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Bollinger, Stefan / van der Heyden, Ulrich / Keßler, Mario (Hrsg.)

Ausgrenzung oder Integration? 

– Ostdeutsche Sozialwissenschaftler zwischen Isolierung und Selbstbehauptung

trafo verlag 2004, 350 S., Tab., ISBN (10) 3-89626-501-6, ISBN (13) 978-3-89626-501-2, 32,80 EUR

 

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Inhaltsverzeichnis

 

Es muß weitergehen. Die längst überfällige notwendige Reintegration der ostdeutschen Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bleibt auf der Tagesordnung
Stefan Bollinger/Ulrich van der Heyden/Mario Keßler

 

Eine neue Chance?
Mario Kessler

 

Begrüßung der Konferenz "Ostdeutsche Sozialwissenschaftler – Wege der Reintegration" im Wissenschaftszentrum Berlin
Jürgen Kocka

 

Deutschland braucht die ostdeutschen Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler
Stefan Bollinger

 

Berufungen und Abwicklungen – ketzerische Gedanken zur bundesdeutschen Wissenschaftspolitik
Theodor Bergmann

 

Empfehlung und Realität. Die vergessenen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Neustrukturierung der außeruniversitären Forschung und

deren Umsetzung
Ulrich van der Heyden

 

Reintegration von DDR-Geisteswissenschaftlern in den Wissenschaftsprozess – Utopie oder Wirklichkeit?
Arno Hecht

 

Konzept einer klassischen Aufgabenstellung für ostdeutsche Wissenschaftler: Aufarbeitung und Weiterentwicklung zukunftsfähiger Einrichtungen der DDR
Fritz Vilmar

Personelle Konsequenzen von Anschlüssen im Bildungswesen. Eine Betrachtung asymmetrischer Vereinigungen aus historisch-vergleichender Sicht
Jörg Roesler

 

Desintegration und Integration – Die Ost-Berliner Wissenschaft in vereinigten Berlin
Peer Pasternack

 

Geistes- und Sozialwissenschaften ohne Ostbonus. Versäumte Chancen und aktuelle Desiderate
Hubert Laitko

 

Integration statt biologischer Lösung. Eine Untersuchung mit einer Aussicht
Hansgünter Meyer

 

Anhang

Emigranten mahnen – Dokumentation eines Aufrufs

Abkürzungsverzeichnis

Zu den Autoren

 

Einleitung
Es muß weitergehen. Die längst überfällige notwendige Reintegration der ostdeutschen Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bleibt auf der Tagesordnung
Stefan Bollinger/Ulrich van der Heyden/Mario Keßler

 

Als sich kurz vor der Bundestagswahl im September 2002 in der "Frankfurter Rundschau" acht bedeutende Historiker und Sozialwissenschaftler aus den USA, England und Deutschland zu Wort meldeten, die vor mehr als einem halben Jahrhundert Deutschland und Österreich gezwungenermaßen verlassen hatten, da schöpfte auch die seit 1999 aktive Initiative Sozialwissenschaftler Ost (ISO) neue Hoffnungen. So scharf und so eindeutig hatten sich selten Kolleginnen und Kollegen außerhalb der ostdeutschen Wissenschaftler-Community zugunsten der aus dem offiziellen Wissenschaftsbetrieb vertriebenen Ostakademiker und namentlich der Sozialwissenschaftler geäußert. Die renommierten Sozial- und Geisteswissenschaftler forderten von der Bundesregierung, den Landesregierungen und den in Deutschland politische Verantwortung tragenden Persönlichkeiten und Institutionen, sich der Gefahren des Ausschlusses der "autochthonen Intellektuellen" für die ostdeutsche Zivilgesellschaft und die gesamtdeutsche Entwicklung "bewußt zu werden und mittels eines Reintegrationsprogrammes solche ostdeutschen Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf Dauer, nicht nur über schlecht bezahlte, befristete und gesellschaftlich kaum anerkannte Arbeitsaufträge, in Lehr- und Forschungspositionen zu bringen, die unter schwierigsten Bedingungen in den letzten zehn Jahren Überdurchschnittliches leisten mußten und geleistet haben!"/1/ 

Einige diesbezügliche Signale vor der Wahl 2002 waren auch seitens einiger SPD-Politiker vielversprechend, schienen sie doch die Gedanken ihres Stellvertretenden Parteivorsitzenden Wolfgang Thierse zu teilen, der den Osten nicht nur "auf der Kippe" sah, sondern dessen auch eine geistige Austrocknung befürchtete. Noch im Frühjahr 2002 vernahmen wir persönlich aufmunternde Worte aus dem Umfeld des Bundestagspräsidenten, ostdeutscher Bundestagsabgeordneter und Interesse aus Bundes- und ostdeutschen Landesministerien für Wissenschaft. Um ihre Wiederwahl zu sichern, hofften diese Politiker sicherlich auch auf eine breitere Unterstützung unter jenen vermeintlichen Meinungsbildnern im Osten, die sich der Sache der Ostintellektuellen angenommen hatten. Nur zeigte der Wahlverlauf, daß andere Kriterien entscheidender waren. Zum einen hatte die Polarisierung Rot – Schwarz erstere zu Rettern vor der Stoiber-Politik des neoliberalen Sozialkahlschlags machen sollen. Zum andern sorgte die PDS mit einer zerfahrenen, richtungslosen Politik dafür, daß die Sozialdemokraten in der Bundespolitik ihre zweite Chance erhielten, nicht zuletzt dank der ostdeutschen Wähler. Daß sie genau das mit ihrer "Agenda 2010" auf den Weg brachten, was die Bürger von Stoiber befürchteten, gehört zur häufigen Ironie der Geschichte und den Tücken der Demokratie.

Eines war aber nach dem 22. September 2002, dem Tag der Bundestagswahl, klar, die ostdeutsche Intellektuellen spielten nun erst recht keine Rolle mehr im politischen Kalkül der SPD. Und als hätte es dafür noch einer Bestätigung bedurft, wurde ein Schlüsseldokument sozialdemokratischer Wissenschaftspolitik zwar im ostdeutschen Weimar beschlossen, enthält aber keinerlei Bezug auf die besonderen Standortprobleme der neuen Bundesländer und Berlins, geschweige denn auf die spezifischen Probleme der Benachteiligung der ostdeutschen Intellektuellen./2/ 

Die andere Ernüchterung kam auf dem Fuße. Peer Pasternack, der sachkundige und engagierte damalige Staatssekretär im Berliner Senat auf PDS-Ticket stand resignierend ein: "Die PDS (sieht) in dem rot-roten Regierungsprojekt ausweislich verbaler Bekundungen wie ihres politischen Handelns ein Projekt ..., das ‘einen Wert an sich’ habe (Gysi), nämlich den des primären Nachweises von Regierungsfähigkeit. Im Verhältnis zu diesem prioritären Ziel scheint die Durchsetzung originär inhaltlicher politischer Anliegen sekundär zu sein. In Folge dessen konzentriert sich das politische Handeln der PDS offenkundig zu wesentlichen Teilen darauf, Klientelgruppen nicht zu enttäuschen, welche die Partei zwar nie wählen werden, denen aber meinungsbildender Einfluß zugeschrieben wird – während eigene Klientelgruppen mit ihren Anliegen ggf. zurückstehen müssen. Inwieweit dies politisch rational ist, ist an dieser Stelle nicht zu bewerten. Hier interessiert lediglich, daß aus dieser Konstellation ein gebremstes Interesse der PDS resultiert, sich allzu kämpferisch und konfliktorisch für Anliegen von – zum Beispiel – marginalisierten Ostberliner WissenschaftlerInnen zu verwenden."3  Der Staatssekretär hat daraus offensichtlich seine Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten.

In dieser Nachwahlsituation des Herbstes 2002 kam die ISO endlich dazu, ihre seit längerem vorbereitete und angesichts des Emigrantenaufrufs nun akut gewordene Konferenz zu Lage und Perspektive ostdeutscher Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler einzuberufen. Am 30. November 2002 versammelten sich in den Räumen des Wissenschaftszentrum Berlin knapp vier Dutzend Berufskolleginnen und -kollegen vornehmlich, allerdings keineswegs nur aus den neuen Bundesländern zu einem Gedankenaustausch über die Ausgrenzung der ostdeutschen Intellektuellen und möglichen Chancen ihrer Reintegration in die gesamtdeutsche Wissenschaftslandschaft: "Ostdeutsche Sozialwissenschaftler – Wege der Reintegration".

Der Ertrag dieser Konferenz/4/  findet sich im vorliegenden Sammelband wieder, der kein Protokoll bieten will, sondern für den Druck bearbeitete Referate, aus der Diskussion hervorgegangene Aufsätze und schriftlich eingereichte Beiträge versammelt. In unterschiedlicher Weise beleuchten sie die drei Hauptthemen der Konferenz. Zum einen die nüchterne Bestandsaufnahme/5/ dessen, was seit 1990 mit der DDR- bzw. ostdeutschen Wissenschaft und insbesondere des Sozial- und Geisteswissenschaften geschah: die umfassende Zerschlagung funktionierender Einrichtungen und die massenhafte personelle Ausgrenzung leistungsfähiger, kreativer und neugieriger, lernbegieriger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihren Beitrag für ein vereintes Deutschland und seine notwendigen Reformen erbringen wollten und könnten. Des weiteren die Einordnung solcher Abwicklungs- und Zerschlagungspraktiken in den geschichtlichen Zusammenhang/6/  sowohl des Anschlusses von Staaten in der Geschichte wie in der Ausgrenzung und Ausschaltung politisch wie "rassisch" unliebsamer Intellektueller in der Nazi-Zeit, als auch des im sehr unterschiedlichen Umgangs damit in den beiden deutschen Staaten. Schließlich in der gemeinsamen Suche nach Auswegen/7/  aus der heute vorhandenen Situation, in denen insbesondere im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich ostdeutsche Akteure im offiziellen Wissenschaftsbetrieb nicht nur unterrepräsentiert, sondern weitgehend ausgeschlossen sind.

