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Henschel, P. Johannes

 

Argwöhnisch beobachtet. Das gespannte Verhältnis zwischen deutschen Kolonialbeamten und katholischen Missionaren in Bagamoyo/Ostafrika

 

 

2013, [= Cognoscere Historias, Bd. 20], 125 S., 978-3-86464-000-1, 29,80 EUR

 

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Klappentext

Unter dem Titel „Argwönisch beobachtet..." werden die Ereignisse in Bagamoyo am Indischen Ozean, heute Tansania, zwischen 1888 bis 1918 beschrieben. Bagamoyo liegt 70 Kilometer nördlich von der Hauptstadt von Tansania, Dar es Salaam, entfernt und war um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts der Hauptort der Auseinandersetzungen zwischen den deutschen Kolonialbehörden in Deutsch-Ostafrika und den katholischen Missionaren der Gemeinschaft der Spiritaner.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Ostafrika im Blickfeld Europas 7

Zu Beginn: Entdeckt in Kirchenbüchern 9

I. Kapitel: Bagamoyo vor 1888 – eine blühende Handelsstadt 13

1. Wo Kulturen sich trafen 13

2. Komplizierte Stadtstrukturen 16

3. Sklavenbefreiung: Die katholischen Missionare in Bagamoyo 21

II. Kapitel: Alles begann mit dem Bushiri-Krieg 29

1. Die Deutschen kommen 29

2. Bagamoyo vor Ausbruch des Bushiri-Krieges 34

3. Bagamoyo: Hauptkampfplatz 37

4. P. Baur´s Standpunkt: Neutral bleiben 45

III. Kapitel: Zündstoff Islam und Sklaven 49

1. Bagamoyo – Zentrum des Islams 49

2. Zündstoff: Sklavenbefreiung 50

3. Wie begegneten die katholischen Missionare den Moslems? 52

IV. Kapitel: Bagamoyo unter den Deutschen 55

1. Die DOAG und die Spiritaner 55

2. Eingeschoben: 1873 – Spiritaner in Deutschland verboten 58

3. Die Verwaltung in Deutsch-Ostafrika 59

4. Die Spiritaner in Bagamoyo während dieser Zeit 64

V. Kapitel: Klagen und Gegenklagen 73

1. Ab 1890 wuchsen Spannungen 73

2. Deutsche Beschuldigungen gegen Spiritaner 75

3. Hauptprobleme der Spiritaner mit den Deutschen 84

4. Ständige Kontroverse: Mischlingskinder 94

5. Drei richtige Männer am falschen Platz 96

VI. Kapitel: Das Ende der deutschen Kolonialzeit in Ostafrika 99

1. Ein dummer Bischof und ein sturer Pater 99

2. Die Spiritaner in Bagamoyo vor dem Ersten Weltkrieg 101

3. Ruhe vor dem Sturm – Bagamoyo vor 1914 103

4. Am 15. August 1916 eroberten Engländer Bagamoyo 106

5. Fazit des Krieges 109

Gedanken zum Schluß: Gab es Begegnungen in Bagamoyo? 113

Literaturempfehlung 115

Zur Reihe Cognoscere historias 119

Bildnachweis und Danksagung 123

Über den Autor 125

 

 

Einleitung: Ostafrika im Blickfeld Europas

Mit der Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 geriet auch Ostafrika immer stärker in das Blickfeld Europas. 1868 hatten katholische Missionare der Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist, kurz Spiritaner genannt, in Bagamoyo am Indischen Ozean im heutigen Tansania die erste katholische Missionsstation auf dem ostafrikanischen Festland gegründet. 1888, zwanzig Jahre später, begannen Vertreter der Deutschen Ostafrika-Gesellschaft/DOAG, ebenfalls von Bagamoyo aus, die Kolonie Deutsch-Ostafrika zu errichten. An diesem einen Ort kann beispielhaft dargestellt werden, was im ausgehenden 19. Jahrhundert auch an anderen Orten in Afrika geschah.

Europäer mit unterschiedlichen Einstellungen den Afrikanern gegenüber prallten aufeinander. 1933 schrieb Leo Frobenius in der Einleitung zu seinem Buch „Kulturgeschichte Afrikas": „Wir sollten nicht vergessen, dass noch vor einem Menschenleben Afrika in der Vorstellung auch gebildeter Europäer ein trostloses Land war. Und die Eingeborenen? Halb-tierische Barbaren; ein Sklavenvolk, dessen rohe Verkommenheit nur den Fetischismus produziert hat und sonst nichts!" Das war 1933, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts! Da gab es im 19. Jahrhundert aber auch ganz andere Aussagen über die Afrikaner. Am 15. August 1842 legte Pater Franz M. Paul Libermann, später der 11. Generalobere der Spiritaner, in seinem „Missionsmemorandum" an den Vatikan in Rom dar: „Die Schwarzen sind nicht weniger begabt als alle anderen. Man muss sie nur fördern und sich zielbewusst darum bemühen, sie zu guten Christen zu machen." Libermann kannte die Vorurteile, mit denen manche Zeitgenossen die Afrikaner beurteilten. Als seine Mitarbeiter P. Eugene Tisserant und P. Frederic Le Vavasseur 1842 nach Haiti gingen, um dort unter Sklaven zu wirken, haben wohl viele gutmeinende Freunde davon abgeraten. In einem Brief fasst Libermann alle Vorurteile zusammen: „Von Anfang an haben gewisse Personen uns von unserem Vorhaben abzubringen versucht. Die Neger – so sagten sie – werden niemals sich selbst beherrschen können. Sie werden nie die hehren Gefühle, die man ihnen zu vermitteln sucht, nachempfinden. Sie seien dumm, unfähig, herzlos, diebisch." Libermann ließ sich von solchen Vorurteilen nicht verwirren. Für ihn waren die Schwarzen „nicht weniger begabt als alle anderen". Die Spiritanermissionare in Bagamoyo teilten mit Libermann dieses Afrikabild.

Da kamen Europäer mit unterschiedlichen Absichten nach Afrika. Die einen begannen, Afrikanern die christliche Botschaft zu verkünden. Allerdings haben sie dabei auch die europäische Lebensart eingeführt. Die anderen kamen, um die Länder Afrikas in Kolonien aufzuteilen, um die Bodenschätze Afrikas auszubeuten und um über die Afrikaner zu herrschen.

Zwei Richtungen aus Europa prallten in Afrika aufeinander. Ich möchte die Ereignisse an diesem einen Ort Bagamoyo zwischen 1888–1918 darstellen. Dabei kann Kolonialgeschichte und Missionsgeschichte beleuchtet werden. Auch interessante religionsgeschichtliche Aspekte sind zu beobachten. Die Missionare und die Kolonisatoren kamen in Ostafrika in ein Land, das vom Islam geprägt war. In Ostafrika waren Moslems zudem in die damalige ostafrikanische Sklaverei verwickelt. In einer Zeit, in der in Europa die Anti-Sklaverei-Bewegung immer stärker wurde. Das hatte interessante Auswirkungen auf das Araberbild des 19. Jahrhunderts. Manche Ansichten sind uns heute fremd. Ich werde sie einfach so stehen lassen, wie sie in den Dokumenten der damaligen Zeit zu finden sind.

Rostock im Januar 2013

P. Johannes Henschel