Bernardin de Saint-Pierre
‘Reise
durch Schlesien’ und andere Reisetexte
hrsg. von Marion George
[= SILESIA. Schlesien im europäischen Bezugsfeld. Quellen und Forschungen, Bd. 5], trafo verlag 2006, 298 S., ISBN (10) 3-89626-596-2, ISBN (13) 978-3-89626-596-8, 26,80 EUR
Die vorliegende Ausgabe stellt sich die Aufgabe, die Provinz
Schlesien, die im polnisch-deutschen Verhältnis eine ganz besondere Rolle
spielte, einmal von einem französischen Blickpunkt her zu thematisieren. Sie
gruppiert um Bernardin de Saint-Pierres Voyage en Silésie aus dem Jahre
1807 historische Reisetexte vom selben Autor und Auszüge aus anderen
zeitgenössischen französischen Quellen. Auf diese Weise soll zunächst der
französische Kenntnisstand über Schlesien rekonstruiert werden. Danach zeigen
die Texte in einer biographischen Perspektive, wie Bernardin de Saint-Pierre
diese Provinz in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts kennengelernt hatte.
Vom biographischen Erleben ausgehend dokumentieren die ausgewählten
Textauszüge auch die ideengeschichtlichen Entwicklungen im 18. Jahrhundert, an
denen Bernardin de Saint-Pierre auf ganz spezifische Weise partizipierte. So
erscheint die fiktive Reise durch Schlesien als Ergebnis einer
Transformation und Verdichtung gelebter Realität und vorgefundener wie
selbstentworfener Bewertungs-und Darstellungsstrategien. Die Ausgabe verbindet
also einen kulturwissenschaftlichen Ansatz im Sinne einer Rekonstruktion von
Realien mit einer Auslegung des Textes ganz im Sinne der Hermeneutik, die immer
schon das Verstehen der Sach-wie der Ideengehalte in Sprachstrukturen zum Inhalt
hatte.
Die Ausgabe wendet sich an einen interessierten deutschsprachigen Leserkreis,
wobei die mitedierten Texte in Originalsprache der Forschung einen authentischen
Zugriff auf das Französisch des 18. Jahrhunderts ermöglichen sollen, das nicht
immer ganz authentisch übersetzt werden kann.
Jacques Henri Bernardin de Saint-Pierre (1737–1814) gehört zu
den Autoren, die durch ein einziges Werk Eingang in die Literaturgeschichte
gefunden haben. Mit der unglücklichen Liebesgeschichte von Paul und Virginie
(1788) eroberte er ganz Europa. Bis 1914 erschienen 207
Ausgaben des Werkes im Vergleich zu 174 von Voltaires Candide oder 74 von
Rousseaus Nouvelle Héloïse. In der Vorrede zu
einer Luxusausgabe im Jahre 1806 stellte er sein Werk neben Homers Ilias
und Odyssee, verwies auf die zahlreichen Bearbeitungen in Prosa und
Versen, für die Bühne und später sogar für Ballett und Oper und zitierte
Übersetzungen in sieben Sprachen (die deutsche erscheint 1795). Doch nicht
minder stolz war er auf die außerliterarische Rezeption dieses Werkes. Wie
Goethes Werther verstand das zeitgenössische Publikum Paul und
Virginie als sentimentales Lebensmodell, das den Nerv der Zeit traf. Eine
Kleidermode à la Paul et Virginie entstand, die Vornamen wurden
populär, Bernardin de Saint-Pierres eigene Kinder erhielten diese Namen. In der
französischen Kulturtradition wurde dieses Werk zu einer festen
Referenzgröße, auf die sich ganz unterschiedliche Autoren wie
selbstverständlich bezogen, ohne immer das ganze Werkangebot im Blick zu haben.
Chateaubriand bekennt in seinen Mémoires d’outre-tombe rückblickend,
dass neben dem Ossian, neben dem Werther, neben den Rousseauschen Rêveries
du promeneur solitaire die Etudes de la nature, in denen Paul et
Virginie erschienen waren, seine romantische Weltsicht initialisierten.