Einig waren sich die Konferenzteilnehmer wohl alle: Nach der Herstellung der deutschen Einheit ist einiges – aus Sicht der ostdeutschen Betroffenen und zumindest einiger der einsichtig gewordenen damaligen westdeutschen Akteure schief gelaufen. Aufsehen erregte etwa zur gleichen Zeit der Konstanzer Philosophen Jürgen Mittelstraß, der als selbst Beteiligter an Evaluation und Transformation im Osten Deutschlands nunmehr fordert, noch einmal über die Bücher zu gehen und entstandenes Unrecht wieder gut zu machen./8/  Für ihn "ist in zu vielen Fällen nicht nur fahrlässig mit der Ressource Geist umgegangen worden, sondern auch Würde und Leben einzelner Wissenschaftler verletzt worden."/9/  Auf unserer Konferenz konstatierte ebenfalls in gleicher Richtung Kritik anmeldend Jürgen Kocka: "Auf der Grundlage der Wissenschaftsratsempfehlungen haben die Regierungen von Bund und Ländern Anfang der neunziger Jahre ein Programm auf den Weg gebracht; ein Programm der Überführung und Integration ostdeutscher Wissenschaftler in das nach westdeutschem Vorbild gefügte gesamtdeutsche Wissenschaftssystem hinein; ein Programm der Überführung und Integration, das teilweise funktioniert hat, dessen Ergebnisse aber teilweise erheblich hinter den ursprünglichen Zielen zurück geblieben sind. Teile dieses Programms müssen rückwirkend als weitgehend gescheitert angesehen werden, so beispielsweise das WIP, das Wissenschaftler-Integrations-Programm"./10/ 

Die Ursachenbenennung durch die Referenten und Autoren auf der Konferenz bzw. im vorliegenden Buch fällt allerdings unterschiedlich aus. Sind es nur einige unerfreuliche Fehleinschätzungen auf Grund einer unzureichenden Kenntnis der DDR-Materie und des ungeheuren Zeitdrucks eines einmaligen Prozesses, der zu meistern war? Sind die unersetzlichen Einschnitte in den ostdeutschen Intelligenzkörper Ausdruck allein Konsequenzen einer sich insgesamt auch für Westdeutschland ergebenden grundlegend anderen, eher betriebswirtschaftlich, marktradikal motivierten, auf Effizienz gerichteten Wissenschaftspolitik, in der die überdimensionierten, schwer faßbaren DDR-Apparate und die darin Beschäftigten keinen Platz haben? Ging es nur um den Abbau des westdeutschen Akademikerüberhangs, der endlich die Chance auf anerkannte Pfründe bekommen konnte? Oder war es der endlich erfolgreiche Vollzug des Siegs im Kalten Krieg gegen die "Diamatisten"/11/  und potentiell allein systemnah funktionierenden und wahrscheinlich sowieso unfähigen DDR-Intellektuellen? Sicher hilft nicht eine der Antworten allein, ist es eine Gemengelage, die hier vorherrschend war. Aber gerade letztere Argumentationslinie, auch wenn sie von den meisten sehr nüchtern, gelegentlich gar unterkühlt argumentierenden Hochschulforschern und Soziologen eher verdrängt wird, dürfte die geheimen, unterbewußten aber meist doch sehr vordergründigen Handlungen erklären. Antikommunismus und Antimarxismus haben auch in einer sich pluralistisch gebenden Gesellschaft ihre historische Funktionen und sie funktionieren direkt wie indirekt. Die Befunde des historischen Vergleichs auf den Anschluß anderer Staaten sowie auch auf die Besonderheiten deutscher Elitenbeseitigungen 1933 wie nach 1945 bestätigt eher diese Befürchtung. Autochthone Intellektuelle, die notwendigerweise zur Dienstklasse eines Systems gehören, sind für die neuen Machthaber, egal ob diktatorisch oder demokratisch legitimiert, immer dann eine Gefahr, wenn sie für eine reale oder irreale Restauration oder zumindest Renaissance des untergegangenen Staats- und Gesellschaftswesen und der ihm zugrundeliegenden großen Ideen (die oft genug genau von diesem System verraten wurden) einstehen könnten.

Trotz mancher "kühner" Anpassungsleistungen der Ostintellektuellen, auch im sozial- und geisteswissenschaftlichen Umfeld, bleiben sie mit einem sozialistischen und demokratischen Gedankengut "verseucht", sind sie – um es wissenschaftlich unterkühlt zu beschreiben – "sozialistisch sozialisiert" worden. Das könnte sie zu potentiellen Risikofaktoren für die freiheitlich demokratische Gesellschaft machen. Dabei ist es unerheblich, ob sie zu DDR-Zeiten besonders systemloyal, vielleicht gar staatstragend waren oder wie viele Intellektuelle in den Geistes- und Sozialwissenschaften durchaus kritisch zu dem praktizierten, dem "Realsozialismus" standen und 1989 die Allmacht der SED und das stalinistische "Sozialismus"-Modell wegfegen wollten, weil sie wußten, daß auf Dauer Sozialismus ohne Demokratie und auch ohne wirtschaftliche Effizienz und Wissenschaftsfreiheit nicht funktionieren konnte.

"Unterwerfung führt nicht zur Akzeptanz"/12/, so daß Credo von Arno Hecht, einem der Mahner für das durch die ostdeutsche Intelligenz erlittene Unrecht und Forderer nach Widerstand. Das ist allerdings für manche für Ostdeutschland agierende Politiker mittlerweile ein erledigtes Kapitel. Anfang 2003 entschuldigte sich ein damaliger PDS-Vize, daß es "unser Fehler war ..., Ost-Interessen gegen den Westen statt mit dem Westen vertreten zu haben. Wir haben die alte Bundesrepublik undifferenziert als Besatzungsmacht begriffen. Dabei haben wir aber eine ungeheure Solidarität aus den Altbundesländern erfahren, die auch weiter anhält."/13/ 

Die Erkenntnis, daß Ostinteressenwahrung in Deutschland durch Linkssozialisten auf Dauer nicht ausreicht, sondern der gesamtdeutsche Blick mehr und mehr ihre Politik bestimmen sollte, ist berechtigt. Wer aber glaubt, damit Kritik an Anschlußpolitik, Überstülpen der Weststrukturen, Zerschlagung von Institutionen und Industrie, die wohl nicht zu unrecht von manchen als Kolonialisierung definiert wird, vergessen machen zu können, dürfte irren. Eine sich links verstehende politische Kraft bleibt nur glaubwürdig, wenn sie sich bewußt ist, daß Kampf um soziale Gerechtigkeit auch das Anklagen und Überwinden jener Verwerfungen beinhaltet, die bei der Vereinnahmung der DDR herbeigeführt wurden. Vornehmheit hilft nicht. Es wurden Biographien entwertet. Noch künftige Generationen werden fremd im eigenen Land bleiben, auch wenn sie das erst später hinter glitzernden Fassaden erfassen. Diese Erkenntnis und daraus abgeleitetes widerständiges Handeln ist kein Privileg linker Parteien, sondern letztlich für jede Partei und politische Kraft, die in Ostdeutschland Erfolg haben will, unverzichtbar. Allerdings gehört es zum Grundanspruch jener, die für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie einstehen wollen, die auf Solidarität und Mitverantwortung setzen.

Ironie der heutigen politischen Konstellationen ist es, wenn durchaus "in der neuen Zeit angekommene" Ost-Wissenschaftler wehmütig die Verluste beklagen, die mit dem Überstülpen der West-Wissenschaftsstrukturen verbunden waren. So kritisiert heute der Nachwende-Rektor der Rostocker Universität, Gerhard Maeß, die allzu konsequente Anpassung, die mit der "unbestreitbar vorhandenen Nachteilen" des DDR-Systems auch dessen Vorteile erledigten:

"- Zentralabitur nach zwölfjähriger Schulzeit mit soliden Kenntnissen übrigens in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Ich denke da an PISA.

- Die frühe Förderung leistungsfähiger Schüler in Spezialklassen für Sport, Musik, Mathematik, auch Chemie und Informatik ...

- Der Einfluß der Fachbereiche auf die Auswahl der Studienanfänger.

- Das medizinisch-praktische Jahre für alle Medizinstudenten.

- Ein elternunabhängiges Stipendium für alle Studierenden in Höhe von 20 Prozent des Durchschnittseinkommens [in der DDR – die Hrsg.].

- Ein hoher Anteil weiblicher Studierender und Nachwuchswissenschaftler – bei den Studierenden über 50 Prozent, bei den Naturwissenschaftlern etwas weniger.

- Ein gutes Betreuungsverhältnis.

- Die regelmäßige Kontrolle durch Zwischenprüfungen.

