Gerhard Banse u.a. (Hg.)

Kybernetik, Logik, Semiotik. Philosophische Sichtweisen.

Tagung aus Anlass des 100. Geburtstages von Georg Klaus

 

2015, [= Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Bd. 40], 599 S., Tab. u. Abb., ISBN 978-3-86464-095-7, 54,80 EUR

 

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Inhalt

 

Vorworte

                                                            

Eröffnung

Gerhard Banse

                                                                     

Grußwort

Michael Heine                                                  

 

Der Wissenschaftler Georg Klaus: Versuch einer Einführung

Michael Eckardt

 

                                                                                 

Teil 1

                                                                           

Georg Klaus und die Geschichte der Philosophie

Siegfried Wollgast

 

Hegel, Lenin und die Dialektik – Anmerkungen von Georg Klaus zu W. I. Lenin "Aus dem Philosophischen Nachlass" –

Herbert Hörz                                                           

 

„Problem“ und „Tatsache“ im von Georg Klaus herausgegebenen „Philosophischen Wörterbuch“ im Vergleich mit anderen

Heinrich Parthey         

 

Georg Klaus als Erkenntnistheoretiker

Hans-Christoph Rauh

 

Georg Klaus in den Jahren 1948–63. Was würde der Bahnbrecher heute sagen?

Rainer Thiel   

 

Georg Klaus: (Bio-) Kybernetik und Dialektik des Lebenden und Sozialen

Klaus Fuchs-Kittowski      

 

 

Teil 2

                                                                                 

Der Einfluss der Kybernetik auf die psychologische Forschungsmethodik

Bodo Krause  

 

Mobile Erweiterte Realität – Neue Möglichkeiten der Wahrnehmung und Darstellung der Wirklichkeit

Frank Fuchs-Kittowski 

 

Künstliche Intelligenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Arne Fellien

                               

Schachbrett zum Fußballfeld

Frank Dittmann       

 

Quantisierung in Physik und Informatik – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Reinhold Schönefeld

 

Zur Kybernetik in Technik, Wirtschaft und Wissenschaft aus heutiger Sicht

Werner Kriesel

 

Information als Gegenstand der Theorie und der gesellschaftlichen Praxis

Helmut Metzler

 

Rückkoppelung gestalten – Ein Beitrag zur selbstermächtigenden Reflexion

Christian Stary 

 

                                                                                 

Teil 3                                                                        

 

Georg Klaus: Logik, Monolog und Argument

Wolfgang Coy   

 

Die Logik der Kognition

Rainer E. Zimmermann 

 

Formal Ontology – A New Discipline Between Philosophy, Formal Logic, and Artificial Intelligence

Heinrich Herre  

 

„Jesuiten, Gott, Materie“ wieder gelesen – eine persönliche Sicht

Karl-Heinz Bernhardt      

 

Georg Klaus als Romanfigur

Marc Schweska              

 

Mathematik, Schach, Kommunismus – Konflikte des Philosophen Georg Klaus

Manfred Bierwisch 

                                                                                 

Gedenken und Wirken. Die Zukunft der „Universität in der Wissensgesellschaft“

Michael Roth

 

„Das bisschen Weltanschauung schreiben wir dann noch rein.“ Georg Klaus und die Etablierung der Kybernetik in der DDR

Verena Witte       

 

Kybernetik in der DDR der fünfziger Jahre

Markus Michler     

 

                                                                                 

Nachworte                                                               

 

Im Gedenken an den philosophischen Anreger und Modernisierer: vier Erinnerungen an Georg Klaus anlässlich seines 100. Geburtstags

Michael Eckardt 

 

Zum Wirken von G. Klaus für die Entwicklung der Kybernetik, Philosophie und Gesellschaft

Klaus Fuchs-Kittowski     

 

Schriftenverzeichnis zu Georg Klaus (1948–2013)

Michael Eckardt              

 

Über die Autoren

 

 

