mit
Illustrationen von Lennard Körber, 2006, 60 S., ISBN (10) 3-89626-653-5,
ISBN (13) 978-3-89626-653-8, Preis 7,80 EUR

Weit
oben im Gebirge haust der grause Drache, speit Feuer und frißt Prinzessinnen.
Das meint jedenfalls Drachentöter Schorsch, der ehemalige Zirkusclown, den die
Großverwaltung beauftragt hat, die Stadt von dem gefährlichen Untier zu
befreien. Wie dann aber alles ganz anders kommt, der Drache fliegen lernt und
der Drachentöter die Idee von einer ganz neuen Zirkusnummer hat, schildert
dieses äußerst vergnügliche Buch.
Das
gleichnamigen Theaterstück der Autorin wird ab September 2006 in Deutschland
aufgeführt.
5.
Kapitel, in dem der Drachentöter die erste Drachentötungswaffe
zur Anwendung bringt
Wenn
der Drache dachte, daß Schorsch angesichts des gewaltigen Getöses angstvoll
davon lief - da hatte er sich aber geschnitten!
Denn
Schorsch dachte ganz fest an die Belohnung und steigerte sich entschlossen
hinein in eine gewaltige Kampfeslust.
Kommt
der mir so? dachte er. Das kann ich auch! Und besser! Und überhaupt - wieso
duzt der mich? Haben wir vielleicht zusammen Schweine gehütet?
Und
um nun auch seinerseits das Echo in den hohen Bergen zum Klingen zu bringen und
damit zu beweisen, daß er vor nichts, aber auch vor gar nichts Angst hatte,
schrie er, so laut er konnte:
“Das
werden wir ja sehen, wer hier was sieht! Du jedenfalls siehst mich gleich gar
nicht mehr! Ich setze jetzt die Tarnkappe auf! Die macht mich unsichtbar!”
“Oh!”
rief der Drache. “Das ist unfair! Ich denke, wir wollen kämpfen! Wie soll ich
denn kämpfen, wenn ich nicht sehe, gegen wen!”
“Das
ist ja gerade der Trick! Ich werde siegen!”
Mit
diesen Worten setzte sich Schorsch die Tarnkappe auf.
Der
Drache glotzte ihn verwirrt an.
Schorsch
tanzte vor der Nase auf und ab, schnitt Fratzen, frohlockte und sang:
“Ätschi,
bätschi, bätschi! Du siehst mich nicht, du siehst mich nicht! Denn ich bin
weg! Ich bin weg!”
“Grün”,
erklärte der Drache.
“Was?”
fragte Schorsch und stand still.
“Du
bist nicht weg. Du bist grün.”
“Was?!”
Schorsch
wollte es nicht glauben!
Er
betrachtete seine Arme, seine Beine, seinen ganzen Körper – aber es stimmte!
Er war tatsächlich nicht durchsichtig, sondern grün geworden!
Grasgrün!
“Wieso
bin ich grün und nicht weg!” schrie er verzweifelt.
Der
Drache aber riß sein Maul so weit auf, daß Schorsch tief in den Drachenrachen
hineinsehen konnte und sich einen Augenblick lang vorstellte, wie er selbst
durch diesen ungeheuren Schlund rutschte - iih!
“So!
Jetzt kämpfen wir!” brüllte der Drache.
“Nein!
Bitte noch nicht!” schrie Schorsch. “Ich kann doch noch nicht kämpfen! Ich
bin doch noch zu sehen! Warum bin ich denn grün - statt unsichtbar?”
“Weiß
ich doch nicht! Ist doch deine Tarnkappe!” schnaubte der Drache.
“Nein!
Nicht meine - sie ist von der Großverwaltung von Stadt und Land!”
“Von
denen?” Der Drache lachte: “Dann sieh sie dir mal genau an!”
Schorsch
riß sich die Tarnkappe vom Kopf - gleich war er nicht mehr grün! - und besah
sich das Teil von allen Seiten. Im Innenfutter fand er eine Stickerei: 'Mindestens
haltbar bis 31.12.1234' stand da!
“Zwölfhundertvierunddreißig!”
schrie er auf. “Das Verfallsdatum ist fast achthundert Jahre überschritten!
So was drehen die mir an!”
“Tja!”
lachte der Drache böse. “Die sind geizig! Los - kämpfe!”
Aber
wie! dachte Schorsch verzweifelt. Wie denn, wenn ich nicht unsichtbar bin!