- Die frühe Einbeziehung leistungsfähiger Studenten in die Forschung. Es war nicht unüblich, daß Studenten ihre erste Veröffentlichung im vierten oder fünften Studienjahr schrieben, eventuell gemeinsam mit dem Betreuer.

- Die semesterweise Auswertung der Lehrleistungen aller Hochschullehrer durch die jeweils betroffenen Studentengruppen. Und das nicht nur unter politischen Gesichtspunkten.

- Eine enge Zusammenarbeit der praxisrelevanten Fächer mit der Wirtschaft durch Praktika.

- Gemeinsame Betreuung von Praktikums- und Diplomarbeiten mit Kollegen aus der Praxis.

- Eine streng begrenzte Studienzeit.

- Die Vermittlung aller Absolventen in eine mindestens drei Jahre dauernde erste Anstellung."/14/ 

Und Maeß fügt hinzu: "Es hat auch etwas Vorteilhaftes, wenn der Weg nicht gleich in die Arbeitslosigkeit führt."/15/ 

So, wie der Osten zum Biotop deindustrialisiert wurde, so wird seiner Intelligenz der Zugang zu den "blühenden Landschaften" dauerhaft verwehrt. Das Sagen haben jetzt die Westkollegen. Sie haben mit und oft genug auch mit weniger guter Qualifikation Pfründe besetzt und für Jahre hinaus zu sichern vermocht, daß dank ihrer Seilschaften (pardon: Netzwerke) auch in den nächsten Generationen Ostdeutscher kaum Chancen auf Führungspositionen bekommen. Der Wissenschaftssoziologe Hansgünter Meyer betont die Perfidie des Begriffs "Elitenrotation" im Kontext der deutschen Einheit. Es "handelt ... sich um eine fortdauernde Chancenungleichheit zwischen spezifischen Regionen des deutschen Staatsgebietes, um eine Herabstufung von Bevölkerungen innerhalb einer Nation"./16/  Im Ergebnis haben heute nur noch weit weniger als die Hälfte der Hochschullehrer in den neuen Bundesländern eine Ostbiographie, Tendenz rasch fallend. Auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften dürften es kaum zehn Prozent sein. Nur jeder fünfte besitzt eine voll ausgestattete C4-Professur. Im Westen sind die ganz vereinzelten Ost-Professoren, die es geschafft haben, auch nur eine C3- oder Honorarprofessur zu bekommen, Exoten. Ostdeutsche Lehrstuhlinhaber an westdeutschen Universitäten finden sich im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften mit einer einzigen uns bekannten mit Ausnahme/17/  wohl nicht.

Trotz des erheblichen Mitwirkens von Ostlern an der Umsetzung die strukturellen und politischen West-Vorgaben ist die ostdeutsche akademische Intelligenz als Ganzes weit stärker als in den Verwaltungen und letztlich ähnlich stark wie bei NVA und MfS ausgeschaltet worden. Hier paßte eine soziale Schicht mit ihrer besonderen Herkunft und Sozialisation nicht in das Kalkül der nun Mächtigen. Das gilt besonders für die Ex-DDR-Sozial- und Geisteswissenschaftler, aber eben auch für alle anderen weit weniger exponierten Akademiker. Die vor den Nazis emigrierten Historiker mahnten in ihrem Aufruf: "Die sozialen Kosten der beinahe flächendeckenden Abwicklung hochqualifizierter Akademiker der DDR übersteigen bei weitem den kurzfristigen Nutzen für einige Gewinner der Vereinigung."/18/  Ohne autochthone Intellektuelle, so ein Fazit, könne sich Ostdeutschland und die Demokratie dort nicht entwickeln.

Es ist unverzichtbar, gegen einen auch unter Betroffenen, wie ostdeutschen Politikern zu beobachtenden Trend anzuschreiben, das Kapitel als erledigt zu betrachten und zur Tagesordnung – ohne ostdeutsche Intelligenz – überzugehen. Oder auch nur im Konjunktiv zu operieren, wie etwa der Ostberliner Linguistik-Professor Manfred Bierwisch: "Es darf nicht sein, daß durch falsche oder gar böswillige Orientierung am Ende die Geisteswissenschaften der Verlierer der Einheit sind – gerade da, wo etwas innovatives aus dem Potenzial der Geisteswissenschaften der DDR hervorzugehen eine Chance hätte."/19/ 

Diese Chancen – so steht zu befürchten – sind weitgehend vertan. Dem vereinten Deutschland fehlt etwas – ostdeutsche Sichtweisen, offenbar aber auch sozial verantwortliches, auch marxistisch beeinflußtes Denken. Hier müßten die Ostintellektuellen zweifellos mehr tun, auch wenn sie der Broterwerb zu oft zum Gesang eines anderes Liedes zwingt und zu leichtfertig dem vorherrschenden Wissenschaftsdiskurs folgen läßt. Der Historiker Wolfgang Küttler hatte in der Diskussion auf unserer Konferenz völlig recht, daß nachgedacht werden muß, "was denn der deutschen Wissenschaft inhaltlich inzwischen verlorengegangen (ist): Beispielsweise (ist) die Wirtschaftsgeschichte in Berlin liquidiert, die Leipziger Schule der Revolutionstheorie so gut wie eliminiert, überhaupt (muß) man feststellen, daß ganze Denktraditionen ins Hintertreffen geraten (sind), daß die an Marx orientierten Wissenschaften Gefahr (läuft), in der geistigen Kultur dieser Republik zur Rand- und Nischenerscheinung zu werden, was der erwünschten und erforderlichen geistigen Pluralität und Vielfalt abträglich (ist) und auch international für die deutsche Wissenschaft schädlich (ist). Aus diesen Überlegungen könnten sich Notwendigkeiten und sinnvolle Begründungen für die Nutzung des brachliegenden restexistierenden Potentials der ostdeutschen Sozialwissenschaftler ergeben."/20/ 

Aus unserer Sicht, und das hat auch die hier dokumentierte Konferenz nachdrücklich bestätigt, geht es jenseits der berechtigten Einwände, die zu jeder einzelnen Überlegung vorzubringen wären, wie auch ohne Ausschluß weiterer geeigneter Vorschläge um Antworten für das Problem der Reintegration der ostdeutschen Sozialwissenschaftler auf drei Ebenen:

Auf der allgemeinpolitischen Ebene geht es um die auch in diesem Bereich überfällige Überwindung des Status des Ostdeutschen als "Bürger 2. Klasse" ob ihrer "falschen", sozialistischen Vergangenheit und ihres geringen Gewichts angesichts ihrer relativ kleinen Zahl, ihres geringen Produktiv-, Immobilien- und Geldvermögens und ihrer wirtschaftlich geschwächten Lage in einem mutwillig und gezielt deindustrialisierten Landesteil. Egal, ob Integrationsprogramme, die öffentliche Unterstützung von zusätzlichen oder ergänzenden Strukturen oder auch die Einführung eines radikalen Minderheitenschutzes durch eine Ostquote, die eine angemessene Berücksichtigung der Bürger der neuen Bundesländer in unserem Falle an den Wissenschaftsstellen in den östlichen Bundesländern, aber auch in den westlichen Bundesländern und im Bundesmaßstab gewährleisten würde.

Auf der wissenschaftspolitischen Ebene bedarf es der Etablierung einer öffentlich geförderten Wissenschaftslandschaft, in der bei einer angemessenen "Durchmischung" des Personals – möglichst bei Kontrolle seitens eines internationalen Wissenschaftlergremiums – durchgängig und zielgerichtet jene Themen bearbeitet werden, die für die Geschichte und die Gegenwart der neuen Bundesländer besonders relevant sind.

Wissenschaftlich schließlich steht die Frage, inwiefern jene Themen, Methoden, Schulen und Fächer ihre Fortsetzung finden sollen und müssen, die für die DDR-Sozialwissenschaften von besonderem Gewicht waren, jenseits der ideologischen Bevormundungen tatsächlich zu besonderen Merkmalen gehörten. Das schließt auch angesichts des Verfalls und des gewollten Abbruchs einer marxistisch orientierten Wissenschaft an den altbundesdeutschen Hochschulen den Erhalt einer kritischen Sozialwissenschaft ein, die sich auch an Marx und seinen Schüler wie kritischen Fortsetzern orientiert. Furcht vor marxistischer Überfremdung der gesamtdeutschen Wissenschaftslandschaft ist auch angesichts der sich wandelnden theoretischen Ansätze nicht weniger ostdeutscher Wissenschaftler unbegründet.

Die Forderung nach öffentlicher Intervention des Bundes und der Länder halten wir weiterhin für unverzichtbar. Das ist eine offene Herausforderung an jene politischen Kräfte, die sich für Ostinteressen stark machen und für die gesamtdeutsche Wissenschaft auf jene Erfahrungen, Irrtümer und Lernergebnisse nicht verzichten wollen, die DDR-Wissenschaftler, die ostdeutsche Wissenschaftler sich vor und erst recht nach der Wende erworben haben. Eines haben aber die Diskussionen auf der Konferenz deutlicher gemacht als ursprünglich zu erwarten war: Im bestehenden westlich dominierten Wissenschaftssystem und zunehmend dem Neoliberalismus verpflichteten Umfeld gibt es selbst kaum Lösungen.

