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Lutz Heuer
 

1945/46 in Berlin-Lichtenberg – KPD und SPD
auf dem Weg zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands

Der Vereinigungsprozess in den Lichtenberger Ortsteilen Biesdorf, Friedrichsfelde, Hellersdorf, Karlshort, Kaulsdorf, Mahlsdorf, Marzahn und Rummelsburg
und seine Akteure

 

2016, [= BzG - Kleine Reihe Biografien, Band 31], 152 S., ISBN 978-3-86464-109-1, 13,80 EUR

 

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Inhalt

Vorbemerkung                                     7

 

1. Zur Spezifik des Stadtbezirks           11

2. Der „Fall“ Franz Stimmig – Berlins erste Bürgermeisterkrise              14

3. Lichtenbergs Kommunisten und die „Gruppe Ulbricht“                      23

4. Das Personalkarussell der KPD-Unterbezirksleitung rotiert               29

5. Die SPD im Neuaufbau                    32

6. Der SPD-Kreisvorstand im Widerstreit der Meinungen                      36

7. Die Besatzungsmacht                      40

8. Die Signale gegen die Einigung nehmen zu        45

9. Max Fechners Appell an Lichtenbergs Sozialdemokraten                  50

10. Das Ringen um die Urabstimmung   56

11. Zwischen Urabstimmung und SPD-Bezirksparteitag   60

12. Wer ging in die Einheitspartei?        63

13. Die Wahlen vom 20. Oktober 1946  71

 

Dokumente                                        75

Biografien                                        109

Personenangaben maßgeblicher KPD- und SPD-Funktionäre                 111

-  KPD-Funktionäre im Stadtbezirk Berlin-Lichtenberg      111

-  SPD-Funktionäre im Stadtbezirk Berlin Lichtenberg      117

Gesprächsprotokolle                          131

-  Protokoll eines Gesprächs mit Fritz Fuchs             133

-  Protokoll eines Gesprächs mit Heinz Kahlitz         135

 

Quellen- und Literaturverzeichnis            137 

Personenregister                                  139 

Abbildungs- und Dokumentennachweis    147 

Über den Autor                                    151

 

 

Vorbemerkung

Diese Publikation zur Vereinigung von KPD und SPD zur SED in den Nachkriegsjahren 1945/46 entstand im Jahre 1993 innerhalb einer Projektgruppe des „Luisenstädtischen Bildungsverein e.V. Berlin“ und erscheint aus aktuellem Anlass nun in zweiter, erweiterter und durchgesehener Auflage.

Anhand einer Vielzahl bislang noch nicht veröffentlichter Materialien wurde der Prozess der Entstehung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im Stadtbezirk Lichtenberg dokumentiert. Die Publikation verdeutlichte, dass – trotz verbindlicher Eckdaten des Einigungsprozesses in allen Ostberliner Bezirken – in diesem Berliner Stadtbezirk vieles nicht dem Grundmuster des allgemeinen Vereinigungsprozesses entsprechend verlief.

Lichtenberg war während der Weimarer Republik politisch eine Domäne der Sozialdemokratie. Die Territorialstruktur – acht Ortsteile – begünstigte im sozialdemokratischen Parteileben zugleich die Entstehung regionaler Zentren, die 1945/46
im Vereinigungsgeschehen beträchtliches Eigengewicht erlangen.

In diesem Kraftfeld entwickelten sich Persönlichkeiten, die zu der von ihnen im Grundsatz bejahten geschichtlichen Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterklasse eigene Überlegungen einbrachten. Sie differierten vielfach mit der Linie übergeordneter SPD-Gremien und führten schon sehr frühzeitig – ab August 1945 – zu Meinungsverschiedenheiten mit der Politik des Zentralausschusses unter Grotewohl und Fechner, die sich bald als unüberbrückbar erweisen sollten. Diese Vorreiterrolle namhafter Lichtenberger Sozialdemokraten – ihr Ja zum demokratischen Zusammenschluss sowie ihr Nein zur Vereinnahmung durch die Kommunisten – wird in vorliegenden Veröffentlichungen zum Thema „Vereinigung“ höchstens gestreift. Nicht zufällig spielten Lichtenberger Sozialdemokraten nach der Spaltung der Stadt 1948 in Berlin-West weiter entscheidende Rollen.

Dieses Spannungsfeld erhielt unmittelbar nach Kriegsende 1945 eine zusätzliche Dimension: im Bezirk nahm für einige Wochen die „Gruppe Ulbricht“ ihren Sitz. Das sozusagen vor der Haustür liegende Gebiet wurde zum Experimentierfeld politischer Modelle erkoren, die in anderen Bezirken, der Sowjetischen Besatzungszone und perspektivisch auch im übrigen Reichsgebiet nachvollzogen werden sollten. Aus weiter oben geschilderten Gründen waren Konflikte deshalb schon vorprogrammiert: die erste Bürgermeisterkrise Berlins Mitte Juni 1945 – der Fall Franz Stimmig – kann als Fallstudie für ähnlich gelagerte Fälle in anderen Ostberliner Bezirken ab Herbst 1947 gelten. Materialien zu diesem Heft wurden vorranging im Bezirk selbst gesucht. Die Autoren gerieten dabei in einen Auflösungsprozess vor allem der Betriebsarchive, deren Bestand vielfach als verloren angesehen werden muss. Wo es Möglichkeiten gab, wurden Archivalien vorerst privat gesichert; bei Verwertung in dieser Studie sind sie entsprechend ausgewiesen. Auf den sich daraus ergebenen spezifischen Wert verschiedener Dokumente wird im Text verwiesen.

Der 70. Jahrestag der Vereinigung von SPD und KPD zur SED, ist für mich Anlass, eine überarbeitete und aktualisierte Publikation zum Geschehen Lichtenbergs vorzulegen. Seit 1920 mit der Bildung Groß-Berlins gehörten die Ortsteile Biesdorf, Friedrichsfelde, Hellersdorf, Karlshorst, Kaulsdorf, Mahlsdorf, Marzahn und Rummelsburg zum Stadtbezirk Lichtenberg. Am 5. Januar 1979 wurde Marzahn zusammen mit den Ortsteilen Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf Teil des neugebildeten Stadtbezirkes Berlin-Marzahn. 1986 wurde aus den Ortsteilen Mahlsdorf, Kaulsdorf und Hellersdorf der Bezirk Hellersdorf gebildet. Bei der Verwaltungsreform 2001 fusionierten die beiden Bezirke wieder zum heutigen Bezirk Marzahn-Hellersdorf.

In der neuen Publikation sind bisher noch weitere, teilweise auch unbekannte Dokumente veröffentlicht worden. Insgesamt ging es darum, den Vereinigungsprozess, die dabei geführten Auseinandersetzungen der beiden Arbeiterparteien, ihrer damals handelnden Repräsentanten und Mitglieder mit ihren gegensätzlichen Standpunkten und Motiven ihres Handelns zu schildern. Der lang anhaltende Streit über Vereinigung, Vereinnahmung oder Zwang, ist bis heute nicht abgeschlossen. Leider ist mein Freund und Kollege, Norbert Podewin, mit dem ich diese Publikation im Jahre 1993 erarbeitete, im Jahre 2014 verstorben.

Mein besonderer Dank für die Unterstützung bei der Erarbeitung dieser zweiten Auflage gilt Andreas Herbst.

 

Lutz Heuer