Weitere Rezeptionsspuren finden sich bei Lamartine5,
George Sand6, Nerval7,
Baudelaire8 und Aragon.
Angesichts dieses Welterfolgs verblassten seine anderen Werke, die zumindest zu seinen Lebzeiten in Frankreich Beachtung fanden und ihm das Wohlwollen der Revolutionäre wie dann auch die besondere Gunst Napoleons eintrugen. Neben Paul und Virginie, mit dem Bernardin de Saint-Pierre exotische Naturschilderung, Simplizität der Sitten in der Tradition der bukolischen Dichtung und Empfindsamkeit im Zeichen des Rousseauschen Zurück zur Natur in die französische Literatur einführte, stehen jedoch auch andere Texte. Während dieser Liebesroman von der klerikalen Opposition als Kampfansage an die rationalistische Aufklärung und noch heute von der Literaturgeschichtsschreibung als Vorbote der romantischen Rekatholisierung gesehen wird, die schließlich Chateaubriand mit seinem Génie du christianisme 1802 vollzogen habe10, zeigen philosophische Miniaturen wie La chaumière indienne, Le Café de Surate oder eben auch Voyage en Silésie ein anderes Bild. Besonders seine Reise durch Schlesien erweist sich als wichtiger Schlüsseltext unter mehreren Aspekten.
Zunächst bedarf der Stoff einer Erklärung, denn die Länder Mittel- und Osteuropas standen im 18. Jahrhundert nicht gerade im Mittelpunkt des französischen kulturellen Interesses. Französische Ambitionen in Polen existierten seit dem 16. Jahrhundert, als mit dem Tod Sigismunds II. (1572) der Stamm der Jagellonen endete und das Wahlkönigtum in seine Rechte eintrat.11 Interesse für das preußische Modell zeigten schon Voltaire12 und Mirabeau. Bei Bernardin de Saint-Pierre erwuchs es jedoch aus der unmittelbaren biographischen Erfahrung des Reisenden, der zudem nicht nur mit dem kontemplativen Blick des Entdeckers oder Forschers in den Osten aufbrach, sondern als ambitionierter Militäringenieur, der in Russland Karriere machen möchte. Aus eher bescheidenen Verhältnissen stammend, nützte auch sein Verweis auf eine eher zweifelhafte adlige Abstammung nichts, um im Frankreich des Ancien Régime eine Stellung zu erreichen, die seinem Ehrgeiz entsprach. 1862 brach der Fünfundzwanzigjährige, der schon zuvor oft gereist war, zu Schiff nach Kronstadt auf. Als seiner Bewerbung um eine Anstellung als Militäringenieur nicht sofort entsprochen wurde, wendete er sich persönlich an die Zarin Katharina II. (1729–1796) mit dem ehrgeizigen Projekt einer Gesellschaft zur Entdeckung einer Passage nach Indien durch Russland.17 Dem stellte er eine Einleitung voran, in der er seinen Hoffnungen auf gesellschaftlichen Aufstieg in Russland Ausdruck verlieh, der das eigentliche Motiv seiner Reise war.
Die Ehrliebe zwingt manchmal dazu, seine Heimat zu verlassen, um eben diese Ehrliebe zu bewahren; eine Ungerechtigkeit, eine Zurücksetzung haben oft mehr Macht über eine stolze Seele als die Bindungen der Freundschaft und des Blutes. Ein Staat, der für solche Menschen Plätze bereit hat, wird daraus früher oder später großen Nutzen ziehen. Wenn Russland solche Menschen anziehen will (d. h. Menschen, deren Mut nicht durch eine extreme Armut gebrochen wurde), ist es notwendig, dass es Güter anbietet, die sie mit Ehre erwerben und in Sicherheit genießen können.