Der Wissenschaftler Georg Klaus: Versuch einer Einführung

Michael Eckardt

Am 7. und 8. Dezember 2012 fand die gemeinschaftlich von der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, der Deutschen Gesellschaft für Kybernetik, der Arbeitsstelle für Semiotik der Technischen Universität Berlin und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin organisierte Konferenz „Kybernetik, Informatik, Logik und Semiotik aus philosophischer Sicht und zur Dialektik ihrer ambivalenten Wirkungen: zum 100. Geburtstag von Georg Klaus“ auf dem Campus Wilhelminenhofstraße der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin statt (Graebe 2013). Der vorliegende Protokollband gibt die Mehrzahl der während der Konferenz gehaltenen Referate wieder, einige inhaltlich passende Beiträge jenseits des Konferenzgeschehens wurden zusätzlich aufgenommen mit dem Ziel, die Bandbreite der wissenschaftlichen Arbeitsfelder von Georg Klaus umfassend abzubilden. Bevor einleitend auf eine Auswahl an Beiträgen eingegangen wird, die die Konferenz bewegten und zu denen auch eifrig diskutiert wurde, sollen einige allgemeinere Gedanken vorangestellt werden, die vor allem Georg Klaus in seiner Funktion als philosophischer Anreger gewidmet sind.

Wenn gefeierte Jubiläen tatsächlich als ein Indikator dafür angesehen werden, welche Art von Gedächtnis gerade Konjunktur hat, könnte aus der Reihung der im Konferenztitel genannten Disziplinen geschlussfolgert werden, dass es eher die technisch orientierten Fächer sind, die sich dem Erbe von Georg Klaus besonders verpflichtet fühlen. Dies überrascht insofern, als dass ein Blick auf die Vielzahl der Veröffentlichungen von Georg Klaus offenbart, dass bei ihm die Behandlung philosophischer Fragen eindeutig im Mittelpunkt seines Schaffens stand, wenngleich er auch mögliche Anwendungen seiner Überlegungen in den Bereichen Technik und Wirtschaft selbst skizzierte (z.B. Klaus 1961, Klaus 1963). Man könnte daraus aber ebenso schließen, dass seine Bedeutung für die technischen Wissenschaften auch in jenen Randgebieten zu suchen ist, die sich aus dem Kontakt von Technik, dem Nachdenken über Technik und Philosophie ergeben. Im historischen Rückblick ließe sich sogar resümieren, dadurch eine Fortschreibung der „Rezeptionskonjunktur“ der Klaus‘schen Schriften zu erleben. War es in der DDR bis Ende der 1960er Jahre in fast allen Gesellschaftswissenschaften noch üblich, ja sogar fast Mode, mit kybernetischer Terminologie und Verweisen auf Georg Klaus zu hantieren, folgte mit der parteioffiziellen Verdammung der Kybernetik auf dem 8. Parteitag der SED 1971 eine Art „Emigration“ in die technischen Disziplinen, in denen Georg Klaus noch immer munter zitiert wurde und seine Ideen weiterentwickelt werden konnten (Weber 2011: 348f.). Insofern gab es sehr wohl einen Bruch in der Rezeption der Klaus‘schen Schriften, was jedoch seiner Popularität offenbar kaum Schaden zufügen konnte: Georg Klaus war neben Ernst Bloch einer der wenigen DDR-Philosophen, die auch international rezipiert wurden (Sandvoss 1989: 530). Für seine Arbeiten zur Semiotik und besonders zur Ausarbeitung des pragmatischen Aspektes wird Georg Klaus von Umberto Eco in einer Reihe mit Karl-Otto Apel, Jürgen Habermas, John Austin und anderen als ein Vorläufer der Pragma-Linguistik bezeichnet (Eco 1992: 351). Anhand der Sekundärliteratur lässt sich auch belegen, dass zumindest für den Semiotiker und Philosophen Georg Klaus die Unterstellung nicht zutrifft, dass sich mit einem Zitations-Index belegen ließe, in welch geringem Maße Veröffentlichungen aus der DDR in der Bundesrepublik zur Kenntnis genommen wurden (Sandkühler 2009: 739, Fußnote 2).

