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Meier, Bernd (Hrsg.)
Unser Bildungsverständnis im Wandel
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2018, [= Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Bd. 53], 544 S., ISBN 978-3-86464-171-8, 49,80 EUR lieferbar
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7
Grundlegendes 13
Philosophische Fragen des Bildungsbegriffs – eine Skizze 15 Gerhard Banse
Viktor Jakupec
Zum Verständnis der inklusiven Bildung 59 Peter Hübner
Vom Schonraum zum Lobbyparkett –
oder: Die Einflussnahme auf Tim Engartner, Balasundaram Krisanthan
Domänenspezifisches 103
Frühkindliche Bildung im Wandel 105 Dietmar Sturzbecher, Julia Schmidt, Bianca Bredow, Carolin Zimmermann, Odette Friebel
Allgemeinbildung aus LER-Perspektive 147 Marie-Luise Raters
Bildung, Berufswahlbereitschaft, Laufbahngestaltung 179 Annette Hoxtell
Vera Kirchner Allgemeinbildung im Kontext von Industrie 4.0 und Digitalisierung 211 Bernd Meier
Zum Bildungsverständnis im Konzept
der Nachhaltigkeit – Eine Majken Bieniok, Carsten Hinz
Aus- und Weiterbildung 265
Zum Bildungsanspruch und -verständnis in praktischer und theore- tischer Berufspädagogik 267 Volkmar Herkner, Dieter Hölterhoff
Zum Bildungsverständnis in ausgewählten Modellen der Lehrer- bildung – Historisch-systematische Betrachtungen im gesell- schaftlichen Wandel 307 Frank Tosch
Lehrerbildung im Potsdamer Modell 347 Bernd Meier
Wandel des Bildungsverständnisses in der Weiterbildung – Agile Kompetenzentwicklung im Prozess der Arbeit und im Netz 367 John Erpenbeck, Werner Sauter
Internationales 413
aktuellen Entwicklungen ausgewählter Länder der Transformation 415 Cástor David Mora, Rolf Oberliesen
Zum Bildungsverständnis und zur Curriculumreform in Vietnam 463 Nguyen Van Cuong
Contextualising Teacher Education in Australia 479 Bernadette Walker-Gibbs
Das Bildungsverständnis von Menschen mit arabischem oder türkischem Migrationshintergrund im Wandel 505 Safyah Hassan-Yavuz, Björn Egbert
Autorenverzeichnis 535
Vorwort Bildung ist ein prachlich, kulturell und historisch bedingter Begriff mit einem sehr komplexen Begriffsinhalt und -umfang. Bildung ist ein Konstrukt, das unstrittig zu den Grundrechten der Menschen gehört und nur in Relation zum unmittelbaren Umfeld bewertet und gesehen werden kann (vgl. Klenner 2017, S. 15ff.; Banse/Meier 2013, S. 421). Im Hinblick auf Begriff und Inhalt von Bildung erinnert Hartmut v. Hentig daran: „Die Grundfunktion des Begriffes ist, die Identität des Bezeichneten zu sichern. Mit anderen Worten: Bildung bleibt Bildung – sofern es um den Begriff geht. Was sich ändert, sind die Definitionen, die wir vornehmen. Definitionen aber schaffen den Inhalt nicht, den wir denken sollen, sie grenzen ihn ein oder von anderem ab („fines“).“ (Hentig 2008, S. 13) Wir sprechen im vorliegenden Band vom Bildungsverständnis, das sich wandelt, da es vom kulturellen und zeitgeschichtlichen Kontext abhängt. Es gibt offenbar kein einheitliches Verständnis darüber, was Bildung umfasst. Wissen, Intellektualität, Selbstbestimmung, Mündigkeit, Emanzipation und Kultiviertheit stehen für Bildung – darin verankert spielen Individualität und Persönlichkeit eine bedeutende Rolle. Wenn wir allerdings mit dem Titel des Buches „unser“ Bildungsverständnis betonen, dann deshalb, weil die Autorinnen und Autoren von weitgehend einheitlichen Grundpositionen in ihrem Bildungsverständnis ausgehen. Das betrifft in erster Linie unser Verständnis von Bildung als Menschenrecht und das im Bildungsdenken enthaltene Menschenbild. Es lebt von der Idee eines mit umfassendem Wissen, vielfältigen Kompetenzen und verbindlichen Werten ausgestatteten Menschen, der sämtliche in ihm angelegten Fähigkeiten bei sich selbst ausbildet und sie für eine über die eigenen sozialen Milieugrenzen hinausreichende Lebensführung nutzt, die der Allgemeinheit dient (vgl. Groothoff 1986).
