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Matthias John (Hg.)

 

Das Tagebuch des Buchdruckerlehrlings Friedrich Anton Püschmann während der Revolution von 1848/49

und der Restaurationsepoche von 1850 bis 1856

 

 

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2015, 3 Bände, zus. 1208 S., zahlr. Abbildungen

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Inhaltsverzeichnisse und Vorwort der drei Bücher

 

Das Ortsregister der drei Bände zum nachschlagen

 

Band I: Die Buchdruckerlehre in Grimma, die Wanderung durch Sachsen, Thüringen, West- und Norddeutschland während der Revolutionsjahre“, 2015, 420 S., zahlreiche Illustrationen, ISBN 978-3-86464-065-0, 39,80 EUR

Klappentext

Der Fund dieses Tagebuchs von Friedrich Anton Püschmann ist bedeutsam, da das Auffinden solcher Aufzeichnungen aus den Jahren 1848/49 heute kaum noch erwartet werden kann. Es handelt es sich zudem um die Niederschrift einer Person, die zwar mit unverhohlener Sympathie der 48er Revolution begegnete, aber nicht zu ihren führenden Persönlichkeiten gehörte. Und derartige Zeugnisse sind noch weniger vorhanden als die von Führern der Revolution. Zugleich zeichnen sich die Tagebuchaufzeichnungen durch einen guten, flüssigen Stil und eine anschauliche Darstellungsweise aus. Darin widerspiegelt sich der relativ hohe Bildungsgrad von Anton Püschmann, den er sich als Sohn eines Lehrers bzw. als Angehöriger einer Lehrerfamilie erworben hatte.

Gegenstand seines Tagebuchs ist zunächst die letzte Phase seiner Ausbildung zum Buchdrucker, die mit seiner Freisprechung am 10. Juni 1848 endete. Er ging dann auf Wanderschaft durch Sachsen, West- und Norddeutschland. Im Oktober fand er schließlich in Rostock seine erste Anstellung, und wenige Monate später wechselte er in eine Hamburger Stellung, die er bis Ende 1849 innehatte.

Bemerkenswert an diesen Aufzeichnungen ist, mit welchem Enthusiasmus der Tagebuchschreiber die 48er Revolution begrüßte und mit welchem Eifer er die Ereignisse verfolgte, die er oftmals mit hoher Sachkenntnis kommentierte, obwohl er noch in einem recht jugendlichen Alter war. Sein Wissen über die einzelnen Vorgänge stammte vor allem aus der zeitgenössischen Presse. Im Fokus seiner Aufmerksamkeit stand in dieser Zeit verständlicherweise die Erringung der Preßfreiheit, wobei ihn seine praktischen Erfahrungen mit der Zensurpraxis zu einem glühenden Anhänger dieser Forderung machten. Anton Püschmann beteiligte sich aktiv am politischen Leben. Er nahm unter anderem mehrmals an Versammlungen des in Grimma bestehenden Deutschen Vereins, eines Sammelbecken der Liberalen, teil.

Ende des Jahres 1848 resümierte er: „‚Ich fürchte, daß das Jahr 1849 die traurige Bestimmung haben möchte, zu erfüllen, was die zweite Hälfte von 1848 begonnen: die erneute Knechtung des deutschen Volkes.“ Im Jahre 1849 konstatierte er: „‚Und diese Prophezeiung ist leider zur Wahrheit geworden.‘ Nicht nur um die Freiheit, sondern auch um die Einheit sei das deutsche Volk betrogen worden. ‚Ohne Einheit keine Freiheit, ohne Freiheit keine Einheit.‘“

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Band II: Die Wanderung durch Sachsen, Süddeutschland, Elsaß-Lothringen und die Schweiz sowie die Ausbildung zum Lehrer in Grimma während der Reaktionsjahre“, 2015, 480 S., zahlreiche Illustrationen, ISBN 978-3-86464-066-7, 42,80 EUR

Klappentext

Der Band I umfasste die Aufzeichnungen von Friedrich Anton Püschmann bis Ende 1849, wo er erstmals nach 7 Jahren wieder bei seiner Familie in Mitteldorf bei Stollberg im sächsischen Erzgebirge Aufenthalt nahm.

Band II – Im Jahr 1850 ging er erneut auf Wanderschaft. Zunächst fand er in Dresden für ein halbes Jahr Anstellung. Im Sommer 1850 begann er seine Wanderung durch Süddeutschland, wo er sich u.a. zwei Monate in Sulzbach aufhielt. Nach zahlreichen weiteren Stationen im Süden Deutschland erreichte er im Oktober Elsaß-Lothringen und einen Monat später die Schweiz. Hier fand er in Zürich eine längere Beschäftigung (21. Mai 1852 bis 17. April 1853), dann in Lausanne (19. April bis 12. September 1853). Danach führte er seine Wanderschaft durch die deutschsprachige Schweiz
fort.