Berechtigt werfen einige Diskutanten/21/  die Frage auf, ob es überhaupt um eine "Reintegration" in dieses System gehen kann und soll. Das Selbstverständnis der DDR-Wissenschaftler als Gesellschaftswissenschaftler war deutlich weiter als jenes der westdeutschen Kollegen mit ihren Sozialwissenschaften. "Warum soll man sich in ein fremdes System integrieren?" Die auch auf der Konferenz zum Tragen gekommene Frage, ob es nicht an der Zeit sei, eine alternative "Freie Universität Potsdam" zu gründen weist in diese Richtung. Wenn man bedenkt, welche zentrale Rolle in der Formierung, Erhaltung und Verteidigung der polnischen Gesellschaft sowohl unter der faschistischen Okkupation wie in den späten Jahren der stalinistischen Diktatur die "fliegenden Universitäten" eingenommen haben, dann wird deutlich, in welche Richtung ein solches Nachdenken auch gehen kann. Eine breite zweite Wissenschaftskultur hat seit der Wende in den neuen Bundesländern mit erheblichen wissenschaftlichen Eigengewicht überlebt und sich entfaltet. Ihre Produkte sind oft origineller und lesbarer als die der selbstzufriedenen Etablierten.

Das Problem all dieser Projekte ist aber ihre fast vollständig fehlende Finanzierung. ABM-Stellen sind rarer denn je, die Familie ernährend könnende lukrative Forschungs- und Werkaufträge eher die Ausnahme. Die parteinahen und anderen auf die politische Bildung orientierten Stiftungen, hier sei an erster Stelle die Rosa-Luxemburg-Stiftung und ihre regionalen Partner genannt, können und wollen diese Aufgabe nicht übernehmen. Die Leibniz-Sozietät, die vom Anspruch her die Fortsetzerin der alten DDR-Akademie der Wissenschaften sein will, ist überfordert. Allein das Ehrenamt wird ostdeutsche Wissenschaft und Sozialwissenschaft nicht retten. Inwieweit eine aus Spenden und freiwilligen Leistungen unterschiedlicher Organisationen getragene alternative Wissenschaftskultur auch nur annähernd in den von der ISO immer wieder reflektierten 200 betroffenen Sozialwissenschaftlern tragfähig ist, bleibt offen.

Die Konferenz brachte viele Anregungen, die eigentlich auf den Tisch der Politiker und Verwaltungen gehörten. Dafür stehen die Chancen nicht gut. Wird es bei der Selbsthilfe und dem Überlebenswillen der ostdeutschen Intellektuellen bleiben müssen?

Eine Ankündigung des damaligen Staatssekretärs Peer Pasternack auf der Konferenz hat sich in bescheidener Form erfüllt: Der von der PDS gestellte Berliner Wissenschaftssenator habe sich der Angelegenheit verschrieben und wolle die begrenzten Möglichkeiten des Juniorpartners in der Berliner Koalition und der absoluten Minderheit in der Kultusministerkonferenz zumindest für eine fortgesetzte wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thematik nutzen und versuchen, politische Schritte daraus abzuleiten.

Tatsächlich bewies Berlins Wissenschaftssenator Thomas Flierl einigen Mut, endlich. In seinem Auftrag erstellte zwischen Studentenstreiks und Studienkonten-Streit Ende 2003 das renommierte Wittenberger Institut für Hochschulforschung eine wissenschaftliche Expertise zur "Ost-Berliner Wissenschaft im vereinigten Berlin"./22/  Die Autoren dieser Expertise betonen ihr Anliegen, an dem besonderer Ort Berlin die Folgen der deutschen Wissenschaftseinheit zu untersuchen, und dies mit Blick auf die heutige besondere politische Konstellation in der nach Bekunden der Regierungsparteien SPD und SED sich darstellenden "Werkstatt der Einheit Berlin"/23/: "Sowohl vor dem Hintergrund der neuen Nachdenklichkeit, die sich auf dem ’10 Jahre danach’-Symposion zeigte/24/, wie angesichts der zitierten politischen Selbstverpflichtung der gegenwärtigen Berliner Regierungsparteien, wie auch insbesondere eingedenk der besonderen Auswirkungen des Wissenschaftsumbaus Ost innerhalb Berlins erscheint es sowohl angemessen wie auch notwendig, die ortsspezifischen Ergebnisse der seinerzeitigen Vorgänge einer genaueren Betrachtung und Bewertung zu unterziehen – so wie sie sich im Jahre 2003 darstellen."/25/ 

Mit ihrer Vorstellung/26/  durch den Berliner Wissenschaftssenator Flierl ist regierungsoffiziell, wenn auch "nur" von der Betroffenen"-Partei PDS, das Unrecht der sozialen Liquidierung der DDR-Wissenschafts-Eliten in der rigorosen Vereinigungspolitik aktenkundig. Allein die Humboldt-Universität (ohne Charité) feuerte von dort 1989 beschäftigten 3.279 Wissenschaftlern (darunter 783 Professoren) bis 1994 drei Viertel der Professoren, 87 Prozent der Dozenten und 90 Prozent des Mittelbaus; ganz zu schweigen von den geschlossenen Akademien (der Wissenschaften, der Pädagogischen Wissenschaften, der Landwirtschaftswissenschaften, der Bauakademie) und Hochschulen (u.a. die Hochschule für Ökonomie).

Für die Forscher sind es vornehmlich politische Gründe, die die Einheit auch im Wissenschaftsbereich scheitern ließ. Neben wissenschafts- und karrierepolitisch dominanten Westentscheidungen machen sie auf weitergehende Absichten der Sieger aufmerksam. Sie blenden aber aus, daß diese Vorgänge nicht allein Fehler mißlungener Wissenschaftspolitik sind, sondern Teil der Delegitimierung der DDR, des Ausschaltens ihrer geistigen Eliten und generell marxistischen, prosozialistischen Denkens.

Der Senator irrt allerdings, wenn er auf Versöhnung etwa mit einer Emeritierungsveranstaltung und auf ein Moderieren des Verhältnisses der geschaßten Wissenschaftler zu ihren alten, nun neu-westlich geführten Wirkungsstätten setzt. Entsprechend harsch fiel die postwendende Ablehnung dieses Vorschlages durch seinen Chef, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, aus./27/  Auch die Betroffenen, wie der erste frei gewählte Rektor der Berliner Humboldt-Universität nach der Wende, Heinrich Fink, der unter dubiosen Stasi-Vorwürfen gefeuert wurde und dies auch durch die Gerichtsinstanzen nicht korrigieren konnte, haben ihre Probleme: Er kann mit Flierls Idee einer Versöhnung nichts anfangen. "Wer soll sich hier mit wem versöhnen? Es bleibt im Gegenteil ein Skandal, daß die Wissenschaftler nichtanständig verabschiedet wurden. Daß Flierl die Debatte über das Problem der Ostberliner Wissenschaft wieder in Gang bringen will, finde ich hingegen ausgesprochen begrüßenswert."/28/ 

Generell verkennt der Vorstoß des Senators Ernst und tiefen Sinn der Einheit unter westdeutsch-kapitalistischen Vorzeichen, in der die Kolonialisierung des akademischen Bereiches zentrale Aufgaben in "bestem" Machiavellischen oder Leninschen Sinne sein mußte. Die geistigen Kommandohöhen für die nunmehrige Ostminderheit mußten naturgemäß mit jenen besetzt werden, die Gewähr für unverbrüchliche Freundschaft zur Westbindung, das klare Bekenntnis zur führenden Rolle der deutschen Wirtschaft und das unverzichtbaren Festhalten an der Demokratie-(i.e. Macht-)Frage bieten, in der Macht dauerhaft vom Volke ausgeht und selten zur ihm zurückkommt.

Die Wittenberger Hochschulforscher mahnen berechtigt an, daß mit dieser Ausgrenzung Kompetenzen dauerhaft verloren gehen, die für die stockende Einheit, aber auch deutsche Außenwirkungen unverzichtbar sein könnten: DDR-Insiderwissen, Deutungskompetenzen zur Geschichte, Osteuropawissen, marxistische Ansätze, Lehrorientierung, DDR-bezogene Lehre. Aber: Jüngst noch rückte Berliner CDU-Ex-Senator Erhardt die besondere Betreuungskompetenz der DDR-Wissenschaftler in die Nähe konstitutiver Diktaturmerkmale./29/ 

Die Argumente gegen auch nur minimale Korrekturen der Vereinigungspolitik im Wissenschaftsbereich sind bekannt. Kalte Krieger und DDR-Opfer sind besorgt, daß alte Stalinisten rehabilitiert würden./30/  Dabei schreckt die CDU-Abgeordnete Monika Grütters im Stil des Kalten Krieges auch vor Fälschungen nicht zurück, in dem sie dem Senator vorwirft, auch Professoren von MfS-Hochschulen in seine Rehabilitierungsüberlegungen einzubeziehen, obschon es solche Einrichtungen in Berlin selbst überhaupt nicht gab./31/ 

Allerdings fürchten falsche Pauschalisierungen tatsächlich auch diejenigen, die an einer Lösung für ihre Probleme interessiert sind und sich eher zu den kritischen, zu DDR-Zeiten nur einflußlosen, mehr oder minder angepaßten Wissenschaftlern zählen. Auch sie werden nun von Wowereit in die Ecke von vorgeblich zurecht wegen Systemnähe oder einheitsbedingter Überflüssigkeit gestellt. Aber viele dieser Wissenschaftler, namentlich jene der mittleren Generation, der Generation der "Übersprungenen" begriffen trotz der jetzt prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen den DDR-Zusammenbruch als Chance einer geistigen und wissenschaftlichen Emanzipation. Dafür hatten sie sich in Wendezeiten engagiert. Daß bei ihnen neue Zwänge wirken und sie oft um des Broterwerbs willen auch heute bewußt oder unbewußt oftmals angepaßt agieren und oft nicht kritische Verteidiger einer Gesellschaftsalternative, des Marxismus und einer besseren, aber linken Politik sind, macht die Sache für die politisch engagierteren unter ihnen nicht einfacher.

