Lutz Heuer

Arthur Pieck (1899–1970). Ein Leben im Schatten des Vaters

[= BzG – Kleine Reihe Biographien, Bd. 10], trafo verlag 2005, 103 S., zahlr. Abb., ISBN (10) 3-89626-539-3, ISBN (13) 3-89626-539-5, 12,80 EUR

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REZENSIONEN

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Elternhaus und Familie              7

 

Die Jahre der Weimarer Republik, proletarische Kunst, Widerstand und Emigration              18

 

1945 – Neuanfang in Berlin im Nachkriegsdeutschland             47

 

Nach der Gründung der DDR im Jahre 1949            76

 

Quellen- und Literaturverzeichnis            88

 

Abkürzungen                91

 

Personenregister            94

 

Arthur, der Sohn des späteren Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, stand stets im Schatten seines Vaters. Schon in frühen Jahren war er durch die Tätigkeit seines Vaters mit der sozialistischen Bewegung in Kontakt gekommen. In der elterlichen Wohnung gingen damals bekannte Sozialdemokraten wie Rosa Luxemburg, Käte und Hermann Duncker sowie Franz Mehring ein und aus.

So war es nicht weiter verwunderlich, daß er bereits als Jugendlicher Funktionen in der Sozialistischen Jugendbewegung übernahm, später erst der USPD und folgerichtig der KPD beitrat.

Schon sehr frühzeitig engagierte er sich in den zwanziger Jahren in verstärktem Maße in der proletarischen Kunst- und Kulturszene. Er war mit Erwin Piscator eng befreundet und wurde mit ihm gemeinsam in den Vorstand des Internationalen Arbeiter-Theaterbundes gewählt. Aber auch mit Hanns Eisler, Alfred Kurella, John Heartfield, Erwin Geschonnek, Lotte Loebinger und anderen Schriftstellern und Schauspielern war er gut bekannt.

Eine lebenslange Freundschaft verband ihn mit Gustav von Wangenheim, der wie er bis zu seinem Lebensende im Ortsteil Berlin-Biesdorf lebte.

Nach Emigration in Paris und Moskau leistete er als Angehöriger der Roten Armee Aufklärungsarbeit an der Front und in Kriegsgefangenlagern.

Kurz vor Kriegsende wurde er durch die KPD-Führung im Range eines Offiziers der Sowjetarmee nach Berlin geschickt und war im Stab von Bersarin tätig. Mit dem Einsatz des Berliner Magistrats wurde ihm die Stellung eines Stadtrates für Personal und Verwaltung, einer der einflußreichsten Arbeitsbereiche, übertragen.

Mit dem Tod seines Vaters im Jahre 1960, er war mit ihm sehr innig verbunden, ging sein Zugang zur obersten Partei- und Staatsführung, den einflußreiche Funktionäre schon damals nicht gern sahen, zu Ende. Da er das erkannt hatte, reichte er seinen Rücktritt ein und kümmerte sich fortan um die Traditionspflege der Familie Pieck.

 

Leseprobe

Vier Tage vor Ausklang des 19. Jahrhundert am 28. Dezember 1899 erblickte Arthur Heinrich Walter, als Sohn des Tischlers Wilhelm Pieck und einer Schneiderin, Christine Häfker das Licht dieser Welt. Seine Mutter, geboren am 26. März 1876, war gleichen Alters wie sein Vater und entstammte aus einer Bremer Familie. Sie war das sechzehnte Kind der Familie und wohnte mit ihren Eltern, sie waren Heimarbeiter bzw. Zigarrenmacher, in einer mit Schilf gedeckten windschiefen kleinen Kate, Am Schwarzen Meer 76. Diese Straße lag in der östlichen Vorstadt von Bremen, unweit der Weser. Sie kannte das Schicksal der arbeitenden Menschen, Not, Hunger, Entbehrungen und Arbeitslosigkeit. Nach anfänglichem Widerstand der Eltern, sie hatten erhebliche Einwände, besonders zur politischen Einstellung und der Tätigkeit Wilhelm Piecks, stimmten der Ehe jedoch nach längerer Diskussion zu. Die Verheirateten wohnten noch für eine gewisse Zeit noch bei den Eltern von Christine, in einer kleinen Stube. Erschwinglichen Wohnraum in der Hansestadt zu finden, war für die junge Familie nicht einfach und so wechselten sie mehrmals ihre Wohnsitze.