Zwei Jahre blieb er, im Kapitänsrang, in russischen Diensten. Die in diese Ausgabe aufgenommenen Reiseberichte (Textteil B 3) zeigen ein eher ambivalentes Bild. Als unmittelbarer Zeitzeuge erlebte er die durchaus umstrittene Machtergreifung Katharinas II., die für viele ambitionierte Glücksritter unerwartete Karrieren eröffnete. Schon früh erkannte er, dass es sich bei dieser Zarin um eine wirklich bedeutende politische Persönlichkeit handelte, die Russlands Stellung in der Welt befestigte und das Erbe Peters I. durch weitere innere Reformen fortführte. Doch er sah auch die realen Machtstrukturen und ökonomischen Verhältnisse im Lande, die eine despotische Regierungsform notwendig machten, mit der er sich nur schwer abfinden konnte. Seine eigene Stellung in dieser Konstellation war ebenfalls nicht ganz einfach. Offiziell war er in russischen Diensten, jedoch ohne den gewünschten einflussreichen Posten. Zugleich betonte er seine nationale Herkunft und hielt sich die Option der Rückkehr in französische Dienste offen, indem er es ablehnte, den Treueeid auf Russland zu schwören. Die hier abgedruckten Aufzeichnungen über Russland mit vielen internen, wenngleich auch nicht geheimen Informationen, waren für Frankreich bestimmt. Normalerweise war es die Aufgabe der Diplomaten, solche Berichte, Mémoires/Denkschriften genannt, an die zuständigen Minister in Frankreich zu senden, um die Außenpolitik auf dem Laufenden zu halten. Es lässt sich hier wohl nicht von Spionage sprechen, denn offensichtlich interessierte sich niemand in Frankreich für Bernardins Ansichten über Russland. Sie lesen sich gelegentlich auch wie eine Art Führer für französische Kaufleute oder Franzosen, die sich in Russland niederlassen und ein neues Leben aufbauen wollten. Doch er war in einer zumindest delikaten Lage, indem er sich Optionen für eine russische und für eine französische Karriere offen halten wollte. So sahen dies wohl auch die russischen Stellen. Als Bernardin nach zwei Jahren 1764 Russland verließ, um in französischem Interesse diejenigen polnischen Kräfte zu unterstützen, die ein autonomes Polen gegen die Teilungswünsche Russlands, Preußens und Österreichs verteidigten, wurde er in Warschau unter Arrest gestellt, und er befürchtete ernsthaft die Deportation nach Sibirien.
Schon im 19. Jahrhundert hatte Sainte-Beuve
unklare politische, vor allem aber romantische Gründe für das polnische Abenteuer Bernardins geltend gemacht. Ihm wurde eine unglückliche Liebe zu einer polnischen Prinzessin Marie aus dem Hause Radziwill nachgesagt. Die wirklichen Beweggründe waren jedoch wohl eher prosaischer Natur. Auch hier ging es Bernardin um eine Existenzgründung, sei es durch französische Stellen, in deren Diensten er diplomatisch tätig werden könnte, sei es direkt finanziert von den Polen selbst. Inwieweit er hingegen wirklich ein offizielles Mandat der französischen Regierung oder sich diese politische Stellung nur angemaßt hatte, um eine Karriere in Frankreich zu erzwingen, ist nicht ganz klar. Immerhin findet sich als Anhang seiner Korrespondenz mit Hennin ein detaillierter Bericht, der über die Vorgänge seiner Verhaftung in Warschau, das damals ganz unter russischem Einfluss stand, Auskunft gab und sicherlich für französische Diplomatenkreise bestimmt war. Was eine Laufbahn in Polen betraf, so entging seiner Klarsicht nicht, dass Polen unfähig zu einer Reform seiner Institutionen war und damit die Teilung unweigerlich bevorstand. Sehr sachlich bilanzierte er in einem Brief vom 5. Juni 1765 aus Dresden:Was Polen betrifft, so werde ich nicht mehr dahin zurückkehren, und ich hätte auch aus verschiedensten Gründen nicht den Grad und den Sold eines Leutnants annehmen können. Einer der wichtigsten besteht darin, dass der Dienst für dieses Land zu wenig geachtet und zu schlecht bezahlt wird.