Es gibt ein weiteres Totschlagargument: Heute gehe es allen Wissenschaftlern schlecht, die Hochschulen sind überfüllt, marode, innovationsfeindlich, müssen reformiert werden. Für Ostdeutsche könne keine Extrawurst gebraten werden, das wäre unsolidarisch. In der Tat hat der westdeutsche Hochkapitalismus bewiesen, daß er, marxistisch gesprochen, zur Entwicklung der "Produktivkraft Wissenschaft" nur noch bedingt fähig ist. Die Hochschulen und sonstigen Bildungseinrichtungen sind im Vergleich zum gesellschaftlich Möglichen materiell verkommen, wie es in der DDR undenkbar war. Doch abgesehen davon, daß gerade das Überstülpen jener maroden Strukturen, die auch von einsichtigen Stimmen im Westen vor 1989 als reformbedürftig angesehen wurden, zur Malaise der ost- wie gesamtdeutschen Wissenschaftslandschaft/32/  beitrug, so ist doch zweierlei klar. Sonderlösungen für die Ossis wären eine Brechstange, um insgesamt Strukturen aufzubrechen und wenigstens der dringendsten Probleme Herr zu werden. Andererseits bedürfen Ostdeutsche als Ureinwohner ihres Landes auch jenes Minderheitenschutzes, der heute Indianern in jedem anderen Teil der Welt zugestanden wird – oft, nachdem die meisten ausgerottet worden sind und der Rest dem Alkohol verfallen war – oder sich in verzweifelte Aktionen individuellen Terrors flüchtete.

Die Wittenberger Hochschulforscher sind keineswegs blauäugig. Sie wissen: "Die hier verhandelten Problemsituationen sind wesentlich politisch verursacht. In Folge dessen setzen jegliche Bearbeitungen dieser Probleme einen politischen Willen voraus."/33/  Und sie benennen Lösungen aus Sicht der Betroffenen. Sie unterscheiden zwischen Lösungen, die Geld kosten und dauerhaft etwas bringen und jenen wohlfeilen symbolischen, die sich politisch gut machen, auch Wirkungen haben, aber Probleme nur kaschieren.

Ihren Vorschlägen schicken sie eine nüchterne Abwägung der relevanten Rahmenbedingungen für deren mögliche Realisierung vorweg: "Die politischen Rahmenbedingungen sind insbesondere die Kräfteverhältnisse zwischen den relevanten Akteuren in Exekutive und Legislative sowie die Problemsensitivität in der lokalen Öffentlichkeit. Die Berliner Landesregierung stellen SPD und PDS, letztere als Juniorpartner. Auch die Ost-West-Repräsentanz innerhalb des politischen Personals ist unausgewogen, was Folgen für die Tiefe des Verständnisses der an dieser Stelle in Rede stehenden Fragen hat. Das Ausmaß des Interesses am Zusammenführen von Ost und West in der zuvor geteilten Stadt läßt sich an der ... Koalitionsvereinbarung ablesen: Die relevanten Passagen sind erkennbar ein Kompromiß, was wiederum kaum verwundern kann."34  Aber immerhin konstatieren sie ein Aufbrechen der früheren Verhärtungen und zugleich eine neue Nachdenklichkeit, die das Klima für Lösungen verbessern würde.35  Gleichzeitig stellen sie aber auch heraus, daß viele Betroffene und einige Sachkenner mehr als in der Vergangenheit weit schärfer als in der Vergangenheit die Verwerfungen scharf kritisieren, was die Wissenschaftler zur Wertung "ideologisierte Deutung" veranlaßt./36/

Zu den Rahmenbedingungen gehört auch die desolate Berliner Haushaltslage, die der Wissenschaftsverwaltung trotz eines hohen Gesamtvolumens von 1,4 Mrd. € nicht nur in diesem Falle keinen Handlungsspielraum lasse. So wären nur finanzneutrale Lösungen möglich./37/  Ausgeblendet wird die Bundesebene, da in der Betrachtung der Wittenberger Forscher die Länderhoheit in Hochschulfragen im Mittelpunkt steht. Das verwundert allerdings, da die Herstellung der deutschen Einheit ja zunächst und in erster Linie eine Angelegenheit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik war und die Entscheidungen des Einigungsvertrages wie auch des westdeutschen Umgangs mit der DDR, ihrer Geschichte und ihres Personals zunächst bundesstaatlich ausgelöst wurden. Hinsichtlich der juristischen Rahmenbedingungen verweisen die Autoren immer wieder auf die kaum zu gewinnenden politischen Mehrheiten für notwendige Gesetzesinitiativen. Sie sehen selbstredend die verbreitete Ansicht unter Ost-Berliner WissenschaftlerInnen, daß der "Neuordnungsprozeß in juristischer Hinsicht ausgesprochen fragwürdig" gewesen wäre. "Auch hieran knüpften sich Erwartungen, der rot-rote Senat würde diesbezüglich Reparaturen durchführen. Diese Erwartungen müssen gedämpft werden."/38/ 

Die Expertise entwickelt aus den vielfältigen Vorschlägen der Betroffenen und einer Abwägung der Realisierungsmöglichkeiten Lösungsvorschläge für drei relevant angesehene Problemgruppen: die unzulänglich genutzte Kompetenzen, die Probleme der Arbeits- und Lebensumstände und symbolische und Anerkennungsprobleme. Hier seien diese Vorschläge zusammenfassend referiert:/39/ 

 

(a) Empfehlungen zum Problemen unzulänglich genutzter Kompetenzen

1. Senatsseitige Informationsoffensive zur Zweiten Wissenschaftskultur:

* analog zur Broschüre "Forschung in Berlin"/40/  sollte durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur ein entsprechendes "Kompendium zur Zweiten Wissenschaftskultur" publiziert werden;

* auf der Website www.science.berlin.de sollte ein Webauftritt der Zweiten Wissenschaftskultur mit den Links zu den je eigenen Homepages integriert werden;

* dies wäre sinnvollerweise verbunden mit einer Literaturdatenbank mit komfortablen Recherchemöglichkeiten, in der die Publikationen aus der Zweiten Wissenschaftskultur recherchierbar sind

2. Initiative des Wissenschaftssenators zur Bildung eines Abstimmungsgremiums aus Vertretern des Senats, der Universitäten, der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der ehrenamtlich organisierten Wissenschaftspotentiale

"Dieses Gremium soll sich der Aufgabe widmen, die ehrenamtlichen wissenschaftlichen Kapazitäten wirksam in das Berliner Wissenschaftssystem zu integrieren und dazu ein entsprechendes Maßnahmenbündel vertraglich vereinbaren."

3. Erstellung eines Angebotskatalogs für Lehraufträge und die Betreuung von wissenschaftlichen Arbeiten durch nicht hauptamtlich an Hochschulen beschäftigte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

4. Sicherung der systematischen Befassung mit der DDR-Geschichte in Forschung und Lehre durch einen institutionell wahrnehmbaren und auf diese Weise verstetigten Ort.

"Ost-Berlin war Hauptstadt der untergegangenen DDR gewesen, und z.B. für ausländische Studierende ist es nur schwer verständlich, an keiner der drei Universitäten ein vergleichsweise komfortabel ausgestattetes Institut vorzufinden, das vorrangig oder ausschließlich Forschungen zur DDR betreibt und entsprechende Lehrangebote offeriert. Eine Neugründung läßt die gegebene Haushaltssituation kaum zu. Angesichts dessen wird vorgeschlagen, die einzige Institution, die aus Berliner öffentlichen Mitteln in diesem Bereich mitfinanziert wird, zumindest mittel-, möglichst langfristig abzusichern: den ‘Forschungsverbund SED-Staat’ an der Freien Universität. Um die Akzeptanz dieser Einrichtung und ihrer Entwicklung zu stärken, müßte sie zunächst von ihrer politisch umstrittenen Gründungsgeschichte befreit werden. Hierzu sollte eine Kommission eingesetzt werden, die in Auswertung der extensiven DDR-Forschung seit 1990 und ihrer Ergebnisse eine zukunftsweisende Forschungsprogrammatik entwirft und eine interne Pluralisierung über totalitarismustheoretische Ansätze hinaus ermöglicht."

