Busch, Ulrich (Hrsg.)

 

Reform - Revolution - Transformation. Zur Theoriegeschichte des sozialen Wandels.

Kolloqium aus Anlass des 80. Geburtstages von Wolfgang Küttler

 

2016, [= Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Bd. 45], 244 S., Fotos u. Abb., ISBN 978-3-86464-123-7, 32,80 EUR

 

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Klappentext

 

Prof. Dr. sc. phil. Wolfgang Küttler, Jahrgang 1936, gehört zu den renommiertesten Historikern der marxistischen Schule in Deutschland. Er studierte von 1954 bis 1958 in Jena Geschichte und Latein und promovierte 1966 in Leipzig mit einer Arbeit zur Sozialgeschichte Rigas im 16. Jahrhundert. Danach ging er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. Hier wirkte er seit 1974 als Leiter des Wissenschaftsbereichs Methodologie und Geschichte der Geschichtswissenschaften. 1976 habilitierte er sich mit einer Schrift über Lenins formations­theoretische Arbeiten aus der Zeit vor 1905. 1978 wurde er zum Professor ernannt, 1990 zum Institutsdirektor. Zugleich wurde er Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR. Nach der Abwicklung der Akademie arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsschwerpunkt Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie der Förderungsgesellschaft Wissenschaftliche Neuvorhaben. Seit 1993 gehört er der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin an und zählt zu deren aktivsten Mitgliedern. Seine Arbeitsgebiete und Forschungsvorhaben sind Methodologie und Theorie der Geschichte sowie die Transformationsforschung. Von seiner Produktivität zeugt eine große Anzahl bedeutender Publikationen im In- und Ausland. Im April d. J. vollendete Wolfgang Küttler sein 80. Lebensjahr. Aus diesem Anlass fand im Arbeitskreis „Gesellschaftsanalyse und Klassen“ der Sozietät ein wissenschaft­liches Kolloquium statt. Die Beiträge des Kolloquiums werden in diesem Band veröffentlicht und damit einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

 

 

Inhalt
 

Vorwort des Herausgebers                                          9

 

Laudatio für Wolfgang Küttler zum 80. Geburtstag       13

Hans-Otto Dill

 

Karl Marx und das Transformationsproblem: Das modifizierte Transformationskonzept im Spätwerk                        21

Wolfgang Küttler

 

Schriftenverzeichnis von Wolfgang Küttler                                51

     Abkürzungsverzeichnis zum Schriftenverzeichnis                   51

     Schriftenverzeichnis                                                         52

                                                                                 

Warum es sich lohnt, Lenin erneut zu lesen: Zur Neuauflage von Lenins „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“                           73

Wladislaw Hedeler                                                      

 

Revolutionsstrategische Vorstellungen in der schlesischen Demokratie von 1848/49                                          85

Walter Schmidt                                                          

 

Religion und Revolution: Überlegungen Hegels zum gesellschaftlichen Wandel und den Risiken seiner Akteure              107

Wolfgang Bialas

 

Der Polarstern der Freiheit und die Sicherung der Ordnung. Die revolutionäre Begründung des modernen Konservatismus durch Edmund Burke              127

Michael Brie                                                               

 

Ferdinando Galiani und die Transformation der Geldwirtschaft im 18. Jahrhundert                           167

Ulrich Busch

 

Globalisierungstheorien und sozialer Wandel            205

Matthias Middell                                                         

 

Historisierung und Aktualisierung: Warum neue Antworten auch aus alten Fragen zu finden sind       227

Michael Thomas

  

Autorinnen und Autoren                                         243

 

 

 

Vorwort des Herausgebers

Am 8. April 2016 vollendete Prof. Dr. sc. phil. Wolfgang Küttler sein 80. Lebensjahr. Anlässlich dieses Jubiläums veranstaltete der Arbeitskreis „Gesellschaftsanalyse und Klassen“ der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. ein wissenschaftliches Kolloquium, das unter dem Titel „Reform – Revolution – Transformation“ am 22. April 2016 in Berlin-Adlershof durchgeführt wurde. An dieser Veranstaltung beteiligten sich neben den Mitgliedern des Arbeitskreises zahlreiche Wissenschaftler aus der Sozietät und darüber hinaus Schüler des Jubilars, langjährige Kollegen, Freunde und thematisch interessierte Gäste. Neben der Laudatio, die vom Sekretar der Klasse für Sozial- und Geisteswissenschaften, Herrn Prof. Dr. Hans-Otto Dill, vorgetragen wurde, kamen auf dem Kolloquium sechs Referate zu den Themenkreisen „Revolution, Philosophie und Geschichte“ sowie „Transformation – Geschichte und Geschichtswissenschaft“ zu Gehör. Dazu gab es jeweils Anfragen, Kommentare und insgesamt eine lebhafte Diskussion.

Die hier vorliegende Publikation gibt die Vorträge des Kolloquiums, teilweise in einer ergänzten und erweiterten Fassung, sowie einige weitere Texte zu der vorgegebenen Thematik wider. Durch die Veröffentlichung dieser Beiträge wird es möglich, dass sich ein größerer Leser- und Interessentenkreis mit den aufgeworfenen Fragen, Thesen und Problemen konstruktiv auseinandersetzt. Dies gilt natürlich ganz besonders für die von Wolfgang Küttler vorgestellten Forschungsergebnisse zu Karl Marx und dessen Behandlung des Transformationsproblems in seinem Spätwerk. Ergänzt wird dieser Aufsatz durch die Veröffentlichung der umfangreichen Bibliographie des Jubilars. Diese umfängliche Liste wissenschaftlicher Arbeiten aus den ersten Jahren wissenschaftlicher Betätigung des Autors bis 2016 vermittelt nicht nur einen interessanten Einblick in das umfangreiche Werk und das publizistische Schaffen von Wolfgang Küttler über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren hinweg. Sie gibt auch eine eindeutige und in ihrer Klarheit bemerkenswerte Antwort auf die seit 1990 diskutierte Frage nach dem substanziellen Wert der geschichtswissenschaftlichen Forschung in der DDR. Als solche steht sie zugleich für die Kontinuität marxistischen Denkens in unserer Zeit. Gleichwohl sind der zeitgeschichtliche Bruch von 1989/90 und der darauffolgende Systemwechsel deutlich erkennbar und nachhaltig zu spüren: betraf er doch die Geschichtswissenschaft in besonderer Weise.