Betrachtet man den wissenschaftlichen Werdegang von Georg Klaus (Eckardt 2011: 167ff.), lässt sich mit der Logik ziemlich schnell das Wissensgebiet identifizieren, auf dessen Basis es Georg Klaus möglich war, die verschiedensten Disziplinen intellektuell zu durchdringen, fruchtbare Kontaktmöglichkeiten zu identifizieren und methodische Neuerungen anzuregen. Mit der Logik als Rüstzeug konnte er funktionale und strukturale Abstraktionen von konkreten Erfahrungsgegenständen modellieren (Ropohl 2004: 64) und auf die unterschiedlichsten Anwendungsfälle übertragen. Von diesem Gedanken ausgehend, gewinnt auch die vordergründig kritische Feststellung, wonach es sich bei vielen Überlegungen von Klaus in „[…] aller Regel um die Umformulierung und Anpassung von meist mehrere Jahrzehnte vorher in den USA ausgearbeiteten Forschungsfeldern und -resultaten an die Verhältnisse der DDR“ gehandelt hätte (Dahms 2007: 1620, Fußnote 87) erst ihren eigentlichen Sinn, da gerade die Logik mit ihren streng durchformalisierten Möglichkeiten der Aussageverknüpfung einen idealen wissenschaftliches Exerzierplatz dafür bot, sich im politisch definierten Streckbett einer als Scholastik ausgelegten Version des Marxismus-Leninismus argumentativ im Einklang mit den verbindlichen Dogmen Gehör zu verschaffen und darüber hinaus auch Neues andenken und ausprobieren zu können. Die stets betonte, praktisch jedoch weitgehend kaltgestellte „schöpferische“ Seite der als „Marxistisch-Leninistisch“ bezeichneten Philosophie wurde eben durch Autoren wie Georg Klaus repräsentiert, die zwar lange Zeit gefördert, an einem bestimmten Punkt ihrer Karriere jedoch unter Zurücksetzungen zu leiden hatten, deren politische Ursachen oft genug mit fachlichen Mängeln begründet, für Eingeweihte aber als billigste Notlügen erkennbar waren. Insofern kann man der Meinung nur beipflichten, dass Klaus‘ wissenschaftliche Lebensleistung ganz wesentlich in einer produktiven Rezeption zu sehen ist, was angesichts der schwierigen Lage in der DDR aber – in Erweiterung des Gedankens von Hans-Joachim Dahms (ebd.) – als keine kleine, sondern eine große Errungenschaft aufgefasst werden sollte.