Diese Abhandlungen gliedern sich in vier Kapitel.
Das erste Kapitel trägt einen eher Grundpositionen sichernden Charakter. Da die philosophische Tradition eine Reihe von Positionen und Theorien zum Verständnis über Bildung hervorgebracht hat, widmet sich der Philosoph Gerhard Banse philosophischen Fragen der Bildung. Diese geben dem Band auch den Rahmen. Eine aktuell-gesellschaftskritische Perspektive nimmt der australische Bildungsforscher Viktor Jakupec ein, der sich der Analyse der neoliberalen und national-populistischen Bildungsagenda widmet. Ein ebenfalls aktuell strittiges Problem der Bildungspolitik greift der Leitende Oberschulrat a.a.D. Peter Hübner mit Positionen zum Anspruch von „Inklusion als Bildung für alle“ auf. Die Didaktiker der Sozialwissenschaften Tim Engartner und Balasundaram Krisanthan runden das einführende Kapitel ab, indem sie aufzeigen, wie Unternehmen, Stiftungen und Interessenverbände zunehmend Einfluss auf Bildungsprozesse in allgemeinbildenden Schulen nehmen.
Im zweiten Kapitel wird von den Autorinnen und Autoren eine domänenspezifische, vorwiegend elementarpädagogische und bildungssoziologische Perspektive eingenommen. Die Kindheits- und Jugendforscherinnen Bianca Bredow, Odette Friebel, Julia Schmidt und Carolin Zimmermann sowie ihr Forschungsgruppenleiter Dietmar Sturzbecher zeigen in einem historisch-genetisch angelegten Beitrag auf, wie sich das Bild des Kindes und die Anforderungen an die Kindertagesbetreuung in der Vergangenheit stetig weiterentwickelt haben. Zugleich werden aktuelle Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung beleuchtet, welche die Grundlage für eine kindorientierte Entwicklungsförderung darstellen. Dem jungen brandenburgischen Schulfach LER (Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde) widmet sich die Philosophin Marie-Luise Raters. Sie stellt in ihrem Beitrag argumentativ dar, inwieweit LER den Anforderungen an allgemeinbildende Schulfächer entspricht. Die Betriebswirtin Annette Hoxtell stellt Beziehungen zwischen Berufs- und Bildungsbegriffen her. Sie beleuchtet, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche initiale Berufswahl und die weitere Laufbahngestaltung notwendig sind. Aktuelle Fragen der Digitalisierung und ihre Implikationen für eine zeitgemäße ökonomische Bildung aus fachdidaktischer Perspektive greift die Fachdidaktikerin der ökonomischen Bildung Vera Kirchner auf. Einen ähnlichen Ansatz nutzt dann im folgenden Beitrag auch der Technikdidaktiker Bernd Meier. Ihm geht es um die Industrialisierungsstufen und ihren bisherigen Auswirkungen auf und zukünftigen Anforderungen an allgemeine technische Bildung. Das zweite Kapitel wird durch die Betrachtungen zum curricularen Basiskonzept der Nachhaltigkeit der Psychologin Majken Bieniok und des Lehrerbildners Carsten Hinz abgerundet. Neben Aussagen zum Bildungsverständnis im Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden auch Daten einer Befragung von Lehramtsstudierenden bezüglich des Nachhaltigkeitskonzepts dargestellt.