5. Durchführung eines Kongresses, der sich der Sicherung ostdeutscher Deutungspotentiale widmet

6. Ausschreibung und regelmäßige Verleihung eines "Berliner Wolfgang-Heise-Preises für Beiträge zur Deutung sozialistischer und postsozialistischer Gesellschaften"

7. Ergänzung der Mittel-Osteuropa-Initiative des Berliner Senats durch einen expliziten Strang "zivilgesellschaftliche Aktivitäten"

 

(b) Empfehlungen zu Problemen der Arbeits- und Lebensumstände

1. Einrichtung eines Stellenpools beim Wissenschaftssenator

"Ein solcher Stellenpool wäre ein sehr deutlicher Beitrag zur Reparatur von Gerechtigkeitslücken, die durch die Neuordnung der Ost-Berliner Wissenschaft in den 90er Jahren gerissen worden waren. Aus diesem Stellenpool sollen Ost-Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zwischen 40 und 60 Jahre alt sind, befristete Stellen erhalten können. Die Verlängerung von Befristungen soll an die Einwerbung von Drittmitteln geknüpft werden. Die Stellen wären an Personen in einem wettbewerblichen Verfahren ohne institutionelle Bindung zu vergeben; gleichzeitig bestünde die Verpflichtung der StelleninhaberInnen, sich mit der Stelle an einer selbstgewählten Berliner Hochschule anzusiedeln.

Der Stellenpool böte die Möglichkeit, die Realisierung mehrerer Anliegen zu bündeln: Es ließe sich damit etwas tun für die Re-Integration von Angehörigen der ‘übersprungenen Generation’, die Sicherung ost-spezifischer Kompetenzen, die Stärkung eines neu organisierten ‘Forschungsverbunds DDR’ (bislang ‘Forschungsverbund SED-Staat’) und die Kooperation von unabhängigen sozialwissenschaftlichen Instituten und Hochschulen etwa in An-Instituts-Konstruktionen."

2. Die Zweite Wissenschaftskultur als Infrastruktur ost-spezifischer Kompetenzen sichern

Das könnte über einen Innovationsfond geschehen, mit dem auch der "wissenschaftspolitisch(e) Gestaltungsspielraum zurückzugewinnen (wäre), der durch die gegenwärtige fast vollständige Bindung der Mittel des Berliner Wissenschaftshaushalts nicht vorhanden ist." Eine andere Möglichkeit wäre die Akkreditierung der Zweiten Wissenschaftskultur beim Wissenschaftssenator, um ihr Zugang zur mietfreien Nutzung von Räumen "in öffentlich geförderten Berliner Wissenschaftseinrichtungen" zu eröffnen.

3. Die HWP-Förderung der früheren WIPianer auch in einer etwaigen nächsten HWP-Verlängerungsrunde sicherstellen bzw. im Rahmen der Vertragsverhandlungen mit den Hochschulen die verbliebenen WIPianer final absichern

4. Schaffung einer befristeten gesetzlichen Regelung, um Hausberufungen für verbliebene Problemfälle der Hochschulpersonalübernahme 1992–1994 zu ermöglichen

5. Weitergehende Untersuchung zur Präzisierung von Problembeschreibungen

Das betrifft sowohl die Frage der sog. Mittleren Generation bzw. "übersprungenen Generation" wie auch die der Ost-West-Aspekte hinsichtlich der Stellenbesetzung und Elitenverteilung.

6. Sockelfinanzierung unabhängiger sozialwissenschaftlicher Institute

"Für einen Teil der zweiten Wissenschaftskultur, nämlich die als Vereine organisierten sozialwissenschaftlichen Institute, wird ein Programm zur Sockelfinanzierung empfohlen, um Chancengleichheit mit anderen Anbietern sozialwissenschaftlicher Forschungsleistungen herzustellen ... Im Rahmen eines solchen Programms sollen die unabhängigen Institute eine Sockelfinanzierung in Höhe von 20 % der eingeworbenen Projektmittel bekommen."

7. Anbindungen ausgewählter unabhängiger Institute an Hochschulen in Form von An-Instituten

8. Verstetigung einer Förderung der Leibniz-Sozietät

9. Synchronisierung von Wissenschafts- und Wirtschaftsförderung, um Forschungsunternehmen in der Anlaufphase eine Finanzierung zu sichern, die den Markterfolg nicht durch zeitweilige Unterkapitalisierung verhindert

 

(c) Empfehlungen zu symbolischen und Anerkennungsproblemen

1. Nachträgliche Verabschiedung von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, die neuordnungsbedingt vorzeitig aus dem Hochschulleben ausgeschieden sind

2. Neugestaltung der Beziehungen zwischen den Berliner Hochschulen und ihren früheren Angehörigen, die im Zuge der Neuordnung in den neunziger die Hochschulen verlassen mußten

Dieser Personenkreis sollte "genauso wie andere, in Folge ‘normaler’ Pensionierung im Ruhestand befindliche HochschullehrerInnen auch in das Instituts- bzw. Fachbereichsleben einbezogen werden. Insbesondere Einladungen zu Tagungen und akademischen Festakten sollten selbstverständlich sein. Nahe läge auch die Einbindung in historiografische Aktivitäten zur Hochschul- bzw. Institutsgeschichte. Keine Probleme sollte es verursachen, dass frühere, heute verrentete Institutsangehörige über das Institut von außen kontaktiert werden können, also eingehende Briefe und Telefonate an sie weitergeleitet werden. Ebenso wäre es eine angemessene Geste, wenn die früheren Angehörigen Institutes Mail-Adressen erhalten können."

3. Sicherung des spezifisch DDR-wissenschaftsgeschichtlichen Erbes

Das betrifft vor allem die Erarbeitung einer Gesamtberliner Nachkriegs-Wissenschaftsgeschichte und den Erhalt und die Sicherung von Archiven, insbesondere das Rudolf-Bahro-Archiv und das Wolfgang-Heise-Archiv, die von der Humboldt-Universität getragen werden.

4. Wissenschaftliche Dokumentation und Analyse der Neuordnung der Ost-Berliner Wissenschaft in den neunziger Jahren

"Die als Bestandteil der ostdeutschen Wissenschaftstransformation sich vollziehende Neuordnung in Ost-Berlin war sowohl in struktureller, inhaltlicher wie personeller Hinsicht ein Umgestaltungsvorgang, für den es kaum einen adäquaten Vergleichsfall gibt. Dieser Prozeß ist bislang nur in Einzelaspekten bzw. in Bezug auf einzelne Institutionen beschrieben und analysiert worden. Es erscheint dem Ziel, die innere Einheit der Stadt auch auf die verschiedenen Wissenschaftlermilieus zu erstrecken, außerordentlich dienlich, eine entsprechende Gesamtdokumentation und -analyse zu erarbeiten. Eine solche Untersuchung sollte unter Anhörung aller Beteiligten zu Stande kommen, die zentralen Elemente der Geschichte des Transformationsprozesses in der Berliner Wissenschaft skizzieren und dabei mit Hilfe einer präzisen Kosten-Nutzen-Betrachtung sowohl die positiven Ergebnisse würdigen wie auch die Defizite benennen."

 

Die hier referierten Vorschläge der Forscher greifen die Ideen der Betroffenen, auch unserer ISO,/41/ auf. Ihre weitgehende Realisierung böte tatsächlich die Chance, das Problem der Benachteiligung der Ost-Intellektuellen zumindest im Berliner Hochschulbereich zu lösen.

Ernsthaft diskutierte Ideen, wie die auch von der ISO vorgeschlagene "Ost-Quote" oder die Einführung von Titular-Professuren für Wissenschaftler der mittleren Generation scheitern schon am Hinweis auf vorgeblich unüberwindliche Gesetzeshürden und fanden kein Eingang in die oben zitierten Vorschläge.

Die Idee der Einführung von "Titular-Professuren" findet zwar in der Studie positives Gehör, um letztlich bereits in den Vorabwägungen für die dann unterbreiteten Vorschläge verworfen zu werden. "Aus der spezifischen Perspektive der sog. ‘mittleren Generation’ heraus wird die Anregung formuliert, dass der Wissenschaftssenator Mitglieder der Leibniz-Sozietät, die bislang keine Professur haben, zu Titular-Professoren ernennt (ISO). Das Anliegen erscheint vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Schwierigkeiten ostdeutscher SozialwissenschaftlerInnen, im kartellierten Wissenschaftsbetrieb auf Professuren zu gelangen, durchaus einleuchtend: Der Professorentitel ist nach wie vor mit einem hohen Sozialprestige verbunden, und im akademischen Betrieb spendet er symbolisches Kapital, das auf dem Wissenschaftsmarkt in ökonomisches Kapitel umwandelbar sein kann. Für Personen in prekären Beschäftigungsverhältnissen kann dieses ökonomische Kapital gleichbedeutend sein mit der Chance, überhaupt weiter wissenschaftlich tätig sein zu können. Allerdings hat das Anliegen im derzeitigen Berliner Hochschulrecht keine Grundlage (vgl. BerlHG Abschn. 11 und 12). Die Möglichkeit der Berufung von Titular-Professoren und -Professorinnen setzte mithin Änderungen des Hochschulrechts voraus, die auch die Möglichkeit außerhochschulischer berufungsähnlicher Qualifikationsfeststellungsverfahren (Vorschlag von ISO: die Aufnahme in die Leibniz-Sozietät) vorsehen müßte. Dafür eine politische Mehrheit gewinnen zu können, erscheint unrealistisch – nicht zuletzt, da insbesondere das vorgeschlagene Qualifikationsfeststellungsverfahren das Land Berlin hochschulrechtlich bundesweit extrem isolieren würde."/42/  Damit darf aber eine solche Idee nicht vom Tisch sein, zumal ein Professorentitel auch die Chancen bei Bewerbungen im Ausland stark erhöhen kann.