Auf diesem gleichermaßen theoretischen wie auch praktischen Resonanzboden stehen Werk und Person des Wissenschaftlers Georg Klaus, ebenso die von ihm ergriffenen Chancen, als auch die von ihm erlebten Grenzen, ja auch die Widersprüchlichkeit manch seiner Aussagen und Argumente. Sicher liegt es nicht ganz fern, wenn man auf die Frage nach dem Hauptthema seines Schaffens als Wissenschaftler die Kybernetik anführen würde. Doch auch hier soll eine Antwort im Sinne der erwähnten produktiven Rezeption gegeben werden, denn Georg Klaus war sowohl innerhalb der deutschsprachigen Wissenschaft, als auch im marxistisch-leninistisch dominierten Denkraum Ostmitteleuropas weder der Erste, noch der Einzige, der sich intensiv mit der Kybernetik beschäftigte. Für die philosophische Semiotik jedoch war Georg Klaus der bedeutendste Vertreter. Es wurde ihm hoch angerechnet, dass er bereits in seinen formallogischen und kybernetischen Arbeiten die Problematik von Semantik, Symbol- und Modelltheorie behandelte (Voigt 1979: 402). Zudem war er die treibende Kraft hinter dem Erscheinen von Adam Schaffs „Einführung in die Semantik“ in deutscher Übersetzung, die er mit einem instruktiven Nachwort ergänzte (Schaff 1966 bzw. Klaus 1966). Das Befreiende dieser Übersetzung war aber nicht nur der Text, sondern auch das ungemein lange und erhellende Literaturverzeichnis, das nicht mehr nur die primärliterarischen ‚Klassiker‘-Hinweise enthielt, sondern alles, was international in der ersten Jahrhunderthälfte zu dieser Thematik bereits erschienen war (Rauh 2011: 297). Klaus‘ an Charles William Morris angelehnte vier-relationale Zeichenkonzeption übte nicht zuletzt durch ihre Aufnahme in das „Philosophische Wörterbuch“ (Klaus/Buhr 1964) bedeutenden Einfluss in allen deutschsprachigen Ländern aus (Posner/Krampen 1983: 291). Rückblickend wurde zuweilen konstatiert, dass Klaus eine kritische Analyse der Abbild- oder Widerspiegelungstheorie des dialektischen und historischen Materialismus unter semiotischen und logischen Gesichtspunkten weitgehend vermieden hat (Kuchling 1993: 235). Seine Leistung bestand aber darin, die elementare Begriffsbildung der Semiotik in die Terminologie der materialistischen Widerspiegelungstheorie eingeführt und erläutert zu haben (ebd.). Zur damaligen Zeit war dies bemerkenswert, weil Klaus mit aller Deutlichkeit klar machte, „dass man die Begriffe des Abbildes und der Abbildrelation ohne Bezug auf Zeichen und Zeichensysteme überhaupt nicht ernsthaft diskutieren kann“ (ebd.). Auf die Autorität des kommunistischen Philosophen Georg Klaus gestützt, konnte mit der Veröffentlichung von „Semiotik und Erkenntnistheorie“ an seine Argumente angeschlossen werden und semiotische Überlegungen waren ohne größeren Rechtfertigungszwang zitierbar. Die Attraktivität der Semiotik ging sogar so weit, dass Nachbarwissenschaften Methoden und Modelle aus der Semiotik oder Kybernetik übernahmen, was sich sogar für eher künstlerische Bereiche wie Theaterwissenschaft (von Herrmann 2011) und Architektur (Weber 2011) belegen lässt.

Über die oben genannte Einschätzung diskutierte auch schon das 2002 abgehaltene Kolloquium anlässlich des 90. Geburtstages von Georg Klaus, bereits damals wurde der Wunsch geäußert, seine Arbeiten zur Zeichentheorie und -praxis stärker zu thematisieren (Eckardt 2003: 210ff.). Die Veranstalter der 2012 gemeinschaftlich organisierten Konferenz widmen diesem Wunsch nun mit dem vorliegenden Protokollband die berechtigte Aufmerksamkeit. Mehr am Veranstaltungsablauf denn am Inhaltsverzeichnis des Buches orientiert, gibt die nachfolgende Beschreibung Auskunft über die inhaltlichen Schwerpunkte von Konferenz und Protokollband.

Siegfried Wollgast, Herbert Hörz und Heinrich Parthey stellen mit ihren Beiträgen „Georg Klaus und die Geschichte der Philosophie“, „Hegel, Lenin und die Dialektik – Anmerkungen von Georg Klaus zu ‚Aus dem Philosophischen Nachlaß‘“ sowie „‘Problem‘ und ‚Tatsache‘ im vom Georg Klaus herausgegebenen „Philosophischen Wörterbuch im Vergleich mit anderen“ die philosophiehistorische Dimension von Georg Klaus‘ Schaffen vor. Hans-Christoph Rauh legt in seinem Aufsatz „Georg Klaus als Erkenntnistheoretiker“ dar, dass Georg Klaus für die Etablierung der Erkenntnistheorie als philosophischer Teildisziplin in der DDR eine zentrale Rolle spielte. Die Nachzeichnung des Weges von Georg Klaus zum logisch-semiotisch orientierten Erkenntnistheoretiker und dessen disziplingeschichtlicher Kontext stehen dabei im Zentrum von Rauhs Ausführungen. Biographische Aspekte stehen im Mittelpunkt der Beiträge „Georg Klaus während der Jahre 1948–1963. Was würde der Bahnbrecher heute sagen?“ (Rainer Thiel), sowie „Philosophie, Kybernetik und Informatik – Georg Klaus: (Bio-)Kybernetik und Dialektik im Lebenden und Sozialen“ (Klaus Fuchs-Kittowski), der darlegt, dass gerade die Anwendung von Physik, Chemie und Kybernetik oder auch der Modellmethode bei der Erforschung der Lebensprozesse die Revolution in der Biologie zur Mitte des vorangegangenen Jahrhunderts begründete.

