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Dietze, Friedhelm / Glomb, Eike

Beiträge zur Krankenpflege in der DDR.

Die Gesellschaft für Krankenpflege in der DDR.
Der Studiengang 'Diplomkrankenpflege' an der Humboldt-Universität zu Berlin

[= Medizin und Gesellschaft, H. 50], Berlin 2005, 55 S., zahlr. Tab., ISBN 3-89626-508-3, 9,80 EUR

 

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INHALTSVERZEICHNIS

 

Die Gesellschaft für Krankenpflege in der DDR

Vorwort 5

Gründung der Sektion Krankenpflege 1979 7

Aktivitäten der Sektion Krankenpflege 1979 -1985 9

Vorbereitung der Gründung der Gesellschaft für 11 Krankenpflege 1982-1985

Gründung der Gesellschaft für Krankenpflege 1985 14

Wissenschaftliche Veranstaltungen der Gesellschaft 1985 -1990 16

Vorstandssitzungen 1985 -1991 17

Mitarbeit in derWHO/lnternationale Beziehungen 28

Krankenpflegeforschung 33

Anlagen 36

Curriculum vitae (Prof. Dr. Eike Glomb) 38

 

Der Studiengang „Diplomkrankenpflege" an der Humboldt-Universität zu Berlin 1982-1996

Vorwort 39

Historische Entwicklung der Ausbildung in der 40 Krankenpflege (Skizze)

Aus- und Weiterbildung mittlerer medizinischer Fachkräfte 41 in der DDR

Qualifizierung von leitenden Schwestern 43

Inhaltliche Konzeption des Universitätsstudium 44 „Diplomkrankenpflege"

Inhalte und Bilanz studentischer Forschung 46

Erfahrungen nach zehnjähriger Hochschulausbildung 48

Neugestaltung des Studienganges und Rückblick 50

Anlagen 51

Curriculum vitae (Prof. Dr. Friedhelm Dietze) 56

* * *

 

Die Gesellschaft für Krankenpflege in der DDR

Eike Glomb

Vorwort

Es sind jetzt 25 Jahre her, dass in Dresden eine eigenständige Sektion Krankenpflege innerhalb der Gesellschaft Krankenhauswesen der DDR gegründet wurde, deren Credo die multidisziplinäre Zusammenarbeit aller am Krankenpflegeprozess Beteiligten zum Wohle des Patienten darstellte. Das war ein Meilenstein in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Fürsorgerinnen und anderen Berufsgruppen. In vielen heutigen Publikationen wird berichtet, wie nützlich sich ein solches Miteinander und eine abgestimmte Betreuung auf das Wohlbefinden des Patienten auswirken. Angeregt durch wiederholte Gespräche mit ehemaligen Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft Krankenpflege, insbesondere mit den Herren Prof. Dr. med. Dietze und Doz. Dr. phil. Müller, habe ich mich entschlossen, anhand der mir vorliegenden umfangreichen Archivmaterialien das Entstehen und Wirken der Gesellschaft zu skizzieren, deren Vorsitzende ich von 1985 bis 1991 war. Natürlich musste ich eine Auswahl treffen und den Mut zur Lücke aufbringen, wenngleich es mir oft auch schwerfiel. Ich versuchte, so sachlich wie möglich, den Prozess der fruchtbaren und befruchtenden Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Berufsgruppen in der gemeinsamen Bearbeitung von Betreuungsthemen darzustellen und hoffe, dass vielleicht in späterer Zeit eine Fortführung möglich wird. Alle Beteiligten wirkten ehrenamtlich neben ihrer eigentlichen Berufstätigkeit mit. Umso mehr erfüllen mich die zehn Jahre mit Stolz, die ich in der Gesellschaft Krankenpflege mitarbeiten konnte. Wie ich zur Krankenpflege kam: Dazu muss ich einige Erläuterungen zu meinem beruflichen Werdegang geben. Nach dem Studium der Humanmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitete ich ab 1959 im Klinikum Berlin-Buch und absolvierte die Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Einige Jahre war ich in der II. Nervenklinik des Klinikums tätig und nahm ab 1968 an einem Abendkurs über Programmierung teil. 1969 wurde ich mit dem Aufbau eines Organisations- und Rechenzentrums beauftragt, das ich fünf Jahre lang leitete. 1975 erfolgte die Berufung zum 1. Stellvertretenden Ärztlichen Direktor des Klinikums Berlin-Buch. In dieser Funktion widmete ich mich schwerpunktmäßig den Problemen der medizinischen Betreuung in diesem großen Krankenhauskomplex der hochspezialisierten Versorgung. Das Klinikum hatte damals rund 4.000 Betten und ungefähr 5.000 Angestellte, darunter 700 Ärzte und 1.200 Krankenschwestern. In dieser Funktion und bedingt durch die enge Zusammenarbeit mit der Oberin wurden auch die spezifischen Fragen der Organisation und Leitung der Krankenpflege eine meiner Schwerpunktaufgaben. Von 1976 bis 1981 verfasste ich außerdem zusammen mit meinem Ehemann, einem Architekten für Gesundheitsbauten, eine Habilitationsschrift mit dem Thema: „Bewertung sozialer Patientenbedürfnisse im Allgemeinen Krankenhaus". Dazu befragten wir 1.600 Patienten und 400 Ärzte und Krankenschwestern. Ihnen wurden 50 Faktoren zur Bewertung vorgelegt, die das Wohlbefinden der Patienten beeinflussen. Im Ergebnis stellte sich die hohe Wertigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen und des partnerschaftlichen Verhaltens des Patienten mit den Ärzten und Schwestern im Betreuungsprozess heraus. Eine aktive Mitarbeit in der Sektion Krankenpflege war die logische Folge. Außerdem wurde ich 1985 zum Dozenten und 1989 zum Professor an der Akademie für Ärztliche Fortbildung, Berlin, für das Aufgabengebiet „Wissenschaftliche Grundlagen, Planung und Organisation der Krankenpflege" berufen. Parallel hierzu erfolgte 1985 die Gründung der Gesellschaft für Krankenpflege in der DDR, zu deren Vorsitzende ich gewählt wurde. Den Schwerpunkt bildete auch hier wieder die Weiterbildung der Krankenschwestern, die Förderung der Pflegeforschung und die Intensivierung der internationalen Beziehungen, insbesondere mit der WHO. Hospitationen an Krankenpflegeforschungsinstituten in England, Schottland, Finnland und Schweden vermittelten Erfahrungen, die in das Hochschulstudium „Diplom-Krankenpflege" einflössen. Zudem waren diese Aktivitäten eine Unterstützung für unsere Pflegeforschung. Eine eigenständige Arbeitsgruppe Krankenpflegeforschung wurde unter meiner Leitung ins Leben gerufen. Sie bestand von 1989 bis 1991, und wurde dann aus finanziellen Gründen abgewickelt. Abschließend sei vermerkt, dass eines der nächsten Ziele darin bestanden hätte, die Leitung und Organisation der Gesellschaft Krankenpflege verstärkt Krankenschwestern zu übertragen. Ein Schritt auf diesem Wege war bereits die grundsätzlich immer gemischte Besetzung, sowohl der Sektions- als auch der Zentralen Arbeitsgemeinschaftsleitungen. Verfolgt man die Literatur, so stellt die Wechselwirkung zwischen Ärzten, Pflegepersonal und letztendlich auch der Politik nach wie vor und mehr denn je, ein aktuelles Thema von großer Bedeutung dar. Möge die weitere Entwicklung dieser Bestrebungen zum Wohle des Patienten führen!