Mit dem Angebot seiner Partei, die Position als 2. Sekretär des Bildungsausschusses der SPD in Berlin zu übernehmen, zog die Familie Pieck im Mai des Jahres 1910 von Bremen nach Berlin und hier in die Hardenbergstraße 2,3 in Berlin-Charlottenburg. Der Abschied von Bremen fiel nicht nur der Mutter Christine, als hier geborene, sondern der ganzen Familie, auch den Kindern sehr schwer. Die Schwester Elly erzählte später darüber: "Meine Mutter war sehr traurig, daß sie ihr beliebtes Bremen verlassen sollte, aber die Liebe zu Mann und Kindern überwand alles."

Für Arthur, der von 1906–1907/08 die Volksschule und 1909/10 die Realschule in Bremen besuchte, und zu den guten Schülern gehörte, war dieser Umzug auch mit einem Schulwechsel verbunden. Berlin, das war die Metropole, die 1871 Reichshauptstadt wurde und ständig expandierte. Die Stadt verfügte über eine hoch entwickelte Industrie und die Sozialdemokratische Partei hatte hier bereits annähernd 110.000 Mitglieder und darüber hinaus noch viele Sympathisanten. Die politische und wirtschaftliche Situation in der Reichshauptstadt verschärfte sich in diesen Jahren erheblich. Mächtiger noch als 1906 und 1907 erhob das Berliner Proletariat unter Führung der ständig erstarkenden Sozialdemokratie die Forderung nach demokratischem Wahlrecht, das ihnen Einfluß auf die preußische Politik verschaffen sollte. Im Januar und Februar 1910 fanden riesige Versammlungen in ganz Preußen statt. Berlin, das war gleichwohl auch die größte Mietskasernenstadt der Welt. Diese Metropole, die bereits über zwei Millionen Einwohner hatte, das wurde seinerzeit immer deutlicher, das war ein Schmelztiegel politischer Interessen und zunehmender Konfrontationen zwischen den Arbeitern und den immer reicher werdenden, den Besitzenden, den Konzernen und Banken. Gewaltiger konnten die Antagonismen nicht sein.

In dieser politischen Atmosphäre besuchte Arthur von 1910 bis 1914 die Volksschule in Berlin und erhielt mit 14 Jahren in Albrechtshof bei Berlin, traditionsgemäß für die Sozialdemokratie seine sozialistische Jugendweihe. Im gleichen Jahre begann er in der Berliner Druckerei Janiszewski eine Lehre als Schriftsetzer, die er nach vierjähriger Ausbildung 1918 erfolgreich abschließen konnte. Die Hauptstadt war eine Druck-Oase und die Herrscherhäuser hießen Mosse, Scherl, Ullstein. In Berlin erschienen zur Jahrhundertwende 774 periodische Blätter, darunter 67 amtliche, 62 politische, 40 religiöse, 206 für Kunst und Wissenschaft, 264 für Handel und Gewerbe. Unter den Tageszeitungen nahm der sozialdemokratische "Vorwärts" mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren eine achtbare Position ein. Hunderte weitere Druckereien lieferten Adreßbücher, Almanache, jedoch bereits auch Reklame und Werbung.

Anfang 1914 zog die Familie in eine größere Wohnung nach Berlin-Steglitz, in das Haus Schadenrute 2. Hier wohnte die Familie Pieck fast zwanzig Jahre, bis zur Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland. Arthur hatte zwei Schwestern, die älteste war die ebenfalls in Bremen geborene Elly. Sie, die später eine Ausbildung als Sekretärin absolvierte, war auch frühzeitig in verschiedenen Parteifunktionen der KPD beschäftigt. Sie heiratete den Modelltischler Theodor Winter, den sie während ihrer Tätigkeit in Bremen kennen gelernt hatte. 1933 emigrierte sie nach Frankreich und von dort über die Schweiz in die UdSSR.

In der Emigration in Moskau, am Ende des Jahres 1936 verlor Arthur Pieck seine Mutter, Christine Pieck, die sich vom 29. August bis 15. November 1936 mit seiner Schwester Elly in Podlipiki aufgehalten hatte. Sie erkrankte hier schwer an einer Lungenentzündung und starb am Dienstag, dem 1. Dezember 1936 in der Kremlklinik in Moskau. Ihre Urne wurde auf dem Moskauer Donski-Friedhof beigesetzt. Erst zwanzig Jahre später, am 29. Dezember 1956 erfolgte die Urnenüberführung nach Berlin-Friedrichsfelde.

 

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