In der Zeit von September 1853 bis September 1854 hatte Anton Püschmann dann eine Anstellung in der Stuttgarter Buchdruckerei „Zu Gutenberg“, bevor er letztmalig auf die Walz ging. Seine Wanderungen führten ihn jetzt über Süddeutschland, Österreich und Böhmen zurück in seine Heimat. Hier reifte in ihm der Entschluss, Lehrer zu werden. Er nahm Kontakt zu August Köhler, dem Direktor eines Lehrerseminars, auf, der vorhatte, in Grimma ein Nebenseminar zu errichten, um „ältere unbescholtene und mit Kenntnissen versehene Leute, die dem Lehrerstande sich widmen wollten, in einem zweijährigen Cursus zum Ziel zu führen.“ Im Juni 1855 trat er in dieses Seminar ein, wobei er im April 1856 vom Neben- in das Hauptseminar wechselte. Seine Tagebuchaufzeichnungen endeten mit dem 31. Dezember desselben Jahres.

Seit dem Jahre 1850 nahmen im Tagebuch jene Einträge, die sich politischen Ereignissen widmeten, stark ab, um schließlich ganz aufzuhören. In dem Maße, wie sein Interesse an der Politik geringer wurde bzw. erlahmte, wuchs seine Aufmerksamkeit für Glaubensfragen, wodurch Anton Püschmann aus der restaurativen Wirklichkeit flüchtete und darin einen vermeintlichen Ersatz für seine enttäuschten politischen Hoffnungen fand. Fortan bestimmte der christliche Glaube sein Leben vollkommen, was sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen widerspiegelt. Ungeachtet dessen ist der dritte Teil des Tagebuchs (1. Teil: Lehrlingszeit in Grimma; 2. Teil: Wanderschaft) auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil er einen tiefen Einblick in die sächsische Lehrerbildung um die Mitte des 19. Jahrhunderts gibt.

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Band III: Anlagen und Register, 2015, 306 S., ISBN 978-3-86464-067-4, 35,80 EUR

Klappentext

Der dritte Band der Edition der Tagebücher von Friedrich Anton Püschmann bietet dem Leser Material über das weitere Leben Püschmanns, ein Quellen-, Literatur- und Abbildungsverzeichnis sowie mehrere Register, durch die die Bände I und II bis in die Tiefe erschlossen werden. Im Autoren- wie im Personenverzeichnis werden neben den Lebensdaten die wichtigsten biographischen Informationen geliefert, die sich in Erfahrung bringen ließen. Das war bei dem weiten Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis von Anton Püschmann eine große Herausforderung, und das um so mehr, als kein Nachlass vom Tagebuch-Schreiber existiert (sieht man von einigen Zeichnungen ab, die im Göschenhaus zu Grimma-Hohnstädt verwahrt werden). An das Autoren- und Personenverzeichnis schließt sich der Presseindex an. Abgeschlossen werden die Register durch ein Verzeichnis der geographischen Namen, das den Herausgeber ebenfalls vor besondere Herausforderungen stellte, da viele der von Anton Püschmann erwähnten Orte, insbesondere in Sachsen, inzwischen von der Landkarte verschwunden sind. Deshalb entschloss sich der Herausgeber, dem Leser nicht nur den jeweiligen Namen der Orte anzubieten, sondern auch ihre konkrete geographische Lage und ihre administrative Zuordnung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zu ermitteln und zu beschreiben.  

Insgesamt liegt mit dem Band III nun ein editorisch abgeschlossenes, biografisches Zeugnis aus dem Mitte des 19. Jahrhunderts vor, das von einem jungen Intellektuellen (zunächst Buchdrucker und später Lehrer) und Symphatisanten der 1848er Revolutionsereignisse geführt wurde. In der Art seiner Darstellung, der Kontinuität seiner Führung, der breiten Teilhabe des Verfassers am wirtschaftlichen, politischen, sozialen, kulturellen und künstlerischen Leben an den Orten seines Aufenthalts und einer auf hohem Niveau stehenden Reflexion seiner Erlebnisse und Erfahrungen kann dieses Tagebuch ohne Zweifel als einmalig bezeichnet werden.

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Kurzfassung der Wanderroute von F. A. Püschmann