 

Der Studiengang „Diplomkrankenpflege" an der Humboldt-Universität zu Berlin 1982-1996

Friedhelm Dietze

Vorwort

Als mir Frau Prof. Dr. Glomb 2003 die Absicht vortrug, ihre Erfahrungen bei der Entwicklung der „Gesellschaft für Krankenpflege in der DDR" retrospektiv zu skizzieren, war klar, dass auch das Hochschulstudium „Diplom-Krankenpflege" Erwähnung finden muss. Als ehemaliger Leiter dieser universitären Einrichtung für Krankenschwestern habe ich ihrem Anliegen, die Erfahrungen mit dem Hochschulstudium aufzuschreiben, gern zugestimmt.

Mir war im beruflichen Wirken sehr früh deutlich geworden, dass Medizin und Pflege nur gemeinsam dem Wohle des Patienten dienen können, ja, die Pflege kann ärztliche Leistungen optimieren oder minimieren. Pflege unterscheidet sich von der Medizin dadurch, dass sie über den objektiv erfassbaren Zustand des Patienten hinaus gleichzeitig für seinen subjektiven Zustand zuständig ist. Die Pflege ist verantwortlich für den Patienten als Mensch mit seinen erfüllbaren Grundbedürfnissen, wobei sie ebenfalls in der Unterstützung der Aktivitäten des täglichen Lebens in ganzheitlicher und zeitlich kontinuierlicher Weise („rund um die Uhr") eigenständige Funktionen erfüllt. Über viele Jahre bemühte ich mich als Dozent an der Medizinischen Fachschule der Charite um eine moderne Pflegeausbildung, um die Qualität der pflegerischen Arbeit zu unterstützen und zu heben. So wurde ich nicht zufällig in die gesellschaftlich geführten Diskussionen über „Professionalisierung" der Pflege einbezogen. 1980 wurde ich berufen, in der DDR die Pflege-Ausbildung entsprechend der medizinisch-wissenschaftlichen Entwicklung zu optimieren. Meine Begründung für eine Akademisierung der pflegerischen Ausbildung war ein gewagtes Novum, denn dafür gab es bisher in Deutschland keine Qualifizierung. Heute ist die Akademisierung der Pflege als Studium bis zum Doktoratsabschluß auf allen Kontinenten möglich.

Bei der Absicht, der Krankenpflege die Tür zur Universität zu öffnen, gab es vorher viele Vorurteile zu widerlegen und Vorbehalte zu überwinden. Eine Schwierigkeit lag insbesondere darin, dass damals für mich das Fenster zur internationalen bzw. westlichen Pflegeentwicklung verschlossen war. Das möge retrospektive Kritik an das z. T. notwendige unikate Vorgehen berücksichtigen. Nur in einer multidisziplinären Teamleistung konnten verzögernde Probleme überwunden und machbare Konzepte für das im September 1982 eingeführte Studium entwickelt werden. Bei der 14jährigen Gestaltung dieses Diplomstudienganges sind wir Suchende nach optimalen Lösungen geblieben. Besonders die wissenschaftliche Basis der Pflege, ihre Emanzipation und die Kooperation zwischen Pflege und Medizin bzw. die kommunikative Vernetzung der Gesundheitsberufe wurden hinterfragt. Zum Teil werden noch heute Antworten gesucht und neue Fragen gestellt, weil die alten Antworten nicht mehr genügen. Auch aktuell zeigt sich, dass die Pflege sich in einem dynamischen Prozess bewegt.

Der Studiengang „Diplomkrankenpflege" war dabei ein winziger Meilenstein und hat sich mindestens für 327 Diplom-Krankenschwestern bzw. -pfleger gelohnt, sie wurden in einem damals einmaligen universitären Studiengang qualifiziert.

 

© trafo verlag 2005