Wilhelm Hornung

Reiches Deutschland. Armes Vaterland. Gedanken zur Wende

[= edition wortmeldung, Bd. 2], trafo verlag 2005, 243 S., ISBN (10) 3-89626-480-X, ISBN (13) 978-3-89626-480-0, 16,80 EUR

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ZU DEN REZENSIONEN

In dieser Betrachtung sollen die Befindlichkeiten und die politischen Ansichten der Deutschen, die sich seit 1945 im Osten und Westen ungleichartig herausgebildet haben, in einigen Aspekten skizziert werden. Dies geschieht vorwiegend aus der Sicht der Ostdeutschen.

Es wird versucht, das Ost-West-Verhältnis ohne einseitige Parteinahme darzustellen. Das ist schwierig, weil infolge des kalten Krieges Vorstellungen eingehämmert wurden, die offenbar nicht mehr rationaler Art sind. Ist irgend etwas nicht begreifbar, so lassen sich die Menschen nicht vom Verstand, sondern von ihren Gefühlen leiten. Sie reagieren aus dem „Bauch" heraus. Wenn man in der DDR etwas kritisierte, zum Beispiel die mangelnde Versorgung mit Frischgemüse, so konnte man von den Genossen provokant gefragt werden, ob man denn nicht für den Frieden sei? Kritisierte jemand in der BRD etwas, zum Beispiel den Handel mit Drogen, dann konnte er zu hören bekommen: „Dann mach doch rüber in den Osten, wenn es dir hier nicht passt!" Fast jeder ist hochemotionalisiert und nicht imstande, über sein persönliches Erleben hinaus zu urteilen. Das Ergebnis ist primitive Schwarz-Weiß-Malerei.

Unter diesen Umständen die jüngere Vergangenheit einigermaßen sachlich zu schildern, gleicht einem Griff ins Wespennest. Um das wichtigste Missverständnis von vornherein auszuschließen, sei daher festgestellt:

Die große Mehrheit der Ostdeutschen möchte die DDR nicht wieder zurückhaben.

Aber im Unterschied zu den Westdeutschen, die ja nur in ihrer BRD lebten, haben sie zwei Staaten kennen gelernt. Sie vergleichen daher. Sie finden vieles, was früher war, gut und sogar besser als heute; und obwohl es ihnen nach der Wende materiell wesentlich besser geht als in der DDR, lehnen sie vieles ab, was sie in der BRD für schlecht halten. Der Autor wird daher sowohl das Positive als auch das Negative in den beiden Staaten nennen.

Leser, die sich bereits eine feste politische Überzeugung zu den Geschehnissen nach 1945 gebildet haben, werden wenig Freude an dieser Darlegung haben. Die einen werden in dem Verfasser einen reaktionären Apologeten des Kapitalismus sehen, die anderen ihn für einen Kommunisten halten. Er ist weder noch.

Leser, die unsicher und kritisch sind, die den Medien und Politikern misstrauen, werden sich hie und da bestätigt fühlen, oder ihre Ansichten zu der einen oder anderen Frage vielleicht in Zweifel ziehen.

Die folgende Darlegung ist keine Abhandlung, für die eigens recherchiert wurde. Der Verfasser berichtet über sechzig Jahre (1943 bis 2002) als Zeitzeuge und verlässt sich auf seine Erinnerung, die ihn in Einzelheiten auch täuschen mag. Der Autor interpretiert und wertet die wichtigsten Ereignisse etwas oder ganz anders, als es in den gängigen Klischees üblich ist. Insbesondere tritt er Halbwahrheiten, Legenden und Lügen entgegen. Da viele Zusammenhänge im Dunkeln liegen, kann oft nur vermutet und thesenhaft formuliert werden. Häufig werden nur Fragen gestellt.

Der Verfasser begründet seine Ansichten, soweit er kann, ohne dabei gegen andere zu polemisieren. Man kann seine Meinungen teilen oder verwerfen. Keinesfalls bildet er sich ein, originelle Zusammenhänge entdeckt zu haben. Andere werden zu tieferen Einsichten gelangt sein. So gesehen sind die „Gedanken" nur eine Diskussionsgrundlage.

In einer späteren Zeit wird die Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg auch wissenschaftlich erforscht sein. Unsere Nachkommen werden mehr wissen, oder noch weniger.

Beim Schreiben dieser Betrachtung dachte der Autor besonders an seine Kinder und Enkel. Sie gehören zu den jungen Menschen im Osten, die nach der Wende haltlos wurden (ohne es selbst zu merken). Was früher richtig war, soll nun falsch sein, und umgekehrt.