Noch später hielt er sich jedoch zugute, dass er schon zu dieser Zeit die Unausweichlichkeit der Entwicklung vorausgesehen hatte. Er verfolgte die polnische Geschichte auch weiterhin und sah sich in seiner Analyse der polnischen Verhältnisse bestätigt. Wieder reiste er enttäuscht aus einem Land ab, das für ihn mit einem konkreten Lebensprojekt verbunden war, das jedoch an der Realität scheiterte.
Und gerade jetzt, in einer Situation tiefster Depression, begegnete er einem preußischen Reisenden. In einem hier abgedruckten Brief (Textteil A 3.) schilderte er das Providenzielle dieses Zusammentreffens, das vermutlich den Erlebniskern für die fast fünfzig Jahre später geschriebene Erzählung Reise durch Schlesien bildete. Dieser Begegnung verdanken wir die Aufzeichnungen über Preußen, das er unter der Regentschaft Friedrichs II. Mitte der sechziger Jahre erlebte. Auch hier hatte er keinen Erfolg. Er versuchte es in Dresden, in Wien und kehrte schließlich nach Paris zurück, wo er einen erneuten Anlauf nahm, sich gesellschaftlich zu etablieren. Er kam auf seine Aufzeichnungen über die Länder des Nordens zurück, von denen er schon zuvor in seiner Korrespondenz gesprochen hatte
25. Im Mai 1766 kündigte er sie Hennin als Mémoires unter dem Titel Mémoires sur le Nord, Observations sur la Pologne an, wobei er zunächst nur Russland und Polen im Auge hatte. Ausdrücklich insistierte Bernardin auf dem Informationswert dieses Textes. Die ästhetische Behandlung der Reiseeindrücke wurde bewusst zurückgesetzt. Es klingt fast wie eine Entschuldigung, wenn Bernardin schreibt:Ich beschäftige mich damit, etwas über die Sitten der Russen zu schreiben. Es ist ein Mémoire, an dem ich mit Sorgfalt, jedoch mit mehr Anspruch auf Wahrheit als auf angenehme Lesbarkeit arbeite.
27Im Juli des gleichen Jahres weitete sich das Projekt zu einem umfassenden Reisebericht aus, der nun auch konzeptionelle Überlegungen bei Bernardin auslöste.
Sichtlich ist der Textsortenrahmen des Mémoire gesprengt. Bernardin nähert sich einem wissenschaftlich-soziologischen Texttypus an, der deutlich in der Tradition der aufklärerischen Gesellschaftsbeschreibung steht. Es ist anzunehmen, dass er über Hennin, der Voltaire nahe stand, Zugang zu Pariser Philosophenkreisen suchte.
29 Gut zwanzig Jahre später, 1787/88, wird Mirabeau nach ähnlichen Gesichtspunkten die preußische Monarchie und ihre Provinzen darstellen. Doch schon ist das Schreibumfeld im Rousseauschen Sinne drapiert. Nicht die Bibliothek oder die Studierstube, sondern die Einsamkeit des Waldes wurde als Ort der Reflexion gewählt. Die 1833 von Aimé-Martin aus dem Nachlass herausgegebenen Aufsätze gehen noch einen weiteren Schritt über die wissenschaftlich-objektive Sicht hinaus. Auffällig häufig bezieht sich Bernardin als Autor selbst ein. Sein "ich habe gesehen" stilisiert ihn zum empirischen Zeugen des dargestellten Sachverhaltes, der durch Sehen zur Erkenntnis fortschreitet, während Mirabeau seinen wissenschaftlichen Anspruch vor allem durch eine ausführliche Bibliographie konsultierter Werke der Statistik, Volkswirtschafts- und Staatslehre stützt. Und es finden sich bei Bernardin bereits erste sentimentalisierte Landschaftsschilderungen, die deutlich aus der Haltung des neutralen Berichtens herausfallen.Als diese Ankündigung auf kein großes Echo stieß, versuchte er es mit einer historisch-vergleichenden Chronik. Er spricht von einer Chronologie der acht Hauptländer Europas verbunden mit einer Charakteristik