Die "Ost-Quote" wird in der Expertise mit dem Verweis auf eine dadurch stattfindende "positive Diskriminierung" und den zu erwartenden Widerstand dagegen letztlich verworfen. Minderheitenschutz ohne solche "positive Diskriminierung" ist allerdings selten zu haben. Die Hochschulforscher stellen darüber hinaus fest, daß "der Vorschlag, eine ‘Ost-Quote’ oder Mindestzugangsregelung für Ostdeutsche an westdeutschen bzw. West-Berliner Einrichtungen einzuführen, faktisch Forderungen nach einer Änderung des Hochschulgesetzes beinhaltet – mit der entsprechenden Notwendigkeit, dafür politische Mehrheiten zu organisieren. Auch würde eine solche ‘affirmative action’ beträchtliche praktische Probleme aufwerfen, da sich 13 Jahre nach der Vereinigung die Zuordnungen akademischer Biographien zu Ost und West auch zunehmend verwischen. Es müßte also eine Regelung gefunden werden, die nicht nur auf regionale Herkunft, sondern auch auf generationelle Zugehörigkeit abstellt. Da es sich bei WissenschaftlerInnen nicht um eine allzu sanktionsstarke Personengruppe handelt, erscheint es als sehr unrealistisch, für eine so differenzierte und einen hohen Legitimationsaufwand erfordernde Regelung politische Mehrheiten organisieren zu können."/43/  Letztere Warnung ist allerdings berechtigt, Intellektuelle, zumal ausgegrenzte, waren und sind immer recht sanktionsschwach, es sei denn, die Idee ergreift die Massen ...

Ohne einen Vergleich anstellen zu wollen, sei daran erinnert: Es waren viele ausgegrenzte Intellektuelle, die z.B. 1922 in Italien zu Motoren gesellschaftlicher Umbrüche wurden. Und noch immer gilt: Wenn die parlamentarische Demokratie keine Entsprechung durch demokratische Strukturen und humane Verhaltensnormen in anderen Bereichen der Gesellschaft findet, gerät sie letztlich in Gefahr – und Intellektuelle, keineswegs nur ostdeutsche, können durchaus antiparlamentarischen Bewegungen ihre Stimme leihen, wenn niemand sonst ihnen Gehör schenkt.

Wie bereits festgestellt, haben bislang nur die symbolischen, mithin kostenneutralen Vorschläge aus Sicht des Wissenschaftssenators überhaupt eine Chance realisiert zu werden. Nur eben mit dem Vorbehalt, daß die Gegner jeglicher Veränderungen des einmal gewonnenen Status quo genauso an dieser Symbolik interessiert sind und ein auch nur partielles Zurückdrehen oder offizielles Infragestellen der erfolgreichen Ausschaltung der ostdeutschen Intellektuellen und namentlich der als besonders verwerflich angesehenen Sozialwissenschaftler mit Händen und Füßen abwehren wollen./44/ 

Wenn angesichts der zunächst vor allem finanzielle Hürden dem Auftraggeber – der zudem augenscheinlich recht isoliert gegenüber seinen Parlamentariern und Parteigremien agiert – nur Symbolik bleibt, dann wird der Reintegration der Ostwissenschaftler in die deutsche Wissenschaftslandschaft nur bedingt geholfen. Denn von seiner offiziellen Vorstellung der Expertise und dem folgenden Streit mit dem Regierenden Bürgermeister vermeldet die Presse nur die leere Versöhnungsgeste der feierlichen Verabschiedung. Dafür hätte er nicht Kopf und Kragen riskieren müssen. So schön das für Betroffene sein mag, es bringt kaum etwas. Linke finden es ja nicht gut, aber jede andere Partei in der Regierung hätte längst außer ein paar Sprecherstellen einige vernünftige Verwaltungs- und Professorenstellen rigoros einige unter ihr Klientel gebracht.

Im Klartext heißt dies: Es geht nicht um Versöhnung, sondern es geht um das Aufzeigen von mehr oder minder hingenommenen Freveln in der Vereinigungspolitik. Wer über Fehler und Verbrechen des DDR-Sozialismus berechtigt nicht schweigen will, der darf es auch nicht über jene klassenkämpferischen Praktiken der westdeutschen Sieger und ihrer Ost-Helfershelfer seit 1990. Sie hinterlassen ansonsten wieder zwei Gesellschaften in der einen, in der Bürger (Ost) wie Wissenschaftler (Ost), unabhängig davon ob sie es wahrhaben wollen, nur in der 2. Klasse sitzen dürfen. Solange nicht praktisch etwas getan wird und die berechneten Mini-Summen (im Jahr für den Stellenpool 2 bis 4 Mio. €, Institutsförderung 0,5 Mio. €)/45/  verwehrt werden, solange dürfen die Bücher nicht geschlossen werden. Oder es bleibt das bittere Fazit Hubert Laitkos: "Natürlich kann man sagen, die Bundesrepublik hat sich als reiches ökonomisch potentes Land geoutet, indem sie aller Welt gezeigt hat, wir können auf alle diese Leute verzichten", auch auf ihr Wissen und Können./46/ 

Es wird weiter ständig auf die im Grundgesetz festgeschriebenen Bürgerrechte zu verweisen sein, die "Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet", aber auch auf die Forderung nach "gleichem Zugang zu jedem öffentlichen Amte" (GG Art. 33) sowie danach, öffentlich Bedienstete "aus allen Ländern in angemessenem Verhältnis zu verwenden" (GG Art. 36). Die Initiative Sozialwissenschaftler Ost wird sich hier weiter lautstark einmischen. Ohne immer wieder zu mahnen und zu fordern, wird es auch künftig nicht gehen. Und dies sowohl, um selbstkritische West-Politiker und -Wissenschaftler an ihrem einst schlafenden Gewissen zu rütteln, daß hier einiges "schiefgelaufen" sei, als auch Betroffene wie generell die Ostdeutschen zu erinnern, daß die "ollen Kamellen" nicht vergessen werden dürfen. Interessenvertretung Ost heißt immer wieder den Finger auf die Wunde legen. Einheit und Unrecht, Einheit und Benachteiligung, Einheit und Ausgrenzung sind unvereinbar.

 

 

Anmerkungen

1/     Emigranten mahnen – Dokumentation eines Aufrufs – im vorliegenden Band abgedruckt.

/2/     Siehe Weimarer Leitlinien Innovation: Unser Land gerecht erneuern. Beschluß des SPD-Parteivorstandes vom 6. Januar 2004. In: Willy-Brandt-Haus-Materialien. Berlin, Januar 2004.

/3     Siehe den Beitrag von Peer Pasternack in diesem Band.

/4     Konferenzberichte finden sich u.a. bei Bollinger, Stefan: Ostdeutsche Sozialwissenschaftler – Wege der Reintegration (Konferenz der Initiative Sozialwissenschaftler Ost am 30.11.2002 in Berlin). In: Utopie kreativ. Berlin (im weiteren: Utopie). H. 148 (2003), S. 172–174; ders.: "Ostdeutsche Sozialwissenschaftler – Wege der Reintegration". In: Forum Wissenschaft. Marburg. H. 2/2003, S. 56; Keßler, Mario: Ostdeutsche Sozialwissenschaftler – Wege der Reintegration? In: Rosa-Luxemburg-Stiftung. Nachrichten. Berlin, Februar 2003, S. 6–7; Krämer, Mark: Grundübel mit Tradition. Ostdeutsche Sozialwissenschaftler noch immer im Abseits. In: Neues Deutschland. Berlin (im weiteren: ND), vom 3. Dezember 2002; Wegelin, Jakob: Rein, raus. Wie kommt der Marxismus wieder an die Unis? Wie kommen die Marxisten zurück in den Beruf? Eine Tagung in Berlin über Möglichkeiten der Reintegration abgewickelter Ost-Wissenschaftler. In: Junge Welt. Berlin, vom 6. Dezember 2002.

/5/     Siehe hier vor allem die Beiträge von Stefan Bollinger, Arno Hecht, Ulrich van der Heyden, Hubert Laitko, Hansgünter Meyer, Peer Pasternack im vorliegenden Band.

/6/     Siehe hier die Beiträge insbesondere von Theodor Bergmann, Jörg Roesler.

/7/     Siehe besonders die Beiträge von Stefan Bollinger, Ulrich van der Heyden, Mario Keßler, Hansgünter Meyer, Fritz Vilmar.

/8/     Vgl. Mittelstraß, Jürgen: "Laßt uns noch einmal über die Bücher gehen ..." (Interview). In: Leibniz intern. Berlin. Nr. 12 (2002), S. 12.

/9/     Ders.: Unverzichtbar, schwer kontrollierbar. Die Strukturkommission – Alibi oder zeitgemäßes Instrument der Hochschulpolitik. In: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.): 10 Jahre danach. Zur Entwicklung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen in den neuen Ländern und Berlin. Essen 2002, S. 32.

/10/    Siehe den Beitrag von Jürgen Kocka im vorliegenden Band.

/11/     Westliche abwertende Bezeichnung für Dozenten und Forscher des dialektischen und historischen Materialismus, allgemein für Anhänger des Marxismus.

/12/     Hecht, Arno: Die Wissenschaftselite Ostdeutschlands. Feindliche Übernahme oder Integration? Leipzig 2002, S. 245.

/13/     "Die Ost-West-Schere öffnet sich weiter". PDS-Fraktionsvorsitzender Peter Porsch will nachhaltige Politik für die neuen Länder. In: Sächsische Zeitung. Dresden, vom 31. Dezember 2002.