Gern würde der Autor schreiben, dass er nach der verunglückten Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zur besseren Verständigung zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen beitragen möchte. Einem alten Mann stünde das wohl gut an. Er sieht jedoch keinen Ausweg aus der entstandenen Lage.

 

Vorwort des Autors

 

 

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

 

 

VORWORT

 

1. DEUTSCHES UND GESCHICHTLICHES

– Der Patriotismus der Deutschen

– „Bürgerliche" und marxistische Geschichtsschreibung

– Die sowjetische Geschichtsschreibung

– Ideologie und Wirtschaftlichkeit

– Verbrechen

 

2. DAS DRITTE REICH

– Der Nationalsozialismus

– Der Nationalismus

– Der „Sozialismus" Hitlers

– Rassismus

– Die germanische Mythologie

– Die Gestapo

– Verheimlichte und bekannte Verbrechen

– Hitler

– Die Kriegsziele

– Die Zwangsmaschinerie im Krieg

– Der Soldat

– Die Stimmung in den letzten Kriegsjahren

– Erinnerung und Wissen

 

3. ZWEI STAATEN – EINE VERGANGENHEIT

– Die Stimmung in den ersten Nachkriegsjahren

– Die Umschichtung der Bevölkerung 1945

– Die Spaltung

– Diktatur

– „Wahlen" in der DDR

– „Demokratie"

– „Sie"

– Die Medien

– Bomben auf Belgrad

– „Faschismus" und „Antifaschismus"

– Das „demokratische" Geschichtsbild

– Der Widerstand gegen Hitler

– Die Verbrechen Hitlers

– Der Sieg der Sowjetunion

– Die verlorene Weltherrschaft

– Die Russen

– England und Amerika

 

4. DIE OSTDEUTSCHEN UND IHR STAAT

– Der „neue" Mensch

– Propagierung und Wirkung

– Die Dritte Welt

– Religion und Kirche

– Die Partei

– Genossen und Parteilose

– ABF

– Der Staatssicherheitsdienst

– Doppelleben

– Eigentum und die zwischenmenschlichen Beziehungen

– Der Arbeiter in der Planwirtschaft

– Der Arbeiter und der Krieg

– Der Mensch als Mittelpunkt

– Unterhaltung

– Westorientierung und Amerikanisierung

– Information Ost-West

– Feiern

– Das Zusammengehörigkeitsgefühl

– Abwanderung in den Westen

 

5. DER ZERFALL DER SOWJETUNION UND DIE WENDE

– Die Konstellation

– Der „Geheimdienst" als Regierungsform

– Die Entstalinisierung

– Die Ideologie

– Das Wettrüsten und die Wirtschaft

– Der erste Mann

– Gorbatschow

– Die staatliche Einheit Deutschlands

 

6. NACH DER WENDE – Verlierer und Gewinner

Minimalhilfe statt Lastenausgleich

Der Geldumtausch

Die Treuhand

Die Immobilien

Das Westgeld rollt

Kriminalität

Am westdeutschen Wesen wird der Osten genesen

Geld und Moral

Die Vergeltung

Das Erbe der Stasikrake

Siegerjustiz

Honecker & Co.

Das Rentenstrafrecht

Besserwessis im Osten

Chancengleichheit?

Deutsche verschiedener Güteklassen

Der neue Stolz der Westdeutschen

Der Bankrott der DDR-Deutschen

Ideal und Wirklichkeit

Die Ex-Ostdeutschen

Der Kalte Krieg der Medien

Antisemitismus

Ausländerfeindlichkeit

Rechtsextremismus

Anpassung und „Schuld"

 

7. DIE INNERE MAUER

– Die entmündigte Minderheit

– DDR-Nostalgie

– „Schwebestoffe"

– Die Genossen

– Hass und Neid

– Die Länder und ihr „Vaterland"

– Fehler?

– Das Zerrbild der DDR im Fernsehen

 

8. BERLIN

– Die Frontstadt

– „Da Balina"

– Das verlorene Zentrum

 

9. DIE STIMMUNG ZU BEGINN DES NEUEN JAHRHUNDERTS

– Wohlstand, Wohlstand über alles

– Ängste und Ansprüche

– Katastrophen und Weltuntergang

– Die Fluten der Elbe

– Globale Paralyse

– Der 11. September

– Europa

– Russland

 

10. PARALYSE UND WOHLSTANDSDÄMMERUNG

– Die westlichen „Blockparteien"

– Die PDS

– Die Bundestagswahl 2002

– Die Wähler im Osten entscheiden

– Der große und der kleine Wahlbetrug

– Der Sozialabbau

 

NACHWORT

 

 

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