Im Sommer 1848 nahm er seine Wanderschaft auf und erwanderte sich nachstehende Orte: Chemnitz, Flöha, Oederan, Freiberg, Grillenburg, Tharandt, Dresden (16. Juli 1848), Pirna, Königstein, Schandau (von hier aus ging er zum Lichtenhainer Wasserfall, zum Kuhstall, zum Winterberg und zum Prebischtor), Sebnitz, Neustadt, Stolpen, Lohmen, Pillnitz, erneut Dresden (22. Juli), Meißen, Lommatzsch, Döbeln, Leisnig, Nerchau, Wurzen, Machern, Taucha, Leipzig, Espenhain, Borna, Altenburg (hierorts hielt er sich vom 30. Juli bis zum 2. August auf), Gera, Jena, Weimar, Eisenach, Wasungen, Meiningen, Hildburghausen, Rodach, Coburg, Bamberg (13. August), Schwarzach, Würzburg, Roßbrunn, Aschaffenburg, Hanau, Offenbach, Frankfurt (20. August) und Darmstadt. Von diesem Ort aus fuhr Anton Püschmann mit der Eisenbahn bis Bensheim bzw. Weinheim. Zu Fuß ging es dann weiter nach Heidelberg, Schwetzingen, Mannheim, Oggersheim, Worms, Oppenheim, Mainz, Frankfurt/Main (29. August), Homburg, Königstein, Idstein, Wiesbaden, Biebrich, Bingen, Bacharach, Koblenz, Neuwied, Andernach, Remagen, Bonn, Brühl, Köln (9. und 10. September), Deutz, Mühlheim, Benrath, Düsseldorf, Krefeld, Elberfeld, Barmen, Hagen, Arnsberg, Lippstadt, Gütersloh, Bielefeld. Von hier fuhr er wieder mit der Eisenbahn über Minden nach Hannover (23. bis 25. September). Dann ging es zu Fuß über Celle, Soltau, Hamburg (29. September bis 2. Oktober), Wandsbek, Lübeck, Schwerin, Wismar und Güstrow nach Rostock weiter. Von dort ging es nach einer mehrmonatigen Stellung nach Hamburg. Hier hielt er sich bis November 1849 auf. Nachdem er einige Zeit in seiner Heimat verweilte, war Anton Püschmann von Februar bis Juni 1850 in Dresden in Stellung.

Am 7. des Monats ging Anton Püschmann von dort fort, wobei er diesmal vor allem durch die Lausitz wanderte. Seine Stationen waren: Schandau, Sebnitz, Schluckenau, Rumburg, Lausche, Jonsdorf, Zittau, Herrnhut, Görlitz, Bautzen, Bischofswerda, Pulsnitz, Moritzburg, Dresden. Am 18. Juni 1850 erreichte er wieder sein Heimatdorf (Mitteldorf, wo er sich bis zum 2. Juli 1850 aufhielt.

   An diesem Tag ging er erneut auf Wanderschaft. Er erwanderte sich diesmal folgende Städte: Zwickau, Reichenbach, Plauen, Hof, Bayreuth, Erlangen, Fürth, Nürnberg, Hersbruck und Sulzbach. In der Buchdruckerei dieser oberpfälzischen Stadt war Anton Püschmann vom 12. Juli bis zum 30. August 1850 angestellt. Danach setzte er seine Wanderschaft fort, und zwar führte ihn sein Weg über Amberg, Regensburg, Landshut, Moosburg, Freising, München (hier hielt er sich vom 6. bis 9. September auf), Fürstenfeldbruck, Augsburg, Burgau, Ulm, Blaubeuern, Reutlingen, Tübingen, Esslingen, Cannstadt, Stuttgart (21. September), Ludwigsburg, Vaihingen, Durlach, Karlsruhe (25. und 26. September), Bruchsal, Heidelberg, Schwetzingen, Mannheim, Darmstadt, Frankfurt/Main (2./3. Oktober), Wiesbaden, Mainz, Alzey, Worms, Speyer, Germersheim, Landau, Bergzabern, Weißenburg, Hagenau, Straßburg (12. bis 14. Oktober), Colmar, Mühlhausen, Basel (16. und 17. Oktober), Waldenburg, Solothurn, Bern, Biel, Neuenburg, Yverdon, Lausanne, Freiburg, Thun, Bern, Luzern (1. und 2. November), Zug, Herisau, St. Gallen, Winterthur, Zürich, Aarau und erneut wieder Basel. An diesem Ort trat Anton Püschmann am 26. November 1850 in Condition, die er bis zum 18. Mai 1852 innehatte.

Es folgten Stellungen in Zürich (21. Mai 1852 bis 17. April 1853) und Lausanne (19. April bis 12. September 1853), bevor er seine Wanderschaft durch die Schweiz wieder aufnahm. Anton Püschmann wanderte über Vevey, Freiburg, Bern, Thun, Brienz, Meiringen, Luzern, Schwyz, Einsiedeln, Zürich, Winterthur, Schaffhausen, St. Gallen nach Friedrichshafen. Von hier aus fuhr er mit der Eisenbahn über Ulm nach Stuttgart. Hier war er wieder längere Zeit in Stellung, die ihm im September 1854 gekündigt wurde.

Letztmalig ging dann Anton Püschmann am 26. September des Jahres auf Wanderschaft, und zwar wanderte er über Stuttgart, Ulm, München, Rosenheim, Reichenhall, Salzburg (4. bis 6. Oktober), Linz, Wien (hierorts hielt er sich vom 12. bis 18. Oktober auf), Brünn, Prag (19. und 20. Oktober), Theresienstadt, Außig, Dresden (22. Oktober) nach Mitteldorf, wo er am 26. Oktober 1854 ankam.