der Fürsten, ihrer Herrschaft und des Zustands der Nation. Da der synchrone Zugriff aus der Perspektive eines unmittelbaren Reiseerlebnisses offensichtlich keinen Erfolg hatte, versuchte er es nun mit einem diachronen, eher akademischen. Dieser erneute Versuch, sich an die allgemein akzeptierten Textformen anzunähern, steht vermutlich im Kontext der in der Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung gewinnenden historischen Betrachtungsweise. Bis dahin dominierte die philosophische Analyse und Systematisierung gesellschaftlicher Zusammenhänge, während die Realgeschichte, sofern sie überhaupt zur Kenntnis genommen wurde, entweder als Resultat der Kabinettspolitik der führenden Herrscherhäuser oder als bloße Modifikation und Paraphrase zu allgemeingültigen religiösen bzw. philosophischen Prinzipien aufgefasst wurde. Die historiographischen Werke Voltaires wie Das Zeitalter Ludwig XIV. (1751, siehe auch Textteil D 2.), die eine Synthese zwischen der spekulativen Aufklärungsidee vom notwendigen Fortschreiten der Geschichte zu mehr Humanität, dem Interesse an der dynastisch ausgerichteten Kabinettspolitik und der sozialgeschichtlichen Gesellschaftsanalyse darstellten, brachten einen neuen Texttypus hervor, dem sich Bernardin möglicherweise annähern wollte.
Doch verfolgte er diesen Plan nicht weiter. Bernardin ließ sich aber nicht entmutigen. 1779 berichtete er in einem Brief von der Übersendung seiner Mémoires sur les pays du Nord an den Außenminister
30. 1780 und 178231 erwähnte er sie ein weiteres Mal. 1786, also noch kurz vor dem Erscheinen der Etudes de la nature, diskutiert er noch einmal die Frage der Textform, in der seine Reiseerfahrungen das Interesse der philosophischen Zirkel erregen könnten. Hennin hatte ihm offensichtlich geraten, daraus eine Enzyklopädie zu machen, wobei hier sicherlich das Beispiel des Epoche machenden aufklärerischen Standardwerkes von d’Alembert und Diderot als Modell fungierte. Bernardin weist dies jedoch mit dem Argument zurück, dass ihm dafür die notwendigen Mitarbeiter fehlten. So zwang ihn seine Mittellosigkeit, großangelegte und konzeptionell weitgreifende Kollektivprojekte zu meiden, zumindest sind alle von ihm geplanten, wie etwa L’Arcadie, Fragment geblieben, und Textformen zu wählen, die den universellen Aufklärungsanspruch in individuell zu bewältigenden kleineren Formen umsetzten.Bernardin hielt also an seinen Reisedarstellungen fest, obwohl sie auf keinerlei Interesse weder von der Seite der Regierung noch von der Seite der literarischen Kreise in Paris stießen. Der Erlebniskern schien ihm offensichtlich wert, festgehalten zu werden, während die Darstellungsform sich dem jeweiligen Adressatenkreis, von dem sich Bernardin die Förderung seiner Karriere versprach, anpasste. Belegt sind die Form der diplomatischen Mémoire/Denkschrift, des soziologisch-beschreibenden Reiseberichtes, der synoptisch-diachronen tabellarischen Übersicht und der umfassenden, alphabetisch geordneten Enzyklopädie: all dies im 18. Jahrhundert exemplarisch ausgefüllte Texttypen. Sogar Romanprojekte (Textteil B 3.2.), die seine russischen Erfahrungen zur Grundlage haben und schon auf den sentimentalisierten Gegensatz zwischen der Naturidylle und der zivilisatorischen Verdorbenheit am russischen Hof verweisen, sind belegt. Für Bernardin waren also seine Reisen und seine Reisetexte keine bloß literarischen Fingerübungen, sondern Versuche, sich einen gesellschaftlichen Platz zu erobern.