In einer weiteren Tagungssektion behandelt Bodo Krauses Aufsatz den „Einfluss der Kybernetik auf die psychologische Forschungsmethodik“, ergänzend dazu referieren Frank Fuchs-Kittowski über „Mobile erweiterte Realität – Neue Möglichkeiten für die Gestaltung von Feedback“ und Arne Fellien mit „Künstliche Intelligenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Frank Dittmann erläutert in seinem Aufsatz „Vom Schachbrett zum Fußballfeld. Zum Paradigmenwechsel in der KI-Forschung“ die Verlagerung der Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz von klassischen kognitivistischen, über konnektionistische hin zu Robotik-beeinflussten Ansätzen. Reinhold Schönefeld wendet sich in seinem Beitrag den Grundlagen einer Theorie der Informatik zu. Werner Kriesel geht zu Beginn seiner Ausführungen „Zur Kybernetik in Technik, Wirtschaft und Wissenschaft aus heutiger Sicht“ auf den Unterschied zwischen Regelung und Steuerung ein und betont, dass der Informationsverarbeitungsalgorithmus und nicht die Kreis- oder Kettenstruktur von entscheidender Bedeutung ist. Während heute die technische Kybernetik in der Form der Automation einen Wachstumsfaktor darstelle, habe sich zu Lebzeiten von Georg Klaus die Planwirtschaft als Wachstumsbremse dargestellt. Als damals die technische Entwicklung explodierte, bremste die DDR-Politik in den 1970er Jahren theoretische Reflexionen über diese Trends aus. Momentaner Gipfelpunkt der allseitigen Automationsbemühungen sei eine Art vierte industrielle Revolution, die „Cyber-Physical-Systems“ hervorbringe. Dem Thema „Information als Gegenstand der Theorie und der gesellschaftlichen Praxis“ widmet Helmut Metzler einen Aufsatz.

Mit seinen Ausführungen zu „Critical Thinking – Pragmatische Argumentationen und formale Logik“ eröffnete Wolfgang Coy den zweiten Konferenztag. In seinem Ausführungen bemerkt er, dass der praktische Einfluss der formalen Logik auf die Wissenschaften überschaubar geblieben ist, unter anderem auch deshalb, weil sie keine Paradigmenwechsel zulasse, keine Argumentationslehre anbiete und eine Anwendbarkeit jenseits des Textverstehens nicht gegeben sei. Nachfolgend stellte er das Konzept des „Critical Thinking“ vor, welches im anglo-amerikanischen Kulturraum bereits in den Lehrplänen der Schulen verankert ist und Ähnlichkeiten zur Diskursethik von Jürgen Habermas aufweist. Den Themen Logik und Ontologie im engeren Sinne widmen sich die Beiträge von Rainer Zimmermann „Die Logik der Kognition“ und Heinrich Herre „Formal Ontology – A New Discipline between Philosophy, Formal Logic, and Cognitive Science“. Karl-Heinz Bernhard wandte sich der ersten größeren philosophischen Arbeit von Georg Klaus: „Jesuiten Gott Materie“ zu und berichtete darüber, wie er durch sie zu einem naturwissenschaftlichen Studium, der Meteorologie, motiviert wurde.

Einen Blick hinter die Kulissen seines Romans „Zur letzten Instanz“, in dem Georg Klaus und weitere Akademiemitglieder Teil der Handlung sind (Schweska 2011), gewährt Marc Schweskas Beitrag „Georg Klaus als Romanfigur“.

