Alice Rühle-Gerstel

"Wo rett’ ich mich hin in der Welt": Feuilletons, Reportagen, Rezensionen und Kinderbeilagen 1924-1936

[= Reihe Spurensuche, Bd. 7], hrsg. von Jana Mikota, trafo verlag 2007, 333 S., zahlr. Abb., ISBN (10) 3-89626-615-2, ISBN (13) 978-3-89626-615-6, 34,80 EUR

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Zu den Rezensionen

 

Alice Rühle-Gerstel (1894-1943) war Individualpsychologin, Schriftstellerin, Journalistin, Marxistin und Feministin. Sie gehörte zu den Frauen, die sehr früh die Ausbeutung der proletarischen Frauen dokumentierte, die bereits vor 1933 die Gefahren des Nationalsozialismus erkannte und daher schon 1932 mit ihrem Ehemann Otto Rühle in ihre Geburtsstadt Prag emigrierte. Alice Rühle-Gerstel – Manés Sperber bezeichnete sie als die intelligenteste und wohl auch gescheiteste Frau, der er je begegnet sei – selbst blieb jahrelang innerhalb der Literaturwissenschaft, Politologie, Individualpsychologie und Exilforschung weitgehend unbekannt. Sie spielte in den 1920er Jahren eine wichtige Rolle innerhalb der Individualpsychologie. Ihre Rezensionen in der Literarischen Welt beeindrucken noch heute.

Im Prager Exil redigierte sie eine Kinderbeilage, in der Kinder als Autoren ernstgenommen wurden, und im mexikanischen Exil schrieb sie dann ihren Roman Der Umbruch oder Hanna und die Freiheit, dessen Publikation sie nicht mehr erlebte.

Die Sorge um proletarische Familien, frauenspezifische Fragestellungen, Individualpsychologie und Marxismus dokumentieren ihr schriftstellerisches Werk der Jahre 1920 bis 1943. Im mexikanischen Exil erlebte sie die Isolation und nahm sich schließlich, nachdem ihr Ehemann Otto Rühle einem Herzinfarkt erlag, das Leben.

Zum ersten Mal werden damit die wichtigsten journalistischen Arbeiten Alice Rühle-Gerstels in einem Buch zusammengefasst. Die Texte spiegeln in jeder Hinsicht ein ungewöhnliches Frauenleben. Erstmals wird auch eine Biografie der Autorin vorgestellt. Alice Rühle-Gerstel gehört zu jenen beinahe vergessenen Autorinnen, deren Spuren-Suche sich lohnt.