Oberkofler, Gerhard


 

Geben befreiungstheologische Positionen von Papst Franziskus zur Hoffnung Anlass?

 

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[=Hochschulschriften, Bd. 53], 2018, 55 S., 978-3-86464-174-9, 6,80 EUR

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Inhalt

1.    Eine persönliche Vorbemerkung        9

2.    Was kann eine Namensgebung aussagen?       13

3.    Aus der zeitnahen Geschichte des Jesuitenordens     15

4.    Mit „breit gefächerter Position“ in Distanz zur Theologie der Befreiung       25

5.    An der Spitze der argentinischen Kirche – an der Seite der römischen Kurie       33

6.    „Kirche der Armen“ als päpstliches Manifest. Einige Gegner      37

 

Namensregister                                 51

Über den Autor                                  55

 

Eine persönliche Vorbemerkung

Das Thema handelt, weil Papst Franziskus Jesuit ist, notwendigerweise viel vom Jesuitenorden. Deren Welt ist der Autor seit seiner Kindheit immer wieder begegnet. Seine ihm unbekannt gebliebene Großmutter mütterlicherseits ist laut offiziellem Totenschein 1943 in der Sakristei der Innsbrucker Jesuitenkirche verstorben – nach einer Vorladung zur Innsbrucker Gestapo, bei der sie als Witwe und Betreiberin eines kleinen Gasthofes ein paar Schritte entfernt sowohl von der Jesuitenkirche wie von der Kaserne über eventuelle Gespräche von Soldaten untereinander über Erschießungen Auskunft geben sollte. In dieser Jesuitenkirche habe ich erste Maiandachten erlebt und als zehnjähriger Bub der Jungschar der unter Leitung von Jesuiten stehenden Marianischen Kongregation ministriert. Meine Mutter hat das in Innsbruck für das „einfache Volk“ produzierte mariologische Jesuitenorgan „Der Sendbote des Herzens Jesu“ nicht nur abonniert, sondern versucht, dieses zu verbreiten. An acht Sommerlagern der Innsbrucker Marianischen Kongregation mit ihrem Präses P. Franz Xaver Grimeisen SJ und seinen Fratres habe ich teilgenommen. Unvergessen sind mir der in der Abendsonne um eine aufgezogene Marienfahne gebildete Kreis mit den Rosenkranzgebeten für den Sieg Marias über das Böse und über den Bolschewismus. Der Präses der Marianischen Kongregation hat mich nach dem letzten Sommerlager auf einen langen Spaziergang mitgenommen und freundlich eingeladen, es doch als Novize zu versuchen. Dazu ist es nicht gekommen, nicht weil ich das rational abgelehnt hätte, sondern weil ich als 17jähriger Maturant völlig überfordert war. Nirgends war in diesem Milieu ein Missbrauch sichtbar oder denkbar, ich habe alles ohne Trauma in guter Erinnerung. Seit dem WS 1959/60 bin ich als Student der Geschichte an der philosophischen Fakultät in Innsbruck täglich an der von meiner Unterkunft nur ein paar Schritte entfernten Jesuitenkirche samt Kolleg mit dem IHS über dem Eingangsportal vorbeigegangen. Die an der Innsbrucker theologischen Fakultät in Ausbildung stehenden Jesuitennovizen aus den iberoamerikanischen Ländern waren in der kleinen Innsbrucker Studentenwelt als sehr gute Fußballer bekannt, sonst wusste man von ihrer Parallelwelt gar nichts. Beiden Fakultäten gemeinsam war die Brandmauer zum Marxismus. 1969 wurde ich wegen einer von mir veröffentlichten, als antiklerikal zu lesenden Kritik am Papsthistoriker Ludwig von Pastor zum Kirchenhistoriker der Innsbrucker Jesuitenfakultät Ferdinand Maaß SJ gerufen. Er teilte mir in Kenntnis meiner Vergangenheit mit, wenn ich an der Universität bleiben möchte, müsste ich meine Kritik an Pastor widerrufen. 1970 hat mich der meiner Mutter nahestehende Pater Emil Kettner SJ in der Innsbrucker Jesuitenkirche im kleinstmöglichen Rahmen, also mit zwei Trauzeugen, kirchlich verheiratet. Meine Partnerin und Genossin, damals noch katholisch, wollte das, ich war schon aus der Kirche ausgetreten, das war aber kein Hindernis, weil ich nach der Definition des prominenten Theologen Karl Rahner SJ als „Getaufter“ für die Kirche ohnehin als „Kryptokatholik“ gelten konnte. Zu Anfang der 1970er Jahre habe ich den seit den 1940er Jahren wegen marxistischer Abweichungen von der katholischen Soziallehre in einem dunklen Wohn- / Schlafzimmer in Wien im offenen Strafvollzug der Kirche als Priester lebenden früheren Jesuiten und Professor der Moraltheologie Johannes Kleinhappl besucht. Dieser alte Priester im schwarzen Talar und mit weißem Kollar, den ich dann noch öfters besucht habe, hat mir, der ich auf dem Weg Kommunist zu werden war, mit leuchtenden Augen wörtlich ans Herz gelegt: Marx lesen, Marx lesen!

Im November 1989 sind in San Salvador zwei Jesuiten ermordet worden, die in Innsbruck ihr Theologiestudium absolviert haben. Seither befasse ich mich bald mehr, bald weniger mit dem Verhältnis von Marxismus und Befreiungstheologie. Ein von einem Wiener Jesuiten 2009 in Wien unter dem Titel „Versöhnung“ organisiertes Gedenken an Johannes Kleinhappl, zu dem ich als Referent eingeladen worden bin, hat diese wissenschaftliche Orientierung weiter stimuliert. Als tragendes Fundament hinzugekommen ist meine Beschäftigung mit dem herausragenden Schweizer Marxisten Konrad Farner, dem in den späten 1960er Jahren Schweizer Jesuiten vielleicht mehr zugehört haben als seine Parteigenossen. Seine marxistische Einschätzung der chinesischen Kulturrevolution wurde 1971 von der schwedischen Jesuitenzeitschrift „Credo“ veröffentlicht. Bei der Vorstellung meiner Johannes Kleinhappl gewidmeten Biographie über Farner im Zürcher Volkshaus 2016 waren Zürcher Jesuiten anwesend.

In Ermangelung spanischer Sprachkenntnisse war es mir nicht möglich, Originalliteratur der Befreiungstheologie aus Lateinamerika zu lesen. Es gibt aber doch einen sehr guten, von engagierten Verlagen und Übersetzern ermöglichten Zugang zu dieser Literatur in deutscher Sprache. Beispielhaft ist da zweibändige, von Ignacio Ellacuría und Jon Sobrino herausgegebene Werk „Mysterium Liberationis. Grundbegriffe der Theologie der Befreiung“ im Exodus Verlag Luzern (1990 und 1995) in der Übersetzung aus dem Spanischen von Norbert Arntz, Victoria M. Drasen-Segbers, Kuno Füssel, Michael Lauble und Anton Peter genannt

Gewidmet ist das Buch zur Erinnerung an die vergessene lateinamerikanische Befreiungskämpferin Tania. Ihre Biographie ist 1970 in Havanna erschienen, die Übersetzung aus dem Spanischen hat Nadja Bunke für den Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik besorgt (Berlin 1973, 5. A. 1982).