Während sich das zweite Kapitel ausschließlich auf den Bereich der Allgemeinbildung bezieht, stehen die betriebliche und die akademische Berufsbildung sowie die Weiterbildung im Mittelpunkt des dritten Kapitels. Die Berufspädagogen Volkmar Herkner und Dieter Hölterhoff positionieren sich bezüglich der besonderen Bedeutung der beruflichen Bildung. Die Autoren stellen in einer historisch-genetischen Betrachtung den Weg von der Berufserziehung zur Berufsbildung dar, wobei sie auch die Problematik der Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung thematisieren. Internationale Betrachtungen runden den Beitrag ab.
Davon ausgehend, dass eine solide Ausbildung der Lehrkräfte besonderen
Einfluss auf die Qualität von schulischer Bildung hat, widmen sich die
langjährigen Lehrerbildner Frank Tosch und Bernd Meier in
ihren Beiträgen der Lehrkräfteausbildung aus historischer und aktueller
Perspektive. Dabei geht Tosch den Die Weiterbildungsexperten und Wissenschaftler in den Bereichen Bilanzierung, Diagnostik und Entwicklung von Kompetenzen John Erpenbeck und Werner Sauter arbeiten in ihrem Beitrag Anforderungen an eine zeitgemäße Weiterbildung im Prozess des Arbeitslebens heraus. Sie fordern einen Paradigmenwechsel und plädieren unter anderem dafür, Arbeiten und Lernen mit Hilfe digitalisierter Systeme zusammen zu führen.
Im vierten Kapitel werden internationale Erfahrungen aufgegriffen. Die international agierenden Pädagogen Cástor David Mora und Rolf Oberliesen verfolgen in ihrer Studie Probleme des Wandels der Bildung im Kontext gesellschaftlicher Transformation in Lateinamerika und der Karibik am Beispiel Boliviens. Der internationale Bildungsberater Nguyen Van Cuong verdeutlicht am Beispiel der Curriculum-Reformen in Vietnam, wie einerseits die konfuzianische Kultur als traditioneller kultureller Hintergrund die Bildungsentwicklung immer noch bestimmt und andererseits jedoch internationale Positionen vor allem zur Kompetenzentwicklung zu tiefergreifenden Veränderungen führen.
Die australische Lehrerbildnerin Bernadette Walker-Gibbs stellt
aktuelle Probleme und Entwicklungstendenzen der Ausbildung von
Lehrkräften in Australien vor. Ihr geht es unter anderem um eine
Stärkung der Subjektposition der Studierenden und eine verstärkte
Berücksichtigung ihrer Interessen an einer
Die Stipendiatin beim Avicenna-Studienwerk Safyah Hassan-Yavuz
und der Lehrerbildner Björn Egbert thematisieren abschließend in
ihrem Beitrag das
Mit diesem Band aus der Reihe
„Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin“ wird
der Versuch unternommen, Bildung als ein Schlüsselproblem unserer
Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven zu
Literatur Banse, Gerhard; Meier, Bernd (2013): Technische Bildung. In: Grunwald, Armin (Hrsg.): Handbuch Technikethik. Stuttgart, S. 421–426. Groothoff, Hans-Hermann (1986): Bildung. In: Sarges, Werner; Fricke, Rainer (Hrsg.): Psychologie für die Erwachsenenbildung – Weiterbildung. Göttingen u.a.O., S. 123–131. Hentig, Hartmut von (2008): Klassischer Bildungsbegriff und pragmatisches Bildungsverständnis. In: Wernstedt, Rolf; John-Ohnesorg, Marei (Hrsg.): Der Bildungsbegriff im Wandel – Verführung zum Lernen statt Zwang zum Büffeln, Friedrich-Ebert-Stiftung. Berlin, S. 13–17. Klenner, Hermann (2017): Das Recht auf Bildung als Menschen-, Völker- und Bürgerrecht. Ein Überblick. In: Banse, Gerhard; Kirchhöfer, Dieter; Uhlig, Christa (Hrsg.): Schulreform 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands. Gesellschaft und Erziehung. Historische und Systematische Perspektiven, Bd. 17. Frankfurt a.M., S. 15–48.
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