/14/    Maeß, Gerhard: Allzu konsequente Anpassung. Universitäten – Auf- und Umbau ohne institutionelle Abwicklung. In: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.): 10 Jahre danach. A.a.O., S. 27f.

/15/     Ebd., S. 28.

/16/     Siehe den Beitrag von Hansgünter Meyer im vorliegenden Band.

/17/     Der Philosoph Hans-Martin Gerlach in Mainz.

/18/    Emigranten mahnen – Dokumentation eines Aufrufs – im vorliegenden Band.

/19/    Bierwisch, Manfred: Konsolidiert, aber nicht etabliert. Die Neugestaltung in den Geisteswissenschaften. In: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.): 10 Jahre danach. A.a.O., S. 62.

/20/     Zitiert in: Wegelin, Jakob: Rein, raus. A.a.O.

/21/     Siehe die Beiträge von Fritz Vilmar oder Arno Hecht im vorliegenden Band.

/22/     HoF Wittenberg – Institut für Hochschulforschung: Die Ost-Berliner Wissenschaft im vereinigten Berlin. Expertise im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Wittenberg. Dezember 2003 (Manuskriptsdruck) – http://www. sen
wiss kult. berlin.de/2_hochschulen/inhalt/2_hochpolitik/7_expertengutachten/pdf/ost_berlin_abschlussbericht.pdf
[19.02.2004 20:41].

/23/     So eine der zentralen Formeln in der Koalitionsvereinbarung: Koalitionsvereinbarung zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) Landesverband Berlin und der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)Landesverband Berlin für die Legislaturperiode 2001 – 2006 (Stand 7. Januar 2002, 18.00 Uhr). Berlin 2002 (Typoskript), S. 3.

/24/    Gemeint ist bereits genante gemeinsame Symposion von Wissenschaftsrat, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und Volkswagen Stiftung am 8. und 9. Februar 2002 im Berliner Rathaus mit seinen auch nachdenklichen und selbstkritischen Tönen. Siehe Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.): 10 Jahre danach. A.a.O.

/25/    HoF Wittenberg – Institut für Hochschulforschung: Die Ost-Berliner Wissenschaft im vereinigten Berlin. A.a.O., S. 7

/26     Diese Vorstellung stieß auf ein überschaubares Presseecho: Amendt, Jürgen: Plädoyer für Ost-Elite. Thomas Flierl will ostdeutsche Sozialwissenschaftler reintegrieren. In: Neues Deutschland. Berlin (im weiteren: ND) vom 11. Februar 2004; Baureithel, Ulrike: Fahrlässiger Umgang mit der Ressource Geist. Aufgewickelt: Ein Gutachten fragt nach dem Verbleib der Ostberliner Wissenschaftselite und ist geeignet, die derzeitige Bildungsdiskussion herauszufordern. In: Freitag. Berlin. H. 8/2004; Burchard, Amory: Was noch zu retten ist. Vielen ostdeutschen Forschern geschah nach der Wende Unrecht. Berlins Wissenschaftssenator will sie jetzt rehabilitieren. In: Tagespiegel. Berlin, vom 13. Februar 2004; Haak, Julia: Eine Geste der Versöhnung. Wissenschaftssenator Flierl will ostdeutsche Forscher ehren und auf ein Unrecht hinweisen. In: Berliner Zeitung (im weiteren: BZ) vom 13. Februar 2004; Köhler, Regina: Beitrag zur Einigung der Stadt. Studie beschreibt missglückte Integration Ostberliner Wissenschaftler – Flierl ruft auf, deren Kompetenzen stärker zu nutzen. In: Berliner Morgenpost vom 12. Februar 2004; Oliver Michalsky: Schwierige Versöhnung. In: ebd. Siehe in diesem Kontext auch: Beckmann, Christa: Forschen im Schatten. Viele ehemaligen DDR-Wissenschaftler fühlen sich links liegen gelassen. In: ebd.; Müller, Michael L.: Evaluation machte viele Forscher arbeitslos. In: ebd.

/27/     Siehe die fragliche Debatte im Berliner Abgeordnetenhaus mit den entsprechenden ablehnenden Einlassungen der Abgeordneten Bert Flemming (SPD), Monika Grütters (CDU), Axel Hahn (FDP) und des Regierenden Bürgermeisters Wowereit (SPD): Abgeordnetenhaus Berlin: Plenarprotokoll 15/45 (15. Wahlperiode. 45. Sitzung). Berlin, Donnerstag, 19. Februar 2004, S. 3598–3602, 3608. Zum Presseecho siehe z.B. Fahrun, Joachim: Wowereit weist PDS-Senator Flierl in die Schranken. Streit um geplante Ehrung von DDR-Wissenschaftlern offen ausgebrochen. In: Berliner Morgenpost vom 21. Februar 2004; Richter, Christine: Ein klares Wort. In: BZ vom 20. Februar 2004; ... was macht eigentlich ... Thomas Flierl? Dienen. In: Tageszeitung. Berlin, vom 21. Februar 2004; Denkler, Thorten: Ein letzter Abschied für alte Stasi-Profs. Berlins PDS-Senator Flierl will zur Ehrung ungerechtfertigt geschaßter DDR-Wissenschaftler auch IM-Spitzel einladen. In: ebd., vom 24. Februar 2004; Amendt, Jürgen: Töricht und unüberlegt. In: ND vom 20. Februar 2004; Wowereit stellt sich gegen Flierl. Verabschiedung von Ost-Professoren abgelehnt. In: ebd.; SPD gegen Empfang für DDR-Forscher. Streit mit Flierl hält an. In: BZ vom 28./29. Februar 2004.

/28/     "Versöhnen kann ich mich mit dem Rausschmiß nicht". [Interview mit Heinrich Fink] In: Berliner Morgenpost vom 12. Februar 2004.

/29/     Keine Nachteile. Fragen an den ehemaligen Berliner CDU-Wissenschaftssenator Manfred Erhardt. In: ND vom 11. Februar 2004.

/30/     Rehabilitation von Wissenschaftlern der DDR stößt auf Kritik. In: Berliner Morgenpost vom 13. Februar 2004.

/31/     Siehe die entsprechende Anfrage wissenschaftspolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion, Grütters, und die Antwort des Wissenschaftssenators: Abgeordnetenhaus Berlin: Plenarprotokoll 15/45 a.a.O., S. bes. 3598–3600. Besonders pikant ist dieser Vorstoß Grütters auch dadurch, daß sie neben dem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft, Dieter Simon, als einzige von den Autoren der Wittenberger Studie identifizierte vehemente Gegnerin einer kritischen Betrachtung der Wissenschaftstransformation in Berlin benannt wird. "Dies ist allerdings insoweit als eine rollengebundene Auffassung zu identifizieren, als die Abgeordnete in einer früheren Eigenschaft– sie war Pressesprecherin des seinerzeitigen Wissenschaftssenators [Erhardt von der CDU – d. Hrsg.] – die Modalitäten der Ost-Berliner Wissenschaftsneuordnung aktiv zu vertreten hatte.

/32/     "Allgemein ist sich die Mehrheit der Befragten darin einig, dass der ostdeutsche Wissenschaftsumbau wesentlich in der Übernahme des westdeutschen Systems bestand. Damit ist zunächst eine Deutung des ehemals west- und nun gesamtdeutschen Wissenschaftssystems verbunden: Dieses sei schon 1990 reformbedürftig gewesen, womit auch gegenwärtige wissenschaftspolitische Probleme Resultat dieser ‘vertanen Chance’ seien." HoF Wittenberg – Institut für Hochschulforschung: Die Ost-Berliner Wissenschaft im vereinigten Berlin. A.a.O., S. 12f.

/33/     Ebd., S. 47.

/34/     Ebd., S. 47.

/35/     Siehe ebd., S. 48.

/36/     Siehe ebd., S. 15.

/37/     Siehe ebd., S. 49.

/38/     Ebd., S. 50.

/39/     Zusammengestellt aus ebd., S. 62–70.

/40/     Hierbei handelt es sich um: Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin (Hrsg.): Forschung in Berlin. Politik – Potenziale – Projekte. Berlin 1999.

/41/     Vgl. die Zusammenfassung im Beitrag von Stefan Bollinger im vorliegenden Band sowie ders./Heyden, Ulrich van der/Kessler. Mario: Verlierer der Einheit. Die Geisteswissenschaften aus der DDR. In: hochschule ost. Leipzig. H. 3–4/2000, S. 195–203.

/42/     Ebd., S. 57.

/43/     HoF Wittenberg – Institut für Hochschulforschung: Die Ost-Berliner Wissenschaft im vereinigten Berlin. A.a.O., S. 54

/44/     Kritisch dazu: Bollinger, Stefan: Nichts vergeben, nichts vergessen. In: Das Blättchen. Berlin. H. 5/2004, S. 5–8; Pätzold, Kurt: "Die Würde" zurück? Eine Posse in Berlin: Über Lehr- und Leerstühle, einen abgesagten Empfang für abgewickelte DDR-Wissenschaftler im Roten Rathaus und empörte Briefe in den Leserbriefspalten einer "sozialistischen Tageszeitung". In: Junge Welt. Berlin, vom 26. Februar 2004.

/45/     Siehe ebd., S. 65, 67.

/46/     Zit. nach ebd., S. 13, Fn. 9.