Aus der abschließenden Podiumsdiskussion der Konferenz geht der vielschichtige Beitrag von Manfred Bierwisch über „Mathematik, Schach, Kommunismus – Konflikte des Philosophen Georg Klaus“ hervor. In selbigem legt er dar, wie Georg Klaus sich seit Beginn seiner akademischen Laufbahn 1948 in Jena intensiv und erfolgreich um die Integration von Einsichten der Kybernetik mit den Positionen des Dialektischen und Historischen Materialismus bemühte. Es war Klaus‘ Verdienst, dass die Kybernetik gegen Ressentiments vor allem politischer Art in den 1960er Jahren offizielle Anerkennung in der DDR fand und sogar in der Theorie realer Wirtschaftsplanung berücksichtigt wurde. Als diese Planungen 1966 an Differenzen mit der sowjetischen Parteiführung scheiterten, lösten die alten Vorurteile erneut eine Kampagne gegen die Kybernetik aus. Georg Klaus, der gerade mit Hilfe der Spieltheorie Konzepte der Kybernetik auf die gesellschaftliche Entwicklung allgemein ausgedehnt hatte, demonstrierte nun in der Abhandlung „Sprache der Politik“ – nach „Semiotik und Erkenntnistheorie“ und „Die Macht des Wortes“ der letzte Band seiner Semiotik-Trilogie – besonders nachdrücklich, aber nicht zum ersten Mal, die eindeutige Einhaltung der Parteiraison. Die bei Georg Klaus festgestellte Billigung intellektuell unakzeptabler Formulierungen erschien für Manfred Bierwisch nur dadurch erklärbar, wenn man sie als Ausdruck der entschlossenen Zugehörigkeit zur festen kommunistischen Glaubensgemeinschaft einstuft.

Die sich anschließende lebhafte Diskussion wurde nicht für diesen Band protokolliert, es soll jedoch erwähnt werden, dass die Frage aufgeworfen wurde, ob nicht die bürgerliche Sozialisation jener Philosophengeneration, der Georg Klaus entstammte, über bessere psychologische Verarbeitungsmechanismen verfügt habe, als die nachfolgenden, von der stalinistisch geprägten geistigen Enge des Universitätsstudiums in den 1950ern deformierten Jahrgänge. Auf die Frage, ob Georg Klaus, sich die Praxis der Argumente gegen die eigene Überzeugung zum Vorbild nehmend, Ähnliches von seinen Mitarbeitern oder Studenten erwartete, konnte von den anwesenden Zeitzeugen nicht nur nicht bestätigt werden, dem wurde vehement widersprochen, da dies in keiner Weise der Haltung, ja dem ganzen Wesen von Georg Klaus entsprochen hätte. Die Pragmatik seiner Semiotik, niedergelegt in den Büchern „Die Macht des Wortes“ und „Sprache der Politik“, enthielt aber auch Gedanken zu einer Sprachnormierung, mit der sich für Klaus die Vorstellung verband, im Sinne wünschenswerter gesellschaftlicher Entwicklungen auf subjektive Denkgewohnheiten Einfluss nehmen zu können. Die Konsequenzen dieser fragwürdigen Art von Sprachinstrumentalisierung wandten sich mit der parteiamtlich beschlossenen Verbannung von kybernetisch-semiotischen Begriffen aus dem politischen Sprachgebrauch schließlich gegen ihn selbst.

Die Aufsätze von Michael Roth, Verena Witte sowie Markus Michler wurden dem Konferenzband abrundend hinzugefügt. Der Autor dieser Einleitung hofft, ebenso wie die Veranstalter der Konferenz und die Herausgeber des vorliegenden Sammelbandes, mit der getroffenen Auswahl das stattgefundene Ehrenkolloquium würdig zu dokumentieren und zu einer weiterführenden Beschäftigung mit den von Georg Klaus geäußerten Gedanken anzuregen.

 

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