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Klaus Täubert

'Unbekannt verzogen...' Der Lebensweg des Suchtmediziners, Psychologen und KPD-Gründungsmitgliedes Fritz Fränkel

[= BzG – Kleine Reihe Biographien, Bd. 8], trafo verlag 2005, 166 S., zahlr. Abb., ISBN (10) 3-89626-509-1, ISBN (13) 978-3-89626-509-8, 19,80 EUR

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Das Leben des Kommunisten, Mediziners und Juden Dr. Fritz Fränkel ist außergewöhnlich, nicht zuletzt resultierend aus der Kombination der genannten Merkmale. 
Klaus Täubert hat viele Jahre an der Rekonstruktion des Lebens dieses Menschen geforscht und gearbeitet.
Es erwartet den Leser den außerordentlich spannendes Buch über deutsche Geschichte der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts mit hoher Literatizität und interessanten Dokumenten.

 

 

Chronologie des Lebens von Dr. Fritz Fränkel

1892             7. Sept. in Berlin geboren, als Sohn des Kaufmanns Bernhard Fränkel, jüdischer Konfession.

1910             Nach Besuch des Friedrich-Gymnasiums (Berlin) Studienbeginn an der Berliner Universität. (Medizin)

1915             Staatsprüfung

1916             Während des Krieges zunächst als Freiwilliger hilfsärztlich in den Garnisonslazaretten von Graudenz tätig, dann 20 Monate als Bataillonsarzt eines Infanterie-Bataillons beschäftigt.

1918/1919    Mit der Leitung einer Station an der Kriegsneurotiker-Abteilung des I.A.-K. in Königsberg betraut. Bis zum Ende des Heeresdienstes.
“Kampfgefährte und Freund der ersten Spartakisten“. Schließt sich in Strassenkämpfen den Arbeitern an. Mitglied am Gründungsparteitag der KPD in Berlin. Lehnt es ab sich in den Zentralrat der Partei wählen zu lassen.
Dissertation über “Die psychopathische Konstitution bei Kriegsneurosen” an der Wilhelm-Universität (Berlin) unter Prof. Bonhoeffer
Volontär-Assistent an der Nerven-Poliklinik von Prof. Schuster am Bürger-Hospital in Stuttgart. Kreisarztprüfung in Württemberg

 1920/1921  Stipendiat der deutschen Notgemeinschaft und tätig am Universi­tätsinstitut für Psychologie in Berlin.

 1921/1924   Arbeitet in der Heilstätte Buch b. Berlin und tritt gemeinsam mit Georg Benjamin (1923) in den Verein sozialistischer Ärzte ein. Zweite Kreisarztprüfung in Berlin.
Veröffentlicht gemeinsam mit Ernst Joël die Studie “Der Cocainismus“.

 1925           Arbeitet am Gesundheitshaus am Urban (Berlin-Kreuzberg) als Spezialist für Nervenkrankheiten. Eigene Praxis in der Kaiser-Allee 207 (Berlin-Wilmersdorf). (Vor 1925: Schillstr.) Verfahren seitens der Partei “wegen parteischädigender Streberei“. Parteiausschluß wird abgelehnt.

1927            Überwacht gemeinsam mit E. Joël die Drogenexperimente Walter Benjamins. (Über einen längeren Zeitraum.) In der IAH – frei­beruflich – engagiert. Auch für andere charitative Organisationen tätig.

1930            Heirat mit Hilde, geb. Leo.

1931            Sohn André geboren.

1932            Nach dem Tode Ernst Joëls (1929) verstärkte Zusammenarbeit mit Dora Benjamin. Schreibt mit ihr u.a.: “Erfahrungen und Ergebnisse einer offenen Trinkerfürsorge“.

1933            21.–23. März: Verhaftung durch “Wilde Schutzpolizei” des Hauptmann Fritsch. Folterungen, Mißhandlungen, kommt durch Interventionen frei und verläßt mit Frau und Sohn Berlin – und Deutschland – am 25. März d.J. Lanciert – von der Schweizer Presse abgelehntes – Protestschreiben an die Dt. Gesandtschaft in Bern.
Mehrmonatiger Aufenthalt in Genf, auf Einladung der Forel-Familie. Erhält Stipendium durch den Genfer Völkerbund. Thema: “Die ökonomische Krise und deren Effekte auf die mentale Hygiene“. Lehnt aus Sprachunsicherheiten ein Angebot Lord Golds ab, nach England überzusiedeln. Im September nach Paris. Arbeitet dort am Hospital Villejuif unter Prof. Lhermitte und am Institut Marals.

1937             Verläßt im Januar wider Befehl die Frontstellung um – mutmaßlich – in Paris Gelder für den Sanitätsdienst aufzutun. Bricht damit (vorsätzlich?) mit der Partei – die ihn als “Deserteur” festschreibt.

1938             Der deutschen Staatsbürgerschaft für verlustig erklärt durch Bekanntmachung vom 2.12., veröffentlicht in der Nr. 283 des Deutschen Reichsanzeigers und Preußischen Staatsanzeigers vom 5.12.1938.

1939/1941    Wird bei Kriegsausbruch in Nevers (Clos. St. Joseph) vorübergehend interniert und nach Beginn des Krieges mit Frankreich in Tence, Filles (ab 21.Okt. 1940) und Guts (ab 27. Nov. 1940) festgehalten, bis er im Februar 1941 zurück ins Ausreise-Lager Milles kehrt. Eine freiwillige Rekrutierung als Mediziner der Legion Etrangere wird aus Gesundheitsgründen abgelehnt. Erfährt finanzielle Unterstützung durch das Placement des Intellectuels emigres in Genf und durch die jüd. Organisation HICEM. Verläßt Anfang Mai ‘Marseille mit der MS “Winnipeg” in Richtung Martinique. Von den Alliierten nach Port of Spain aufgebracht, fliegt er von Trinidad schließlich nach Mexiko weiter, wo er am 21. Juni in Tapachula, im südlichen Staat von Chiapas eintrifft.

1941/1944    Erbittet 4 Tage nach seiner Ankunft Hilfe vom Comite Central Israelita de Mexico, Wird Mitglied in der Vereinigung deutscher Mediziner in Mexiko (Ars Medici). Mitarbeit im Hospital von Dr. Ignacio Millan (Kolonie Alvaro Obregon). Gehört zum Kreis um Gustav Regler, Victor Serge. Schreibt mit Herbert Lennhoff an der – von ihm mitbegründeten? – Zeitschrift Mundo Socialismo y Libertad. Berührung mit der jüdischen Organisation MENORAH.

                    Lebt mit Franziska (Franze) Neumann, nach deren offizieller Scheidung von Rudolf Neumann.

                    Tod am 21. Juni 1944.

 

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