniz-Sozietät unterstützt diesen Antrag und würde diesen Schulversuch gegebenenfalls auch fachlich begleiten. In der Perspektive nimmt der

Bildungsträger das Problem des Fachkräftemangels noch einmal generell auf. Er akzentuiert die Möglichkeiten, interessierte Jugendliche aus dem

europäischen Ausland für das hoch geschätzte deutsche Erfolgsmodell der Dualen Ausbildung zu gewinnen.

Den Abschluss dieser Tagungsdokumentation bilden konkrete Erfahrungsberichte aus einer Gesprächsrunde von Beratern, Unterstützern,

Verantwortlichen aus verschiedenen Unternehmen der Region sowie Stellungnahmen von Betroffenen. Angestrebt wurden im gemeinsamen

Erfahrungsaustausch aufschlussreiche Berichte zu wirksamen Hilfen. Es war aber auch ausdrücklich vorgesehen, Problembereiche und Hemmnisse aus

der Praxis zu identifizieren, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dieses Format wurde moderiert durch Detlef Lechler von Unternehmerverband

 Brandenburg-Berlin. Im Auftrag dieser Organisation akzentuierte Detlef Lechler das Interesse dieses Wirtschaftsverbandes an konstruktiven Lösungen

für die notwendige Qualifikation von künftigen Auszubildenden.

Vier Erfahrungsberichte geben Einblick in die Arbeit von Feien Trägern in Bezug auf Interkulturelle Edukation. Es sind dies die Beiträge von Frau Irena

 Büttner, Frau Karoline Kromm, Frau Bärbel Kressin-Thielmeier und Herrn Dirk Rumpza.

Es entstand ein komplexes Bild vielfältiger Unterstützungsmaßnahmen engagierter Helfer und sozialpädagogischer Organisationen mit Wirkungseffekten

 für die betroffenen Personengruppen aber auch mit Stützmaßnahmen für Firmen und Betriebe.

Die Gesprächsrunde sprach ebenfalls verstärkt den erkennbaren zukünftigen Fachkräftemangel an und fokussierte das abnehmende Interesse deutscher

 Schulabgänger für die duale Berufsausbildung. Herausgearbeitet wurde die Notwendigkeit der Suche nach sachgerechten – auch interkulturellen –

Lösungen. Die durch Fluchtbewegungen hinzugekommenen Personen wurden insofern durchaus als willkommene Unterstützung der Nachwuchsgeneration

 bewertet.

In seinem Schlusswort betont Peter Hübner, Mitglied des o.g. Arbeitskreises „Pädagogik“ und Geschäftsführer der Stiftung der Freunde der Leibniz-

Sozietät, dass der Workshop einen guten Überblick zu Grundlagen und Maßnahmen der interkulturellen Koedukation bereitstellen konnte.

Er unterstrich, dass die Beiträge der Referenten und der Teilnehmer sehr sensibel und problembewusst gestaltet waren. Es zeigten sich aktiv gelebte

Ansätze, die durch effektive Netzwerkstrukturen weiter wirksam werden können. Die präsentierten erfolgreichen Maßnahmen eignen sich gut zu

intensiveren Anwendungen. Mit dem Tagungsbericht sollen die Möglichkeiten erweitert werden, die erwünschte „Zusammenarbeit in Vielfalt“ und die

Verbindung von Theorie und Praxis im traditionellen Sinne der Leibniz-Stiftung erfolgreich anzuwenden.

Der vorgelegte Sitzungsbericht zum Workshop wird ergänzt durch einen Fachbeitrag von Gisela Jacobasch (MLS) zum Thema „Bienensterben –

Ursachen und Folgen“. Der Beitrag wurde erstmals in der Internetzeitung des Leibniz-Sozietät (Leibniz Online, Nr. 37/2019) veröffentlicht. Wegen der

besonderen Bedeutung der angesprochenen Thematik hat sich aus dem Kreis der Mitglieder der Wunsch nach einer gedruckten Version dieses Artikels

 ergeben. Diesem Anliegen wird mit der Aufnahme des Beitrages in diesen Sitzungsbericht nunmehr Rechnung getragen.