Um dem geschichtlichen Verlauf hinreichend Rechnung zu tragen und auch die vor dem 3. Oktober 1990 erbrachten wissenschaftlichen Leistungen entsprechend würdigen zu können, muss die Forschungs- und Publikationspraxis der DDR „in Relation zu ihrem eigenen Selbstverständnis und den darin verankerten Maßstäben“ gesetzt werden. „Dies entspricht“, so Jürgen Kocka, „dem Grundsatz historischer Gerechtigkeit, der unbedacht oder bewußt verletzt wird, wenn ein Bestandteil einer vergangenen Wirklichkeit oder ein Moment einer fremden Kultur ausschließlich auf die Vergleichsfolie der Gegenwart oder nur auf die Maßstäbe der eigenen Kultur des Betrachters bezogen wird, ohne zugleich in ihrer Bedeutung für das Gesamte der vergangenen Wirklichkeit bzw. der fremden Kultur gewürdigt zu werden“[1]. Diese im Ergebnis der Evaluierung der Forscher der Akademie der Wissenschaften der DDR formulierten Sätze gelten uneingeschränkt für die Arbeiten von Wolfgang Küttler, welche in der Tradition der Leipziger Historikerschule von Walter Markov und zu einem beachtlichen Teil unter Anleitung des überragenden Historikers Ernst Engelberg entstanden sind. Ganz besonders aber gelten sie für seine Forschungen zur Revolutionsgeschichte und zur Transformation sowie für seine Arbeiten zu Karl Marx und zu Max Weber.

Mit beiden Denkern und ihrem grandiosen Werk setzte sich Küttler viele Jahre konstruktiv auseinander. Davon zeugt eine große Zahl einschlägiger Publikationen, so zum Beispiel das Vorwort zu dem 1989 von ihm und Friedrich Hauer edierten Band wichtiger Schriften Max Webers zur Geschichte und Soziologie. Die Verfasser betonen hier, dass die „Weber-Rezeption“ keine „der vielen ephemeren Moden auf dem kapitalistischen Ideenmarkt“ sei, sondern „einen wichtigen Bezugsrahmen der sich verändernden Richtungen und Konjunkturen sozialwissenschaftlicher Konzepte“ darstelle.[2]

Die wichtigsten Arbeiten Küttlers finden sich in der im Anhang veröffentlichten Bibliographie des Jubilars. Schaut man diese durch, so fällt auf, dass die Produktivität von Wolfgang Küttler mit den Jahren keineswegs nachgelassen hat. Ganz im Gegenteil, die letzten drei Jahrzehnte erweisen sich hier als besonders ertragreich. Dabei ragen seine Mitwirkung an der Edition des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus (HKWM), zusammen mit Wolfgang Fritz Haug, Frigga Haug und Peter Jehle, sowie seine Beschäftigung mit der Person und dem Werk von Max Weber besonders hervor.

Weber sprach gelegentlich von einer „doppelten Kulturbedeutung“ historischer Forschung, die zum einen in der Bedeutung, die sie für ihre eigene Zeit besitzt, zum anderen aber in dem erkenntnisleitenden Interesse des zurückblickenden Betrachters von heute zu sehen ist. Für die geschichtswissenschaftlichen Arbeiten des Jubilars gelten auch hier wiederum gleichermaßen beide Aspekte. Dies hebt sie aus der Masse der Publikationen zur Geschichte heraus und stellt sie über andere Arbeiten, die im Strudel der historischen Umbrüche untergegangen sind. Dazu hat ganz sicher beigetragen, dass Wolfgang Küttler sich nach 1990 nicht in sein Arbeitszimmer zurückgezogen hat, sondern weiterhin aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnahm, an der Erarbeitung des Historisch-Kritischen Wörterbuches des Marxismus mitwirkte und vielfältig publizistisch tätig war und dies bis heute ist. Unter anderem betätigte er sich als Herausgeber und Autor mehrerer Bände der Abhandlungen der Leibniz-Sozietät sowie weiterer, breit angelegter und öffentlichkeitswirksamer Publikationsvorhaben.

Unbedingt hervorgehoben werden muss auch das Engagement des Jubilars in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten innerhalb der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, deren aktives Mitglied er seit deren Gründung im Jahr 1993 ist. Von Anfang an beteiligte er sich an den Diskussionen, Projekten und Publikationsvorhaben des Arbeitskreises „Gesellschaftsanalyse und Klassen“ im Rahmen der Sozietät.

 

Ulrich Busch

im Juli 2016


 

[1]         Jürgen Kocka: Einleitung, in: Wissenschaft und Wiedervereinigung. Disziplinen im Umbruch, herausgegeben von Jürgen Kocka und Renate Mayntz, Berlin 1998: Akademie Verlag, S. 13.

 

[2]         Friedrich Hauer/Wolfgang Küttler: Max Weber (1864–1920) – Leben, Werk und Wirken. Vorwort zu: Max Weber: Rationalisierung und entzauberte Welt, Leipzig: Verlag Philipp Reclam jun., S. 32.