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Hans-Joachim Petsche

 

 

 

Philosophieren in Wendezeiten (Band 3)
 

 


Mathematik - Information - Internet
.

 

 

Sehnsucht nach der Utopie
 

 

 

 

 

2017, 343 S., zahlr. Tab. und Grafiken, ISBN 978-3-86464-149-7, 29,80 EUR

 

lieferbar

 

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Inhalt

 

Vorbemerkung                                                                                      7

 

Eingriffsmächtige Mathematik                                                         9

1.   Wissenschaftlich-technische Revolution und Mathematik.

      Problemlage einer philosophischen Analyse (März 1982)                     11

2.   Mathematik und Gesellschaftsformation – dargestellt am Beispiel der Urgesellschaft und der ersten Klassengesellschaften (März 1983)       23

3.   Mathematik und Gesellschaftsformation – vom Niedergang der antiken Sklavereigesellschaft bis zur vollen Herausbildung des Kapitalismus, Teil II (März 1984)            43

4.   Zum Humankraftpotential der Mathematik in der wissenschaftlich-technischen Revolution (I) (Juli 1984)            67

5.   Zum Humankraftpotential der Mathematik in der wissenschaftlich-technischen Revolution (II) (März 1985)         73

6.   Mathematik als Triebkraft der Analyse gesellschaftlicher Triebkräfte (Juni 1985)                                              81

7.   Zu einigen weltanschaulich-philosophischen Aspekten der Mathematikanwendung bei der Synthese erkennungsfähiger technischer Systeme (Identifikatoren) (1988)       97

8.   Mathematik und Technikwissenschaften (2006)                              121

 

Informatik und Bildung                                                             143

9.   Informatik in der Schule: Herausforderung an die weltanschaulich-philosophische Bildung von Lehrerstudenten (Juni 1986)       145

10. Was Computer nicht können – einige Gedanken zu philosophisch relevanten Aspekten der Computernutzung mit Blick auf die Allgemeinbildung (Februar 1988)         155

11. Programmiersprache FLOKC (Juni 1989)      169

12. LOGO IN FORTH. Einführung in ein Sprachkonzept für die Informatikausbildung (September 1989)     171

13. eLearning und Lernkultur (März 2004)        175

 

Hypertext als Werkzeug                          195

14. Das Hypertext- und Retrievalprogramm HYPERTOM (1994)      197

 

Internet: Potential und Risiko               211

15. Inwiefern es Sinn macht, das Internet als Medium zu betrachten – ein technikphilosophischer Ansatz (Januar 2003)             213

16. Kultur und/oder/als Technik: Zur fragwürdigen Medialität des Internets. Einführende Betrachtungen (September 2003)         225

17. Was eigentlich ist Virtualität? (September 2013)                  247

18. Savety – Securety – Reliability: Medialität und Sicherheit des Internets (Oktober 2004)                    261

19. Studierende im Netz – Ergebnisse und mögliche Perspektiven einer empirisch-vergleichenden CultMedia-Erhebung unter Studierenden aus Deutschland, Polen, Spanien, Tschechien

      und Ungarn (Dezember 2007)                                           283

20. Zukunft des Internets: Vision, Utopie und Sorge (2007)        301

 

Referenzen und Quellenangaben                  317

Literatur                                                   319

Über den Autor                                          343

 

Vorbemerkung

Stanisław Lem offeriert uns in der „Falle des Gargancjan“ das folgende Science-Fiction-Märchen: Zwei hochbegabte Kybernetiker, treten in den Dienst zweier kriegstlüsterner Könige. Sie bieten an, das ultimative Kriegsheer zu schaffen, indem sie, dem „Verfahren des Gargancjan“ folgend, die Soldaten derart „verdrahten“, dass sie sich wie eine gemeinschaftliche Intelligenz verhalten. Als sich die Heere beider Staaten, vollständig verkabelt, gegenüberstehen, geschieht das Unerwartete:

„Das Bewußtsein erwies sich als eine schreckliche Falle ... Auf beiden Seiten war es nämlich zu der berühmten Kulmination des Bewußtseins gekommen, die der große Gargancjan mit mathematischer Genauigkeit vorausgesehen hatte. Oberhalb einer bestimmten Grenze verwandelt sich nämlich das Militärische als lokaler Zustand in das Zivile, und zwar deshalb, weil der Kosmos als solcher absolut zivil ist, und die Geister beider Heere hatten eben bereits eine kosmische Dimension erreicht. ...Auf den Hügeln stehend ... lächelten beide Armeen einander an. ... Vor den Augen der vor Scham und Wut schwarz gewordenen Könige räusperten sich die beiden Heere, fassten einander unter und gingen spazieren, Blumen pflückend unter den dahineilenden Wolken auf dem Felde der nicht stattgehabten Schlacht.“ (Lem 1982, 292)

Diese Geschichte ist so hoffnungsvoll und optimistisch. Man möchte ihrem mathematisch-kybernetisch durchfluteten Humanismus auf den Leim gehen, sich verführen lassen ... so ganz und gar anders als beim Star Wars-Märchen. Wer mit solcher Science Fiction groß wurde, konnte von ihrem Geist so schnell nicht mehr lassen. Und Marx schien, mit Engels Rückhalt, der Utopie eine wissenschaftliche Grundlage zu verschaffen.

Auf eine eingriffsmächtige Mathematik hoffend, konnte ich mich der Frage nicht verweigern, was sie zur Humanisierung des Menschen beizutragen hätte. Über die angewandte Mathematik nachdenkend, wurde ich zwangsläufig auf die Informatik geführt. Sofern ich nicht nur über letztere „philosophieren“ wollte, musste ich mich in ihr erproben und testen, ob sie zur Beförderung der Humanität betragen könne – musste ich selbst programmieren.

Das Internet war dann das wirkliche Produkt des Praktischwerdens der Informatik. Utopie wurde leider dünner, verschwand zwar nicht völlig, wich aber der zunehmenden Riskanz, dass der Mensch sich verliert. Oder, wie Jean Baudrillard es zum Ausdruck bringt:

„Endlose Angleichung des Menschen an sich selbst, weil er sich in seine einfachen Grundelemente auflöst: allerseits vervielfacht, auf allen Bildschirmen vorhanden, doch immer seiner eigenen Formel, seinem eigenen Modell treu. Daher haben wir es mit einer anderen Dimension von Differenz zu tun. Es handelt sich nicht mehr um die Differenz zwischen einem Subjekt und einem anderen, sondern um die endlose interne Differenzierung von ein und demselben Subjekt. Diese ist unsere jetzige Fatalität, ein innerer Taumel, eine Zersplitterung ins Identische, ins Gespenst des Identischen. Nicht mehr durch die anderen oder von den anderen sind wir entfremdet, sondern von unseren zahllosen möglichen Clones. ... Kurzschluß ...“ (Baudrillard 1990, 252–256)

Es bleibt eine Sehnsucht nach dem Anderen, nach Brecht, dem Einfachen, „das schwer zu machen ist.“

 

 

 

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