Zur vorliegenden Ausgabe 9
Vorwort 11
Avant-propos 57
Textteil
A – Schlesien 93
1. Reise durch Schlesien 93
Voyage en Silésie 102
2. Vorwort zur Ausgabe von 1807 106
Avertissement
107
3. Brief an Monsieur Pierre Michel Hennin, Dresden, den 19. April 1765. [Auszug]
108
Lettre à Dresde, ce 19 avril 1765. [Extrait] 109
Textteil B – Geopolitische Kontextualisierung 111
1.
Preußen 111
1.1. Reise durch Preußen 111
Voyage en Prusse 123
2. Polen 134
2.1. Reise durch Polen 134
Voyage en Pologne 143
2.2. Der alte polnische Bauer 151
Le vieux paysan polonais 157
2.3. Vorbemerkung des Herausgebers. [Auszug] 162
Avis de l’éditeur. [Extrait] 162
3. Russland 163
3.1. Reise durch Russland 163
Voyage en Russie 188
3.2.
Russische Romanprojekte 210
3.3. Brief von Bernardin de Saint-Pierre an Barbara Juliane von Krüdener,
Paris, den 29. April 1790. [Auszug] 212
Lettre de Bernardin de Saint-Pierre à Mme de Krüdener, Paris ce 29 avril 1790. [Extrait] 213
Textteil
C – Sozialkritische und utopische Kontextualisierung 215
1. Sklaverei und Leibeigenschaft 215
1.1. Über die Weißen und die Schwarzen. Unveröffentlichte Vorrede am Ende des 1. Bandes der Voyage à l’Isle de France… 215
Sur les
blancs et noirs. Préambule à la fin du 1er volume du Voyage à l’Isle de
France ... 217
1.2. Unveröffentlichte Bemerkung über die moralische Rechtfertigung der
Sklaverei 219
Remarque
inédite sur l’esclavage 220
1.3. Erster Brief der Voyage à l’Isle de France ... aus Lorient, den
4. Januar 1768. [Auszug] 220
Voyage
à l’Isle de France… Lettre Première de l’Orient, le 4 janvier 1768
220
2. Utopien 221
2.1. [Sokrates in Finnland] 221
[Socrate
en Finlande] 224
2.2. Wünsche eines Einsiedlers. [Auszug] 226
Vœux d’un solitaire. [Extrait] 229
2.3. Vorrede zu Arkadien. [Auszug] 230
Préambule à l’Arcadie. [Extrait] 232
3. Über die Reisenden und die Reisebeschreibungen 234
Sur les voyageurs et les voyages 239
4. Wünsche für die Nation. [Auszug] 243
Vœux pour la nation. [Extrait] 245
Textteil
D – Texte aus dem zeitgenössischen Umfeld 247
1. Nachschlagewerke 247
1.1. SILESIE: Le Grand Dictionnaire Géographique et Critique. Par Bruzen la
Martinière. La Haye, Amsterdam, Rotterdam 1737. 247
1.2. SILESIE: Le Grand Dictionnaire Historique ou Le Mélange Curieux de l’Histoire
Sacrée et Profane … Par Louis Moréri. Paris 1759. 250
2.Voltaire
252
2.1. Voltaire: Histoire de Charles XII. [Auszug] 253
2.2. Voltaire: Histoire de l’Empire de Russie sous Pierre le Grand. [Auszug] 256
2.3. Voltaire: Histoire de la Guerre de 1741. [Auszug] 258
3. Honoré Gabriel Riqueti, Comte de Mirabeau: De la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand, avec un appendice contenant des Recherches sur la situation actuelle
des
principales contrées de l’Allemagne. [Auszug] 260
4. Voyage de deux Français en Allemagne, Danemarck, Suède, Russie et Pologne
fait en 1790, 1791 et 1792. 5 Bände. Paris 1796. [Auszug] 267
5. Jean-Joseph Rossignol (1726–1817): Lettres sur la Pologne. Turin 1804.[Auszug] 283
Quellennachweise
287
Primärliteratur 289
Biographie 291